Aktuelle Presseartikel

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Tagesanzeiger, 10.08.2015, Hugo Stamm 
SVP-Nationalrätin kooperiert mit Scientologen 
Andrea Geissbühler präsidiert den Dachverband Drogenabstinenz Schweiz – und arbeitet mit Scientologen und VPM-Anhängern zusammen. Der Scientology-Ableger «Sag Nein zu Drogen» verteilte kürzlich im Bahnhof Bern einen Flyer mit dem Titel «Cannabis – Freizeitvergnügen oder gefährliche Droge?». Er lud zu einer kontradiktorischen Podiumsdiskussion, allerdings nicht zur eigenen, sondern zu jener des Dachverbandes Drogenabstinenz Schweiz. Gleichzeitig bekamen die Passantinnen und Passanten auch noch eine Broschüre des Vereins «Sag Nein zu Drogen» in die Hand gedrückt. Es ist aussergewöhnlich, dass Scientologen Werbung für eine fremde Organisation betreiben, also für den Dachverband Drogenabstinenz. Die Erklärung findet sich in der Person von SVP- Nationalrätin Andrea Geissbühler: Sie präsidiert den Dachverband, von dem der Scientology- Ableger Mitglied ist. Für die Scientologen ist dies ein Privileg, denn in aller Regel will keine Organisation mit ihnen etwas zu tun haben. Aus Furcht, unter Sektenverdacht zu geraten. Die Haltung: Radikal Solche Berührungsängste kennen Andrea Geissbühler und die Verbandsmitglieder nicht; der Verband setzt sich vorwiegend aus Vereinen zusammen, die eine radikale christliche oder reaktionäre Schlagseite haben. Dazu gehört der Verein Jugend ohne Drogen. Er wurde 1994 von Anhängern der Psychosekte VPM initiiert und setzte sich für eine repressive Drogenpolitik ein. Er war für den VPM vor allem Vehikel, um sich bei Parteien und konservativen Politikern einzuschmeicheln. Die Rechnung ging auf: Die SVP übernahm weite Teile von dessen Drogenkonzept, und Exponenten von ihr traten dem Verein bei. Der Zürcher SVP-Nationalrat und Gesundheitspolitiker Toni Bortoluzzi etwa amtiert aktuell als Präsident des VPM-Ablegers. Dem freikirchlichen Lager des Dachverbandes Drogenabstinenz Schweiz zuzurechnen ist weiter der Versicherer Pro Life, der sich aus religiösen Gründen gegen Abtreibungen wehrt. Versicherte, die auf Abtreibungen verzichten, profitieren von einer Prämienverbilligung. Das bekannteste Mitglied des Dachverbands ist aber der Neue Rütlibund. Dieser kämpft seit 25 Jahren für die moralische Aufrüstung und gegen Abtreibungen und Drogen. Bekannt wurde er durch Aktionen und Strafanzeigen gegen Medien, Theater und Museen, die angeblich Gotteslästerungen begingen. Auffällig sind die Verflechtungen mit der Anti-Drogen-Lobby. Die Vereinigung Eltern gegen Drogen, ebenfalls Mitglied des Dachverbandes, wird von Sabina Geissbühler-Strupler präsidiert, der Mutter von Andrea Geissbühler. Im Vorstand der Vereinigung sitzt mit Housi Knecht ausserdem ein Scientologe. Trotz der radikalen Einstellung des Dachverbandes und seiner Mitglieder gelang es dem Verband, für die Veranstaltung in Bern hochkarätige Referenten zu gewinnen. So traten Professor Benno Schimmelmann, Direktor Universitäre Jugend-Psychiatrische Dienste Bern, und Peter Albrecht, Professor für Strafrecht der Universitäten Bern und Basel, auf. Zwar wurde die Podiumsdiskussion als kontradiktorisch angekündigt, doch Befürworter einer liberalen Drogenpolitik hatten einen schweren Stand, wie Besucher berichten. Ein Drogenfachmann sprach von unverantwortlichen, wissenschaftlich haarsträubenden und polemischen Statements von Mitgliedern des Dachverbandes. Die wenigen kritischen Fragesteller seien kaltgestellt worden. Professor Schimmelmann antwortete dem Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Meine Rolle an der Veranstaltung war die eines Fachexperten für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der versucht, eine differenzierte Diskussion zum Thema Cannabis-Legalisierung mitzugestalten. In dieser Rolle fühle ich mich nicht in Gefahr, in den Dunstkreis einer Sekte zu geraten.» Strafrechtsprofessor Peter Albrecht war nicht bereit, Fragen des Tagesanzeiger.ch/Newsnet zu beantworten. Andrea Geissbühler sieht kein Problem darin, dass der Scientology-Ableger «Sag Nein zu Drogen» Mitglied ihres Dachverbandes ist. «Ich frage nicht danach, was Mitglieder glauben oder in welcher Organisation sie aktiv sind.» Relevant sei einzig, dass sie die drogenpolitischen Anliegen teilten und sich in diesem Sinn engagierten. «Ich habe in unserem Dachverband noch nie erlebt, dass Scientologen missioniert haben. Das würde ich nicht tolerieren», sagt sie. Auf den Hinweis, diese hätten Passanten den Flyer des Dachverbandes zusammen mit einer eigenen Broschüre abgegeben, antwortete sie, davon wisse sie nichts.

Basler Zeitung,26.06.2015, Markus Vogt
Politik nimmt Scientology ins Visier
Die SP und SVP intervenieren mit einem Vorstoss im Parlament. Der Psychosekte soll das Missionieren schwerer gemacht werden, denn die Anwohner leiden bereits darunter. Irreführendes Kreuz: Das Symbol soll von der Fassade der Scientology-Filiale entfernt werden, weil es fälschlicherweise einen Bezug zur Religion suggeriere. Die Organisation Scientology kommt mit ihrer im April bezogenen Liegenschaft an der Burgfelderstrasse, der sogenannten Flag Org, ihrer grössten Filiale in der Schweiz, bei verschiedenen Parteien nicht gut an. Schlecht goutiert wird auch, dass das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Verein Scientology als «religiöse Gemeinschaft» anerkannt hat. SVP-Grossrat Michel Rusterholtz und SP-Grossrätin Sarah Wyss fordern in einem Vorstoss, das Übertretungsstrafgesetz so anzupassen, «dass die Polizei restriktiver und nachhaltiger vorgehen kann gegen Anwerbungen von Scientology (oder Dritten)». Für nicht belehrbare Wiederholungstäter sollen nicht nur Ordnungsbussen verhängt werden können – diese sollen vielmehr an die Staatsanwaltschaft verzeigt werden, fordern die beiden Politiker. Für die Staatsanwaltschaft seien die Voraussetzungen für die Aussprache von wirkungsvollen Strafen zu schaffen. Rusterholtz und Wyss verlangen weiter, es solle verfügt werden, dass das Kreuz an der Hausfassade entfernt wird. Das überdimensionierte christliche Kreuz an der Hausfassade suggeriere eine christliche Kirche, obwohl die Organisation ein kommerzielles Unternehmen sei. «Scientology ist weder eine Kirche noch eine Religion», sagen Rusterholtz und Wyss. Sie fordern, dass an der Hausfassade statt des Kreuzes ausschliesslich eine unmissverständliche Bezeichnung angebracht werden darf. Auch Kinder nicht sicher Scientology kontaktiere mit Vorliebe labile Menschen in schwierigen Lebensphasen, und auch Kinder seien vor der Sekte nicht sicher. Anwohner beklagten, dass Jugendliche und Kinder von Sektenmitgliedern angesprochen und ausgefragt würden; bei der Kantonspolizei seien schon mehrere Strafanzeigen eingegangen. Viele Quartierbewohner wollten, dass der durch die Aufwertung des Standortes entstandene Mehrbetrieb unterbunden werde. Die Anwohner wollten auch, dass Scientology das Missionieren auf öffentlichem Grund untersagt wird. Schliesslich soll das Amt für Wirtschaft und Arbeit angewiesen werden, Scientology nicht als religiöse Gemeinschaft zu kategorisieren, sondern als normale Gewerbetreibende. Auch die EVP protestiert scharf. «Mit sehr grossem Befremden hat die EVP zur Kenntnis genommen, dass das AWA die Psychosekte als religiöse Gemeinschaft anerkannt hat. Dies ist nicht nachvollziehbar, haben Mitglieder des Grossen Rates immer wieder mit parlamentarischen Vorstössen auf die Gefahren dieser gefährlichen Bewegung hingewiesen», teilt die Partei mit. EVP-Grossrätin Annemarie Pfeifer habe schon 2012 mit einer Interpellation darauf hingewiesen. Die EVP weist noch auf eine Mitteilung der drei Landeskirchen zum Begriff Kirche hin: «Der Begriff ‹Kirche› bezeichnet nach abendländischem Kulturverständnis ausschliesslich Religionsgemeinschaften, deren Mitglieder der Glaube an Jesus Christus eint.» Auch lasse sich Scientology nicht in die Nähe einer anderen Religion einordnen. «Die Lehren der Scientology sind der Psychologie zuzuordnen und ihre Interessen an einer Anerkennung sind finanzieller Art», schreibt die EVP. Zum Thema Scientology liegt auch bereits eine Interpellation der CVP vor.

Tageswoche.ch, 17.06.2015
Streit um Anerkennung von Scientology als religiöse Gemeinschaft
Behörden stufen Scientology als religiöse Gemeinschaft ein. Für den CVP-Grossrat Remo Gallacchi ist das ein Skandal. Basel mache sich damit «zum Verbündeten einer höchst verwerflichen Sekte». Von Jeremias Schulthess
Er sei empört darüber, dass Scientology als religiöse Gemeinschaft anerkannt werde, sagt der Fraktionspräsident der CVP Basel-Stadt, Remo Gallacchi, am Telefon. Es sei ein «völlig falsches Signal», wenn solche Organisationen auf einer Stufe mit anderen Religionen stehen würden. «Wozu führt das? Dass jeder, der einen Apfelbaum anhimmelt, auch als religiös eingestuft wird?» Anlass für Gallacchis Ärger gibt das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Dieses erteilte den Scientology-Mitarbeitern vor Kurzem die Erlaubnis, ihre Kirche auch sonntags zu öffnen. In einer Stellungnahme des AWA, welche der Blog «infamy» veröffentlichte, qualifiziert das AWA die Scientologen als «religiöse Gemeinschaft» und damit dürfen sie nach geltendem Arbeitsgesetz auch am Sonntag arbeiten. Anerkennung als Religionsgemeinschaft muss durch den Grossen Rat Für Gallacchi ist klar: Die arbeitsrechtliche Beurteilung kommt einer Anerkennung als Religionsgemeinschaft gleich. Und für diese Anerkennung sei das AWA eigentlich nicht zuständig. Das AWA habe deshalb «formell nicht korrekt» gehandelt. Tatsächlich steht in der Kantonsverfassung, dass die Anerkennung von Religionsgemeinschaften «mit Beschluss des Grossen Rates» erfolgen muss. Dies war bei Scientology nicht der Fall. Die Frage bleibt offen, ob mit der Erteilung einer Arbeitserlaubnis eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft erfolgte. Für eine Antwort stand das AWA am Dienstagnachmittag nicht zur Verfügung. Gallacchi findet, das AWA hätte bei einem derart sensiblen Thema anders vorgehen müssen. «Das AWA und damit der Kanton Basel-Stadt machen sich damit zum direkten Verbündeten einer ausbeuterischen Sekte», schreibt Gallacchi in einer Medienmitteilung. Behörden schieben sich Verantwortung zu Derweil schieben sich die Behörden die Verantwortung gegenseitig in die Schuhe. Laut «infamy»-Blog ist das vom Bund zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) der Meinung, das AWA habe «gesetzeskonform» gehandelt. Scientology falle «als sogenannte ‹neue religiöse Gemeinschaft› unter den Anwendungsbereich» des Arbeitsgesetzes. Das AWA schiebt die Verantwortung ans Seco: «Das Seco hat uns gegenüber bestätigt, dass auch Scientology als religiöse Gemeinschaft im Sinne von Artikel 3 des Arbeitsgesetzes zu qualifizieren sei.» Gallacchi will nun eine Interpellation einreichen und beim Regierungsrat nachfragen, «weshalb das AWA seine Kompetenzen überschritten hat und welche Beweggründe die Behörde dazu gebracht haben, sich zum Verbündeten einer höchst verwerflichen Sekte zu machen». Das letzte Wort ist in der Causa Scientology noch nicht gesprochen.

Basler Zeitung, 13.06.2015, Serkan Abrecht
Behörde anerkennt Scientology als Religion 
Das Amt für Wirtschaft und Arbeit bezeichnet Scientology als religiöse Gemeinschaft – Bern segnet das ab. Somit werden Scientologen vom Arbeitsgesetz enthoben. Auch sonntags geöffnet: Die Angehörigen von Scientology sind laut dem Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit vom Arbeitsgesetz befreit.
Die sich als Kirche definierende Organisation Scientology sorgt seit der Eröffnung ihrer «Ideal Org» (die BaZ berichtete) an der Burgfelderstrasse für erhitzte Gemüter bei den Anwohnern des Iselin-Quartiers. Die Anwohner beschweren sich über die zunehmenden Missionierungsarbeit in ihrem Quartier und in der Innenstadt. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) in Basel kommt Scientology sogar entgegen und erlaubt es, den Tempel auch sonntags geöffnet zu haben, um ihre Produkte zu verkaufen. Auch das Missionieren am Wochenende ist erlaubt. Dies ist möglich, weil das AWA Scientology kurzerhand als «religiöse Gemeinschaft» definiert hat. Der Journalist Patrik Tschudin publizierte auf dem Internet-Blog infamy die Antwort des Amtes auf seine Anfrage, welche bestätigt, dass Scientology im Sinne des Artikels 3 Abs. a des Arbeitsgesetz als religiöse Gemeinschaft zu bezeichnen sei. Regierungspräsident Guy Morin sagt dazu, dass Scientology der Religionsstatus aus religionswissenschaftlicher und alltagssprachlicher Sicht nicht abgesprochen werden könne. Er beruft sich dabei auf eine Empfehlung der Forschungsstelle für Recht und Religion der Universität Basel. «Es liegt nicht am Regierungsrat, über Glaubensinhalte zu befinden und zu beurteilen, welche Gemeinschaft eine religiöse und welche eine Sekte ist.» Der Regierungsrat habe die Einhaltung der Religions-, Glaubens- und Gewissensfreiheit zu bewahren und Diskriminierung abzubauen. «Irgendwelche rechtlichen Privilegien und Vorteile schliesst diese Beurteilung aber nicht mit ein», sagt Morin. Scientology sei weiterhin ein privatrechtlicher Verein und werde auch so behandelt. 
Mit Christen gleichgestellt
Mit der Entscheidung des AWA fallen Scientology nun aber doch ausserordentliche Privilegien zu. Die selbsternannte Kirche ist damit vom Arbeitsgesetz bei gewerblichen Tätigkeiten befreit und wird somit mit anderen religiösen Gemeinschaften wie den Katholiken oder Buddhisten gleichgesetzt. Auf Angehörige von Scientology sei das Arbeitsgesetz nicht anwendbar, da sie Tätigkeiten gegenüber der Gemeinschaft leisten, heisst es in einer Mitteilung des AWA und des Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), welche der BaZ vorliegt. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit, das der Direktion Brutschin untersteht, hat sich mit dem Seco in Bundesbern kurzgeschlossen, welches die Verantwortung für die Definition einer religiösen Gemeinschaft wieder zurück nach Basel wies. «Das ist eine Angelegenheit des AWA, ihm obliegt die Verantwortung, ob es Scientology als religiöse Gemeinschaft nach Art. 3 Abs a des eidgenössischen Arbeitsgesetzes definiert oder nicht. Man hat es dort im Amt so interpretiert und es wurde vom Seco bestätigt», sagt Guy Morin. Für die Entscheidung der Ämter hat SVP-Grossrat Michel Rusterholtz überhaupt kein Verständnis: «Ich bezweifle stark, dass die Mitarbeiter des AWA und des Seco überhaupt dazu qualifiziert sind, eine Organisation als Religion zu definieren.» 
Entscheid liegt beim Grossen Rat
Das Amt für Wirtschaft und Arbeit rechtfertigt seine Definition mit einem Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 1992. Damals klagte Scientology gegen die nationale Fachstelle für Sektenfragen Infosekta. Im vorliegenden Fall wird Scientology zwar nicht explizit als Religion definiert, jedoch wird von einer religiösen Gemeinschaft gesprochen. Rusterholtz reichte vor einigen Wochen eine Interpellation bezüglich dem von Scientology verwendeten Kreuz und der Missionierungsarbeit der Organisation ein. Beides konnte Scientology nicht verboten werden. «Solche Entscheidungen sollten im Grossen Rat fallen und nicht von Beamten im Wirtschaftsdepartement», meint Rusterholtz. Das AWA konstatiert, dass es sich bei der Definition um eine rein arbeitsrechtliche Angelegenheit handle, bei der Scientology als religiöse Gemeinschaft bezeichnet wird. Das Amt sei dazu verpflichtet gewesen als Vollzugsorgan die Angehörigen von Scientology vom Arbeitsrecht zu entheben. Grossrat Rusterholtz hat dafür jedoch absolut kein Verständnis und will deshalb im Parlament aktiv werden.

Stuttgarter Zeitung, 05.06.2015, Sybille Neth
Umstrittenes Immobiliengeschäft - Scientology sichert sich eine Sahneschnitte
Die umstrittene Organisation plant an der Heilbronner Straße ihr bundesweit größtes Zentrum. Alle Fraktionen im Bezirksbeirat sind verärgert – rechtlich besteht keine Handhabe, da es sich um ein privates Immobiliengeschäft handelt. Nach Informationen des Verfassungsschutzes hat Scientology diese Immobilie 2010 über Mittelsmänner zum Preis von acht Millionen Euro gekauft. Foto: Michael Steinert S-Nord - Die Befürchtungen des Bezirksbeirats Nord haben sich bestätigt. Nach Auskunft des Landesamtes für Verfassungsschutz ist davon auszugehen, dass die Immobilie Heilbronner Straße 67 bis 69 von den Scientologen 2010 über Mittelsmänner zum Preis von acht Millionen Euro gekauft wurde. Die Verfassungsschützer haben die verschlungenen Wege des Privatverkaufs der Immobilie, die zuvor im Besitz der Firma Porsche war, über Israel und ein deutsches Bundesland nachverfolgt. Dabei kamen sie zu dem für alle Fraktionen im Bezirksbeirat ärgerlichen Ergebnis. Als Käufer wird die „G. Stuttgart Properties Ltd.“ angegeben. Die Recherchen des Verfassungsschutzes münden in die Feststellung „dass es sich bei der Immobilie in der Heilbronner Straße 67-69 wahrscheinlich um das geplante neue Stuttgarter Scientology-Zentrum handelt“, heißt es in dem Bericht. Dieser wurde von Oberbürgermeister Fritz Kuhn kürzlich der Bezirksvorsteherin Sabine Mezger zugestellt. Sie unterrichtete den Bezirksbeirat darüber. Demzufolge will die äußerst umstrittene, aber bisher nicht verbotene, selbst ernannte Kirche in Stuttgart ein neues Zentrum gründen und „die größte Scientology-Niederlassung in Deutschland werden“, so ist es im Bericht des Verfassungsschutzes Baden-Württemberg von 2014 zu lesen. 
Prominente Lage 
Ins Rollen gebracht hatte Bezirksbeirätin Ana Kezdiora (FWV) die Nachforschungen nach der Zukunft des Gebäudes an der Ecke zur Tunzhofer Straße, das seit drei Jahren leer steht. Ende Oktober hatte die FWV- Gemeinderatsfraktion einen entsprechenden Antrag bei der Verwaltung gestellt. Kedziora fragt sich jedoch, weshalb es ein halbes Jahr dauerte, bis eine Antwort kam. „Strategisch hat sich die Organisation in dieser Lage eine Sahneschnitte gesichert“, sagt sie. Gerade die prominente Lage des Gebäudes beim Europaviertel und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sanierungsgebiet am Bürgerhospital macht den Bezirksbeiräten Sorgen. „Das ist keine Nachbarschaft, die man sich wünscht“, sagt Sebastian Sage (SPD). „Mein Anliegen ist es, dass sich die Scientologen nicht noch weiter auf dem Areal einkaufen und eine Stadt in der Stadt gründen“, äußert Ralph Wöhrle (Grüne) seine Befürchtungen. Er hat sich eingehend mit dem totalitären Gedankengut der Scientologen auseinandergesetzt, denn ein Angehöriger von ihm ist selbst dort Mitglied. „Sie wollen die Wirtschaft und die Politik unterwandern“, fasst er die Ziele zusammen. Es müsse verhindert werden, dass an dem Gebäude Banner und andere Werbung angebracht wird. „Damit nicht junge Leute direkt vom Milaneo hierher gezogen werden“, sagt Wöhrle. 
Kritik am Vorgehen der Stadt 
Sebastian Serwani (FDP) sieht auch Gefahren für die Besucher der benachbarten Drogenberatungsstelle des Bürgerhospitals, die nach der Sanierung bleiben wird, und Timo Haug (CDU) ärgert sich: „Die Stadt hat verschlafen.“ Er sei irritiert, dass sie das Gebäude seinerzeit nicht vorsorglich gekauft habe, um so das Sanierungsgebiet zu arrondieren und sich alle Optionen für die künftige Nutzung offen zu halten. „Seit vier Jahren beschäftigen wir uns mit der Türlenstraße. Aber immer wurde dieses eine Gebäude aus dem Bebauungsplan rausgehalten“, wundert er sich. „Wenn man das gesamte Gebiet neu gestalten will, muss man doch alles betrachten“, kritisiert er. Nur das ursprüngliche denkmalgeschützte Bürgerhospital bleibt, die anderen Gebäude werden abgerissen. 
Beim Baurechtsamt liegt ein Baugesuch vor 
Für eine Immobilie, die erst noch kernsaniert werden muss, sei der Kaufpreis stattlich, rechnet er vor. Auch dies spreche für die wohlhabende Scientology- Organisation, für die die Landeshauptstadt wirtschaftlich interessant ist. Beim Baurechtsamt liegt ein Baugesuch für die fragliche Adresse vor. Allerdings nicht unter dem Namen Scientology. „Wir werden uns rechtlich beraten lassen, was wir machen können“, kündigt Sebastian Sage an, aber wie alle anderen im Gremium ist er sich der schieren Aussichtslosigkeit angesichts des Privatverkaufs bewusst. „Ich befürchte, dass wir keine wirkliche Handhabe haben“. bringt es Sabine Rück- Klaffke (SÖS-Linke-Plus) auf den Punkt.

Blick.ch, 26.05.2015, Beat Michel 
Aufruhr in Basel, weil Psycho-Sekte Versprechen bricht - Hier missioniert Scientology 
Vor der Eröffnung des Ideal Org Tempels versprach der Scientology-Sprecher Jürg Stettler, dass im Quartier um den Sektenbau nicht missioniert wird. Wie Video-Aufnahmen nun beweisen, hält sich die Sekte nicht an ihr Versprechen. Die Video-Aufnahmen von vergangener Woche beweisen es: Die Scientologen an der Burgfelderstrasse in Basel versuchen im Quartier um den neuen Mega-Tempel Mitglieder anzuwerben. Drei Männer sprechen an diesem Mittwoch Passanten an. Wollen ihnen einen Besuch des Scientology-Tempels aufschwatzen. Die Fusssoldaten tragen dunkle Anzüge, ähnlich wie die Agenten im Film «Matrix». Es ist die Uniform der Mitglieder-Jäger der Psychosekte. Die Aktion findet nur 500 Meter vom neuen Sektentempel entfernt statt, den Sektenboss David Miscavige persönlich am 26. April einweihte. Aus Angst vor der Organisation hatten besorgte Bürger im Vorfeld dagegen protestiert. BLICK und anderen Medien hatte der Sprecher von Scientology Schweiz, Jürg Stettler, vor der Eröffnung des Ideal Org versprochen, im Quartier um den Sektenbau nicht zu missionieren. Am 14. April sagte Stettler zu BLICK: «Wir arbeiten da nur, missioniert wird woanders.» Zu Telebasel sagte Stettler am 23. März in der Sendung «061 live» auf die Frage, ob Scientology im Quartier Mitglieder anwerben werde: «Das ist absolut nicht geplant. Tat­sache ist, dass wir 25 Jahre im Gotthelfquartier waren, und das da auch nie gemacht haben.» Dass Scientology seine Mitarbeiter in Tempelnähe zum Missionieren schickt, ist der Polizei bekannt. «Seit der Eröffnung des Scientology-Tempels in Basel sind bei der Polizei fünf Beschwerden wegen missionierender Sciento­logen eingegangen», sagt Martin Schütz, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt. «Wir prüfen jetzt, ob es sich bei den Vorkommnissen um Verstösse gegen den Paragrafen 23a des kantonalen Übertretungsstrafgesetzes handelt. Das wäre der Fall, wenn Passanten bei einer Anwerbung auf unzumutbare Weise belästigt werden oder täuschende oder sonst unlautere Methoden angewendet werden.» Scientology sieht sich teilweise ertappt. «Die kürzliche Aktion war nicht so mit dem Vorstand abgesprochen und ist in dieser Form auch nicht mehr geplant», sagt Annette Löffler, Sprecherin von Scientology Basel. Sie streitet aber ab, dass Scientology etwas versprochen habe. Man habe nur mitgeteilt, dass nicht geplant sei, in unmittelbarer Nähe des Gebäudes Leute anzusprechen. Im Übrigen hätten sich die drei Männer bei der Aktion freundlich verhalten. Nur ein paar wenige Personen hätten den Umstand, dass Leute angesprochen wurden, als störend empfunden.

hpd.de, 22.05.2015, Manfred Isemeyer
Scientology vor dem Aus?
Eine Filmdokumentation über die Sekte sorgt in den USA für Wirbel Scientology vor dem Aus?
BERLIN. (hpd) Scientology, die sich selbst als Kirche bezeichnet, aber hierzulande nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt ist, schwächelt in Deutschland. Jahrelange Aufklärung und Beobachtung durch den Verfassungsschutz zeigen Wirkung. Experten schätzen die Zahl der Scientologen bundesweit auf nur noch 2.500. Seit Anfang des Jahres kämpft die weltweit operierende Psycho-Sekte an ihrem Stammsitz USA ums Überleben. Breite Diskussionen über die Machenschaften von Scientology löste die Uraufführung der Dokumentation "Going Clear: Scientology and the Prison of Belief" am 25. Januar 2015 auf dem renommierten Sundance Film Festival in Park City, Utah, aus. Der Film basiert auf dem gleichnamigen, 2013 erschienenen Buch von Lawrence Wright. Regisseur Alex Gibney, ein Oscar-Preisträger, breitet in seinem zweistündigen Film mit Archivmaterial, Rekonstruktionen und Interviews die perfiden Mechanismen von Scientology aus. Die Dokumentation gliedert sich in drei Teile. Im ersten berichten ehemalige Scientologen aus dem Innenleben der Sekte, im zweiten Teil wird die Geschichte der Organisation und ihres Gründers L. Ron Hubbard beschrieben. Dem Film zufolge soll Hubbard seine erste Frau geschlagen, gemeinsame Tochter nach Kuba entführt und sie dort einer sozial inkompetenten Pflegemutter überlassen haben. Im finalen Teil wird der Aufstieg des heutigen Scientology-Boss David Miscavige nachgezeichnet. Ihm werden u.a. vorgeworfen, Sektenmitglieder psychisch unter Druck gesetzt zu haben. Prominente Aussteiger wie der ehemalige PR-Sprecher Mike Rinder und Mark Rathbun, einst rechte Hand von Miscavige, schildern Belästigungen, Überwachungen und Einschüchterungen durch Scientology. Dargestellt wird die "Inhaftierung" von missliebigen Führungskräften in einer Art Konzentrationslager, "The Hole" genannt, in Riverside County, Kalifornien. Nicht zuletzt unterstreicht der Film auch die Rolle von prominenten Mitgliedern wie Tom Cruise und John Travolta. Die beiden Hollywood-Stars gehören seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Aushängeschildern von Scientology. "Going Clear" enthüllt, dass Tom Cruise Scientology-Mitgliedern, die in seinem Haus arbeiten, gerade mal 40 Cent pro Stunde zahlt. Travolta sieht Regisseur Alex Gibney als Erpressungsopfer der Sekte. Über Jahre hinweg soll die Organisation in sogenannten Auditings brisante Informationen aus dem Privatleben des Schauspielers gesammelt haben, vor allem zu dessen angeblichen homosexuellen Neigungen. Eine Abkehr von der Sekte wäre das berufliche Aus für John Travolta. Dass Gibneys Enthüllungen politischer Sprengstoff sind, war den Produzenten des Films, dem amerikanischen Bezahlsender HBO, früh klar. 160 Anwälte prüften die Dokumentation im Vorfeld, um sich gegen Klagen der Organisation zu wappnen. Nach der Uraufführung wurde der Film zunächst am 13. März 2015 in ausgewählten Kinos in New York, Los Angeles und San Francisco gezeigt. HBO strahlte “Going Clear” am 25. März 2015 erstmals im Fernsehen aus. Die TV- Premiere war für amerikanische Verhältnisse ein riesiger Erfolg. Mit 6,8 Mio Zuschauern war sie die zweiterfolgreichste HBO-Dokumentation seit zehn Jahren. Ein Filmstart in Deutschland ist noch ohne Termin. Scientology-Reaktionen Bereits zehn Tage vor der Filmpremiere schaltete die Scientology ganzseitige Anzeigen in der New York Times und der Los Angeles Times und polemisierte darin gegen die "Ausstrahlung von falschen Informationen". Mit einem "Special Report" auf ihrer Website wehrt sich die Organisation gegen die Vorwürfe; eigens wurde ein Twitterkanal eingerichtet, um gegen den Film anzuschreiben. Zudem kaufte Scientology zahlreiche Google-Suchergebnisse, um damit zu ihrer Anti- "Going Clear"-Seite zu lenken. Die Sekte beschwerte sich bei zahlreichen Journalisten über die "Lügen" in den Bewertungen des Films und verlangte Gegendarstellungen. Und sie schickte, wenig überraschend, John Travolta ins Feld. Er sei so glücklich über seine 40 Jahre bei Scientology und könne keine negative Perspektive einnehmen. Der Film sei ein Produkt von Menschen, die "verdrossen" und "negativ" seien. Tom Cruise hat bislang nicht Stellung bezogen. Die Zeitung New York Daily News berichtet jetzt, dass die beiden Hollywood-Stars ausgedient haben. Für eine neue Image- Kampagne sucht Scientology "normale" Gesichter von jungen Männern und Frauen in den Zwanzigern. Es bleibt abzuwarten, was an dieser Meldung stimmt. Vor einem existentiellen Überlebenskampf Die Schlagzeilen und die öffentliche Diskussion in den USA stellen erstmals seit Jahren die Glaubwürdigkeit von Scientology ernsthaft in Frage. Schätzungen von amerikanischen Experten gehen davon aus, dass die Zahl der aktiven Mitglieder der Sekte mittlerweile auf 25.000 gesunken ist. Dies dürfte die Organisation noch verkraften. Die Alarmglocken im Hauptquartier in Florida werden in erster Linie wohl deshalb schrillen, weil "Going Clear" klar macht, dass Scientology als Sekte und nicht als Religionsgemeinschaft einzustufen ist und daher keine Steuervorteile genießen darf. Seit dem 1. Oktober 1993 wird Scientology von der amerikanischen Steuerbehörde (IRS) nicht mehr als Wirtschaftsunternehmen, sondern als gemeinnützige Organisation angesehen und ist daher steuerbefreit. In der Öffentlichkeit werden jetzt verstärkt Forderungen laut, dass die IRS den Status von Scientology überprüft und das Gesamtvermögen inklusive der globalen Immobilien-Bestände von mehr als 3 Milliarden US-Dollar zukünftig besteuert. Eine solche Maßnahme dürfte das Fundament des Imperiums nachhaltig erschüttern, wenn nicht gar ganz zum Einsturz bringen. Auch ein anderes Faktum wird den Scientologen zu schaffen machen: Der Rückgang der Religiosität in den USA. Laut einer Umfrage von 2012 sind nur 70 Prozent der Amerikaner der Auffassung, dass Scientology keine echte Religion ist. Diese Zahl wird sich nach den jüngsten Enthüllungen sicherlich erhöhen. Und ein weiterer Trend ist von Relevanz. Nach einer aktuellen Studie des amerikanischen PewRearchCenters in Washington wird Amerika säkularer. Die Gruppe der Nicht- Religiösen beträgt 22,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung. 2007 wurden den Säkularen noch 36 Mio zugerechnet (16,1 Prozent der Gesamtbevölkerung). Bleibt zu hoffen, dass die Stimmung in den USA nicht kippt und Scientology eines nahen Tages ganz von der Bildfläche verschwindet.

Blick.ch, 19.05.2015, Carmen Schirm-Gasser 
Umstrittene Ritalin-Praxis - Scientology schwärzt Schweiz bei Uno an 
Die Uno kritisiert in ihrem Bericht den Umgang mit ADHS und Ritalin in der Schweiz. Brisant ist, dass eine der hierfür verwendeten Quellen von der Scientology stammt. Die Ohrfeige der Uno kam im Februar. Und sie war heftig. In ihrem Bericht über die Schweiz, der alle fünf Jahre erscheint, zeigen sich die Vereinten Nationen besorgt über die «exzessive Diagnosestellung von ADHS» in unserem Land und die daraus folgende «Zunahme der Verschreibung von psychostimulierenden Drogen wie Ritalin an Kinder». Die Verschreibungspraxis werde trotz der «wachsenden Evidenz von schädigenden Auswirkungen dieser Drogen» weitergeführt. Kindern werde mit dem Schulausschluss gedroht, wenn ihre Eltern einer Behandlung mit Psychostimulanzien nicht zustimmen. Schweizer Experten fragten irritiert: Wie kommt der UN-Kinderrechtsausschuss zu diesem Fazit? Dieser lädt Staaten und NGO ein, Informationen über ein Land zu liefern. Aber nur drei Berichte nahmen Stellung zum Thema Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS), die mit Ritalin behandelt werden kann. Nachzulesen ist dies auf der UN-Website. Darunter der offizielle Staatenbericht der Schweizer Regierung. Dieser kann kein grundsätzliches Problem orten. Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz wiederum kritisiert gewisse Tendenzen rund um die Verabreichung von Ritalin. Erst ein dritter Bericht warnt über ganze zehn Seiten vor den Zuständen und der missbräuchlichen Betäubung von Kindern mit Ritalin. Der Absender: CCHR, eine Unterorganisation von Scientology. Zahlreiche Aussagen des UN-Berichts basieren offensichtlich auf dem Scientology-Bericht, wie ein Vergleich aller Berichte zeigt. Teilweise wurden sie akzentuiert, stellenweise praktisch wortwörtlich übernommen. Das Fazit: Die Uno attackiert die Schweiz. Und sie tut dies mit Informationen aus der Küche von Scientology. Purer Zufall? Geht es nach der Uno, ja. «Wir sammeln Informationen aus verschiedenen Quellen», sagt Maria Herczog, Sprecherin des UN-Kinderrechtsausschusses. Die Tatsache, dass die Scientologen zu einem Thema einen Standpunkt hätten, heisse nicht, dass dieser falsch sein müsse. Dem widerspricht Isolde Schaffter-Wieland, Mediensprecherin des Vereins Elpos, der Eltern von Kindern und Erwachsenen mit ADHS unterstützt. «Dass sich ein Uno-Komitee so stark und unkritisch auf einen Scientologen-Bericht abstützt, ist sehr irritierend.» Die Organisation agiere seit Jahren aus dem Hintergrund und versorge die Politik mit fragwürdigen Informationen zu ADHS. Beim Bund zeigt man sich überrascht über die Intransparenz der Uno. «Es wäre wünschenswert, dass der UN-Kinderrechtsausschuss seine Quellen transparent macht», sagt Katrin Holenstein vom Eidgenössischen Departement des Inneren. Ob Scientology eingeladen werden dürfe oder müsse und welches bei der Uno die entsprechende Praxis sei, könne von aussen nicht beurteilt werden. Eine Organisation indes ist sich sicher, wer hier falsch spielt. «Ganz unauffällig konnte Scientology kürzlich einen Erfolg verbuchen», schreibt Infosekta, eine Organisation zur Beratung zum Thema Sekten, in ihrem Jahresbericht. «Ihre tendenziöse Sichtweise fand kürzlich prominent Eingang im Uno-Bericht.» Und was sagt Scientology? Die Organisation zeigt sich erfreut, dass die Uno offensichtlich ihren Bericht analysiert und als wertvoll taxiert hat.

Tagesanzeiger, 30.04.2015, Hugo Stamm
Ein Mann fürs Grobe PorträtEin neuer Film stellt den Scientology-Chef David Miscavige als gewalttätigen Manipulator dar.
David Miscavige ist ein Mann fürs Grobe. Der 55-jährige Sektenboss der Scientologen überlebte bisher alle Anfeindungen. Auch dank seinem Geheimdienst, einem Heer von Anwälten und seinen beiden Botschaftern Tom Cruise und John Travolta. Doch nun wird es eng für ihn: Der neue Dokumentarfilm «Going Clear: Scientology and the Prison of Belief» des Regisseurs Alex Gibney löste in den USA heftige Reaktionen aus. Hochrangige Aussteiger, unter ihnen Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright und der mit einem Oscar gekrönte Regisseur Paul Haggis, porträtieren die Sekte als Glaubensgefängnis und geben einen erschreckenden Einblick ins streng gehütete Innenleben von Scientology. Obwohl dem Scientology-Führer in den USA die Fetzen um die Ohren fliegen, gab er am vergangenen Samstag den Schweizer Scientologen überraschend die Ehre. Bei einer pompösen Feier zur Eröffnung des neuen Luxustempels in Basel hielt er stramm die Fahne hoch. Das Signal an die Scientologen in aller Welt: Es geht aufwärts! Was nach Aufbruch klingt, ist in Wirklichkeit eine Durchhalteparole. Die Reise nach Basel war für den angeschlagenen Miscavige ein willkommenes PR-Instrument, um von der existenziellen Krise abzulenken. Miscavige versuchte mit allen Mitteln, den Film zu verhindern. Der Scientology-Führer liess ganzseitige Inserate schalten, etwa in der «New York Times», und schwärzte Regisseur Gibney mit Unterstellungen an. Zudem schickte Miscavige seinen «Aussenminister» John Travolta an die Front, der den Film als Machwerk brandmarkte. Ohne Scientology wäre er nicht das, was er heute sei, liess er verlauten. «Oh, mein Gott. Ich hätte das nicht ohne Hilfe von Scientology durchgestanden», sagte er zum mysteriösen Tod seines Sohnes Jett. Der amerikanische Bezahlsender HBO, der den Film produzierte, engagierte viele Anwälte, um ihn zu prüfen. Offenbar mit Erfolg: Miscavige blieb bisher ungewohnt stumm; 5,5 Millionen Zuschauer schauten den Film ungestört an. Toilettenböden mit der Zunge reinigen Die Enthüllungen der Kronzeugen, die Interviews, das Archivmaterial und die internen Dokumente haben es in sich. Seine ehemaligen Mitarbeiter zeichnen von Miscavige das Bild eines Psychopathen, der seine Untergebenen schlage und foltere. Seine Geheimdienstmethoden machten auch nicht vor der eigenen Familie halt. Miscavige habe auch seinen Vater beschatten lassen, der der Sekte den Rücken gekehrt hatte. Als er dabei erfuhr, dass dieser einen Herzinfarkt erlitten hatte, habe er gesagt: «Lass ihn sterben.» Aussteiger berichten, Scientologen seien schon wegen geringfügiger Vergehen bestraft worden und hätten Toilettenböden mit der Zunge und WC-Schüsseln mit Zahnbürsten reinigen müssen. Der Film dokumentiert auch, dass die Top-Shots aus Hollywood nicht von der Bespitzelung verschont bleiben. So habe Miscavige die Ex-Frau von Tom Cruise, Nicole Kidman, nach deren Trennung ausspionieren und mit dem Segen von Cruise ihr Telefon abhören lassen. Cruise allerdings, der Busenfreund des Sektenbosses, äusserte sich zum Film noch nicht. Bereits wird in Hollywood spekuliert, der Filmstar habe langsam die Nase voll von den Skandalen um Scientology.

Basler Zeitung 27.04.2015, Serkan Abrecht 
Der Fünf-Sterne-Sektentempel von Basel 
Der BaZ wurde die neue Scientology-Kirche gezeigt - bis es einem amerikanischen Mitglied zu bunt wurde. Es ist kurz nach zwei Uhr nachmittags, als wir gestern Sonntag das helle Atrium der neu eröffneten Scientology-Kirche an der Burgfelderstrasse betreten. Sofort werden wir an der Rezeption, hinter der das grosse Scientology-Kreuz hängt, von einem Herrn in schickem schwarzem Anzug abgefangen. «Sie sind von der Zeitung, oder? Unser Mediensprecher hat gleich Zeit für Sie. Bitte nehmen Sie Platz.» Der freundliche Herr weist auf eine hölzerne Bank neben einem Fernseher, auf dem ein Film über die von der selbsternannten Kirche gepriesene «Dianetik» läuft. Der Eingangsbereich macht nicht den Eindruck, als würde man sich an einem Ort der Religion und Spiritualität befinden. Das Entree erinnert mit seinen schwarz-weissen Fliessteinen mehr an die Empfangshalle eines Luxushotels. Ausser dass diese mit unzähligen Büchern der Scientology und Fernsehmonitoren ausgestattet ist. Überall stehen Scientologen in schwarzen Anzügen, die uns ein wenig misstrauisch beäugen. Sie erinnern an Hotelportiers. Mediensprecher Jürg Stettler kommt schnellen Schrittes auf uns zu. Der Mann, etwa Anfang fünfzig, wirkt gestresst. «Sorry für die Verspätung. Wir hatten den ganzen Tag durch Medien im Hause.» Er beginnt gleich mit der Führung und zeigt mir das sogenannte E-Meter, welches bei «Auditings» eingesetzt wird, um den seelischen Druck bei der Erinnerung an vergangene Ereignisse zu ermitteln. Der kleine Zeiger schlägt tatsächlich aus, als mich Stettler anweist an ein unglückliches Ereignis zu denken. Er lächelt zufrieden. «Was sagt er?» Stettler zeigt uns die «Kapelle», in der gerade ein Kurs stattfindet. Ein Film über weltweite humanitäre Not wird gezeigt. Knapp 30 Scientologen sitzen in der «Kapelle», auf deren Videoanlage das Pathé Küchlin neidisch wäre. Die Konversation mit Jürg Stettler verläuft freundlich. Auch zu kritischen Fragen äussert er sich: «Unsere Mitglieder müssen für die Kurse Gebühren zahlen, weil wir nicht wie andere Kirchen vom Staat Subventionen erhalten», antwortet er auf meine Frage, warum die Mitglieder einer Kirche für ihre Religion zahlen müssen. Die Stimmung schlägt aber prompt um, denn seit dem Besuch der «Kapelle» folgt uns ein anderer Scientologe auf Schritt und Tritt. Nick Banks ist sein Name. Er ist Leiter für Public Relations von der Mutterzentrale aus Los Angeles. Schweizerdeutsche Gespräche werden nicht mehr toleriert. Es muss auf Englisch gesprochen werden. Rede ich mit Stettler im Dialekt, fragt ihn der Scientologe sofort, was ich gesagt habe. Der Amerikaner wirkt sehr angespannt. Womöglich haften die Ereignisse vom Vortag noch an ihm. Viel Lärm vor der Kirche Am Samstag hatten sich 200 Demonstranten vor der Scientology-Zentrale versammelt, um ihrem Ärger über die Sekte mit Vuvuzelas, Tröten und Pfannendeckeln lautstark Luft zu machen. Zeitgleich eröffnete Sekten-Guru David Miscavige höchstpersönlich die neue «Ideale Org» in der Schweiz. Er lobte den Einsatz der Scientology-Mitglieder und vor allem den des Basler Scientology-Präsidenten Patrick Schnidrig. «Schnidrig ist die Reinkarnation von Alexander dem Grossen. Er wird das gründen», verkündet Miscavagie feierlich unter tosendem Applaus der 1500 Sektenmitglieder, die sich hinter der Kirche an der Kayserbergerstrasse versammelten. Auf jeden Applaus folgte höllischer Lärm der Demonstranten auf der anderen Strassenseite. «Wir wollen keine Gehirnwäsche im Iseli-Quartier» und «Xenu frisst euch auf» wird auf Schildern und Spruchbannern propagiert. Mit «Xenu» ist die ausserirdische Gottheit der Scientologen gemeint. Die Sicherheitskräfte der Scientology versuchten Demonstranten und Journalisten von der Eröffnungsfeier fernzuhalten, welche notabene auf Allmendgrund stattfand. Nick Banks ist nicht der Einzige, der uns in der Zentrale verfolgt. Immer wieder taucht vor uns eine Scientologin, ebenfalls in Portiers-Outfit auf, die uns unauffällig fotografiert. Im ersten Stock befinden sich Kurs- und Sitzungsräume, in der Mitglieder Tests und Fragebögen ausfüllen. Stettler führt uns über eine steinerne Treppe in den nächsten Stock. Auf dem langen Gang befinden sich aneinandergereiht Räume, die an Praxiszimmer erinnern. In jedem steht ein E-Meter. «Hier finden die statt», erklärt Stettler. Alle Aussagen der Teilnehmer werden vom Auditor, dem Befrager, schriftlich festgehalten. Abrupter Interview-Abbruch «Also plaudern hier die Leute ihre tiefsten Sorgen aus und diese werden dann ad acta gelegt, aber einen Rat zu ihren Problemen erhalten sie nicht», frage ich auf Englisch, da Banks dicht hinter mir steht. «Es hilft Ihnen schon, wenn Sie sich mit Ihren tief in der Seele vergrabenen Problemen befassen, um über diese hinwegzukommen», antwortet mir der Mediensprecher. Banks weiss jedoch, dass ich mit dem Zaunpfahl zum Missbrauch von privaten Daten winke, der Scientology global vorgeworfen wird. Ich solle nicht glauben, was man im Internet erzählt. Die einzige Wahrheit gebe es nur bei Scientology, meint Banks ungehalten. Als wir uns in den Garten setzen wird der Amerikaner aggressiv. Ich befrage Stettler zur Diskriminierung von Homosexuellen bei den Scientologen. Er antwortet mir verneinend und doch sachlich-freundlich. Banks ist aber der Geduldsfaden gerissen: «Wir beenden das Interview hier. Du glaubst, was du glauben willst und kannst morgen deine Lügen in der Zeitung publizieren.» Stettler müsse noch andere Journalisten am Eingang abholen, könne mir aber einen anderen Sprecher zur Verfügung stellen. Banks ist nicht einverstanden. Wir werden wieder ins Entree begleitet und von Stettler verabschiedet. Banks wartet so lange in der Eingangshalle, bis wir das Gebäude ganz verlassen haben.

Blick 26.04.2015, Beat Michel 
BLICK im neuen Scientology-Tempel / Besuch in einer Parallelwelt 
BLICK besuchte den sogenannten Ideal Org, den neuen Tempel von Scientology in Basel. Es ist der dritte Megatempel im deutschen Sprachraum. Es ist Tag eins nach der Eröffnung des neuen Tempels von Scientology. Die Presse darf jetzt den sogenannten Ideal Org besichtigen. Im deutschen Sprachraum ist es nach Hamburg und Berlin erst der dritte Mega-Tempel - und der grösste in der Schweiz. Vor dem Hauptgebäude steht der Scientologe Jürg Stettler (61). Er ist Präsident der Zürcher Scientology und Presseprecher von Scientology Schweiz. Ich muss durch den Hintereingang. Vor dem Haupteingang posieren gerade die hauptamtlichen Mitglieder, welche Scientology Basel bereits rekrutiert hat. Es sind um die 50 Personen: alle im dunklen Businessdress, die Herren mit Krawatte. «Das Ziel ist, dass 150 Hauptamtliche in Basel arbeiten», sagt Stettler. Auf Kommando des Fotografen hüpfen und lachen die Männer und Frauen. Dann strömen sie zurück in das Gebäude. Im ersten Raum hinter dem massigen Rezeptionspult stehen grosse Bildschirme. Hier kann ich mich in aller Aus­führlichkeit über Dianetik und Scientology informieren. Scientologe Nick Banks (33) schaltet sich ein. Er ist jung-dynamisch. Zusammen mit dem Sektenchef David Miscavige wurde er zur Eröffnung der Ideal Org aus der Zentrale in Los Angeles eingeflogen. Er fordert mich auf, mir die Dokumentation genau anzuschauen. Ich zappe durch die verschiedenen Filme und habe die Erkenntnis: Es ist reine Propaganda. Aber aufwendig und teuer produziert. Alles ist perfekt inszeniert. Und alle Filme drehen sich um das gleiche Thema: Ein Mensch erlebt etwas Negatives, und dann kann Scientology diesen Menschen wieder glücklich machen. Den kriegstraumatisierten Soldaten, eine Frau, die um ihren tödlich verunfallten Hund trauert, eine andere, die betrogen wurde. Alle wieder happy. Und alle wissen nun, dass sie ihr ganzes Potenzial nur durch die Methoden von Scientology ausschöpfen können. Sie müssen lediglich die (teuren) Kurse besuchen. Im gleichen Stock ist die erste Buchhandlung. Alle Bücher stammen von L. Ron Hubbard, dem Sektengründer. Auch hier geht es hauptsächlich um Selbstfindung. Aufmachung und Themen erinnern mich an die Esoterikmesse. An vielen Wänden hängen Tafeln mit Sprüchen des Meisters. Ich kann keinen Schritt gehen, ohne mit ihm konfrontiert zu werden. Hubbard hier, Hubbard da, Hubbard hat gesagt, Hubbard hat gemacht, Hubbard ist allgegenwärtig. Im Parterre teste ich den E-Meter, das wichtigste Hilfsmittel der Scientologen: Es misst den elektrischen Widerstand im Körper. Man hält Metallröhren in den Händen. Eine Nadel gibt den Zustand des Probanden preis. «Denken Sie an etwas Negatives», fordert mich Pressesprecher Stettler auf. Mir kommt gerade nichts in den Sinn. Die Nadel schlägt trotzdem aus. Scientology gibt sich offen und zeigt alle Räume. Sogar das Reinigungsprogramm im Keller. Hier hat es für Frauen und Männer je eine Sauna und ein paar Fitnessgeräte. Am Schalter werden Vitamine verkauft. Die ganze Einrichtung ist hochwertig, die Sekte inszeniert sich perfekt. Nichts lässt erkennen, dass durch Scientology Menschen ins Unglück stürzten.

20min.ch, 26.04.2015 
Viel Lärm gegen Scientology-Boss 
Rund 300 Personen demonstrierten am Samstag gegen die Eröffnung des Scientology- Zentrums. Drei Stunden lang wurde gelärmt, was das Zeug hält. Am Samstagnachmittag versammelten sich die Gegner und Kritiker von Scientology, um gegen die Eröffnung der Ideal Org in Basels Iselin-Quartier zu protestieren. Thomas Erlemann, der Drahtzieher der Demonstration, hatte dazu aufgerufen, die Eröffnungsfeier der Scientologen mit einem Lärmkonzert zu stören. Die rund 300 Demonstranten, vor allem Anwohner des Quartiers, nahmen sich Erlemanns Aufruf zu Herzen. Während drei Stunden wurde gepfiffen, getrommelt und musiziert. «Ich bin ausserordentlich zufrieden mit meinen Leuten», lobte Erlemann den Protest. In einer Ansprache forderte er die Anwesenden dazu auf, sich zu benehmen, und richtete ermahnende Worte an diejenigen, die eine Maske trugen. «Anonymous-Masken haben im Widerstand gegen Scientology Tradition. Dennoch bitte ich euch, eure Gesichter nicht zu verdecken», verkündete er mit einem Megaphon vor der versammelten Masse. Die Demonstration fand auf der gegenüberliegenden Seite des Tempels statt. Mehrere Polizisten sorgten dafür, dass niemand die Strasse betrat und den Verkehr störte. Zweitgrösste Demo gegen Scientology Auch prominente Gesichter nahmen an dem Protest teil. Wilfried Handl, der fast drei Jahrzehnte lang der höchste Scientologe Österreichs war und nun seit einigen Jahren gegen die Gruppierung kämpft, war von der Aktion beeindruckt. «Das ist die zweitgrösste Demonstration, die in Europa gegen Scientology jemals stattgefunden hat», sagt er Dank Spendengeldern habe er seine Reise in die Schweiz finanzieren können und würde nun alles haargenau für seinen Blog dokumentieren. Ursprünglich wäre eine Rede mit dem bekannten Aussteiger geplant gewesen. Doch statt der angekündigten zehn Minuten Krach hauten die Demonstranten derart motiviert auf die Pauken, dass der Lärm nie abbrach. Für eine Ansprache wäre es schlichtweg zu laut gewesen «Meine Rede braucht es überhaupt nicht mehr. Was hier passiert, sagt mehr als tausend Worte», so Handl. Währenddessen feierten die mehreren hundert geladenen Gäste von Scientology die Eröffnung des Prestigebaus. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit, versammelten sie sich im Hinterhof der Lokalität. Sektenboss David Miscavige hielt auf einem kleinen Podium eine feierliche Rede, die tosenden Applaus erntete, den die Demonstranten mit einem Pfeifkonzert quittierten. Die Stimmung blieb allgemein ruhig. Lediglich ein paar rohe Eier wurden aus der demonstrierenden Masse über die Strasse geworfen. Es blieb jedoch bei ein paar Verwarnungen von Seiten der Polizei, die während der ganzen Veranstaltung Präsenz markierte. Neues Zentrum Beim neu eröffneten Scientology-Zentrum in Basel handelt es sich laut der Organisation um eine sogenannte «Ideale Organisation» - die erste in der Schweiz sowie nach Berlin und Hamburg die dritte im deutschsprachigen Raum. Untergebracht sind darin ein Informationszentrum, ein Auditorium sowie Büro- und Beratungsräume. Das in einem früheren Gewerbebau an der Burgfelderstrasse eingerichtete Zentrum weist laut Scientology-Sprecher Jürg Stettler 4600 Quadratmeter Fläche auf. Darin tätig sein sollen rund 150 Personen. Hinzu kommen Besucher. Bisher verfügte die Organisation in Basel über ein kleineres Haus in einem anderen Quartier.

Tageswoche 25.04.2015,  Michel Schultheiss und Hans-Jörg Walter
Basel - Miscavige mit viel Lärm empfangen
Sektenboss Miscavige wird in Basel mit viel Lärm empfangen Zur Eröffnung der «Ideal Org» in Basel wurde der oberste Scientologe David Miscavige eingeflogen. Gleich nebenan machten über hundert Leute an einer bewilligten Demo kräftig Radau gegen die umstrittene Organisation.
Der Platz vor dem neuen Tempel ist proppenvoll. Bis in die Oltingerstrasse hinein drängen sich Scharen von geladenen Scientology-Gästen. Feierlich wird «Z’Basel an mym Rhy» eingespielt. Dabei kommt vor dem sterilen Bau kurz Musikantenstadl-Stimmung auf: Die zum grössten Teil von auswärts angereisten Besucher klatschen lautstark zum Takt. «Wir erwarteten 1500 Leute, doch es könnten bis zu 2000 sein», sagt Jürg Stettler, Mediensprecher von Scientology Schweiz. Laut Stettler sollen auch Scientologen aus Deutschland, Italien und Frankreich angereist sein. Der angekündigten Demo gegen die Einweihung des neuen Scientology-Zentrums sieht er gelassen entgegen: «Ich behaupte, dass nicht mehr als fünf Anwohner dabei sind.» Während sich um 13 Uhr die ersten Demonstranten formieren, geht es auf der anderen Seite der Burgfelderstrasse erhaben zu und her: Das achtzackige Kreuz prangt mächtig über dem Rednerpult. Auf der Bühne werden die Ehrengäste angekündigt und mit wehenden Flaggen empfangen. Marco Pulver, Vertreter des Bauunternehmens Implenia, tritt auf. Das ist eine Überraschung. Der Baukonzern teilt das Gebäude mit Scientology, hat aber bislang jede Verbindung mit der Sekte abgestritten. Pulver lobt die «Aufklärungsprogramme» von Scientology: «Die Jugend wird gegen den schleichenden Einfluss der Drogen gewappnet», sagt er. Das Programm wird von Fachleuten scharf kritisiert. Zu den Rednern gehört auch ein Mediziner. Er erklärt, wie er mit seiner Kritik an der Psychiatrie zur Organisation gefunden habe: «Scientology hat den Mut, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen». «Wir müssen das Land klären»: US-Sektenchef David Miscavige spricht an der Eröffnung. Etwa zur gleichen Zeit kommt es an der Oltingerstrasse zu unschönen Szenen. Der Versammlungsplatz ist mit Topfpflanzen abgeschirmt. Ein Mann möchte den abgesperrten Strassenabschnitt durchqueren. Sogleich stellen sich ihm zwei Scientology-Mitglieder in den Weg. Schroff wird er in englischer Sprache gefragt, ob er denn einen Sticker habe. «Lassen Sie mich bitte durch, ich wohne hier», meint der Passant. Schliesslich schalten sich zwei Polizisten ein und machen den selbsternannten Strassenwächtern klar, dass sie den Leuten den Durchgang auf öffentlichem Gebiet gewähren müssen. Allerdings hat jeder, der sich durch die Menge bahnt, eine Art unfreiwilligen Escort-Service am Hals – wer passiert, wird auf Schritt und Tritt verfolgt. Schliesslich kommt es auf der Bühne zu einem Überraschungscoup: Unter tosendem Applaus betritt der Star des Events, Scientology-Chef David Miscavige die Bühne. Sein Besuch war im Vorfeld Inhalt von Spekulationen, wurde jedoch von den Mediensprechern geheim gehalten. Strahlend prophezeit Miscavige den Anwesenden die Expansion seiner Organisation: «Heute Basel, morgen Bern, Zürich und Lausanne», sagt er salbungsvoll. Passanten zurückgedrängt: Der private Sicherheitsdienst von Scientology überschritt seine Kompetenzen. Dabei spricht er vom goldenen Zeitalter der Dianetik, welches diese Technologie Millionen von Menschen näher gebracht habe. Nebenbei zeichnet er mehrere führende Scientologen aus, die sich als «Freiheitskämpfer» hervorgetan hätten. «Das Ziel ist, dieses Land zu klären und es gibt kein anderes Ziel», verkündet Miscavige. Deshalb seien sie «New Civilization Builders», so etwa Patrick Schnidrig, Präsident von Scientology Basel. Auch dem leitenden Direktor Rudolf Flösser, welcher eine Treuhand-Firma betreibt, kommt diese Ehre zuteil: «Jetzt arbeitet er als eine Reinkarnation von Alexander dem Grossen für ein neues Schweizer Imperium», rühmt Miscavige die jahrelange Arbeit für die Organisation in Basel. Zum Schluss erscheint das Konterfei von L. Ron Hubbard. Eine gigantische Tischbombe explodiert, rote Schnipsel wirbeln durch die Luft und Ballone steigen in die Höhe: Das Band zur Einweihung der «Ideal Org» wird durchschnitten. Während die Menge jubelt, klingt es mittlerweile auf der anderen Seite ganz anders: Es kesselt, trillert, pfeift und trötet. Nach und nach verlassen die Scientologen das Festgelände. Ihr Weg führt zwangsläufig an den Demonstranten vorbei. Die Besucherkolonne wird vom anderen Trottoir aus mit Vuvuzelas, Pfannendeckeln, Kuhglocken und Buhrufen empfangen. Über hundert Leute beteiligen sich am Radau. Manche Demonstranten tragen Aluhüte und schrille Verkleidungen, zwei Saxofonisten geben Free Jazz zum Besten. Die Demonstranten haben unterschiedliche Hintergründe: Eine ältere Anwohnerin, die schon seit fast dreissig Jahren im Iselin lebt, unterstützt die meist jungen Demonstranten: «Scientology verhält sich uns gegenüber sehr aggressiv». Man hätte ihr ebenfalls während den Aufbauarbeiten den Weg versperrt. Zudem empfinde sie die Missionierungsversuche als Ärgernis. Ebenfalls reichlich Erfahrung mit Scientology hat ein Anonymous-Aktivist, der mit einer Guy-Fawkes-Maske mit von der Partie ist. Nach früheren Protestaktionen seien er und seine Kollegen schon von Sektenmitgliedern verfolgt worden: «Sie haben uns nachgestellt, wollten uns die Maske vom Gesicht reissen und unsere Identität aufdecken», erzählt er. Proteste: Rund hundert Demonstranten stellten sich den Scientologen entgegen. Andere Leute sind via Facebook auf die Demo aufmerksam geworden – so etwa ein Schüler, welcher gleich neben dem heutigen Tempel aufgewachsen ist. Auch eine Gruppe von Lehrlingen protestiert mit: «Wir finden, dass Scientology Abzocker sind und Leute ausnutzen», meint einer von ihnen. Von der Organisation hätten sie erstmals im Schulunterricht und durch die grossen Standaktionen am Barfüsserplatz erfahren. Der Anwohner Thomas Erlemann, welcher die «Gewaltfreie Aktion gegen eine Scientology-Zentrale» ins Leben gerufen hat, blickt zufrieden auf die Demo. «Es geht darum, Präsenz zu zeigen». Dabei möchte er weiterhin am Ball bleiben: Ein nächster Schritt sei, das Kreuz, welches gross an der Fassade prangt, anzufechten. Zudem soll eventuell aus der Protestaktion ein Verein he Scientology hatte zur Eröffnung des Basler Tempels gross mobilisiert. Zwischen den Scientologen auf der einen Strassenseite und ihren Gegnern auf der anderen, ist Thomas Kessler unterwegs. Der Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung möchte den Dialog zwischen Scientology und ihren Kritikern fördern. Dabei zieht er aber Jürg Stettlers Aussage, wonach sich kaum Nachbarn unter den Protestierenden befänden, in Zweifel. «Unmut ist sicherlich bei mehr als fünf Anwohnern vorhanden». Er sieht in der Eröffnung weitreichende Konsequenzen für das Iselin-Quartier. Insbesondere die Ausdehnung bereite ihm Sorgen: Gleich neben dem Tempel möchten die Scientologen Eigentumswohnungen bauen. «Auf der einen Seite gilt in Basel Toleranz, auf der anderen Seite müssen die Ängste der Anwohner ernst genommen werden», meint Kessler.

Bz Basel, 25.04.2015 
Scientology-Kritiker: «Einige Praktiken gehören verboten» 
Wilfried Handl, ein führender Scientology-Kritiker, fordert einen bewussten Umgang mit der Sekte. Er ist gegen ein generelles Verbot, denkt aber, dass einige Praktiken verboten werden sollten. «Wenn jemand zu Scientology will, dann wünsch ich ihm viel Spass», meint Wilfried Hendl im Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Scientology sei «ein Pickel von vielen». «Wenn es Scientology nicht gäbe, dann gäbe es etwas anderes.» Handl ist gegen ein generelles Verbot der Sekte, doch Praktiken wie das Missionieren, die «Reinigungsprogramme» oder die Verwendung des Kreuzes seien zu verbieten. Der 61-Jährige, der selbst der Sekte während 23 Jahren angehörte, bezeichnet sie heute als «autoritär und faschistoid». Am Samstag hat die Scientology im Beisein von David Miscavige in Basel ihre «Ideal Org» eingeweiht. Erwartet wurden 1500 Personen, gekommen sind geschätzte 700 bis 800. Die Organisation spricht selbst von 2500 Gästen. Begleitet wurde die Eröffnung durch einen lauten, aber friedlichen Protest von rund 150 Personen.

Blick, 15.04.2015, Beat Michel 
Widerstand gegen neuen Mega-Tempel der Pseudo-Kirche. Basler bieten Scientology die Stirn 
Scientology leidet an Mitgliederschwund. Da soll der neu erbaute Mega-Tempel in Basel Abhilfe schaffen. Doch in Basel regt sich nun heftiger Widerstand gegen die neuen Zuzüger. Der Countdown für das neue Zentrum an der Burgfelderstrasse 215 in Basel läuft. Am 25. April öffnet der Scientology-Mega-Tempel Ideal Org seine Pforten. Er ist der erste in der Schweiz. In Europa gibt es nur elf davon. Das Repräsentationsgebäude der Psycho-sekte soll neue Mitglieder anziehen, denn es gibt immer weniger. Bisher war Zürich mit 120 hauptamtlichen Mitgliedern das Schweizer Zentrum der Sekte. Mit dem Ideal Org wird es Basel. 150 Menschen sollen dort arbeiten. Mit 4600 Quadratmetern ist das Gebäude beinahe doppelt so gross wie jenes in Zürich. Die Scientologen sind im Iselin-Quartier nicht willkommen. «Mir ist es unheimlich, wenn die Menschenfänger hier unterwegs sind, wo unsere Kinder zur Schule gehen», sagt eine Anwohnerin. Unter dem Motto «Alles, was Krach macht» organisieren zwei Quartier-Originale eine Anti-Scientology- Party. «Wir werden die Eröffnung stören, so gut wir halt können», sagt Thomas Erlemann (50), Anführer der Basler Scientology-Gegner. Er ist Gründer der Organisa-tion «Gewaltfreie Aktion gegen eine Scientology-Zentrale in Basel». Ihn unterstützt der Informatiker Manfred Harrer (63), zuständig für die Aktualisierung der Internetseite. Harrer baut nebenbei eine Datenbank auf, die alle Basler Scientologen aufführt. «Damit sie nicht Firmen und Ämter infiltrieren können», sagt Harrer. Erlemann und Harrer geniessen breite Unterstützung. Etwa von Physiker Andreas Aste, Präsident der CVP-Sektion Grossbasel West und Privatdozent an der Basler Universität. Aste wohnt ebenfalls im Quartier: «Die Sekte hat einen Ruf, da läuten bei mir alle Alarmglocken. Sie beutet wehrlose Menschen aus.» Laut Aussteigern werden Mitglieder psychisch abhängig gemacht und finanziell ausgebeutet. Georg Otto Schmid (48), Leiter der evangelischen Infostelle Relinfo, sieht im neuen Tempel eine Offensive: «Scientology kämpft mit happigem Mitgliederschwund. Die Ideal Org sind Teil der aktuellen Kampagne, den Trend umzukehren. Grosse Bauten sollen neue Mitglieder anlocken.» Es werden zwar stets weniger, aber ein paar reiche Schweizer finanzieren Scientology nach wie vor. «Die verbleibenden Mitglieder stehen unter enormem Druck», sagt Susanne Schaaf (50), Geschäftsführerin der Zürcher Beratungsstelle Infosekta. «Sie arbeiten bis zur Selbstausbeutung, um die Vorgaben zu erfüllen.» Schlechtes Omen für das Basler Zentrum? «Der Ideal Org in Berlin war ein Flop», sagt Schmid: «Das Gebäude steht so gut wie immer leer.» Scientology Schweiz versteht den Widerstand nicht: «Die Anwohner werden uns gar nicht wahrnehmen, beteuert Sprecher Jürg Stettler. «Wir arbeiten da nur, missioniert wird woanders.»

Tageswoche, 02.04.2015, Matthias Oppliger
Scientology will Zentrum am 25. April eröffnen 
Die Basler Scientologen wollen ihre Ideal Org am 25. April eröffnen. Dazu seien über tausend Gäste eingeladen. Medien und Öffentlichkeit müssen jedoch draussen bleiben.
Am 25. April werden die Storen hochgezogen, dann wird der neue Hauptsitz der Basler Scientologen offiziell eröffnet. Es ist bereits der zweite Versuch. Zuerst schrieb die «bz Basel», der Basler Ableger der Scientology wolle den neuen Hauptsitz an der Burgfelderstrasse 215 Anfang März eröffnen. Dann wurde der Termin verschoben. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» begründete die Sekte die Verschiebung mit Bauarbeiten, die noch nicht abgeschlossen seien. Nun haben die Scientologen bei der Allmendverwaltung ein neues Gesuch eingereicht. Demzufolge soll die Eröffnung nun am 25. April stattfinden. Rolf Moll, Mediensprecher der Scientology Basel, bestätigt den Termin auf Anfrage zögerlich. «Wir wollen den Ball flach halten. Die Veranstaltung am 25. April ist nur für Mitglieder gedacht.» Erst in der Woche darauf seien auch «Tage der offenen Tür» vorgesehen. Für die Feierlichkeiten am 25. April erwarten die Scientologen viel Besuch aus dem In- und Ausland. «Wir rechnen mit bis zu 1500 Gästen», sagt Moll. Über das genaue Programm der Eröffnungsfeier will Moll nicht weiter Auskunft geben. «Der grösste Teil der Veranstaltung findet ohnehin im Gebäude statt, davon werden die Nachbarn kaum etwas mitbekommen», sagt er. Allerdings soll das Gebäude vor dem Betreten durch die Mitglieder von aussen feierlich eröffnet werden, ähnlich wie dies vor einigen Monaten in Kopenhagen geschehen ist.

BZ Basel, 06.02.2015, Samuel Hufschmid
Basler Scientology-Tempel steht kurz vor der Eröffnung im Iselin-Quartier 
Trotz heftigen Widerstands wird der erste "Ideal Org"-Prunkbau der Schweiz vermutlich bereits im März eingeweiht. Derzeit rekrutiert die Sekte schweizweit Mitarbeiter.
Ein internes Schreiben von Scientology zeigt, dass die Eröffnung der schweizweit ersten "Ideal Org", wie die Sekte ihre repräsentativen Zentren nennt, kurz bevorsteht. Scientology-Mitglieder aus der ganzen Schweiz werden am Samstag im Zofinger Stadtsaal erwartet, um "die Eröffnung zu einem Erfolg zu machen". Offenbar soll der Anlass auch dazu genutzt werden, zusätzliche Mitarbeiter für das Zentrum an der Basler Burgfelderstrasse zu finden. Der österreichische Sektenexperte und ehemalige Scientologe Wilfried Handl geht von einer Eröffnung in den ersten zwei Märzwochen aus. "Die Basler Ideal Org wird vermutlich am 7. oder 14. März eröffnet und dann am 21. März an der internationalen Geburtstagsfeier von Gründer Ron Hubbard im Dolby Theater in Hollywood als Beweis für den erfolgreichen Expansionskurs der Sekte präsentiert", so der 61-jährige, der selber 28 Jahre lang Mitglied von Scientology war und dadurch den Kontakt zu Frau und Kindern verlor. Mit den Recherchen der bz konfrontiert, bestätigt der Basler Scientology-Sprecher Rolf Moll, dass die Eröffnung kurz bevorsteht, jedoch ohne ein genaues Datum zu nennen. "Die Umbauarbeiten sind soweit abgeschlossen, momentan werden die Inneneinrichtungen installiert", so Moll. Der genaue Eröffnungstermin stehe noch nicht fest. Scientology Basel habe zahlreiche neue hauptamtliche Mitglieder sowie Interessenten, die in den nächsten Wochen dazu stossen würden. Diesen Zustrom von Mitgliedern bezweifelt Sektenexperte Handl. Er wisse aus internen Quellen, dass die Sekte grosse Mühe bekunde, genügend Mitarbeiter für die Basler "Ideal Org" zu rekrutieren. "Der nationale Rekrutierungs-Event, zu dem alle Mitglieder von Scientology Schweiz eingeladen sind, deutet darauf hin. Ich gehe davon aus, dass derzeit maximal 30 Mitarbeiter unterschrieben haben." Laut Handl sollen dereinst 150 Scientology-Mitglieder im Basler Prunkbau arbeiten - für 30 bis 50 Franken pro Woche. Mindestens ein neues hauptamtliches Mitglied ist gemäss eines internen Schreibens bereits in Basel. Es ist ein Mann im mittleren Alter, der den Sektenmitgliedern als "Livio aus Genf" vorgestellt wird und der nach eigenen Angaben nach Basel gekommen sei, um "das zu tun, was gewünscht und nötig ist, um eine geklärte, also scientologische Schweiz zu ermöglichen."