Archiv Presseartikel 2009-01

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2009

Tagespost 08.12.2009 
Kirchenbegriff klären Sekten-Expertin: Christen sollen gegen Scientology klagen
Hamburg (DT/KNA) Die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology des Hamburger Senats, Ursula Caberta, hat die christlichen Kirchen aufgefordert, gegen die Scientology-0rganisation wegen der Verwendung des Begriffs Kirche gerichtlich vorzugehen. Für sie sei Kirche immer das „Gotteshaus und nicht das Rob-Hubbard-Haus“, sagte Caberta am Freitag in Hamburg auf Anfrage. Der Nordamerikaner Lafayette Ronald Hubbard (1911 – 1986) ließ den Begriff „Church of Scientology“ 1953 als Markenzeichen eintragen und gründete ein Jahr später die gleichnamige 0rganisation. Der Begriff Kirche sei eine der Hauptirreführungen von Scientology, so Caberta weiter. Sie sicherte den Kirchen zu, sie bei der Vorbereitung einer Klage „tatkräftig und mit Freuden zu unterstützen“. Bisher allerdings sei keine Glaubensgemeinschaft auf sie zugekommen. Sie nannte es „unmöglich“, dass beispielsweise an der Hamburger Scientology-Zentrale das Wort „Kirche“ stehe. Über Presseberichte, wonach die Innenbehörde des Hamburger Senats in der Arbeitsgruppe Scientology Stellen streichen will, zeigte sich Caberta überrascht. Mit ihr habe die Behördenleitung darüber noch nicht gesprochen, „aber eigentlich bräuchte ich mehr Stellen statt weniger“, sagte die 59jährige, die die Arbeitsgruppe seit 1992 leitet. Ein Behördensprecher bestätigte auf Anfrage, die Arbeitsgruppe müsse im Rahmen der Haushaltskonsolidierung neu organisiert werden. Näheres sei hier noch nicht entschieden; mögliche Veränderungen würden erst 2011 wirksam. Die Arbeitsgruppe Scientology werde auch weiterhin ihre „wichtige Arbeit ausführen und Präventionsarbeit auf einem hohen Niveau leisten“, so der Sprecher der Innenbehörde. Die Hamburger schwarz-grüne Regierung will in den nächsten drei Jahren gut 1,15 Milliarden Euro einsparen. Die Arbeitsgruppe Scientolgy ist derzeit mit drei ganzen und drei halben Stellen besetzt.

Leipziger Volkszeitung, 03.12.2009, Peter Krutsch / Frank Döring
"Scientology auf dem Weihnachtsmarkt" 
Knuffig und kuschelig sehen sie aus, die auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt angebotenen Handpuppen der Marke Kumquats. Die Fäden im Hintergrund ziehe allerdings Scientolgy, so die Sektenexpertin Solveig Prass. Das Herstellerunternehmen, die L. Bodrik KG, werde nach streng scientologischen Grundsätzen geführt. „Die Puppen bezahlen Mutter oder Vater nicht einfach so, sondern es gibt eine Adoption. Auf dem entsprechenden Papier hinterlassen die Eltern wichtige Daten, wie ihre Adresse. Dann bekommen sie irgendwann Post. Und dreimal dürfen Sie raten, vom wem. Von der Sekte“, sagt Prass. Letztlich sei „Scientology auf dem Weihnachtsmarkt über diesen Umweg präsent“. Die Leipzigerin Prass arbeitet bei der hiesigen Eltern- und Betroffeneninitiative gegen psychische Abhängigkeiten. Sie rät Eltern, am Stand – er befindet sich etwa in der Mitte des Marktes – keine persönlichen Angaben zu machen. Dort verkauft eine ältere, nette Dame, die ihren Namen aber nicht nennen will, die Handpuppen. Dass ihr Auftraggeber („Ich bekomme 7,50 Euro pro Stunde“) etwas mit einer Sekte zu tun habe, sei ihr völlig neu, erzählt sie. Was Scientology bedeute, sei ihr gar nicht bekannt. Dennoch bekräftigt sie: „Ich will damit nichts zu tun haben.“ Auf 13 verschiedenen Weihnachtsmärkten würden die Puppen verkauft, seit sieben Jahren sei sie damit auf dem Leipziger Markt. „Für mich ist das lebenswichtig, da ich nur 400 Euro Rente bekomme. Meine Kunden möchte ich nicht verlieren. Die Kinder lieben diese Puppen.“ Und was kosten sie? „Zwischen 69 und 159 Euro.“ Prass sagt dazu: „Aufgrund des hohen Preises weiß Scientology auch gleich, dass bei den gesammelten Adressen ordentlich Geld zu holen ist.“ Die Stadt ist offenbar ahnungslos. „Wir haben unter 500 Bewerbern 250 ausgewählt“, erklärt Marktamtsleiter Herbert Unglaub. „Keiner der Standbetreiber muss offenlegen, was er mit seinen Einnahmen macht. Wir wussten nichts von einer solchen Verbindung zu Scientology, müssen jetzt alles gründlich prüfen und Konsequenzen ziehen.“ Prass behauptet dagegen, sie habe die Kommune im Vorfeld dieses Weihnachtsmarkts gewarnt. Weil Scientology Anfang des Jahres den Augustusplatz mieten wollte, habe es im Januar ein Gespräch gegeben. „Ich formulierte damals den Ablehnungsbescheid. Gleichzeitig habe ich auf die Firma Kumquats hingewiesen. Das Marktamt müsste eigentlich davon wissen. Ich verstehe nicht, warum die immer wieder zugelassen werden.“ Vielleicht, weil die Hersteller-Firma viel Energie aufbringt, um die Nähe zu Scientology zu leugnen. Auf einer eigens dafür eingerichteten Internetseite heißt es: „Kumquats und die Firma L. Bodrik KG sind weder rechtlich noch organisatorisch an die Scientology-Kirche gebunden.“ Der gesellschaftliche Aufstieg scheint der Firma geglückt zu sein. Arglos posiert selbst Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler schon mal mit Kumquats-Puppe Willi. Diversen Internet-Publikationen zufolge liegen Verbindungen der beiden Firmenchefs (die am Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen waren) zur Sekte auf der Hand: Sie werden von der International Association of Scientologists als großzügige Spender in einer „Honor Roll“ geführt. Laut dieser „Ehren-Liste“ hat einer der Kumquats-Eigner mindestens 20 000 Dollar gespendet, sein Partner gar 100 000 Dollar. Unter dessen Namen ist sogar eine Webseite angemeldet mit dem Bekenntnis: „Ich bin Scientologe.“

FAZ.net, 25.11.2009, Stefan Locke
Scientology Schleichender Niedergang
Der Brief klingt offiziell. „Sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist Sabine Weber, und ich bin für die Öffentlichkeitsarbeit der Scientology-Kirche in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt zuständig“, lautet der erste Satz eines Schreibens, das die Organisation seit Schuljahrsbeginn an weiterführende Schulen und Universitäten in Berlin schickt. Es gebe Unklarheiten, schreibt Frau Weber, und deshalb wolle man jetzt aufklären. Auf dem beigelegten Antwort-Fax sind die Optionen „Gespräch in der Schule“, „Besuch der Scientology-Kirche in Berlin“ und „Zusendung scientologischer Schriften“ anzukreuzen. Bisher sei noch kein Fax zurückgekommen, sagt Sabine Weber. Scientology ist kein Thema mehr - genau das ist schließlich der Anlass der Imagewerbung. „Wir haben per Rundschreiben alle Schulen über die Kampagne informiert“, sagt Stefan Barthel von der vor zwei Jahren eingerichteten „Leitstelle für Fragen zu Sekten“ des Berliner Senats. „Aber die wussten bereits selbst bestens Bescheid.“
Die gezielte Ansprache von Jugendlichen ist wohl der verzweifelte Versuch der sich selbst als Kirche bezeichnenden Organisation, in Berlin doch noch Fuß zu fassen. Vor knapp drei Jahren eröffnete Scientology seine „Hauptstadt-Zentrale“ in Charlottenburg, ein siebenstöckiges Haus mit Glasfront und Büros auf einer Fläche von 4000 Quadratmetern. Von hier aus wollte Scientology Lobbyarbeit betreiben, Einfluss auf Politik und Wirtschaft nehmen, Prominente für sich gewinnen und vor allem selbst schnell wachsen. In Berlin nicht Fuß gefasst „Um unsere planetarischen Rettungskampagnen in Anwendung zu bringen, müssen wir die obersten Ebenen der deutschen Regierung in Berlin erreichen“, hieß es 2006 in einem internen Strategiepapier. Scientology in Berlin sei verantwortlich, „die nötigen Zufahrtsstraßen in das deutsche Parlament zu bauen, um unsere Lösungen tatsächlich eingearbeitet zu bekommen in die gesamte deutsche Gesellschaft“. Politiker wurden mit persönlichen Anschreiben, Broschüren und DVDs der Organisation überhäuft. Doch bis heute hat sich kein einziger Adressat zu Scientology bekannt. Die Zufahrtsstraße ins Parlament ist noch nicht einmal ein Trampelpfad.
Schon im vergangenen Jahr bescheinigte deshalb der Berliner Verfassungsschutz, der wie fast alle Bundesländer Scientology wegen ihres aggressiven Auftretens sowie ihres totalitären Welt- und Menschenbildes beobachtet, der Organisation Erfolglosigkeit. „Die Berliner Niederlassung ist nicht die Deutschland- oder gar die Europazentrale“, heißt es im Jahresbericht 2008. „Ihre angekündigten Kampagnen, Werbe- und Lobbymaßnahmen blieben bislang erfolglos.“ Scientology stoße auf Ablehnung und habe in und um Berlin lediglich 200 Mitglieder. Sabine Weber spricht von 600, aber auch davon, dass das „noch längst nicht ausreichend“ sei. Stagnierende Mitgliederzahlen In ganz Deutschland gibt es zwischen 5000 und 6000 Mitglieder, schätzt der Bundesverfassungsschutz, doch auch diese Zahl sei seit Jahren unverändert. Scientology selbst hat die Zahl der Sympathisanten von einst 80.000 auf etwa 30.000 korrigiert, wovon circa 12.000 aktive Mitglieder seien, die regelmäßig in die „Kirche“ kämen. Mehr als drei Viertel der deutschen Scientologen leben in Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg, von einer Expansion aber ist auch dort nichts zu spüren. „Die Mitgliederzahl stagniert seit Jahren“, konstatiert der bayerische Verfassungsschutz, Baden-Württemberg attestiert der Organisation gar einen „schleichenden Niedergang“: „Die SO kann nur wenige neue Mitglieder dauerhaft an sich binden und ihre Stagnation nicht überwinden.“ Hamburg stellt bei Scientology ein aus „Mitgliederschwund“ resultierendes „reduziertes Kursangebot“ sowie „Überalterung“ fest. Da verwundert es, dass die Organisation bei dieser Lage nicht in die Offensive geht. „Offenbar schlägt hier die Finanzkrise durch“, vermutet Stefan Barthel von der Leitstelle für Sektenfragen. Zudem habe er schon länger den Eindruck, dass die Krisensymptome von Scientology in den Vereinigten Staaten (Austritte von Prominenten, Ausscheiden von Managern) auch auf die europäischen Dependancen wirken. „In Berlin etwa tritt Scientology nicht mehr so auf wie früher“, sagt Barthel. „Sie kommen weniger strategisch, sondern eher konfus daher.“ „Es brummt nicht“
Dass die Expansion in Deutschland stockt, weist nicht einmal Scientology selbst zurück. Mit der Finanzkrise oder den Ereignissen in Amerika und Frankreich habe das allerdings nichts zu tun. „Es geht eben nur sehr langsam voran“, sagt Jürg Stettler, Sprecher der Organisation in Deutschland und Präsident von Scientology in Zürich. „Es war schon immer so, dass nur wenige bei uns bleiben.“ Die Schuld sucht er bei anderen. „Durch die Kampagnen gegen uns sind die Leute extrem zurückhaltend.“ Freilich gebe es Gespräche mit Prominenten, auch Politikern, doch das sei vertraulich. „Wer sich öffentlich bekennt, über den fällt man doch sofort her.“ Auch Sabine Weber gibt zu, dass der Zulauf in Berlin nicht gerade einem „Lauffeuer“ gleiche und man in dem neuen Gebäude noch „viel Platz“ habe. Den nutzten jüngst etwa zwei ranghohe amerikanische Scientologen, die der Berliner Filiale auf die Sprünge helfen sollten. Laut Barthel aber ist der Effekt davon bisher ausgeblieben. „Scientology wirkt stark verunsichert und agiert eher zurückgezogen.“ Kontakte mit der Politik gebe es allenfalls noch sporadisch, und an den immerhin noch zahlreichen „Dianetik“-Infoständen in der Stadt tauchten stets die gleichen Personen auf, die jeden etwaigen Interessenten allerdings auch gnadenlos belagerten.
Nicht einmal die etablierten Kirchen malen beim Thema Scientology noch den Teufel an die Wand. „Es brummt nicht“, stellt Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) fest. Früher sei abends das gesamte Scientology-Gebäude illuminiert gewesen, heute leuchte allenfalls noch das Erdgeschoss. Utsch führt die Entwicklung auf Aufklärung, aber auch die starke Aufmerksamkeit zurück, die der Senat in den letzten Jahren der Organisation gewidmet hat. „Die Politik hat reagiert, aber eben anders, als Scientology sich das vorgestellt hat.“ Wissenschaftler plädiert für Gelassenheit „Scientology ist nirgendwo in Europa sonderlich erfolgreich“, sagt der Göttinger Sozial- und Religionswissenschaftler Gerald Willms. Von ihrer Hochphase in den achtziger Jahren sei die Organisation heute weit entfernt. „90 Prozent der Leute, die mal einen Kurs mitgemacht haben, finden's uninteressant und gehen danach nie wieder hin.“ Auch von den restlichen zehn Prozent entschließe sich kaum jemand, der Organisation beizutreten. „Wer es doch tut, glaubt offenbar fest daran“, sagt Willms. Im Zuge seiner Forschungen sei er ohnehin „immer wieder erstaunt, woran Leute so alles glauben“. Er plädiert für mehr Gelassenheit im Umgang mit der Organisation, was ihm wiederum heftige Kritik einbringt. Denn aus der aggressiven Bekämpfung von Scientology ist für manche Buchautoren und Talkshowreisende auch ein Geschäft geworden. „Scientology will gern groß, mächtig und schön erscheinen“, sagt Willms. „Genau so wünschen sich einige Gegner die Organisation auch, um den selbsterzeugten Alarm zu rechtfertigen.“ Aus Versehen werde heute jedoch niemand mehr Scientologe. „Wer das behauptet, ertrinkt auch im Schwimmbad, weil er nicht weiß, dass da Wasser drin ist.“ „Wer unbedingt Scientologe werden will, soll das auch tun, aber er muss eben wissen, worauf er sich einlässt“, sagt Michael Utsch von der EZW. Deshalb dürfe die Aufklärung nicht nachlassen. Die finanzielle und psychische Abhängigkeit, in die Mitglieder geraten können, sowie der enorme Druck auf Aussteiger seien eine ernstzunehmende Gefahr, der man jedoch besonnen begegnen müsse, rät auch Stefan Barthel. „Hysterie schadet nur. Mit einer nüchternen Herangehensweise ist viel mehr zu erreichen.“ So will Berlin künftig in seiner Präventionsarbeit stärker über Merkmale vereinnahmender Gruppen informieren und mit Jugendlichen vor allem über jene Bedürfnisse und Sehnsüchte sprechen, die durch Organisationen wie Scientology ausgenutzt werden. „Das Kümmern, Zuhören und Zeitnehmen wollen wir nicht diesen Gruppen überlassen“, sagt Barthel. Deshalb sollen Gemeinschaft und Geborgenheit auch in Schulen und Jugendeinrichtungen künftig eine große Rolle spielen. Berlins Scientology-Chefin Weber wiederum will ihrerseits aufklären, auch mit neuen Aktionen, auch an Schulen. Ein Ziel sieht sie in Deutschland immerhin schon erreicht: „Die wenigsten Gemeinschaften überstehen so massive Gegenkampagnen wie wir.“

Der Westen, 20.11.2009, Raphaela Spranz  
Harmlose Handpuppen... (alle Jahre wieder)
...werden auf dem Weihnachtsmarkt verkauft. Was viele nicht wissen: Der Kauf kommt Scientology zugute. Komm doch mal etwas näher”, flüstert die Verkäuferin des Weihnachtsstandes einer verschüchterten Dreijährigen zu, den Unterarm in einer zirka 50 Zentimeter großen Handpuppe – auch Kumquats genannt. Sie versteckt sich hinter dem zotteligen Haar und dem frechen Gesicht. Der Mund der Puppe bewegt sich synchron zu ihren Worten – eine Szene des Oberhauseners Weihnachtsmarkt am Centro. Harmlose Handpuppen? „Der Besitzer der Firma ist eindeutig Scientologe”, weiß Sabine Riede, Leiterin der Sekteninfo Essen. Doch viele Käufer ahnen nicht, dass sie mit diesem Weihnachtsgeschenk die Scientology-Kirche unterstützen – zumindest finanziell. Denn es ist durchaus bekannt, dass Mitglieder „einen hohen Anteil ihres Einkommens an Scientology spenden müssen”, so Riede. Unerwünschte Werbung von Scientology Ein Problem, das auch dem Centro-Management bewusst ist. Dennoch läuft der Verkauf aufgrund mangelnder Beweise weiter, denn „die Firma erhält das Geld, was sie damit macht, können wir nicht nachvollziehen”, bedauert Eventmanager Markus Remark. Die Herstellerfirma Bodrik erklärt in einer Stellungnahme im Internet ausdrücklich: „weder rechtlich noch organisatorisch an die Scientology-Kirche gebunden” zu sein. Eine sehr allgemein gehaltene Rechtfertigung. Möglicherweise um den Worten Glaubwürdigkeit zu verleihen, lässt der Weihnachtsmarktstand keinerlei Rückschlüsse auf die Sekte zu. Zudem fänden „keine Werbegespräche statt und es wird kein Infomaterial verteilt”, weiß Riede nach ausführlichen Testversuchen. Wahr sei jedoch, dass aus „Spaß und Spielerei” so genannte Adoptionsurkunden angeboten würden: Die Kunden können darin ihre Adressdaten oder die des beschenkten Kindes angeben – jedoch alles freiwillig. In manchen Fällen hätten Kunden daraufhin Werbematerial der Sekte in ihren Briefkästen gefunden. Auch eine NRZ-Leserin beschwerte sich über derartige ungewünschte Werbeversuche. Die Firma Bodrik antwortet auf diesen Vorwurf mit einer schlichten Gegenfrage: „Was soll irgendeine Kirche oder Weltanschauung mit Adressen von Leuten, die Puppen kaufen, anfangen?” Naja, Mitglieder werben zum Beispiel? Angefangen hat die Geschichte der Kumquats-Puppen bereits 1993 – unter Hervorhebung des pädagogischen Aspekts: Die Puppen sollten als Kommunikationsmedium den Zugang zu Kindern erleichtern und werden inzwischen in zahlreichen Bereichen eingesetzt: bei Zahnarztbesuchen, therapeutischen Sitzungen, polizeilichen Ermittlungen und auch in Kindergärten. Selbst in der Politik haben sie Einzug erhalten: Gesundheitsminister Philipp Rösler zeigt sich auf seiner Homepage mit der Kumquats-Puppe „Willi”. „Einem Kind, das Angst vor dem Arzt hat oder zu Hause mit der Puppe spielt, ist eine Verbindung zu Scientology egal”, merkt Remark an. Daher müssen die Eltern entscheiden, ob sie eine finanzielle Unterstützung in Kauf nehmen oder nicht. Unterstützung und nicht nur anonyme Beschwerden, wünscht sich auch das Centro. Denn Remark betont: „Aufgrund von Gerüchten können wir keine Verträge kündigen”. Würde sich jedoch herausstellen, dass beim Verkauf der Puppen beispielsweise Adressen verlangt werden, hätte man eine „Handhabe”.

SPIEGEL ONLINE, 20.11.2009, Hendrik Ternieden
"Scientology ist eine kriminelle Organisation"
Zwangsabtreibungen, Folter, Freiheitsberaubungen: Ein australischer Senator hat schwere Vorwürfe gegen Scientology erhoben, Premierminister Kevin Rudd erwägt eine Untersuchung. Die umstrittene Organisation weist die Anschuldigungen zurück. Hamburg - In Australien wurden in dieser Woche Vorwürfe laut, die schockieren: Von Zwangsabtreibungen, Folter und Freiheitsentzug bei Scientology war die Rede. Senator Nick Xenophone aus Adelaide legte Dokumente vor, in denen Aussteiger solche Anschuldigungen erhoben hatten, und forderte eine Untersuchung. "Scientology ist keine religiöse, sondern eine kriminelle Organisation, die sich hinter ihren sogenannten religiösen Überzeugungen versteckt", so Xenophone. Scientology wehrte sich in einer offiziellen Mitteilung: "Der Senator wird offensichtlich von früheren Mitgliedern unter Druck gesetzt, die Hassreden schwingen und Fakten verdrehen. Sie sind in etwa so zuverlässig wie geschiedene Eheleute, die über ihren Ex-Partner reden." Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu dem Thema ließen sowohl Scientology Australien als auch Scientology International in Los Angeles unbeantwortet. Dabei drohen den Scientologen große Schwierigkeiten. Australiens Premierminister Kevin Rudd erwägt eine Untersuchung, die Anschuldigungen seien "ernst" und müssten "sorgsam angeschaut" werden. Erst Ende Oktober wurde Scientology in Paris wegen bandenmäßigen Betrugs zu einer Strafe von 600.000 Euro verurteilt. Nicht überrascht Die Hamburger Scientology-Expertin Ursula Caberta verfolgt die Entwicklungen gespannt: "Es ist wunderbar, dass das in Australien auf höchster politischer Ebene angekommen ist", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Caberta gehört zu den profiliertesten Scientology-Gegnern in Deutschland und zeigt sich von den Vorwürfen nicht überrascht. "Zwangsabtreibungen gibt es vor allem in der Sea-Org, der Eliteorganisation innerhalb Scientologys", sagte Caberta. In Deutschland existiere die aber nicht, weshalb von derartigen Fällen in der Bundesrepublik nichts bekannt sei. In den USA berichteten Aussteiger dagegen seit Jahren immer wieder Ähnliches, so Caberta. Nun sind die Horrorgeschichten aus der Scientology-Welt offensichtlich auch im australischen Parlament angekommen. Freiheitsberaubung, Folter und Nötigung Xenophone zitierte vor dem Senat aus einem Brief, in dem Scientology-Aussteiger Aaron Saxton aus Perth ein Geständnis abgelegt hatte: Er selbst sei an Freiheitsberaubung, Folter und der Nötigung schwangerer Frauen beteiligt gewesen. Letztere habe er gedrängt, ihre Kinder abzutreiben. So sollte laut Saxton erreicht werden, dass die Frauen ihre Arbeitskraft auch künftig vollständig in den Dienst Scientologys stellten. In einem anderen Brief berichtete Carmel Underwood, eine frühere Scientology-Direktorin aus Sydney, dass sie als Schwangere extrem bedrängt worden sei, ihr Kind abzutreiben. 16-stündige Arbeitstage seien als Mutter schließlich nicht möglich - das sei der Hintergedanke ihrer Peiniger gewesen. "Alles, was der Expansion von Scientology nützt", so Ursula Caberta, "kann gemacht werden."

kath.net, 18.11.2009
Scientology droht Untersuchungsausschuss in Australien
Es handle sich um «eine kriminelle Organisation, die sich hinter sogenannten religiösen Überzeugen versteckt», sagt ein Senator. Canberra (kath.net/KNA) Australiens Premierminister Kevin Rudd ist grundsätzlich bereit, einen parlamentarischen Ausschuss zur Untersuchung der Aktivitäten der Scientology Church einzuberufen. Wie australische Medien am Mittwoch berichteten, reagierte Rudd auf Äußerungen des parteilosen Senators Nick Xenophon, der Scientology als «kriminelle Organisation» bezeichnet hatte. Der Senator berief sich dabei auf schriftliche Aussagen ehemaliger Scientology-Mitglieder. Diese sprachen unter anderem von erzwungenen Abtreibungen sowie Anwendung von körperlicher Gewalt und Erpressung.
Xenophon forderte die australische Regierung auf, die Steuerbefreiung für Scientology rückgängig zu machen. Es handle sich um «eine kriminelle Organisation, die sich hinter sogenannten religiösen Überzeugen versteckt.» Premierminister Rudd kündigte an, eine endgültige Entscheidung über die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu treffen, sobald die «schweren Anschuldigungen» Xenophons überprüft worden seien.

news, 01.11.2009, Ines Weißbach
Scientology «Nicht nur gehirngewaschene Sektenmitglieder»
Straflager und Morddrohungen oder eine Hilfe bei der Suche nach dem Sinn des Lebens? Die umstrittene Weltanschauungsgemeinschaft Scientology ist ein Fall für Religionswissenschaftler Andreas Grünschloß. Scientology unterwandert den Staat, kippt Gesetzesvorlagen, ist überall. Von solchen Verschwörungstheorien hält Religionswissenschaftler Andreas Grünschloß nichts. Zu bescheiden seien die Mitgliederzahlen in Deutschland, sagt der Religionswissenschaftler, der sich seit vielen Jahren mit der Glaubensgemeinschaft beschäftigt, die für viele schlicht eine Sekte ist. Von 30.000 zwar nicht aktiven, aber bei Bedarf aktivierbaren Scientologen spricht Jürg Stettler, Sprecher von Scientology Deutschland und Präsident des Kirchenvereins in der Schweiz. Nur 10.000 bis 12.000 hält Grünschloß für realistisch. Weltweit gibt es empirischen Erhebungen zufolge gerade 500.000 Mitglieder, nicht die von Scientology erhofften 12 Millionen. Zu wenige für eine scientologische Revolution. Für Jeannette Schweitzer, die den Verein Vitem gegründet hat und Scientologen beim Ausstieg hilft, ist das auf die gute Aufklärungsarbeit zurückzuführen. «Viele fallen auf Scientology nicht mehr herein. Die Leute, die drin sind, sind das schon seit 15 oder 20 Jahren», erzählt Schweitzer aus ihren Erfahrungen. Immer wieder kämen Eltern, Geschwister oder Freunde von Scientology-Anhängern zu ihr, um ihre Lieben aus den Fängen zu retten. Russland verweigert Scientology-Anerkennung zu Unrecht «Scientology hat in Deutschland einen schweren Stand, weil hier ein starker Gefahrendiskurs etabliert ist», erläutert Grünschloß. Für Stettler sind diese Diskussionen durchaus mühsam. «Ich empfinde es als eine Art Kreuzzug, die richtigen Informationen über Scientology herauszugeben oder mitzudiskutieren, weil so viele falsche Informationen verbreitet werden. In der Schweiz ist mir das schon ganz gut gelungen. In Deutschland habe ich noch zu knabbern. Das ist eine Herausforderung.» Die kritische Sicht auf die Organisation könne sich nach Grünschloß´ Meinung nur ändern, wenn sich auch Scientology ändere und nicht mehr an den Lehren L. Ron Hubbards unkritisch festhalte. In Deutschland fehle laut Stettler zwar die öffentliche Anerkennung, rechtlich habe man jedoch schon viel erreicht. Er spricht von ungefähr 50 Urteilen, die seine Glaubensgemeinschaft unter den Schutz der Religionsfreiheit stellen. Erst Anfang Oktober urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass Russland Scientology die Registrierung als religiöse Organisation zu Unrecht verweigert. In Spanien sei Scientology bereits genauso anerkannt wie die katholische Kirche. Auch in Italien gebe es eine religiöse Anerkennung. «In Deutschland, Frankreich und Belgien läuft dieser Kampf noch», sagt Stettler. Besonders Geschichten wie die von Jeannette Schweitzer, die drei Jahre für die Sekte lebte, Geld und Nerven an sie verlor und nach ihrem Ausstieg mit Morddrohungen traktiert und eingeschüchtert wurde, befeuern das negative Bild in Deutschland. Sie erzählt ihre Geschichte und gibt Beispiele anderer Aussteiger. «Jeder, der sich öffentlich gegen Scientology äußert, ist in deren Augen ein Schwerverbrecher. Deshalb haben alle anderen Leute ganz viel Angst. Wenn Mütter und Väter rauskommen, haben sie Angst um ihre Kinder. Oder sie haben viel Geld verloren und schämen sich dafür.» Auch Jürg Stettler kennt diese Aussteigergeschichten, wiegelt jedoch ab. «Das heißt nicht, dass es gar keine Leute gibt, die negative Erfahrungen gemacht haben mögen und dass immer alles perfekt gelaufen ist. Aber die Aussteigerstorys werden von einer verschwindend geringen, immer gleichen Personenzahl erzählt.» Stettler selbst ist seit 33 Jahren aktives Mitglied bei Scientology. «Ich habe mehr Sinn im Leben gesucht. Scientology hat mir zugesagt.» «Nicht jeder Scientologe ist ein ‹gehirngewaschenes›, von der Organisation aufgefressenes ‹Sekten›-Mitglied», räumt Religionswissenschaftler Grünschloß ein. Er spricht von einer «mitunter geradezu volkskirchlichen» Form der Teilnahme vieler Mitglieder, die nur ab und zu einen Kurs oder einen so genannten «sunday service» besuchen. Die Normalkarriere eines Scientologen bestehe darin, einen Kommunikationskurs zu besuchen, eventuell zwei Bücher Hubbards zu kaufen und sich wieder zu verabschieden. «Die Allerwenigsten bleiben wirklich hängen», sagt Grünschloß. Und dann gibt es sie doch, die Aufgefressenen, die im besten Fall zu Aussteigern werden. Ihre Kritikpunkte an Scientology sind laut Grünschloß immer die gleichen. «Je mehr jemand aktiv wird, desto mehr besteht die Gefahr, dass er von Scientology absorbiert wird. Nicht nur Lebens- und Arbeitszeit dort verbringt, sondern auch ökonomisch ausblutet.» Das könne zu einer Spirale werden, die Menschen abhängig von Scientology mache. L. Ron Hubbard, Gründer der Glaubensgemeinschaft, habe bereits in den 1960er Jahren begonnen, Scientology «fast militärisch zu regieren», sagt Grünschloß. Er habe einen internen Überwachungsapparat institutionalisiert, der die Mitglieder rigoros auf ihre Produktivität und Linientreue überprüft. Mehr Mitglieder, mehr Kursabsolventen, mehr Geld, sei die Devise der Glaubensgemeinschaft, die auch Jeannette Schweitzer bestätigt. Sie wurde von Scientology unter Druck gesetzt, weil sie nicht mehr «optimal funktionierte». Grünschloß sieht aber auch religiöse Elemente in der Lehre Hubbards. Das seien unter anderem die Etablierung von Übergangsriten, die Wiedergeburtslehre und die Vorstellung von der Befreiung der «Seele» aus dem Gefängnis der Materie. «Viele von Hubbards Rückführungsberichten wird man aber als gelenkte Fantasien zu verstehen haben und nicht als historisch glaubwürdige Schilderungen.» All dem liege ein «technizistisches Machbarkeitsideal» zugrunde. Diese Vermischung von modernem technologischem Weltbild, therapeutischen Interventionsverfahren und spirituellen Hoffnungen und Sehnsüchten findet Grünschloß interessant. Er würde Scientology daher «am ehesten als eine auf den Vertrieb ihrer therapieartigen Produkte ausgerichtete Organisation mit weltanschaulichem Charakter und ein paar religiösen Elementen» charakterisieren. «Mit einem gewissen Science-Fiction-Einschlag und intergalaktischer Mythologie steht die Organisation übrigens deutlich im Kontext von Ufo-Glaubensbewegungen der Fünfziger Jahre.» Er glaubt, dass es in der modernen Lebenswelt solche Phänomene wie Scientology noch öfter geben werde, denn viele Anbieter auf dem esoterischen und therapeutischen Markt praktizieren heute bereits ganz ähnliche Mischformen. Gallionsfiguren und Vorzeigescientologen Derweil will Jeannette Schweitzer auch 17 Jahre nach ihrem Ausstieg noch vor einer Organisation warnen, die besonders durch Prominente in die Öffentlichkeit rückt. Tom Cruise ist der Vorzeigescientologe. «Die Stars werden angehimmelt und sind Maschinen für die Öffentlichkeitsarbeit», sagt Schweitzer. Obwohl besonders Cruise in der öffentlichen Wahrnehmung wenige Sympathien wecke, verkaufe er dennoch seine Filme und stehe Scientology als Sponsor zur Seite. Jürg Stettler verneint jedoch, dass mit den Prominenten Werbung gemacht werde. «Das sind Mitglieder wie jedes andere auch.» Das öffentliche Interesse an dem kürzlichen Austritt von Regisseur Paul Haggis kann Stettler nicht verstehen. «Sie wussten wahrscheinlich nicht, dass er Scientologe ist. Wenn Tom Cruise ausgestiegen wäre, wäre eine Medienhype vielleicht verständlicher.» Dennoch bescheinigt auch Religionsforscher Grünschloß den besonderen Status von Cruise, Travolta und Co. «Scientology hat früh erkannt, wie wichtig solche Gallionsfiguren sind, mit denen man sich schmücken kann – und sie kommen daher in den Genuss einer entsprechenden Sonderbehandlung.»

Connection 11/2009,  Wolf Schneider
Die Pfui-Sekte 
Wie eine geld- und machtbesessene Gesellschaft mit ihrer Karikatur umgeht Seit vielen Jahren warnen die seriösen Institutionen unserer Gesellschaft vor den Sekten, insbesondere vor einer: Scientology. Nun inseriert die auch noch hier! Hat connection hiermit endgültig ihre Unabhängigkeit verloren? Eine Tirade ihres Herausgebers
Zum ersten Mal Kontakt mit Scientology bekam ich, als eine Freundin von mir, die immer mal wieder Phasen von Depression erlitt, dort Auditing-Kurse nahm. Das Auditing hatte ihr anfangs geholfen, nun wollte sie immer wieder dorthin, bezahlte viel dafür, die Kosten wurden immer höher, und sie verschuldete sich. Nun war die Depression schlimmer als zuvor, und sie hatte einen guten Grund mehr für ihre Deprimiertheit: die Verschuldung. Um sie zu verstehen las ich in dem Dianetik-Buch von Ron Hubbard. Sein Größenwahn und Ehrgeiz stießen mich ab, auch seine Methoden und die Totalität seiner anmaßenden Forderungen. Ich konnte nicht verstehen, wie man sich in eine solche Organisation begeben konnte. Erst viele Jahre später lernte ich Menschen kennen, die ich schätze, obwohl sie Mitglied bei Scientology sind, wie etwa den Maler Carl-W. Röhrig, von dem wir in connection Bilder veröffentlicht haben, darunter auch Titelbilder, und den Verleger Michael Kent, der die beachtliche »Kent-Depesche« heraus gibt (erfreulich radikal in ihrer Gesellschaftskritik, leider weitgehend unkritisch gegenüber Verschwörungstheorien). Dann gibt es noch einige, die bei Scientology gelernt haben und dann ausgestiegen sind, um was Besseres zu gründen, wie etwa Harry Palmer mit der Avatar-Lehre. In den Jahren 1994 bis 2001 veröffentlichten wir eine Reihe von Artikeln über »Religionen und religiöse Bewegungen« – insgesamt 44 gut recherchierte, mehrseitige Artikel, geliefert vom religionswissenschaftlichen Institut REMID in Marburg. Die Texte bestanden überwiegend aus einem einigermaßen neutral berichtenden faktischen Teil, dann kam eine kritische Würdigung. Behandelt wurden das Christentum, der Buddhismus, die Zeugen Jehovas, Falun Gong und viele andere, darunter auch (im Februar 1995) Scientology. Das hatte Folgen. Was, ihr habt was über Scientology geschrieben? connection, ist das nicht die Zeitschrift, die über Scientology was geschrieben hat? Ich erinnere: Die 90er Jahre, das war die Zeit, in der Ursula Caberta ihre Feindschaft gegen Scientology entfaltete und damit bei den großen Massenmedien (Spiegel, ZDF u.a.) Gehör fand sowie auch in der Politik. Als ich damals an einer Volkshochschule Vorträge geben wollte, musste ich unterschreiben, nichts mit Scientology zu tun zu haben. Jeder musste das. Es war wie ein sich bekreuzigen, bevor man als Dozent in diese Stätte öffentlicher Bildung eingelassen wurde. Hexenwahn Tief eingeprägt aus dieser Zeit hat sich mir die anonyme Postwurfsendung in einem kleinen Ort nahe unseres Verlagssitzes Niedertaufkirchen. Dort wohnte ein Frau, die gelegentlich für uns im Connectionhaus Seminare bekocht hatte. Sonst hatte sie kaum etwas mit uns zu tun, wir waren nur locker befreundet. Die Postwurfsendung warnte die Bewohner ihres Ortes davor, ihre Kinder mit denen unserer Gelegenheitsköchin spielen zu lassen. Warum? Weil ihre Mutter bei uns gekocht hatte, in einem Haus, in dem eine Zeitschrift erstellt wurde, die u.a. über Scientology berichtet hatte. Kritisch berichtet – egal: Wir hatten berichtet. Damit war offenbar das ganze Haus infiziert von dem Bösen, und wer dort ein und aus ging (Köchinnen, Briefträger …) gleich mit. Mich gruselt es bei solchen Vorfällen. Sie erinnern mich an den Hexenwahn, der Europa jahrhundertelang terrorisiert hatte, an Pogrome und Verfolgungen von Minderheiten aller Art, seien es nun ethnische, religiöse, politische oder sprachliche Minderheiten, Homosexuelle oder eben die so genannten »Sekten«, die ja meistens sehr friedliche Gruppen oder Grüppchen sind, oft viel friedlicher und friedliebender als die sie diffamierende Gesellschaft. Kirche oder Unternehmen? Unter diesen Gruppen ist Scientolgy auserkoren worden, auch dank des hohen persönlichen Einsatzes von Frau Caberta, als Vorzeige- und Pfui-Sekte zu dienen. Warum gerade Scientology? Ich meine, diesen Prominentenrang unter den Sekten hat Scientology der Tatsache zu verdanken, dass sie auf besondere Weise die sie diffamierende Gesellschaft karikiert. Ist Scientology eine Kirche oder »bloß« ein Wirtschaftsunternehmen? Die USA, Australien, Spanien, Portugal, Schweden und einige andere Länder haben sie als Kirche anerkannt. Als Russland der »Church of Scientology« den Status einer Religionsgemeinschaft versagte, fand der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das rechtswidrig – die Scientologen jubelten. Von mir aus dürfen sie gerne den Status einer Kirche haben. Ich halte von Kirchen eh nicht viel. Auch Kirchen sind Wirtschaftsunternehmen, einige davon so erfolgreich, da können die Scientologen vor Neid erblassen. Ihre Mitgliederzahl wird, um Panik zu schüren, notorisch übertrieben, wozu auch sie selbst in ihrem Größenwahn gerne beitragen. Vermutlich sind es in Deutschland nur etwa 12.000, das ist ein Sechstel von einem Promille der Bevölkerung. Die katholische Kirche als Ganzes, mit ihren in Deutschland etwa 25 Millionen, weltweit ungefähr eine Milliarde Mitgliedern, richtet weit mehr Schaden an als die paar Scientologen. Ethisch würde ich Scientology in etwa so beurteilen wie das vom Papst so geschätzte Opus Dei. Es ist zahlenmäßig ungefähr so groß wie Scientology, aber unvergleichlich viel mächtiger. »Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen« »Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen«, das soll Voltaire gesagt haben (hat er aber nicht, sondern Evelyn Beatrice Hall 1906 in »Die Freunde von Voltaire«. Wörtlich hat Voltaire gesagt: »Du bist anderer Meinung als ich, und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen«. Quelle: Wikipedia). Ich halte Ron Hubbard für durchgeknallt und größenwahnsinnig, die scientologischen Methoden nur in den seltensten Fällen für hilfreich, und der Orga misstraue ich. Soweit meine Beurteilung. Aber ich setze mich dafür ein, dass sie ihre Meinung sagen dürfen! Zum Beispiel auch hier in dieser Zeitschrift, mit einer Anzeige. Wer hat diesen Kommentar finanziert? Anzeige? »Was bekommt ihr denn dafür? Und ich hatte gedacht, connection sei unabhängig …« Wir bekommen für die Dreimalschaltung der unten stehenden Anzeige circa 1.700?€. Wenn ich die Abokündigungen davon abziehe, die mir die Annahme einer Anzeige dieser Pfui-Sekte einbrocken wird, und den Rückzug von Anzeigen »seriöserer« Kunden, bleiben mir vielleicht 1.000?€. Ha, habe ich endlich mal einen Artikel bezahlt bekommen! Einen Artikel, in dem ich über die Kirchen lästern kann und mich belustigen darf über eine Gesellschaft, die ihr eigenes Spiegelbild jagt: In der Gier, Machtbesessenheit und Pseudoreligiosität der Scientology-Kirche spiegelt sich die Gier, Machtbesessenheit und Pseudoreligiosität einer Gesellschaft, in der die Banken um ein Vielfaches größer und besser eingerichtet sind als die Kirchen – eine Gesellschaft, die dem Mammon dient, dem Wahn und dem Schein und die bereit ist, dafür sogar die Natur zu opfern, die uns Jahrmillionen lang so gut ern ährt hat. Beschmuddel ich mit dieser Tirade einen Anzeigenkunden? Ich denke, die Scientologen sind härteren Tobak gewohnt. Mit unseren Juxanzeigen (siehe auch unser Juxanzeigenmuseum) belustigen wir uns seit Jahren über krasse Auswüchse der Eso-Szene. Wer trotzdem bei uns inseriert, hat Humor oder ein dickes Fell. Oder ist wirklich gut. Bei den Scientologen vermute ich, dass sie ein dickes Fell haben. Und sie dürfen sich freuen: Eine ganze Doppelseite Kommentar des Herausgebers der Zeitschrift! Aufmerksamkeit ist die Währung unserer Zeit.

Tagesanzeiger, 31.10.2009, Hugo Stamm
Stettler willkommen beim Sasek-Kongress
Das Klassentreffen der unheimlichen Patrioten
Grosser Empfang für Weltverschwörer und Sektierer in der Olma-Halle: Stargast beim Anti-Zensur-Koalitions-Kongress ist Scientology-Boss Jürg Stettler. Will erklären, «was Scientology wirklich ist»: Sekten-Chef Jürg Stettler.
Zum Kongress der Anti-Zensur-Koalition (AZK) von heute Samstag in St. Gallen hat der 53-jährige «Apostel» Ivo Sasek eingeladen. Der ehemalige Zürcher Automechaniker verbreitet mit seiner grossen, international tätigen Sekte Organische Christusgeneration (OCG) seit vielen Jahren Drohbotschaften. Nach biblischer Doktrin propagiert er beispielsweise die Züchtigung der Kinder mit der Rute. «Du errettest sein Leben», behauptet Sasek, «blutige Striemen schützen vor der Hölle.» Sasek wurmt es seit langem, dass seine Gemeinschaft mit Sitz in Walzenhausen AR in der Öffentlichkeit als Sekte wahrgenommen wird und seine Anliegen in den Medien kaum Gehör finden. Deshalb startete er zusammen mit seiner Frau politische Aktionen und gründete die AZK. Aus dem Sektenumfeld stammt auch die Anti-Genozid-Partei (AGP), die gegen die staatliche Überwachung kämpft. Die AGP hatte Unterschriften für das Referendum gegen die biometrischen Pässe gesammelt. Die Partei ist überzeugt, dass die Bevölkerung bald mit implantierten Chips überwacht wird. Forum für Sektierer Die Anti-Zensur-Koalition hat sich in kurzer Zeit zu einem Forum für Sektierer entwickelt. Sasek organisiert regelmässig Konferenzen, die Hunderte Besucher anlocken. Die Stossrichtung lässt sich aus den Artikeln der «Anti-Zensur-Zeitung» ablesen. Es geht um die «tödlichen Mobilfunkstrahlungen», die «Nebenwirkungen der Homosexualität» («hohe Suizidrate, Depressionen, Ekel vor sich selber»), den Schwindel über die Klimaerwärmung, die neue Weltordnung und die Unfruchtbarkeit durch Gennahrung. In dieses Themenfeld passen auch antisemitische Töne. Die AZK-Zeitung zitiert einen Artikel der «Basler Nachrichten» vom 13. Juni 1946, wonach sich die Zahl der jüdischen Opfer im Zweiten Weltkrieg lediglich zwischen 1 und 1,5 Millionen bewegt habe. Ausserdem äussert das Blatt die Vermutung, dass die Schweinegrippe mithilfe der Gentechnik hergestellt worden sei und nun als militärische Waffe für biologische Kriegsführung diene. Aufschlussreich ist auch die aktuelle Referentenliste. In der Olma-Halle wird Scientology-Chef Jürg Stettler erklären, «was Scientology wirklich ist». Weitere Redner werden den «Impf-Terrorismus» anprangern und gegen die Klimalügen wettern. Warnung vor den Illuminaten Bei einer früheren Konferenz in Chur propagierte Harald Baumann die «Germanische Neue Medizin» des Scharlatans Geerd Hamer, ein anderer Referent beschwor die drohende Eugenik und die neue Weltordnung, und die Impf-Kritikerin Anita Petek Dimmer vom Verein Aegis warnte vor den Impf-Gefahren. In einem weiteren Vortrag wurde die Gefahr der Illuminati, der geheimen Weltregierung, thematisiert. Obwohl der Eintritt in die Olma-Halle gratis ist, zieht die AZK die Konferenz professionell auf. Die Referenten werden auf mehrere Leinwände projiziert und ihre Vorträge in verschiedene Sprachen übersetzt. Ein grosser Kamerakran kann Publikum und Vortragende effektvoll ins Bild rücken. Selbst die Verpflegung in den Pausen ist kostenlos. Moderiert werden die Grossveranstaltungen von Sektengründer Sasek persönlich. Ein grosses Orchester sorgt für einen würdigen Rahmen. Die eigens komponierte AZK-Hymne wird von sechs seiner zehn Kinder gesungen, wobei die Töchter in züchtigen langen Röcken auftreten. Ralph Engel, Abteilungsleiter bei den Olma-Messen St. Gallen, stützt sich auf den Entscheid der Gewerbepolizei ab, die den Kongress bewilligt hat. «Wir halten uns aus der politischen und gesellschaftlichen Diskussion heraus», erklärt er. Er werde aber genau prüfen, ob die Veranstalter sektiererisch auftreten oder gegen Sitten und Gebräuche verstossen werden. (Tages-Anzeiger)

Tagesanzeiger, 28.10.2009, Matthias Chapman
«Im Untergrund bestünde die Gefahr des Märtyrertums»
Das Pariser Urteil gegen Scientology bringt die Sekte in Bedrängnis. Sekten-Experte Hugo Stamm erklärt die Folgen, und warum die Schweizer Behörden nicht handeln.
Herr Stamm, falls die letzte Instanz das jetzt gesprochene Urteil bestätigt, ist Scientology in Frankreich dann am Ende? Scientology wird vermutlich Mitglieder verlieren und geschwächt werden, aber nicht am Ende sein. Die hohen Bussen werden den Aktionsradius einschränken, voraussichtlich würde aber die Mutterorganisation in den USA Geld einschiessen, um den französischen Ableger vor dem Konkurs zu retten. Wieso kam es gerade in Frankreich zum gross angelegten Prozess gegen Scientology? In Frankreich war die Toleranz gegenüber Sekten immer schon kleiner als in anderen europäischen Staaten. Seit dem Sektendrama um die Sonnentempler zwischen 1994 und 1997 gehen Justiz und Politik die Sektenproblematik noch seriöser an. Beispielsweise wurden Gesetze angepasst. Die Anklage hat das Urteil als «historisch» bezeichnet. Warum? In der jüngeren Zeit gab es keine vergleichbaren Urteile. Obwohl das Gericht unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft geblieben ist, sind die Strafen hoch ausgefallen. Ausserdem wurden erstmals Unterorganisationen wie das Celebrity Center, das sich um Promis kümmert, belangt. Bisher sind vor allem die Sektenbosse gerichtlich verfolgt worden, nicht aber Scientology als Organisation oder ihre Tarngruppen. Wird es in anderen Ländern Europas zu Prozessen gegen Scientology kommen? Das Urteil wird kaum auf andere Staaten ausstrahlen. Das Verfahren hat neun Jahre gedauert, ein Ende ist noch nicht in Sicht. So viel Durchhaltewillen kann man von anderen Ländern kaum erwarten, zumal Scientology in vielen Staaten juristisch als Glaubensgemeinschaft eingestuft wird. Wie sieht es in der Schweiz oder etwa in Deutschland aus? In der Schweiz fehlt den Behörden der Biss, sich mit der Sekte anzulegen. Diese müssten meines Erachtens wie in Frankreich untersuchen, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter arbeiten müssen und wie die Mitglieder indoktriniert und abgezockt werden. In Deutschland beobachtet zumindest der Staatsschutz Scientology, die Sekte ist aber kaum eine Gefahr für den Staat, dazu ist sie zu klein und die Exponenten sind zu wenig raffiniert. Das Pariser Gericht begründete sein Nein zum Verbot mit der Angst, Scientology würde aus dem Untergrund arbeiten. Wäre die Organisation so gefährlicher? Verschwinden würde Scientology nicht. Im Untergrund bestünde die Gefahr des Märtyrertums und der Radikalisierung. Ausserdem würde der Druck auf die Anhänger noch grösser. Gewonnen wäre also nichts.

Berliner Zeitung, 28.10.2009, Frank Nordhausen 
Scientology als kriminelle Bande verurteilt 
Pariser Gericht erkennt auf organisierten Betrug PARIS/BERLIN. Der große Gerichtssaal im historischen Palais de Justice in Paris war bis auf den letzten Platz besetzt, als das Urteil gegen die französische Scientology-Organisation erging. Die Richter verurteilten die umstrittene Sekte gestern wegen bandenmäßigen Betrugs zu hohen Geldstrafen. Ihre zwei wichtigsten Einrichtungen in Paris müssen 600 000 Euro Strafe zahlen, dürfen allerdings weiterarbeiten. Der Pariser Scientology-Chef Alain Rosenberg wurde zu zwei Jahren auf Bewährung und 30 000 Euro Strafe verurteilt. Drei weitere führende Mitarbeiter erhielten Bewährungs- und Geldbußen. Das Urteil sei "moderne Inquisition", sagte eine Sektensprecher-in; ihre Anwälte kündigten Berufung dagegen an. Mysteriöse Gesetzesänderung Die wichtigste Forderung der Staatsanwaltschaft, ein Verbot der Organisation in Frankreich, ist wegen einer umstrittenen Gesetzesänderung jedoch nicht mehr möglich gewesen. Ein Gesetz, sektenartige Organisationen aufzulösen, wenn ihnen Betrug nachgewiesen werden kann, war 1994 nach dem Massenselbstmord der Sonnentempler in Frankreich eingeführt worden. Kurz vor dem Auftakt des Scientology-Prozesses im Mai 2009 wurde es aber im Rahmen eines Gesetzespakets zur Rechtsvereinfachung von einer parlamentarischen Kommission wieder aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Seit die Änderung im September bekannt wurde, rätselt die Öffentlichkeit in Frankreich, wie es zur "Lex Scientology" kam und wer dafür verantwortlich ist. Selbst die Präsident Sarkozy unterstellte Interministerielle Mission gegen Sekten (Miviludes) wurde laut ihrem Sprecher Henri-Pierre Debord davon völlig überrascht. Laut Sprechern der Regierungsparteien wurde das fragliche Gesetz "aus Versehen" geändert. Scientology-Kritiker unterstellen der Organisation aber, die Nationalversammlung mit Lobbyisten unterwandert zu haben. Zwar hat die Justizministerin angekündigt, das Originalgesetz wieder einzuführen, nur kann es dann nicht mehr auf Vorgänge vor 2009 angewendet werden. In Gang kam der Prozess durch die Beschwerde einer Frau, die nach eigenen Angaben 21 000 Euro für Bücher, Seminare und Medikamente an Scientology gezahlt hatte, dafür aber nicht wie versprochen "geistig frei", sondern psychisch schwer geschädigt wurde. Andere Kläger schlossen sich an. Laut dem Urteil warb die Organisation neue Mitglieder tatsächlich mit strafbaren Methoden an und nahm ihnen hohe Geldsummen ab. Die Staatsanwaltschaft hatte neben der Auflösung von Scientology Geldstrafen von vier Millionen Euro gefordert. Der Anwalt der Privatkläger, Olivier Morice, hatte die Gesetzesänderung publik gemacht. Er bezeichnete die Verurteilung wegen "organisiertem gemeinschaftlichen Betrugs" gestern als historisch. Das Pariser Strafgericht habe dem Urteil "eine nationale und internationale Dimension" verliehen, um eventuelle Opfer vor den Methoden von Scientology zu warnen. Auch die Hamburger Scientology-Beauftragte Ursula Caberta begrüßte das Urteil. "Wenn vernünftig ermittelt wird, dann kriegt man Scientology auch verurteilt", sagte sie.

Tagesanzeiger, 28.10.2009, Hugo Stamm
Warum das Scientology-Urteil als «historisch» bezeichnet wird
Nachdem in Paris Scientologen zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden, jubelt die Anklage. Die Verurteilten kochen und die Richter erklären, warum sie von einem Verbot absahen.
Im neun Jahre dauernden Gerichtsverfahren gegen die Sekte und führende Scientology-Mitglieder verhängten die Richter in Paris gestern Dienstag hohe Strafen. Das Celebrity Center, das sich um Promis wie Tom Cruise und John Travolta kümmert, muss mehr als 600'000 Franken Busse zahlen, die Pariser Sektenbuchhandlung über 300'000 Franken. Anwalt Olivier Morice, Vertreter der Privatkläger, hat die Verurteilung von Scientology wegen bandenmässigen Betrugs als «historische Entscheidung» bezeichnet. Der Hauptangeklagte und oberste Scientologe in Frankreich, Alain Rosenberg, wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Busse von 45'000 Franken verurteilt, drei weitere Angeklagte erhielten bedingte Gefängnisstrafen von 10 bis 18 Monaten. Ihnen werden betrügerische Machenschaften vorgeworfen. Anklage wollte Auflösung Die Richter in Paris kamen zum Schluss, Scientology habe mit unlauteren Methoden neue Mitglieder angeworben und diese finanziell ausgenommen. Das Gericht warf der Sekte vor, ihren Mitgliedern unter Ausnutzung ihrer Schwächen bis zu 100'000 Franken abgeknöpft zu haben. Die Richter beurteilten diese Methoden, die auch in der Schweiz und andern Staaten angewendet werden, als rechtswidrig. Das Urteil weist auch ein Novum auf: Zum ersten Mal sind Unterorganisationen von Scientology als juristische Personen gerichtlich belangt worden. Das Gericht blieb bei seinen Urteilen allerdings deutlich unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte Bussen von insgesamt mehreren Millionen Franken und mehrjährige Haftstrafen für die verantwortlichen Scientologen gefordert. Ausserdem hatte der Ankläger für die Auflösung der Sekte plädiert. Die Angst vor der Untergrundorganisation Dazu kam es aber nicht, weil kurz zuvor unter mysteriösen Umständen ein Gesetz gestrichen worden war, das diese Massnahme erlaubt hätte. Sektenkritiker vermuteten, dass eine Intrige von Scientology zur überraschenden Aktion des Justizministeriums geführt habe. Als die Gesetzesänderung publik wurde, entbrannte in Frankreich ein Sturm der Entrüstung. Politiker und Parlamentarier erklärten sofort, die Gesetzeslücke so rasch als möglich wieder schliessen zu wollen. Das Pariser Gericht äusserte in seinem Urteil aber Zweifel, ob ein radikales Verbot eine sinnvolle Massnahme wäre. Es bestünde nämlich die Gefahr, dass Scientology aus dem Untergrund weiter agieren würde. Die Richter forderten deshalb eine bessere Beaufsichtigung von Scientology. Ein Rezept, wie die abgeschottete Sekte kontrolliert werden könne, hatten die Richter aber nicht. Berufung angekündigt Scientology bewertete das Verfahren als Ketzerprozess und Inquisition. Die Sekte akzeptiert das Urteil nicht und will Berufung einlegen.

rtbf.be, 27,10,2009, (Übersetzung F.G.)
Scientology – zwei Verfahren in Belgien anhängig 
Während die Scientology-Kirche sich am Dienstag durch die französische Justiz wegen organisierten bandenmäßigen Betrugs verurteilt sah, ist sie in Belgien Gegenstand zweier juristischer Verfahren. Eine Untersuchung der Scientology-Kirche begann 1997 in Belgien als Folge der Klage ehemaliger Mitglieder wegen Betrugs, Erpressung, gesetzeswidriger Ausübung der Heilkunst, Verstößen gegen wirtschaftliche Praktiken und kriminelle Organisation. Zwei Jahre später wurden an verschiedenen Sitzen der Bewegung Hausdurchsuchungen durchgeführt. 2007 forderte die Bundesstaatsanwaltschaft den Verweis (?) von zwölf natürlichen und zwei juristischen Personen, der Scientology-Kirche von Belgien und des europäischen Büros der internationalen Scientology-Kirche. Alle betreffenden Personen leugneten die Taten. Im vergangenen Mai hat die Verteidigung mehrerer Angeklagter vor der Ratskammer zusätzliche Auflagen verlangt. Diese Forderung, der teilweise stattgegeben wurde, wird bei der Berufungsverhandlung im November durch die Anklagekammer überprüft. Außerdem hat im vergangenen April die Bundespolizei am belgischen Sitz der Scientology-Kirche in Uccle im Rahmen eines Verfahrens wegen Urkundenfälschung und Betrug eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Die Untersuchung begann auf Grund von Informationen des regionalen Brüsseler Büros für Beschäftigung bezüglich der von der Scientology-Kirche erstellten Beschäftigungsverträge. Nur die Gemeinnützigkeit der Scientology-Kirche wird in diesem Stadium beschuldigt. Keine juristische Definition von Sekten Im Gegensatz zu Frankreich, wo die Sekten als Organisationen verurteilt werden können, die Personen in Situationen der Schwäche mental oder physisch missbrauchen, kennt die belgische Gesetzgebung keine juristische Definition von Sekten. Es gibt kein Verzeichnis von Sekten. Zufolge CIAOSN (dem Zentrum für Information und Beratung bezüglich schädlicher sektiererischer Organisationen) stellt die Scientology-Kirche in Belgien mit etwa 250 Mitgliedern eine marginale Bewegung dar. Die Scientology-Kirche von Belgien behauptet ihrerseits, 2000 Mitglieder zu haben. Die Scientology-Kirche von Belgien hat im vergangenen Mai ihren Sitz von Uccle nach Malines verlegt, wo etwa fünfzehn Personen tätig sind. Sie verfügt über ein Dianetikzentrum in Westhoek in Flandern. Die Bewegung dürfte demnächst in der Waterloo-Straße in Brüssel ein europäisches Zentrum eröffnen, das für den Verkauf von Waren (Büchern …) und Dienstleistungen bestimmt ist. Dieses Zentrum wird in sechs Stockwerken auf 2200 Quadratmetern eingerichtet. Die internationale Scientology-Kirche verfügt außerdem noch über ein europäisches Büro in der Gesetzes-Straße. Eine Bücherei der Scientology-Kirche, die sich früher in der kleinen Butterstraße in Brüssel befand, wurde im vergangenen Frühjahr geschlossen. Für die CIAOSN bedeuten Vorgänge wie die Schließung dieser Bücherei und die Übersiedlung des belgischen Sitzes in eine ‚auf internationaler Ebene weniger strahlende Zone’ einen Abstieg der Bewegung. Die Scientology-Kirche trat in Belgien Mitte der Siebzigerjahre in Erscheinung und erlebte gemäß CIAOSN ihren Höhepunkt Ende der Achtzigerjahre. Die Scientology-Kirche von Belgien versichert ihrerseits, dass die Anzahl ihrer Mitglieder zunimmt.

Stern, 27.10.2009
Scientology: Gericht verurteilt Scientology zu Millionen-Strafe 
Die französische Scientology-Bewegung ist wegen Betruges zu Geldstrafen von insgesamt 600.000 Euro verurteilt worden. Der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Auflösung folgten die Richter nach einer umstrittenen Gesetzesänderung nicht.
Die französische Scientology-Bewegung ist wegen Betruges zu Geldstrafen von insgesamt 600.000 Euro verurteilt worden. Der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Auflösung folgten die Richter nach einer umstrittenen Gesetzesänderung nicht. Zwei ehemalige Anhänger der Organisation hatten geklagt, weil sie dazu gedrängt worden seien, viel Geld für Persönlichkeitstests, Vitaminkuren, Saunagänge und "Reinigungspackungen" zu zahlen. Das Gericht verurteilte vier Führungsmitglieder der Organisation daraufhin zu Geldbußen sowie Bewährungsstrafen zwischen zehn Monaten und zwei Jahren. Scientology wies den Betrugsvorwurf zurück und kündigte Rechtsmittel an. Nach einer inzwischen zurückgenommenen Gesetzesänderung kurz vor dem Beginn des Prozesses im Mai war ein Verbot der Organisation ausgeschlossen. Scientology gilt in Frankreich offiziell als Sekte und wurde bereits 1997 und 1999 wegen Betruges angeklagt. In Deutschland steht die Bewegung unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Welt Online, 27.10.2009, Dietrich Alexander
Nachsicht mit Scientology
Scientology wurde in Frankreich wegen Betrugs verurteilt. Die Strafe wird die Organisation aus der Portokasse bezahlen. Für eine härtere Strafe fehlte es an politischen Willen.
Die französische Scientology-Sprecherin griff tief ins Archiv ihrer Kampfrhetorik: „Moderne Inquisition“ sei das Urteil des Pariser Strafgerichtshofs. Die Richter hatten die Sekte mit dem Anspruch eine Kirche zu sein zur Zahlung von 600.000 Euro und Bewährungsstrafen für vier Führungsmitglieder wegen organisierten Betrugs verurteilt. Scientology will in Berufung gehen, dabei hätte es viel schlimmer kommen können für die Organisation, die hierzulande unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. Der Staatsanwalt in Paris hatte die Auflösung sowie Geldstrafen in Höhe von vier Millionen Euro verlangt. Dass es dazu nach neun Jahre währenden Ermittlungen nicht gekommen ist hat zwei Gründe, einen gesetzgeberischen und einen gesellschaftspolitischen. Mangel an politischem Willen Der gesetzgeberische: Im Zuge eines Reformpaketes zur Rechtsvereinfachung wurde ein Strafrechtspassus „aus Versehen“ gestrichen, der ein Verbot ermöglicht hätte. Der gesellschaftspolitische: Das Gericht hätte sich natürlich zur Urteilsverkündung auf einen Zeitpunkt vertagen können, da der fehlende Zusatz wieder eingepflegt worden wäre. Doch dazu fehlte offenbar der Wille. Ein Verbot, so erklärte das Gericht, hätte die Sekte in den Untergrund gedrängt und damit unkontrollierbar gemacht. Obschon Scientology krimineller Machenschaften überführt wurde, zieht die französische Justiz nicht die daraus resultierende Konsequenz. Scientology kann die Geldstrafen aus der Portokasse begleichen und weiter Quasi-Enteignungen vornehmen. Kein Ruhmesblatt für Justitia. Herzlichen Glückwunsch Scientology!

NZZ-Online, 27.10.2009, Manfred Rist
Urteil gegen Scientology in Frankreich - Hohe Geldstrafe wegen organisiertem Betrug
In einem mit Spannung erwarteten Urteil hat das Pariser Strafgericht die Scientology-Kirche am Dienstag des «bandenmässig organisierten Betrugs» für schuldig gesprochen und zu einer insgesamt 600'000 Euro hohen Geldstrafe verurteilt. Gegen vier führende Exponenten der Sekte haben die Richter zudem bedingte Freiheitsstrafen zwischen eineinhalb und zwei Jahren sowie individuelle Geldbussen ausgesprochen.
Das Urteil entzieht Scientology zwar nicht Geschäftsgrundlage; eine Auflösung der Organisation stand nach einer kürzlich verabschiedeten Gesetzesrevision ohnehin nicht mehr zur Debatte. Doch der Schuldspruch stellt die dubiosen Praktiken der Organisation und den manipulativen Umgang mit ihren Mitglieder bloss. Die Richter verlangen in diesem Zusammenhang, dass das Verdikt in französischen Zeitungen publiziert wird.
Das Urteil, das gemäss einem Rechtsvertreter der Organisation angefochten werden soll, geht auf zwei Klagen von ehemaligen Mitgliedern zurück. Sie warfen Scientology die Ausnutzung ihrer damaligen seelischen Notlage vor. Aufgrund ihrer Lebenskrise, die eine hohe Beeinflussbarkeit und Leichtgläubigkeit zur Folge hatte, waren sie zu hohen Ausgaben für Kurse, Bücher und Medikamente genötigt worden. Ursprünglich waren sechs Kläger gegen die Sekte aufgetreten. Vier von ihnen zogen später ihre Klage zurück, vermutlich im Rahmen einer aussergerichtlichen Einigung. Scientology zählt nach Schätzungen aus Gerichtskreisen in Frankreich etwa 3000 Anhänger.

SF Tagesschau, 27.10.2009
Scientology in Frankreich wegen Betruges verurteilt 
Die Sekte «Scientology» ist in Frankreich von einem Gericht wegen Betruges zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt worden - und dennoch mit einem blauen Auge davongekommen. Ein französisches Gericht hat die Scientology-Kirche wegen Betruges zu hohen Geldstrafen von verurteilt. Zwei Scientology-Einrichtungen, das «Celebrity Centre» und die Buchhandlung SEL, müssen 400'000 beziehungsweise 200'000 Euro Strafe zahlen. Der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Auflösung der Bewegung folgten die Richter nicht. Der Gründer und Leiter des französischen Ablegers, Alain Rosenberg, wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und muss 30'000 Euro Strafe zahlen. Das Gericht blieb mit seinem Urteil deutlich hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Scientology gilt in Frankreich offiziell als Sekte und wurde bereits 1997 und 1999 wegen Betruges angeklagt. In Deutschland steht die Bewegung unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Filmreporter, 26.10.2009, Carlos Corbelle
Gegen Schwulendiskriminierung 
Paul Haggis verlässt Scientology 
35 Jahre lang war Paul Haggis Mitglied von Scientology. Nun verlässt der Regisseur die Kirche. Im Internet publiziert er einen wütenden Brief mit den Gründen. Darin bringt Haggis seine Empörung über die Diskriminierung von Homosexuellen zum Ausdruck. 26. Okt 2009: Wie das Entertainmentmagazin Movieline am 25. Oktober 2009 berichtet, hatte die Niederlassung in San Diego einen Volksentscheid gegen Schwule unterstützt. Haggis forderte Scientology mehrmals auf, die Aktion öffentlich zu verurteilen. In seinem Brief macht der Filmemacher den derzeitigen Scientology-Sprecher Tommy Davis dafür verantwortlich, nichts gegen die Anti-Schwulenkampagne unternommen zu haben. 

Basler Zeitung, 17.10.2009, Hugo Stamm
Katie Holmes widersetzt sich Tom Cruise
Die Schauspielerin schickt Tochter Suri nicht in die Scientology-Schule. Stattdessen soll das Mädchen im Geist des Papstes erzogen werden.
Wer kennt ihn nicht, den heimlichen Wunsch, prominent zu sein? Ein paar öffentliche Streicheleinheiten befriedigen narzisstische Neigungen schliesslich aufs Beste. Deshalb wurden auch die Castingshows erfunden. Die einfachste Art, ins Rampenlicht zu treten – oder getreten zu werden –, ist mit dem Umstand verbunden, Kind prominenter Eltern zu sein. Suri ist als Tochter der Schauspieler Tom Cruise und Katie Holmes ein typisches Beispiel. 
Ihr Vater ist zugleich der prominenteste Scientologe überhaupt. So viel VIP auf einmal kumuliert sich auch in der Glitzerwelt von Hollywood nicht täglich.
Die «stille Geburt» Schon bei der Geburt manifestierte sich dieser doppelte Promistatus. Die Medien rätselten wochenlang über die als «stille Geburt» angekündigte Niederkunft. Scientologen glauben nämlich, dass störende Geräusche bei einem traumatischen Akt wie der Geburt negative Prägungen verursachen. Damals, am 18. April 2006, war die Welt von Cruise noch heil. Seine überbordende Freude hatte der 47-jährige schon vorher öffentlich in der Fernsehtalkshow von Oprah Winfrey zelebriert. Der Schauspieler hüpfte auf dem Sofa herum und schrie: «Ich bin verliebt, ich bin verliebt.» In der Folge wurde die Formulierung «jumping the couch» in den USA zum Synonym für einen Selbstdarsteller, der öffentlich seinen Ruf ruiniert – und zum treffendsten Slang-Ausdruck gewählt. Suri weiss noch nichts von ihrem öffentlichen Status. Das Mädchen freut sich wie die meisten Kinder, bald zur Schule gehen zu dürfen. Für Scientologen ist die Einschulung allerdings meist der Beginn der Sektenkarriere. Das Sofaglück von Papa Tom wäre damit vollkommen. 
Hat Tom Katie «nicht richtig gehandhabt»?
Doch es kam anders. Katie Holmes macht Tom Cruise Stress. Ihre Skepsis gegenüber Scientology hat sich offensichtlich zu einer handfesten Allergie entwickelt. Amerikanische Medien behaupten sogar, Katie weigere sich inzwischen, mit Tom das Bett zu teilen. Die Folgen bekommt Suri zu spüren. Sie soll in der Schule nicht unter den Lernmethoden von Scientology büffeln, sondern im Geist des Papstes erzogen werden. Ihre Mamma hat sie beim Yawkey Center in Boston angemeldet. Für Cruise ein GAU: Nach der Schmach am Familientisch kommt der Showdown im Scientology-Zentrum. Denn nach scientologischer Ethik hat Vorzeigemitglied Cruise seine Frau «nicht richtig gehandhabt». Das ist die kapitale Sünde eines Stümpers, der die Hubbard-Doktrin weder begriffen hat noch sie umzusetzen weiss. Für Cruise folgt – falls die Scientology-Regeln auch bei ihm angewandt werden – das übliche Programm zur Wiedergutmachung. Es beginnt mit einem Sicherheitscheck, bei dem das Hubbard-Elektrometer im Mittelpunkt steht. Dieses Gerät, benannt nach dem Sektengründer Ron Hubbard, soll die seelische Ladung des Schauspielers messen. In Wirklichkeit aber dient die Maschine, die ähnlich wie ein Lügendetektor funktioniert, dem Verhör. 
Zur «Umerziehung» einrücken
Gelingt es Cruise nicht, seine Frau auf den Pfad der Sektentugend zurückzuführen, drohen immer härtere Sanktionen. Es beginnt mit dem Reinigen von WCs und kann im sekteneigenen Straflager RPF enden.
Was ihn dort erwartet, könnte Cruise vom Schweizer Scientology-Chef Jürg Stettler erfahren. Der musste vor ein paar Jahren nämlich, weil er einen Prozess verloren hatte, zur «Umerziehung» einrücken. Aussteiger erzählen, dass die Insassen dort schuften und die Hubbard-Weisheiten bis zum Umfallen studieren – teilweise unter Sprechverbot. Suri dürften die drohenden Strafmassnahmen gegen ihren Vater wenig kümmern. Sie wird einen Teil des Promi-Ballastes abwerfen und sich über neue «Gspänli» freuen können, die keine Ahnung haben, wer Cruise und Hubbard sind.

Der Standard, 06.10.2009
Wie man Scientology ärgern kann
Vom Internet in die Realität: Anonymous-AktivistInnen demonstrierten in London vor einem Scientology-Gebäude. Seit bald zwei Jahren sorgen die Aktivisten von "Anonymous" mit ihren Aktionen für Wutanfälle bei Scientology Am 18. Jänner 2008 begann eine der größten virtuellen Schlachten in der Geschichte des Internet. Doch damals ging es weder um Wirtschaftsspionage noch um zwischenstaatliche Konflikte, sondern um die Zensur im Internet und den Umgang mit Kritik. An diesen Tag startete die 4chan-Hackergruppe "Anonymous" mit einer großen Denial-of-Service-Attacke gegen "Scientology". Mit den Mitteln der Trolle Laut einem Bericht des US-Magazins "Wired" liegt der große Erfolg von Anonymous in der Wahl der eingesetzten Mittel. Die AktivistInnen haben das "Trolling" kultiviert und für ihre Ideen nutzbar gemacht. Dadurch wurde eine neue Art des politischen Aktivismus gestartet, meint Wired. Ein Video als Auslöser Der Auslöser für die Kontroverse war ein Video in dem der US-Schauspieler und Scientologe Tom Cruise seine Kirche bewirbt. Das Video gelangte auf YouTube und wurde rasch zum Hit. Doch dürfte man bei Scientology die Auswirkungen der Kritik nicht bedacht haben und entschied sich das Video wieder entfernen zu lassen. Als Antwort auf dieses Vorgehen startete "Anonymous" am 21. Jänner mit seinem Antwortvideo "A Message to Scientology" und entsprechenden Attacken auf die Webportale des Widersachers. Don't feed the Trolls Das US-Magazin Wired widmet sich ausführlich dem Konflikt zwischen Anonymous und Scientology und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Warum hat es Scientology nicht geschafft die KritikerInnen verstummen zu lassen? Wieso konnte Anonymous überhaupt eine derart große Aufmerksamkeit erregen? Die Antwort: Scientology hat einen großen Fehler begangen - sie haben eine Grundregel nicht beachtet, und diese lautet: Don't feed the Trolls". Eine weltweite Bewegung "Anonymous" erwuchs aus einer spontanen Idee, ohne einen fixen Plan und eine festgelegte Führungsebene. Wer wollte, konnte partizipieren und den Gedanken vorantreiben. Wie ein großer Bienenschwarm gab die Gruppe die Richtung vor und alle konnten folgen, neue Ideen einbringen und sich spontane Aktionen einfallen lassen. Einzige Regel war lediglich, dass sich die Mitglieder auch untereinander nicht mit echtem Namen kannten. Alle Aktionen wurden nicht von einer bestimmten Person durchgeführt, sondern stets von der anonymen Gruppe als Gesamtheit. Innerhalb kürzester Zeit wurde "Anonymous" zu einem weltweiten Phänomen. Auch und vor allem, weil Scientology den Aktivitäten sehr viel Bedeutung zumaß und so für eine enorme Aufmerksamkeit sorgte. "Hello, leaders of Scientology. We are Anonymous" Mit diesen Worten, gesprochen von einer metallenen Computerstimme, begann die erste Botschaft von Anonymous an Scientology. Die Nachricht endete mit den Worten: "We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us." "Project Chanology" Die Kampagne gegen Scientology, unter den TeilnehmerInnen besser bekannt als "Project Chanology", wurde in den nächsten Monaten weitergeführt und um zahlreiche neue Aktionen erweitert. Immer neue Ideen, die über die unterschiedlichsten Kanäle im Internet verbreitet wurden, zeigten Wirkung. Das "Project Chanology" markierte einen neuen Höhepunkt im Bereich der Online-Demonstrationen und kann im Nachhinein als die wohl erste große Aktion einer Gruppe sozialer AktivistInnen bezeichnet werden, die nachfolgenden Ideen einen deutlichen Stempel aufdrückten. Ein wesentliches Element der Kampagne war das Ausnützen einer der wohl zweifelhaftesten Ausprägungen die das Internet geschaffen hat - nämlich des "Trolling". Umgeben von Trollen Trolling ist - zumindest für den Troll - ein Akt zur Unterhaltung. Für Anonymous war es lange Zeit eine Art zu Leben. Trolling bedeutet unverdächtige Web-Communities mit Botschaften zu verstopfen, die wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun haben, dafür aber einzig und alleine darauf abzielen Unruhe zu stiften, Diskussionen anzuheizen oder zu beleidigen. Aufmerksamkeit ist das große Ziel der Trolle. Dank der Aufregung innerhalb der Scientology-Community konnten sich die AktivistInnen nicht über das Fehlen von Aufmerksamkeit beschweren. "Operation Slickpubes" Bald schon folgten den virtuellen Attacken die ersten Aktionen in der Realität. Demonstrationen vor Scientology-Kirchen in den USA und Europa - die AktivistInnen dabei mit Guy Fawkes-Masken bekleidet - bildeten medienwirksame Höhepunkte abseits der Internet-Aktionen. "Operation Slickpubes: Anonymous vs. Scientology" zeigte auch wie sehr Einzelaktionen oder besser gesagt deren Publikmachung im Internet weiter für Ärger bei Scientology sorgten. Der Kampf gegen die TerroristInnen Scientology startete sehr bald mit eigenen Aktionen gegen Anonymous. Von Anfang an versuchte man die Öffentlichkeit dazu zu überzeugen, dass es sich um mehr oder weniger verrückte Menschen handelte. Als diese Argumentationskette nicht zur vollen Zufriedenheit von Scientology griff, wurden "Anonymous"-AktivistInnen zu TerroristInnen erklärt. "Das ist eine terroristische Organisation", wird Scientology-Sprecher Tommy Davis von Wired zitiert. "Ihre Absicht ist es Angst und Hass zu schüren. Dafür gibt es keine andere Erklärung." Der Ordner mit "Anonymous"-Attacken gegen Scientology Kirchen aber auch MitarbeiterInnen wuchs stetig an, so Davis, der aber nun der Meindung ist, dass "Anonymous bald nicht mehr existieren wird." Man habe vor Gericht erste Erfolge feiern können und werde weiter hart gegen die Aktionen vorgehen. Ein Erfolg Die Faszination, die Anonymous auf viele Menschen auszuüben scheint, liegt nicht in der Tatsache welche Seite hier Recht oder Unrecht hat, sondern in einer neuen Art von sozialem Engagement. Selbst wenn das Ziel von "Project Chanology" - nämlich Scientology in die Schranken zu weisen - scheitern sollte, so haben die Aktionen doch zu einem wesentlichen Wandel im politischen Aktivismus geführt. Zahlreiche andere Projekte - etwa Operation Didgeridie oder Project Controll, die gegen die australischen beziehungsweise chinesischen Zensurversuche im Internet vorgehen - nutzen jene Kanäle, die Anonymous erstmals verwendet hat. Im Juni wurde das "Why we Protest"-Netzwerk von Anonymous zu einem wesentlichen Forum zur Unterstützung der iranischen Opposition. Das perfekte Duo Ob sich die Erfolge von Anonymous vs. Scientology auch bei einem anderen Widerpart wiederholen lassen, bleibt allerdings fraglich. Immerhin haben sich hier zwei absolute Extreme gefunden, die mit der anderen Seite so gut wie keine Gemeinsamkeit haben: Auf der einen Seite organisiertes Chaos abseits jeder Regeln und mit einem enormen Spaßfaktor und einer Portion Verrücktheit, auf der anderen eine starre Organisation mit hierarchischen Regeln. Das "Project Chanology" wird in die Geschichte eingehen, wenn nicht als erste Ausgeburt einer neuen Form des Online-Protestes, so sicherlich als der letzte epische Kraftakt der Internet-Trolle.

a-z.ch, 22.09.2009, Andrea Weibel
Scientology jetzt in Hermetschwil
Im Mai wurde das «Reiner Körper Klares Denken»-Center in Hermetschwil-Staffeln eröffnet. Das Konzept dahinter stammt vom Gründer der Scientology.
Ein Flugblatt sorgte in der vergangenen Woche für Aufsehen in Hermetschwil-Staffeln. Mit einem Zitat von L. Ron Hubbard, dem Begründer von Scientology, warb das im Juni im Industriegebiet von Hermetschwil eröffnete «Reiner Körper Klares Denken»-Center für einen Vortrag. Thema: die ebenfalls von Hubbard entwickelte Dianetik. Inhaberin Yvonne Steimer hat die Lizenz von der Scientology Kirche International, bestimmte Dienste zu liefern, worunter auch ein Reinigungsprogramm gehört. «All diese Dienste zielen darauf ab, geistige Barrieren wie Stress und Angstzustände zu bewältigen und ein höheres geistiges Bewusstsein zu erlangen. Doch wir binden die Leute nicht an uns. Sie kommen einmal den Film anschauen und brauchen uns dann im Prinzip nicht mehr.»
Nicht für kranke Leute 
Der AZ zeigte Steimer ihre Räumlichkeiten, die sich über zwei Stockwerke des modernen, leuchtend hellblauen Gebäudes erstrecken. Im unteren Stock befindet sich das Entgiftungszenter mit Sauna, darüber sind Sitzungs- und Vorführräume sowie Büros untergebracht. Doch das Center ist nicht für erkrankte Leute gedacht. «Unsere Zielgruppe sind gesunde, interessierte Menschen, die mehr über sich erfahren wollen», beschreibt die 38-jährige Mutter zweier Kinder. Bei der Entgiftung würden nicht Drogensüchtige geheilt, sondern Menschen von ihren im Alltag durch Elektrosmog oder Medikamente aufgenommenen Giftrückständen im Körper befreit. Zudem zeige die Dianetik, wie man mithilfe von spezifischen Gesprächen - ob mit Fachpersonen des Centers oder Freunden - seine Probleme oder Ängste auf frühere schlimme Erlebnisse zurückführen und diese ausmerzen könne. Scientology sei auch keine Sekte, so Yvonne Steimer. «Es ist eine angewandte religiöse Philosophie», sagt sie, «denn eine Sekte ist eine Absplitterung einer Mutterkirche, und das ist Scientology nicht. Ausserdem wird keine Einzelperson dadurch bereichtert.» Zudem müsse man nicht Mitglied werden, um bei ihr Entgiftungskuren zu machen oder Vorträge zu besuchen, macht sie klar. 
«Kein Problem für Gemeinde» 
Ihre Türen stehen Interessierten offen, zu fürchten brauche sich also niemand, findet Steimer. Die Angst versteht auch Gemeindeammann Roger Heiss nicht. «Das ist einfach nur ein Entgiftungscenter, dessen Besitzer der Scientology nahestehen», betont er. «In der Schweiz haben wir kein Sektenverbot.» Ausserdem würden die Betreiber nicht missionieren, sondern lediglich behandeln. «Für mich und die Leute, mit denen ich bisher gesprochen habe, ist das alles gar kein Problem.» Zudem brauche jegliche Nutzungsänderung eine entsprechende Bewilligung des Gemeinderats. «Falls die Betreiber also plötzlich ein Dianetik-Zentrum daraus machen würden, müssten sie das eintragen lassen. Andernfalls würde die Gemeinde einschreiten und eine Untersuchung einleiten», stellt Heiss klar. Ob die Vorführräume und Behandlungszimmer im oberen Stock nun aber der Bewilligung entsprechen oder nicht, dazu könne er sich nicht äussern. Am Montag sind die Räume baulich abgenommen worden. «Von diesem Standpunkt her ist alles in Ordnung», so Heiss.

20min.ch, 11.09.2009, Nico Menzato
Scientology auf Jagd völlig hemmungslos
Scientology will mit einem Trick die Krise nutzen: Die Sekte lockt Arbeitslose mit einem interessanten Job – Lohn gibt es aber fast keinen, dafür die Mitgliedschaft. «Wir haben eine interessante Arbeitsstelle für Sie!» Tausende solcher Flyer landeten in den letzten Tagen in Briefkästen der Region Zürich. Ein fingierter Anruf ergab, dass bei Scientology Stellen im Büro, der Finanzabteilung und gar im Management frei seien. Eine entsprechende Ausbildung sei nicht nötig, diese erhalte man intern. Auf offizielle Anfrage verneinte Sektensprecherin Annette Klug nicht, dass man mit dem Flyer, den man schon seit Jahren verwende, neue Mitglieder gewinnen wolle. Wie viele Jobs zu vergeben sind, wurde nicht beantwortet – wobei Job hierbei das falsche Wort ist. Für eine 40-Stunden-Woche gibt es als «Lohn» lediglich ein Taschengeld. Mitarbeiter werden aber automatisch auch Mitglied der Sekte. Georg Schmid kritisiert diesen «irreführenden Flyer mitten in der Krise». Überrascht ist der Sektenexperte jedoch nicht: «Scientology ist bekannt für ihre hemmungslose Jagd nach Mitgliedern.» Die Masche sei immer dieselbe: «Geködert wird mit einem Versprechen – und man hofft, dass Verzweifelte dann der Sekte beitreten», so Schmid. Klug bezeichnet diese Anschuldigungen als «völlig absurd». Interessenten werde genau gesagt, «wer wir sind, wie wir arbeiten und was zu erwarten ist».

winfuture.de, 08.09.2009
Scientology fordert in Australien den Schutz des Staates vor Kritikern im Internet 
Wieder eine Versuchsballon von SO: 
Scientology fordert den Schutz des Staates vor Kritikern im Internet In einem offenen Brief an die Menschenrechtskommission von Australien fordert die Scientology-Sekte nun eine Zensur von kritischen Äußerungen im Internet und in anderen Medien. Speziell gegen das Scientology-kritische Netzwerk "Anonymus" soll der australische Staat vorgehen. Die Sekte sieht ihre Kritiker als "Hass-Gruppierung" und "Cyberterroristen", wie aus dem Schreiben hervorgeht. Anonymus verbreite gezielt und massiv falsche Tatsachen, welche nichts mit demokratischen Prozessen zu tun hätten. Scientology sieht sich selbst als religiöse Minderheit an, die vom Staat geschützt werden müsse. Die tatsächlichen Glaubensinhalte und die humanitären Programme der Scientology-"Kirche" seien den meisten Menschen nicht bekannt.

oe24, 28.08.2009
"Commanding Officer" - Österreicher ist EU-Chef von Scientology
Wien/Kopenhagen, 28. August 2009 Der Österreicher Walter Kotric soll leitender Direktor der Organisation sein. In der Top-Führungsriege der umstrittenen Organisation "Scientology" in Europa befindet sich auch ein Österreicher. Laut Recherchen der dänischen Boulevard-Zeitung "Ekstra Bladet" trägt der mit einer Amerikanerin verheiratete Österreicher Walter Kotric den Titel eines "Commanding Officers" des in Kopenhagen angesiedelten Scientology-Verbindungsbüros für Europa (Abkürzung: CO CLO EU). Dies sei gleichbedeutend mit der Funktion eines leitenden Direktors, so "Ekstra Bladet". In Spanien anerkannt "Scientology" bezeichnet sich selbst als Glaubensgemeinschaft, wird aber von den meisten europäischen Staaten nicht als solche anerkannt. Eine der Ausnahmen ist Spanien, wo Scientology seit zwei Jahren als Kirche anerkannt ist. In Deutschland wird die Organisation überwacht, in Frankreich bemüht sich die Justiz um ein Verbot des Vereins. Auftritt im Ledermantel Laut "Extra Bladet", das sich auf mehrere, großteils anonyme Informationen aus Kreisen ehemaliger Scientologen beruft, hat Kotric eine militärische Vergangenheit. Er soll häufig einen Ledermantel über der schwarzen Scientology-Uniform tragen und erinnere an einen Nazi-General, zitiert "Ekstra Bladet" den Scientology-Abspringer Robert Dam. "Ekstra Bladet" behauptet, mehrfach vergeblich versucht zu haben, den Österreicher direkt für eine Stellungnahme zu erreichen. Im Internet finden sich in einschlägigen Foren Spuren der Recherche zu Kotric. Über die Person Kotrics ist im Netz nicht viel zu erfahren, außer dass dessen Name und Funktion in mehreren Berichten von ehemaligen Scientologen auftauchen.

FAZ, 27.08.2009, Katja Gelinsky
Scientology Schläge im spirituellen Hauptquartier
Scientology-Führer Miscavige soll Mitarbeiter geschlagen haben 27. August 2009 John Travolta gehört weiter dazu. Als „völlig falsch“ wies ein Sprecher des Hollywood-Schauspielers Berichte zurück, Travolta habe nach dem tragischen Tod seines Sohns Jett Anfang des Jahres die Verbindung zu „Scientology“ beendet. „Es gibt keine Veränderung in der Beziehung zwischen der ,Church of Scientology' und John“, teilte Paul Block, der Sprecher des Schauspielers, mit. „Er (Travolta) ist Mitglied, und so wird es nun und für immer bleiben.“ Amy Scobee war jahrelang die Frau im Top-Management von Scientology, die sicherstellte, dass prominente Mitglieder wie John Travolta oder auch Hollywood-Schauspieler Tom Cruise in „Celebrity Centers“ der Organisation betreut, beraten und bei der Stange gehalten werden. Zwei Mal hat sie Travolta angeblich zurückgeholt, als der Filmstar die Sekte verlassen wollte. „Nie“ hätte Scobee damals gedacht, dass sie selbst auf die Idee kommen könnte, auszusteigen. Wie viele führende Scientologen ihrer Generation war die 45 Jahre alte Amerikanerin schon als Teenager Mitglied geworden. „Ich wusste nichts von der Welt draußen, weil ich schon so lange dabei war.“ Doch 2005, nach 27 Jahren Scientology, entschloss sich Scobee zum „blow“, wie der Ausstieg Abtrünniger im Vokabular der Sekte heißt. „Auf unserer Agenda steht die Förderung von Menschenrechten, aber wir haben selbst die übelste Bilanz, die man sich denken kann“, sagte die ehemals Verantwortliche für die Haute Volée von Scientology unlängst in einem Interview mit der in Florida erscheinenden Zeitung „St. Petersburg Times“ Körperliche Gewalt, Sklavenarbeit, Straflager Scobee ist eines von vier ehemaligen Scientology-Mitgliedern aus dem engsten Führungszirkel, die nach Jahren des Schweigens als Abtrünnige jetzt massive Vorwürfe gegen die Sekte und vor allem gegen David Miscavige erheben, das langjährige Oberhaupt von Scientology. Die Aussteiger berichten von körperlichen Misshandlungen, Psychoterror, Sklavenarbeit, Straflager, Gewalt- und Willkürherrschaft. Miscavige habe eigenhändig seine engsten Mitarbeiter geschlagen, gewürgt und getreten. Solche Vorwürfe sind nicht neu. „Aber nun melden sich Schlüsselfiguren zu Wort“, sagt die bekannte Scientology-Kritikerin Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde. „Dies sind extrem wichtige Leute“, bestätigt der Soziologieprofessor Stephen Kent von der kanadischen University of Alberta, einer der wenigen Wissenschaftler in Nordamerika, die sich kritisch mit Scientology auseinandersetzen. Neben Amy Scobee haben die ehemaligen Scientology-Führungskader Tom De Vocht, Mark Rathbun und Mike Rinder gegenüber der „St. Petersburg Times“ ausgepackt. Etliche weitere amerikanische Scientologen sagten sich daraufhin ebenfalls von der Sekte los. De Vocht, ein gebürtiger Belgier, der Scientology 28 Jahre angehörte, war jahrelang einer der Spitzenmanager in Clearwater, Florida. Dort befindet sich das „spirituelle Hauptquartier für Scientologen aus der ganzen Welt“, wie die Sekte selbst über das Zentrum schreibt. De Vocht schätzt, er habe von 2003 bis zu seinem „blow“ 2005 bis zu einhundert Mal beobachtet, wie Miscavige Mitarbeiter schlug. Auch er selbst wurde Opfer der Wutausbrüche des 49 Jahre alten Scientology-Oberhaupts. Selbst Mark Rathbun und Mike Rider blieben nicht verschont. „Dabei waren sie die rechte und die linke Hand von Miscavige“, sagt Ursula Caberta. Rider war jahrelang Sprecher von Scientology und Chef des berüchtigten Geheimdienstes der Sekte. Jetzt verkauft der 54 Jahre alte Aussteiger Autos. Rathbun besetzte als Chef für juristische und finanzielle Angelegenheiten jahrelang eine Schlüsselposition im höchsten Führungsgremium, dem „Religious Technology Center“ mit Sitz in Los Angeles. 2004 verließ er Scientology, nachdem er bei Miscavige in Ungnade gefallen war. Manche vermuteten, Rathbun sei gestorben. Im Februar 2009 meldete sich der 52 Jahre alte Aussteiger im Internet als Berater für Scientology-Abtrünnige zurück. Nach den Schilderungen von Rathbun und Rider war das Management der Scientology-Organisation, die damit wirbt, „eine Zivilisation ohne Irrsinn, ohne Kriminelle und ohne Krieg“ zu schaffen, ein Mikrokosmos, der das Gegenteil dieser Ziele verkörperte. Miscavige habe nicht nur geprügelt. Die Mitarbeiter seien auch durch bizarre Spiele, öffentliche Beichten, Sicherheitsüberprüfungen und durch zwangsweise Isolierung bei angeblichen Missetaten drangsaliert worden. Aber Rathbun und Rider geben zu, dass sie nicht nur Opfer waren. Auch sie selbst hätten Mitarbeiter misshandelt. Mitglieder gehen „in immer kürzeren Abständen“ In der Eliteeinheit „Sea Organization“ (Sea Org) habe es ein gegenseitiges Hauen und Stechen gegeben. „Niemand wird respektiert, weil er (Miscavige) ständig Leute schlechtmacht und schlägt“, so Rathbun. Rider sieht die Organisation damit auf dem Weg der Selbstvernichtung. „Diese Fäulnis aus dem Inneren heraus ist . . . zerstörerischer für die Scientology-Bewegung als alle äußeren Einflüsse.“ Ähnlich äußert sich der Aussteiger Mark Headley aus Burbank, Kalifornien. „Mehr und mehr Mitglieder verlassen die Organisation in immer kürzeren Abständen“, sagte das ehemalige Sea-Org-Mitglied, im Gespräch mit dieser Zeitung. Wie viele Mitglieder Scientology noch hat, weiß man nicht genau. Aber Headley ist sich sicher, dass ihre Zahl mittlerweile geringer ist als die Zahl der Aussteiger. Abtrünnige wie Headley, Rathbun und Scobee werden von Scientology als verbitterte Lügner und Versager gebrandmarkt. In der Organisation stehe alles zum Besten. Scientology verzeichne „enormes Wachstum“, behauptet der Sprecher der Sekte, Tommy Davis, der Sohn der Schauspielerin und Scientologin Anne Archer. Seit 2004 habe man neun neue Zentren eröffnet, fünf weitere sollten noch in diesem Jahr folgen. „Reine Propaganda“, sagt Ursula Caberta. Die Zahl der Scientologen stagniere international oder sei rückläufig. „Wir beobachten schon seit längerem Zerfallserscheinungen.“ Auch Stephen Kent hat den Eindruck, dass die Sekte „in großen Schwierigkeiten steckt“. Der Soziologieprofessor und die Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology führen diese Entwicklung auch auf die Vernetzung von Aussteigern im Internet zurück. „Vor allem in den Vereinigten Staaten, wo keine staatliche Aufklärungsarbeit betrieben wird, spielen die schockierenden Berichte der Abtrünnigen eine wichtige Rolle“, sagt Caberta. Auch die Protestbewegung „Anonymous“ mache der Sekte schwer zu schaffen. Die Aktivisten, die ihren Widerstand gegen Scientology im Internet begonnen haben, organisieren international Proteste vor Scientology-Zentren. Außerdem ist Miscavige mit potentiell kostspieligen Schadensersatzklagen einstiger Verbündeter konfrontiert - eine ironische Wende, denn jahrelang hat die Sekte ihre Gegner mit Gerichtsprozessen bekämpft. Von Detektiven verfolgt, bei Freunden schlechtgemacht Nun ist sie selbst die Beklagte, zum Beispiel in einem Verfahren wegen Verletzung von Arbeitsgesetzen, das Mark Headley gegen Miscavige und seine Getreuen angestrengt hat. Scientology „versklave“ seine Angestellten durch „Einschüchterung, erzwungene Unterschriften unter Verzichtserklärungen und durch erzwungene Armut“, heißt es in der Klageschrift. Headley, der mit seiner Mutter als Sechsjähriger zu Scientology kam, bezieht sich auf seine Erlebnisse im kalifornischen Scientology-Komplex „International Management Headquarters“ bei Hot Springs. Dort arbeitete er von 1989 bis zu seinem Ausstieg 2005, unter anderem als Leiter für Medienproduktion. Der Prozess ist als „Testfall“ für mögliche weitere Klagen von Aussteigern gedacht. Für sein Aufbegehren zahlt Headley allerdings einen hohen Preis. Er werde bespitzelt und denunziert. „Ich werde von Detektiven verfolgt, bei meinen Freunden schlechtgemacht, und einige meiner Kunden bekamen Anrufe von Scientology-Vertretern, die behaupteten, ich sei Anführer oder Mitglied einer internationalen Hassgruppe“, schildert er. Damit nicht noch mehr Führungsleute davonlaufen, hat der Scientology-Chef auch den Druck nach innen verstärkt. „Miscavige und sein verbliebenes Personal sind hoch nervös“, sagt die Scientology-Beauftragte Caberta. Die amerikanische Regierung schützt Scientology - noch Bislang vergeblich warten Kritiker der Sekte auf Anzeichen dafür, dass Polizei und Justiz in den Vereinigten Staaten den jüngsten Enthüllungen über Gewalt und Zwang an der Spitze von „Scientology“ nachgehen. Auch die Politik müsse reagieren, findet Ursula Caberta. „Hochinteressant“ aus deutscher Sicht seien vor allem die Berichte des Aussteigers Rathbun zur Steuerbefreiung von Scientology. Rathbun bestätigte gegenüber der „St. Petersburg Times“, dass die Sekte die Anerkennung als „Non-Profit-Organisation“ 1993 durch Zermürbung der amerikanischen Steuerbehörde mit Tausenden von Klagen erkämpfte. „Erpressung war nicht mehr nötig“, so der Architekt der Steuerbefreiungsaktion. Seit Rathbuns Coup genießt Scientology den Schutz der amerikanischen Regierung - auch gegenüber deutschen Behörden. So wird Deutschland im Menschenrechtsbericht des amerikanischen Außenministeriums regelmäßig dafür kritisiert, dass Scientology nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt wird. „Ich erwarte schon“, so Caberta, „dass die amerikanische Regierung nun darüber nachdenkt, für wen sie sich da eigentlich einsetzt.“

Tagesanzeiger 27.08.2009
Scientology-Bosse prügelten sich blutig 
In den Chefetagen von Scientology wird mit harten Bandagen gekämpft. Oft sogar mit roher Gewalt, wie einstige Führungskräfte berichten.
Die Anzeichen mehren sich, dass Scientology im Mutterland USA in der Krise steckt. Sehr tief sogar, wenn man die Schilderungen ehemaliger Weggefährten des 49-jährigen Sektenbosses David Miscavige zum Nennwert nimmt. Allein schon die Tatsache, dass in letzter Zeit mehrere hohe Kaderfunktionäre die Flucht ergriffen haben, lässt das Fundament von Scientology erschüttern. Zumal sie es wagen, aus der Schule zu plaudern. Denn ihre Enthüllungen über Macht, Intrigen, Demütigungen und Misshandlungen sind brisant. Kronzeuge ist der ehemalige Mediensprecher und Chef des scientologischen Geheimdienstes, Mike Rinder. Mehrere Dutzend Male sei er von Miscavige geschlagen oder mit den Füssen getreten worden, sagte er der Zeitung «St. Petersburg Times» aus Florida, wo die Sekte das Hauptquartier unterhält. Wie die anderen Kaderleute hat er die Wutausbrüche von Miscavige widerstandslos über sich ergehen lassen, sonst hätte er noch härtere Bestrafungen erdulden müssen. Das Szenario reicht bei der Sekte vom Putzdienst bis zur Einweisung ins eigene Straflager RPF. Auch für Bosse. 
Sektenboss als Boxsack
Rinder sagt weiter aus, Miscavige habe ihn manchmal blutig geschlagen, er sei sich als Boxsack vorgekommen. Er wolle mit seinem Outing verhindern, dass andere Scientologen weiterhin gedemütigt und misshandelt würden. Rinders Mut hat auch andere Sektenmitglieder bewogen, auszupacken. Amy Scobee, langjährige Chefin des Celebrity Centers, das Hollywoodstars wie Tom Cruise und John Travolta betreut, bestätigt die Prügelpraxis. Miscavige, der als gefühlskalt und herrschsüchtig beschrieben wird, habe in ihrer Gegenwart Rinder so heftig gewürgt, dass dieser im Gesicht rot angelaufen sei. Schützenhilfe haben die hochrangigen Aussteiger auch von Mark Rathbun, dem ehemaligen Finanzchef, bekommen. Er bestätigt die Prügelorgien und gesteht, selbst Schmutz an den Händen zu haben, weil er im Auftrag von Miscavige andere misshandelt habe. Ironie der Geschichte: Rathbun war für die Ethikrichtlinien der Sekte zuständig. Rinder und Rathbun waren schon in den 1980er-Jahren dabei, als sich der damals erst 21-jährige Miscavige an die Spitze von Scientology geputscht hatte. Gemeinsam trimmten sie die Pseudokirche zu einer militärisch hierarchisierten Psychosekte. 
Lohnnachzahlungen gefordert
Ein ehemaliger Kadermann wagt gar eine Klage. Marc Headley hat 15 Jahre lang unter unmenschlichen Bedingungen und für ein Taschengeld gearbeitet, wie er betont. In einem Zivilprozess in Los Angeles verlangt er nachträglich Lohnzahlungen. Andere ehemalige Mitarbeiter der Sekte wollen nachziehen. Tatsächlich erhalten vollamtliche Mitarbeiter oft lediglich einen Wochenlohn von 50 bis 100 Dollar. Scientology wischt die Vorwürfe seiner ehemaligen Führungskräfte pauschal vom Tisch. Alle Geschichten seien erlogen, Miscavige habe nie jemanden geschlagen. Vielmehr habe er die Abtrünnigen vor ihrem Ausstieg zurückgebunden, weil diese andere mit Prügelstrafen traktiert und den Aufstand geprobt hätten

Berliner Zeitung vom 13.08.2009, Frank Nordhausen
Final Countdown Gewalt, Verhöre, Intrigen - Enthüllungen ehemaliger Führungskader in den USA erschüttern die Scientology-Organisation
BERLIN. Es rumort in der Church of Scientology. Die Milliarden-Dollar-Sekte aus Kalifornien durchlebt zurzeit die größte Krise ihrer Geschichte. Führende Manager haben Scientology in letzter Zeit verlassen und erheben jetzt in amerikanischen Medien schwere Vorwürfe gegen den 49-jährigen "Vorstandsvorsitzenden" David Miscavige. Sie sind Schlüsselfiguren aus dem innersten Führungszirkel, enge Wegbegleiter des Mannes, der die Sekte seit 27 Jahren führt. "Miscavige schlug unsere Köpfe zusammen, bis ich blutete", berichtete der einstige Chef des scientologischen Geheimdienstes, Mike Rinder, in der Tageszeitung St. Petersburg Times aus Florida, wo Scientology ihr "spirituelles Hauptquartier" unterhält. Der ehemalige Finanzchef Mark Rathbun und Tom De Vocht, der frühere Leiter des "spirituellen Zentrums", erzählten von regelrechten Prügelorgien. "Die Menschen dort wurden verrückt und gerieten außer Kontrolle", sagte De Vocht. " Ich schlug jemand. Jeder wurde geschlagen. Und es wurde geschrien und geschimpft." Alle drei "Kirchenführer" gaben zu, dass sie selbst im Gegenzug auch andere geschlagen hätten. Der knapp 1,70 Meter kleine Miscavige, der als kalt und herrschsüchtig beschrieben wird, habe eine interne Gewaltkultur etabliert, die den gesamten Apparat durchziehe. Auch Amy Scobee, die langjährige Leiterin des "Celebrity Centers" für Prominente in Los Angeles, wo Tom Cruise, John Travolta, Anne Archer und andere Hollywoodgrößen "betreut" werden, ist ausgestiegen. Sie bestätigte die Demütigungsrituale. Einmal habe Miscavige vor ihren Augen Mike Rinder gewürgt, bis sich dessen Gesicht hochrot färbte. Derzeit vergeht kaum eine Woche, ohne dass frühere Führungskräfte der Sekte in den USA mit neuen haarsträubenden Details an die Öffentlichkeit gehen - meist in der St. Petersburg Times, die in der Metropole Tampa-St. Petersburg erscheint, wo Tausende von Scientologen im Umfeld des "spirituellen Zentrums" wohnen. Noch nie aber haben derart hochrangige Führungskader gemeinsam solch schwere und gleichlautende Vorwürfe gegen die Organisation erhoben, die damit wirbt, eine "Welt ohne Krieg, Kriminalität und Geisteskrankheiten" zu schaffen. "Die rechte und die linke Hand des Bosses", nennt Ursula Caberta, die Scientology-Beauftragte des Hamburger Senats, die beiden Top-Leute Rinder und Rathbun. Caberta sagt: "Eine ganze Generation von Ex-Scientologen wendet sich gerade massiv gegen die Führung. Ich glaube nicht, dass die Organisation das überlebt." Scientology reagierte scharf auf die Vorhaltungen: Es handele sich um "absolute und totale Lügen". Nichts davon sei wahr. Miscavige habe niemals einen Angestellten der "Kirche" geschlagen. Er habe im Gegenteil die Überläufer degradiert, als diese gewalttätig wurden. Rathbun habe seinerzeit innerhalb der "Kirche" eine "Herrschaft des Terrors" errichtet. Die Dissidenten hätten mit ihren Falschaussagen einen Coup vorbereitet, "um selbst die Kontrolle in der Organisation zu übernehmen". Doch ein solcher Putsch ist kaum denkbar, weil Miscavige alle echten Konkurrenten im Lauf der Zeit weggebissen hat. Mit ihrer Reaktion gesteht Scientology aber ein, dass Eruptionen ihr Reich erschüttern, dem nach eigenen Angaben acht Millionen, nach seriösen Schätzungen maximal 200 000 Menschen weltweit angehören. Die Vorwürfe der Gewalttätigkeit selbst sind im Kern nicht neu. Seit Jahren schon kursieren entsprechende Berichte einstiger Scientologen. Der Sekte gelang es jedoch stets, diese als Erfindungen von Abweichlern abzukanzeln. Sie schaffte es meist, die Aussteiger mit Schweigegeldern oder endlosen Gerichtsverfahren mundtot zu machen. Jetzt aber drehen ehemalige TopScientologen auch vor Gericht den Spieß um. Am Dienstag begannen in Los Angeles erste Anhörungen in einem Zivilprozess gegen die Chefs der Sea Org, der Elitetruppe von Scientology. Marc Headley, der bis 2005 fünfzehn Jahre lang neben Miscavige die scientologische Medienproduktion leitete, und andere Kader der mittleren Ebene klagen wegen "unmenschlicher Arbeitsbedingungen" auf Entschädigung. Headley verlangt auch eine Nachzahlung des Arbeitslohns, weil er all die Jahre "für ein Taschengeld" gearbeitet habe. Auch diese Klagen zielen direkt auf den Sektenführer. "Denn in der Scientology-Welt geschieht nichts ohne Befehl von David Miscavige", sagte Marc Headley der Berliner Zeitung. Als Journalisten der St. Petersburg Times 1998 das erste und bis heute einzige Zeitungsinterview mit dem "Vorstandsvorsitzenden" führten, erwähnten sie bereits Vorwürfe gegen ihn, er sei gewalttätig. Miscavige wies die Anschuldigungen zurück und höhnte: "Bringt doch endlich was vor oder haltet den Mund. Lasst mal die Beweise sehen." Die Beweise liegen jetzt auf dem Tisch. Die Ex-Scientologen Mike Rinder, und Mark Rathbun, 52 und 53 Jahre alt, die Scientology vor vier und zwei Jahren verlassen haben, nehmen kein Blatt vor den Mund. Der frühere Geheimdienstchef Rinder, der zudem als Sprecher von Scientology fast zwanzig Jahre lang das öffentliche "Gesicht" der Sekte war und heute Autos in Denver verkauft, erklärte, er sei von Miscavige bis zu fünfzig Mal mit Faustschlägen und Fußtritten malträtiert worden. "Ich war ein Boxsack", sagte er. Er habe die Schläge hingenommen, wie alle sie hinnahmen, um ihre Loyalität unter Beweis zu stellen. "Ich möchte nicht mehr, dass Menschen weiterhin verletzt, ausgetrickst und belogen werden", sagte Rinder über seine Motivation, an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ich glaube, dass dieser Missbrauch aufhören muss." Rinder und Rathbun hatten früher oft "offizielle" Interviews gegeben. 1998 hatte Mark Rathbun seinen Chef dagegen verteidigt, raue Umgangsformen zu pflegen: "Das ist nicht seine Art." Jetzt bestätigte er, dass es bei Scientology wie bei der Mafia zuging. Er sei nicht nur vom Boss geprügelt worden, sondern habe in seinen 27 Jahren bei Scientology im Auftrag von Miscavige andere Mitglieder körperlich misshandelt. "Ich habe Schmutz an den Händen", sagte der einstige "Generalinspekteur für Ethik". Auch die anderen Aussteiger bezeugten, dass David Miscavige hochrangige Kader wiederholt ohrfeigte, ihre Köpfe gegen Wände schlug, sie würgte oder verprügelte. Sie seien peinlichen "Sicherheitschecks" am Lügendetektor unterzogen worden. Miscavige habe "Gruppenbeichten" befohlen und Führungskräfte zur "Rehabilitation" im Winter in einen See springen lassen, während er sie als "Verräter" beschimpfte. Neu ist, dass die schärfste Kritik von Mitarbeitern kommt, die wie Miscavige zur ersten Generation jener gehören, die schon als Kinder Scientologen wurden und nichts anderes kennenlernten als die isolierte Welt der strikt hierarchischen Sekte. Sie wurden von ihren Eltern mit fünf bis dreizehn Jahren zu Scientology gebracht. Alle vier Führungskader dienten mehr als 25 Jahre der Organisation. In der vergangenen Woche meldeten sich elf weitere Scientology-Opfer in der St. Petersburg Times zu Wort, um die vier Wortführer zu unterstützen und eigene, oft erschütternde Geschichten zu erzählen. Sie zeichnen ein ähnliches Bild - das einer Organisation, die ihre Mitglieder unter extremer Kontrolle hält und sie regelmäßig demütigt. Im Internet berichten nun weitere Ehemalige über konkrete Details - etwa blutende Köpfe. Die führenden Kritiker sind Scientology-intern so bekannt, dass ihre Aussagen große Unruhe in den weltweiten Filialen auslösen. Auch sie sind gewiss keine Heiligen, sondern Opfer und Täter zugleich. Als sich der gerade 21-jährige Miscavige 1982 an die Spitze der Sekte putschte, halfen ihm Rinder und Rathbun. Gemeinsam machten sie aus dem Sektiererverein einen militärisch durchorganisierten Psychokonzern. Als es Miscavige dann gelang, Schauspieler wie John Travolta und Tom Cruise als Werbeträger zu gewinnen, wuchs Scientology von Mitte der Achtziger- bis Mitte der Neunzigerjahre stark an. Über diese Hintergründe weiß keiner so gut Bescheid wie die Aussteigerin Amy Scobee. Noch hat sie gar nicht angefangen, darüber zu reden. Scobee und die anderen früheren Scientology-Manager kennen so gut wie jedes Geheimnis der Organisation. Etwa, wie es 1993 in den USA zu der überraschenden Steuerbefreiung der Sekte als "gemeinnützig" kam. Diese machte aus einer Gruppe, die damals in Amerika als verrückt und gefährlich galt, eine respektable "Kirche". Die einstigen Steuerrebellen hatten nun Steuerprivilegien und genießen seither die Protektion der US-Regierung. Als Scientology in Deutschland unter Kritik geriet und die Innenminister 1997 beschlossen, sie als "neue Form des politischen Extremismus" vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen, schaltete sich das Weiße Haus ein und kritisierte die Bundesrepublik in scharfer Form. Seither bekommt Deutschland im jährlichen Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums schlechte Noten wegen angeblicher "Diskriminierung" der "Religionsgemeinschaft". Diesen Coup hatte wesentlich Mark Rathbun zu verantworten. Er galt Scientology-intern als Miscaviges "Mann fürs Grobe". Legendär ist, wie er und Miscavige im Oktober 1991 unangemeldet beim Chef der Steuerbehörde IRS in Washington auftauchten und den Deal vereinbarten. Jetzt hat Rathbun bestätigt, was Journalisten schon herausgefunden hatten. Die Steuerbehörde sei mit 2 300 Klagen gegen einzelne Sachbearbeiter lahmgelegt worden. "Das hat ausgereicht", sagte Rathbun über den Zermürbungskrieg. "Wir brauchten gar keine Erpressung." Mike Rinder war seinerseits für die Diffamierungskampagnen gegen Scientology-Kritiker wie Norbert Blüm, Günter Beckstein und Ursula Caberta verantwortlich. Er bezeichnete Caberta im US-Fernsehen als "neuen Goebbels" und ließ sie im Jahr 2000 bei einem Besuch in Florida von Demonstranten begleiten, die "Nazi criminal, go back to Germany" riefen. Die Öffentlichkeit habe er damals ungeniert belogen, um seine "Kirche" zu schützen, sagte er. Gelogen wurde auch, als Scientology in Verdacht geriet, sie habe eine psychisch kranke Frau 1995 in einer Art Isolierhaft sterben lassen. Rathbun räumte ein, er selbst habe damals angeordnet, Beweismaterial in dem Fall zu vernichten. Die Enthüllungen müssten nun eigentlich die amerikanische Justiz und das FBI auf den Plan rufen. Doch bisher haben weder Justiz noch Regierung darauf reagiert. Seit etwa zwei Jahren erodiert der so monolithisch wirkende Sektenkonzern. Es begann mit Scharmützeln im Internet, als Kritiker dort Scientologys teure "heiligen Schriften" veröffentlichten und mündete in weltweit simultan stattfindende Demonstrationen der Scientology-kritischen "Anonymus"-Gruppe. Marc Headley und andere Aussteiger wissen, dass weitere Führungskräfte kurz vor dem Ausstieg stehen. Die Kritik der Abtrünnigen wird in der Sekte durchaus wahrgenommen. Die Hamburger Beauftragte Ursula Caberta sagt, in den deutschen Filialen seien jetzt Sea-Org-Offiziere aus Amerika aufgetaucht, um für Ruhe zu sorgen. Doch je stärker eine Sekte unter Druck gerät, desto unberechenbarer wird sie auch. Eine extreme Radikalisierung ist ebenso denkbar wie eine Auflösung der Organisation und ihr Neubeginn in kleinen Zirkeln. Ursula Caberta spricht vom "final countdown", der angebrochen sei. Nur weiß keiner, wo der Countdown begonnen hat und wie lange er läuft. Aber Caberta ist sich sicher: "Das Ende von Scientology war noch nie so nah wie jetzt."

ostsee-zeitung.de, 15.08.2009, Tommy Kruse
Kühlungsborn genehmigt Scientology-Werbung 
Scientology darf am Sonnabend einen Infostand in Kühlungsborn betreiben. Die Stadt hätte ihn nicht genehmigen müssen, sagen Kritiker. *Kühlungsborn* Das Ostseebad ist im Sommer beliebter Anziehungspunkt nicht nur für Erholungssuchende. Auch Parteien, Vereine, Gewerbetreibende und Geschäftemacher aller Coleur geben sich in den Sommermonaten gern an exklusivem Standort in Kühlungsborn die sprichwörtliche Klinke in die Hand — in der Hoffnung, dass sie mit ihrem Anliegen bei gut gelaunten Urlaubern Gehör finden. Werbeaktionen starten in diesen Wochen einige Krankenkassen, der Bundestag schickt sein Info-Mobil, Parteien stellen sich vor und am kommenden Sonnabend von 9.30 bis 18 Uhr darf sogar die umstrittene „Church of Scientology“ im Kühlungsborner Balticpark werben. Genehmigt wurde die ganztägige Präsenz des Hamburger Ablegers im Kühlungsborner Rathaus. „Die sind ja schließlich nicht verboten“, lautet die lapidare Begründung der zuständigen Ordnungsamtsleiterin, Angela Wehner. Und auf den Hinweis, dass Scientology von der Innenministerkonferenz als verfassungsfeindlich eingestuft wurde und in mehreren Bundesländern durch den Verfassungsschutz beobachtet wird, reagiert die Amtsleiterin: „Genau wie die Linke, die wird auch in einigen Bundesländern beobachtet.“ Eine Möglichkeit, dem Antragsteller die Werbeaktion zu verwehren, sehe sie nicht, so Wehner. Bürgermeister Rainer Karl teilt die Rechtsauffassung seiner Amtsleiterin. „Scientology ist eine Religionsgemeinschaft, die in Deutschland nicht verboten ist. Also gibt es für uns auch keine rechtliche Handhabe, den Informationsstand nicht zu genehmigen“, argumentiert Karl und fügt hinzu: „Die verteilen da nur ihre Bücher! Das haben sie letztes Jahr auch schon gemacht und niemand hat sich darüber beschwert“, erinnert sich Karl. „Das ist ja völliger Blödsinn und die typische Antwort eines Kommunalpolitikers, dem nicht bewusst zu sein scheint, wie gefährlich diese Organisation ist und der nicht begriffen hat, dass es seine Pflicht ist, die Menschen in seiner Stadt vor den Machenschaften dieser Leute zu schützen“, sagt Ursula Caberta. Die Leiterin der „Arbeitsgruppe Scientology“ in der Hamburger Innenbehörde hat schon so manchen Kampf mit der „Church“ erfolgreich ausgetragen und klärt zunächst einmal über den Status der Bewegung auf: „Scientology ist in Hamburg offiziell als Gewerbe angemeldet und weder als Kirche noch als Religionsgemeinschaft anerkannt. Es gibt höchstrichterliche Beschlüsse, die es jeder Kommune erlauben, Scientology auch wie ein Gewerbe zu behandeln. In ganz Hamburg dürfen die jedenfalls keine Zettel mehr verteilen oder Leute auf der Straße ansprechen“, betont Ursula Caberta, die als Aufklärerin in Sachen Scientology schon mehrfach im Fernsehen auftrat. „Es ist nur eine Frage der Einstellung. Wer diese Leute nicht haben will, bekommt sie auch von der Straße weg“, ist die Sekten-Expertin überzeugt und verweist auf einen juristisch „wasserdichten“ Musterbescheid, den jede Kommune in ihrer Behörde erhalten kann. Ein ähnliches Dokument hätte die Kühlungsborner Stadtverwaltung — hätte sie nicht so voreilig oder blauäugig gehandelt — wohl auch bei der eigenen Landesregierung bekommen. Denn auch im Bildungsministerium in Schwerin gibt es eine „Sekteninformationsstelle“. Doch einen Kontakt zur Landesbehörde hatte es im Vorfeld der Genehmigung seitens der Stadtverwaltung offensichtlich nicht gegeben. „Ich weiß nichts von einem solchen Termin. Ich fände es aber überaus verwunderlich, wenn die Kommune sich vor der Erteilung einer entsprechenden Genehmigung nicht mit uns oder dem Innenministerium in Verbindung gesetzt hätte“, äußert sich Ministerialrat Ulrich Hojczyk auf OZ-Anfrage. Auch der Beamte sagt, dass die Organisation weder bei den Kirchen noch bei den religiösen Gemeinschaften einzuordnen sei. Ingo Heinemann, Jurist und bekannter Scientology-Kritiker, wirft der Stadtverwaltung Kühlungsborn sogar indirekt Förderung von Straftaten vor. Bei den Aktionen der selbsternannten Kirche handele es sich meistens um Werbung für unerlaubte Heilbehandlungen, also für Straftaten. Durch Genehmigung der Werbung würden diese Straftaten durch die Behörde gefördert. Schlimm sei vor allem der Schaden, den der Ruf des Ostseebades durch die Präsenz der Scientologen erleide, meint Ursula Caberta. Da die Genehmigung bereits erteilt wurde, sei aber der Auftritt der Organisation, die nach ihrer Erkenntnis eine „gefährliche Form des politischen Extremismus“ darstelle, wohl nicht mehr abzuwenden. Das befürchteten vor einer Woche auch die Bürger der Kreisstadt Heide in Schleswig-Holstein. Jedoch erhielten die Dittmarschener überraschend Hilfe von außen: Mitglieder der international agierenden Protestbewegung „Anonymous“ traten lautstark in Aktion und die Scientologen bauten ihren Infostand, für den sie die Genehmigung erst per Gericht erwirken mussten, gar nicht erst auf. Auch der Kühlungsborner Termin ist den anonymen Aktivisten bekannt. Über das Internetforum http://forums.whyweprotest.net organisiert die Gruppe derzeit eine Protestaktion für Sonnabend.

Neue Luzerner Zeitung, 08.08.2009
Stiller Protest gegen Scientology 
«Vorsicht Scientology»: Maskierte protestierten in Luzern gegen die Machenschaften der «Bürgerkommission für Menschenrechte» (CCHR), eine der Scientology-nahen Gruppierung.
Zu fünft stehen sie da, bunt sind sie gekleidet. In der Hand halten Sie Spruchbänder. «Vorsicht Scientology» steht dort, der Hintergrund ist orange, um nicht übersehen zu werden. Die Gruppe Anonymous Schweiz warnt in der Hertensteinstrasse vor den Machenschaften der Scientology-nahen Organisation CCHR, in denen sie eine Rekrutierungsorganisation der Scientology sehen. Sie wollen mit ihrer Aktion erreichen, dass Passanten nicht mit den Scientology-Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Zu ihrer Identität stehen sie allerdings nicht: Sie treten maskiert auf. Weil sie Angst davor haben, von den Scientologen verfolgt zu werden. Von der Aktion unbeirrt geben derweil Mitglieder der «Bürgerkommission für Menschenrechte» (CCHR) an einem Stand Passanten «Hilfeleistungen in schwierigen Lebenssituationen».

Neue Luzerner Zeitung, 07.08.2009
Anonymous: Aktivisten dürfen sich maskieren 
Die Aktivisten, die am Samstag gegen die CCHR, eine Scientology-nahe Organisation, protestieren, dürfen dies maskiert tun. Dies jedoch zum letzten Mal in Luzern.
Dies bestätigte Toni Schüpfer, Leiter Managementsupport Stadtraum und Veranstaltungen, auf Anfrage. «Wir haben diese Bewilligung noch einmal erteilt», sagt Schüpfer. Zwar gibts ein Vermummungsverbot. In begründeten Fällen könne die zuständige Behörde aber Ausnahmen bewilligen. «Die gleiche Bewilligung haben wir der Gruppe ja schon einmal erteilt, daher wäre es nicht nachvollziehbar, diesmal anders zu entscheiden», sagt Schüpfer. Allerdings: Man habe der Gruppe auch klargemacht, dass bei einem dritten Mal keine Bewilligung mehr zum Maskentragen erteilt werde.

Tages-Anzeiger vom 03.08.2009
SO - Er schlug unsere Köpfe zusammen, bis ich blutete
Eine Zeitung aus Florida enthüllte die Geschichte von vier einstigen Top-Mitgliedern von Scientology, die jahrelang misshandelt wurden. Jetzt melden sich Dutzende weitere – und erzählen.
Schwere Vorwürfe gegen David Miscavige.
David Miscavige, 49 Jahre alt, arbeitet seit seinem 16. Lebensjahr Vollzeit für Scientology. Nach verschiedenen Medienberichten habe er den Sektengründer L. Ron Hubbard mit seinem Ehrgeiz beeindruckt. Er holte ihn früh ins kalifornische Hauptquartier, wo Miscavige immer höher in der Hierarchie der strikt organisierten Kirche aufstieg. Als Hubbard 1986 starb, übernahm Miscavige den Chefposten von Scientology. Unter seiner Führung wuchs die Kirche rapide an, ausserdem erreichte er, dass sie als Religionsgemeinschaft von Steuerpflicht befreit wurde. Die «St. Petersburg Times», ein Blatt aus Florida mit nationaler Ausstrahlung, zog die Geschichte gross auf. Unter dem Titel «The Truth Rundown», etwa «Die enthüllte Wahrheit», brachte sie eine dreiteilige Reportage, mitsamt zugehöriger multimedial gestalteter Webseite, über Marty Rathbun, Mike Rinder, Tom De Vocht und Amy Scobee. Sie sind die vier höchsten Mitglieder von Scientology, die je die Kirche verlassen haben. Die ehemaligen Scientologen, denen Aufgaben wie die Medienarbeit der Kirche, die Führung des Prominentennetzes oder auch des Hauptsitzes zugeteilt waren, erzählen von Jahrzehnte langen Demütigungen und Misshandlungen, insbesondere durch David Miscavige, den Anführer der Scientologen. Miscavige hat seinen Platz auf dem Scientology-Thron einst von Gründer L. Ron Hubbard geerbt und wird von Mitgliedern weltweit als spirituelle Leitfigur verehrt. «Die Macht der grossen Zahl» Die Geschichten der Vier ähneln sich. Sie handeln davon, wie Miscavige die hochrangigen Mitglieder wiederholt ohrfeigte, ihre Köpfe gegen Wände schlug oder sie verprügelte. Teilweise wurden sie auch vor der versammelten Gemeinde verbal gedemütigt oder mussten «Reise nach Jerusalem» spielen, die Übung, bei dem immer ein Stuhl zu wenig in der Runde steht. Miscavige beschimpfte sie dabei als «Verlierer». Seit die «St. Petersburg Times» die Reportage veröffentlicht hat, haben sich nun zahlreiche weitere ehemalige Mitglieder bei den Autoren gemeldet und von ihren Erfahrungen mit der Sekte erzählt. Zwölf von ihnen zeigte die Zeitung am vergangenen Sonntag auf der Titelseite ihrer gedruckten Ausgabe – unter der Zeile «Die Macht ihrer grossen Zahl». Zwei Drittel redeten nicht öffentlich Manche der bekennenden Scientology-Opfer wollten mit ihren Erzählungen ihre vier Vorgänger unterstützen, die von der Kirche als Lügner dargestellt würden, so das Blatt. Andere fühlten sich nun, nachdem so prominente Aussteiger an die Öffentlichkeit gegangen seien, sicherer, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Trotzdem: «Für jeden, der offen mit Namen und Text hinsteht, gab es einen bis zwei, die das ablehnten», schreiben die Autoren. Diejenigen, die es taten, zeichnen ein ähnliches Bild wie Rathbun, Rinder, De Vocht und Scobee – das einer Organisation, die ihre Mitglieder unter extremer Kontrolle hält und sie regelmässig demütigt. Vier weitere sagen ebenfalls aus, sie seien von Miscavige misshandelt worden. Einer von ihnen, Mark Fisher, schildert eine besonders brutale Szene. An einem Treffen habe Miscavige ihn und ein anderes Mitglied gequält: «Er schlug unsere Köpfe zusammen, bis ich blutete.» Einer der anderen Zeugen, die sich bei der «Times» meldeten, hat den Vorfall nach eigener Aussage beobachtet. «Desillusioniert, bitter und unehrlich» Scientology weist die Berichte als falsch zurück. «Es ist offensichtlich, dass diese neuen ‹Berichte› durch ihre ersten Artikel ausgelöst worden sind», wird Sprecher Tommy Davis zitiert. «Sie sind nichts weiter als Hirngespinste einiger Anti-Scientologen, die sich im Internet tümmeln und gegenseitig aufheizen.» Laut der Zeitung liess Scientology den Autoren über zwanzig Aussagen von aktuellen und früheren Top-Mitgliedern der Organisation zukommen, die den Kritikern die Glaubwürdigkeit absprechen. «Sie sehen anhand dieser Beweise, dass ihre ursprünglichen Quellen desillusioniert, bitter und unehrlich waren; die neuen Quellen sind bloss mehr von demselben», soll Davis dazu geschrieben haben. Die «St. Petersburg Times» ist bekannt für ihre investigativen Berichte zur Scientology-Kirche. Sie hat seit 1964 acht Pulitzer-Preise erhalten, einen davon 1979 für ein Stück, dass eine Immobilien-Investition der Sekte aufdeckte.

Neue Luzerner Zeitung, 03.08.2009, Fabian Fellmann
Anonymous: Maskendemonstration in Luzern? 
Luzern, Bern, Zürich: Eine Gruppe anonymer Maskierter tritt an, Scientology als gefährlich zu entlarven. Die Nervosität nimmt zu.
In den USA gilt die Scientology-Kirche als Religion und wirbt mit prominenten Aushängeschildern wie dem Schauspieler Tom Cruise. Vor allem in Europa wird Scientology aber oft als Sekte kritisiert, die verboten werden sollte. In der Schweiz, wo die Organisation gemäss eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder zählt, diesebezüglich besonders aktiv ist Anonymous Schweiz, der Ableger einer internationalen Internetgemeinde, die gegen Scientology vorgeht. So auch am kommenden Samstag, 8. August, an der Hertensteinstrasse vor der Matthäuskirche in Luzern, wenn die scientology-nahe CCHR Schweiz, die «Bürgerkommission für Menschenrechte», dort ihren Stand aufstellt. Es gebe keinen Grund, die Demonstration nicht zu bewilligen, sagt Alfred Fischer, stellvertretender Leiter beim zuständigen Luzerner Stadtraum-Inspektorat. Der Name des Gesuchstellers sei bekannt, es sei jedoch noch nicht entschieden, ob die Protestierenden Masken tragen dürften.

Tages-Anzeiger, 27.07.2009, Hugo Stamm
Scientology-Kritiker von Polizei empfangen
Sektengegner der Bewegung Anonymous demonstrierten vor dem Scientology-Zentrum in Albisrieden. Scientologen und Polizei waren aber schneller.
Zürich. – Die von Scientologen organisierte Bürgerkommission für Menschenrechte (CCHR) besass für den vergangenen Samstag die Bewilligung, einen Informationsstand vor der Pestalozzi-Wiese zu betreiben. Scientologen haben darin Erfahrung, man trifft sie doch über zwei Dutzend Mal pro Jahr an der Bahnhofstrasse oder an andern Orten der Stadt.Für die Aktivisten von Anonymous (siehe Kasten) ist dies ein Affront. Die Sektenkritiker verstehen nicht, dass Scientologen auf öffentlichem Grund werben dürfen. Deshalb wollten sie am Samstag die Passanten mit Transparenten und Flugblättern warnen und sie darauf aufmerksam machen, dass hinter CCHR Scientologen stecken. Die Überraschung der AnonymousAktivisten war aber gross, als sie auf der Bahnhofstrasse eintrafen. Der übliche Infostand mit der Aufschrift «Psychiatrie zerstört Leben» von CCHR war nirgends zu sehen. Hatten die Scientologen die Kundgebung geahnt und deshalb den Stand nicht aufgestellt, fragten sich die Demonstranten. Nach kurzer Beratung entschloss sich die kleine Anonymous-Gruppe, den Protest vor das Scientology-Zentrum in Albisrieden zu verlegen. Als sie dort in die Freilagerstrasse einbogen, wurden sie zu ihrer Überraschung von Polizisten und einem hochrangigen Scientologen empfangen. Die Vermutung der Anonymous-Leute schien sich zu bestätigen, dass sie an der Bahnhofstrasse beobachtet und danach überwacht worden waren. Die Polizisten verlangten die Ausweise der Demonstranten und gaben die Daten per Funk an die Zentrale weiter. «Wir kennen das Prozedere von Demos aus andern Städten», sagte eine Aktivistin, zückte ein Papier und gab es einer Polizistin. Es war die Bewilligung der Polizei, die es den Anonymous-Aktivisten erlaubte, mit Masken zu demonstrieren. Als die Polizisten abzogen, ohne Sanktionen zu ergreifen, verstand der Scientologe die Welt nicht mehr. «Sie nehmen uns ernst und fürchten uns», stellte ein Aktivist zufrieden fest und verschwand.

Tages-Anzeiger, 27.07.2009
Anonymous bleibt am Scientologen Tom Cruise dran
In vielen Ländern formiert sich Widerstand gegen Scientology. Dieses Ungemach haben sich die Scientologen selbst eingebrockt. Es begann mit einem Video, das den berühmten Muster-Scientologen Tom Cruise während einer Sektenveranstaltung zeigt. Der Schauspieler preist darin Scientology in den höchsten Tönen. In der Pose eines Führers trägt Cruise theatralisch Aussagen vor, die Sektengründer Hubbard immer wieder vorgebetet hatte. Das Video landete auf Umwegen auf der Internet-Plattform Youtube und wurde zum Renner. Die plakative und entlarvende Werbeleier von Cruise wirkte auf Uneingeweihte peinlich. Deshalb zwang Scientology Youtube auf dem Rechtsweg, die Cruise-Beichte aus dem Internet zu entfernen. Das war kein schlauer Schachzug. Im Netz brach ein Sturm der Entrüstung los. Anonymous, eine weltweite lose Internet- Interessengemeinschaft, kämpfte gegen die Bevormundung und integrierte das verbotene Cruise-Video immer wieder in Youtube, wo es heute noch zu sehen ist. Gleichzeitig befassten sich die Anonymous-Aktivisten näher mit Scientology. Ihre Erkenntnisse bestürzten viele. Sie entschlossen sich, auch ausserhalb des Internets gegen Scientology zu kämpfen. Um sich vor Repressionen zu schützen, treten sie anonym auf und tragen Masken.

Deutschlandradio, 24.07.2009
Caberta: "Das kann das Ende von Scientology bedeuten"
Caberta sieht Scientology in Bedrängnis (hier ein Blick auf den Eingang des Hauptquartiers der Organisation) in Berlin
"Das kann das Ende von Scientoloy bedeuten" Kritikerin Caberta sieht Organisation nach Aussteigervorwürfen in Bedrängnis
Ursula Caberta im Gespräch mit Ulrike Timm
Die Scientology-Kritikerin Ursula Caberta sieht in den jüngsten schweren Vorwürfen zweier früherer Top-Scientologen eine besondere Brisanz. "Es packen aus die rechte und die linke Hand des Bosses", sagte Caberta.
Ulrike Timm: Und darüber wollen wir sprechen mit Ursula Caberta. Sie leitet die AG Scientology in Hamburg und ist eine der weltweit schärfsten Kritikerinnen der Organisation. Schönen guten Tag!
Ursula Caberta: Tag!
Timm: Frau Caberta, das sind zwei Führungskräfte des innersten Kreises, die da auspacken, das hat zweifellos besondere Qualität, aber erläutern Sie uns bitte mal genauer: Wer packt da aus?
Caberta: Es packen aus die rechte und die linke Hand des Bosses David Miscavige, also dem Führer von Scientology weltweit. Die beiden waren praktisch die linke und die rechte Hand dieses Menschen, und das schon ein paar Jahre, sind auch mit ihm groß geworden in der Organisation, sind also nicht zufällig in den Funktionen, in denen sie waren, und insofern hat das eine besondere Brisanz. 
Timm: Und welche Bedeutung hatten die beiden für Scientology als Funktionäre?
Caberta: Also der Mark Rathbun, der eine, der auch am meisten erzählt bisher, war verantwortlich für die internationalen Finanzen eine ganze Zeit, war aber auch so etwas mehr so der Troubleshooter von dem David Miscavige. Immer, wenn irgendwo was querlief, denn wurde der eingesetzt. Es gibt Aussagen von ihm, dass er auch, als Tom Cruise, also das Aushängeschild von Scientology, sich mal absetzen wollte, eingesetzt wurde, ihn wieder einzufangen und Ähnliches. Also das ist schon eine der bedeutendsten Personen dort gewesen.
Timm: Mark Rathbun hat ja als Finanzchef durchgesetzt, dass Scientology als Kirche in den USA steuerbegünstigt ist. Es geht also auch um Geld, wenn er jetzt über Betrug redet. Heißt das im Umkehrschluss, ohne ihn wäre Scientology in den USA keine anerkannte religiöse Bewegung, sondern ein schlichtes, etwas obskures Unternehmen?
Caberta: Na ja, das ist auch so ganz nicht richtig, sie sind in den USA nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt, das gibt's in den USA ebenso wenig wie woanders, sondern sie sind steuerbefreit, also ein gemeinnütziger Verein, was aber an den politischen Auswirkungen nichts ausmacht. (…) war dafür mit zuständig, und David Miscavige, also die beiden, haben die ganzen Sachen mit der US-amerikanischen Finanzbehörde geführt, haben das durchgesetzt, und darüber plaudert er jetzt, dass das zustande gekommen ist dadurch, dass sie Beamte und Mitarbeiter der US-amerikanischen Finanzbehörde mit Klagen und sonst was überzogen haben und es dann einen Deal gab: Wir ziehen unsere Klagen zurück - Tausende von Klagen, es waren nicht ein paar - und dafür kriegen wir die Gemeinnützigkeit, also die Steuerbefreiung.
Das hat also nichts damit zu tun, dass das in irgendeiner Form irgendetwas Weltanschauliches oder Religiöses ist, war schlicht und ergreifend ein Deal, damit das Finanzministerium endlich Ruhe vor diesen Attacken von Scientology hat. Und dass er das jetzt erzählt, ist natürlich viel Wert, weil aus dieser Steuerbefreiung sich ganz viel politischer Druck aus den USA ergab.
Timm: Beide sind aber schon vor längerer Zeit ausgestiegen, und man muss kein Freund von Scientology sein, um zu vermuten, dass da persönliche Rechnungen offen waren und jetzt heftigst nachgetreten wird. Sind beide vollkommen glaubwürdig?
Caberta: Natürlich, wobei Mike Rinder natürlich noch viel mehr. Natürlich sind sie glaubwürdig, alle Aussteiger aus Scientology sind glaubwürdig, und mit offenen Rechnungen hat das auch nichts zu tun, sondern die beiden sind einen Weg gegangen, den schon viele vor ihnen gegangen sind. Es sind auch früher schon Führungspersonen ausgestiegen, allerdings nicht die rechte und die linke Hand des Bosses, das macht die Brisanz noch mal deutlich.
Und der Mike Rinder war ja der oberste internationale Geheimdienstchef von Scientology, der ja auch einiges erledigt hat für die Organisation, an Kritikerbekämpfung und Verfolgung von Aussteigern. Insofern ist das nicht irgendwer. Die sind glaubwürdig, die sind absolut glaubwürdig, wie alle Aussteiger mit ihrer Geschichte, die sie in Scientology erlebt haben, immer glaubwürdig waren.
Timm: Welche Folgen hat denn dieser Krach für Scientology? 
Caberta: Also im Moment ist es so, dass in den USA dadurch, dass sie auch gesprochen haben, öffentlich gesprochen haben - das machen ja nicht alle, viele haben ja auch Angst vor den Repressalien, die dann Herr Miscavige mit seinen Truppen anlegt, und sagen lieber nichts. Die beiden sprechen jetzt öffentlich auch in den USA. Das kann das Ende von Scientology bedeuten, wenn das in den USA aufgenommen wird und auch die US-amerikanischen Behörden sehen, dass das, wenn die beiden Führungskräfte reden, vielleicht doch nicht das so ne harmlose Truppe ist, wie das in den letzten Jahren von den Vereinigten Staaten immer dargestellt wurde.
Timm: Deutschlandradio Kultur, das "Radiofeuilleton", im Gespräch mit der Scientology-Kritikerin Ursula Caberta. Frau Caberta, wenn zwei Ex-Führungskräfte Scientologys offenbaren, was immer vermutet wurde, aber schwer zu beweisen ist - es gibt Gewalt, es geht um Geld, das ist letztlich der Kern -, schwächt das Scientology auch über die amerikanischen Grenzen hinaus?
Caberta: Ja natürlich. Außerdem, also was die beiden erzählen, dass Miscavige seine Leute prügelt und dass sie auch von ihm geschlagen worden sind, also Gewalt als Repressalie an der Tagesordnung ist vom obersten Boss, das macht natürlich kein gutes Bild, auch nicht in den USA. Und sie berichten ja auch, dass sie selber auch geschlagen haben, weil das sich von oben nach unten fortsetzt. Also das wirft ein Bild auf Scientology, was für viele, die sich mit Scientology auseinandersetzen, jetzt nicht überraschend ist, aber in der Dramatik, wie die das schildern, dass sie auch in Wasser geschmissen worden mit vollen Klamotten und mit nassen Klamotten dann da rumlaufen mussten und Ähnliches, das hat ja voll da ähnliche eben Ausmaße, die da stattfinden, und zwar auch bei den Führungskräften. Das wirft natürlich ein Bild auf Scientology, was bisher vor allen Dingen in den USA in der Öffentlichkeit so noch nicht diskutiert wurde. 
Timm: In Deutschland tritt Scientology ja als sehr smarte Organisation auf. Welche Strategie wird denn aktuell in Deutschland verfolgt, um wen wird vor allem geworben?
Caberta: Scientology wirbt immer um alle, also die nehmen jeden. Sie haben die verschiedensten Abteilungen, die zuständig sind. Das World Institute of Scientology Enterprises, der Wirtschaftsarm, die sind für die Wirtschaft zuständig, um über Kommunikationsberatung, Unternehmensberatung die Leute und damit auch die Firma in die Organisation zu ziehen.
In Hamburg haben wir ja im Gegensatz zu Berlin keine Straßenwerbung mehr, also das sogenannte "raw meat", rohe Fleisch, so heißen in der Scientology-Sprache die Nichtscientologen, können sie in Hamburg von der Straße nicht mehr fischen, das ist in anderen Städten dieser Republik noch anders. Also wir müssen ihnen so ein bisschen was abschneiden, aber das sind die üblichen Werbemethoden, die gab's immer. Und an der Strategie hat sich auch noch nichts geändert. Vielleicht ändert sich das, wenn Miscavige in den USA fällt und der ganze Laden zusammenbricht. Ich meine, dann kann ich mir wohl endlich 'nen neuen Job suchen.
Timm: Sie selber haben in fast zwei Jahrzehnten Arbeit gegen Scientology Ihre Meinung geändert. Viele Jahre wollten Sie "nur" in Anführungszeichen umfassend aufklären, meinen aber inzwischen, Scientology müsse verboten werden in Deutschland. Warum? Und was sollte das bringen?
Caberta: Na ja, Aufklärung hat natürlich 'ne ganze Menge gebracht. Also ich glaube, Scientology in Deutschland hat es schwerer als in anderen Ländern, und auch durch die Beobachtung durch den Verfassungsschutz, also das Einsortieren dieser Organisation in die neue Form des politischen Extremismus, es war natürlich ein Riesenschritt, die da hinzubringen, wo sie hingehören, in die politisch extremistische Ecke. Aber politische Extremisten guckt man sich ja umsonst intensiver an als andere Gruppen, um dann irgendwann vielleicht auch zu sagen: Die werden für unsere Gesellschaft zu gefährlich, dass wir sie verbieten lassen müssen. Und zu dieser Auffassung ist das Land Hamburg - ist ja nicht meine persönliche Auffassung, sondern ich arbeite ja für die Hamburger Landesregierung -, es ist also Auffassung der Hamburger Landesregierung und des Landes Bayern, Hamburg und Bayern Hand in Hand in dieser Frage. Ich glaube, wenn die sich nicht selbst zerlegen, gerade da in den USA, wenn das nicht gelingt, werden wir nicht drumrum kommen, sie irgendwann hier zu verbieten, um Mensch und Gesellschaft vor dieser Organisation zu schützen.
Timm: Frau Caberta, kann ich Sie zum Schluss verführen, auf einer Skala von eins bis zehn mal zu orten, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist nach diesen Ereignissen, dass sich Scientology selbst zerlegt und Sie sich einen neuen Job suchen müssen? 
Caberta: Na ja, eins ist die höchste oder zehn ist die höchste Wahrscheinlichkeit?
Timm: Die Zehn ist die höchste. 
Caberta: Dann sind wir jetzt bei drei. 
Timm: Da haben wir noch viel Luft nach oben. 
Caberta: Das stimmt. 
Timm: Ursula Caberta, die schärfste Scientology-Kritikerin in Deutschland und eine der schärfsten weltweit, über die neuesten Vorgänge bei Scientology. Vielen herzlichen Dank fürs Gespräch! 
Caberta: Gerne!

Polskaweb News, 08.07.2009
Neue Scientology-Offensive in Polen 
Mit einer kontroversen Kampagne ist die umstrittene Scientology Sekte wieder einmal in Polen auf Aquise. Nachdem man hier in den vergangenen zwei Jahrzehnten so gut wie garnicht Fuß fassen konnte, versucht man nun über Bildungseinrichtungen Zugang zum Volke zu finden. Zeichen für eine bereits begonnene Offensive ist der bereits laufende Versand von 60 Tausend kostenlosen Büchern an 3800 polnischen Bibliotheken. Die unerwünschte Aktion wird über den deutschen Hauptsitz von Scientology durchgeführt und über Dänemark finanziert und koordiniert, wo ein gewisser Nandor Juchos die umstrittene "Groß-Spende" mit dem angeblichen Bedarf der Menschheit nach Zugang zu den Original-Materialien des Sekten Gründers Ron Hubbard rechtfertigt. Die Scientology Kirche gilt weltweit als eine der gefährlichsten Sekten, die über eine relativ primitive Gehirnwäsche ihre Mitglieder dazu verleitet, ihren persönlichen wirtschaftlichen Erfolg mit der Führungsriege der Organisation zu teilen. Das Nationale Sicherheitsbüro Polens in Warschau warnt nicht umsonst vor Scientology. Auch in vielen anderen Ländern dieser Welt hat man das Problem mit der Sekte bereits vor Jahren erkannt und setzt sogar Geheimdienste ein, um Gründe für deren Ablehnung zu sammeln. Besonders in Deutschland und jetzt auch verschärft in Frankreich gehen Behörden gegen die Ausbreitung von Scientology im Lande vor. Die Erfolge in diesem Kampf sind allerdings eher mager, da man zwar einzelnen Mitgliedern "Verfehlungen" nachweisen kann, aber nicht der gesamten Organisation an sich. In Polen hatte Scientology bereits in den frühen 90er Jahren versucht Fuß zu fassen, was aber damals nicht gelang. Ebenso wie in Ostdeutschland war man auf eine breite Ablehnung gestossen. Das berechtigte Mißtrauen der Bürger aus den ehemaligen sowjetischen Satelliten- Staaten hatte der Sekte erst einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Bibliothek der Universität Warschau hat bereits ein "Scientology Paket" bekommen und 19 Titel von Sekten- Gründer Ron Hubbard in ein Regal mit der Bezeichnung "Mystik" einsortiert. Man ist offen gegenüber fremden Weltanschauungen, von Ron Hubbard oder Scientology hatte man im Übrigen aber noch nicht gehört, und die Bilder von Tom Cruise und Gattin Katie Holmes kannte man schon aus der Klatschpresse. Doch bei genauerem Hinsehen entdeckte man in einem Hubbard Buch namens "Planetary Interiors" plötzlich ein Beiblatt auf dem die "Spender" um die Erstattung von Versandkosten usw. in Höhe von einigen Hundert Zloty bitten. Nach Aussage des Leiters dieser Bibliothek hatte der Verlag "New Era Publications" aus Berlin bereits zweimal größere Pakete mit Scientology Büchern geschickt, doch habe man hiervon keines hiervon wirklich gebraucht oder genutzt, zudem sie nicht einmal in polnischer Sprache vorlägen. Auch in anderen öffentlichen Bibliotheken Warschaus findet man Bücher von Scientology. Spenden sind hier generell willkommen und werden auch angenommen. Einige Bücher Hubbards wurden auch ins Polnische Übersetzt und schon vor ein paar Jahren über Ungarn an diverse Schul- Bibliotheken in Polen gesandt. Freundlich ermutigte man Lehrer, in den Begleitschreiben der Pakete aus Budapest, doch die Inhalte der Hubbard Bücher alsbald in die Lehrpläne aufzunehmen. Diese jetzt laufende große Buchaktion Scientologies soll aber nur die erste Phase des Plans zur Expansion in Polen sein. Im Berliner Zentrum der Sekte bastelt man schon seit 2007 an neuen Strategien, wie man Polen, die Tschechische Republik und andere Länder in Mittel-Europa ideologisch in den Griff bekommen kann. Neue Scientology Dianetik Zentren und Kurse in Breslau, Krakau und Warschau beweisen, dass man sich nun auch schon räumlich in Polen einnistet.

taz Hamburg, 22.06.2009, Uta Gensichen
Hubbard macht Schule 
WERBEKAMPAGNE Die Hamburger Scientology-Kirche verschickt derzeit Briefe an Schulen. Darin lädt sie Religionsklassen zu einem Besuch ein. Die Innenbehörde ist alarmiert
Die Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde warnt derzeit vor einer massiven Werbekampagne der Scientology Organisation an Schulen. Ziel der Kampagne sei es demnach, die verfassungsfeindliche Lehre der Scientologen in den Religions- und Ethikunterricht einzubringen. Vor rund zwei Wochen hatten die ersten Briefe Schulen in Hamburg und Umgebung erreicht, sagt Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe. Darin bitte die Organisation um ein Gespräch und biete Klassen den Besuch in der Scientology-Zentrale sowie Informationsmaterial an. "Das Ziel ist immer dasselbe", sagt Caberta. Über das Bildungssystem wolle Scientology an die Menschen herankommen. Es ginge der Organisation vor allem darum, Menschen abhängig zu machen und wirtschaftlich auszunutzen. Mit Religion und Kirche habe das nicht zu tun. Caberta warnt davor, auf das Angebot einzugehen: "Andere verfassungsfeindliche Institutionen werden doch auch nicht in Schulen eingeladen." Neu an der Kampagne sei, dass Scientology in die Öffentlichkeit gehe, ohne sich hinter dem Namen einer Unterorganisation zu verstecken. "Seit langer Zeit tritt sie mal wieder mit offenem Visier auf", sagt Caberta. In Norddeutschland aktive Initiativen der Scientologen seien etwa "Jugend für Menschenrechte" und "Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben". Diese Gruppen haben in den vergangenen Jahren von Hamburg aus durch Broschüren und Kundgebungen auf sich aufmerksam gemacht. Eine direkte Verbindung zur Scientology-Kirche ist in den Veröffentlichungen auf Anhieb nicht erkennbar. So harmlos sich deren Inhalte zunächst anhörten, man dürfe nicht vergessen, wer sich damit tarnt, sagt Caberta. Die Scientology Kirche Hamburg wirft indes der Innenbehörde vor, in die Meinungsfreiheit einzugreifen. "Das ist ein Indikator für den Versuch der staatlichen Bevormundung", sagt Pressesprecher Frank Busch. Mit der Schulkampagne mache die Organisation allein von ihrem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch. Das Angebot an die Schüler, die Schriften des Scientology-Erfinders L. Ron Hubbard kostenfrei zu nutzen, diene demnach ausschließlich der Meinungsbildung. "Schließlich schaut jeder Schüler ja auch in die Bibel, um dann darüber zu sprechen", sagt Busch. Diese scheinbar wissenschaftliche Begründung könnte laut Verfassungsschutz allerdings der Versuch sein, jugendliche Mitglieder zu werben. Dem aktuellen Bericht zufolge ist die aus rund 700 Mitgliedern bestehende Hamburger Organisation überaltert. Bis auf die Kinder von Scientologen fehle es der hiesigen Kirche an Nachwuchs. Mithilfe von unauffälligen Jugendinitiativen oder dem direkten Weg in die Schulen hoffen die Scientologen darauf, den Mitgliederschwund aufhalten zu können. Im Juni 1997 hatten sich die Innenminister des Bundes und der Länder (IMK) darauf geeinigt, Scientology durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Demnach ginge aus den Schriften der Organisation hervor, dass zentrale Verfassungswerte wie die Menschenwürde und das Recht auf Gleichbehandlung außer Kraft oder eingeschränkt werden sollten.
UTA GENSICHEN ÜBER DIE SCIENTOLOGY-WERBEAKTION 
Lernen, kritisch zu sein 
Scientology ist weniger eine Religionsgemeinschaft, als vielmehr eine intransparente Vereinigung von vielen, die sich von wenigen das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Der Verfassungsschutz weist schon lange auf die totalitären Tendenzen hin, die sich in den Schriften der Scientologen ablesen lassen. Vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden, heißt aber nicht zwangsläufig, eine Gefahr für die Demokratie zu sein. Solange Scientology hierzulande ihre so genannten Lehren verbreiten darf, können Kritiker zwar vor den Gefahren warnen - verbieten können sie die Auseinandersetzung mit Scientology dennoch nicht. Die eigentliche Frage bleibt demnach: Warum sollen sich Schüler nicht mit den Texten des amerikanischen Science-Fiction-Autors L. Ron Hubbard beschäftigen? Scientology hat nicht ganz Unrecht, wenn sie sagt, das trage zur freien Meinungsbildung bei. Wie sonst sollen junge Menschen zu Verfechtern der Demokratie werden, wenn sie die Argumente der Gegner nicht kennen? Natürlich dürften Lehrer solcherlei Literatur nicht unkommentiert stehen lassen. Schüler müssen kritisches Denken erst lernen. Sie wohlwollend von verfassungsfeindlichen Gedanken fernzuhalten, fördert nicht die Urteilsfähigkeit, sondern unhinterfragtes Ja-Sagen. Und nichts schadet der Demokratie mehr als das.

NDR Online-Nachrichten, 19.06.2009
Hamburg- Innenbehörde warnt vor Kampagne von Scientology
Die Innenbehörde hat vor umfangreichen Werbemaßnahmen der Scientology-Organisation an Hamburger Schulen gewarnt. "Ziel dieser Kampagne ist es, die verfassungsfeindliche Lehre der Scientologen unter dem Deckmantel der Religions- bzw. Menschenrechtsdiskussion in den Unterricht einbringen zu können", teilte die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology, Ursula Caberta, am Freitag mit. In einem Schreiben an die Schulen bitte die Organisation um ein Gespräch und biete einen Besuch in der Scientology-Zentrale sowie kostenloses Unterrichtsmaterial an. "Scientologen wollen direkten Kontakt aufnehmen" "Die Scientologen verfolgen ihre übliche Strategie und wollen den direkten Kontakt aufnehmen, um so an die Menschen heranzukommen", sagte Caberta. Lehrer, Eltern und Schüler müssten sich jedoch klarmachen, dass hinter Scientology das verfassungsfeindliche Menschenbild des Gründers L. Ron Hubbard stehe. Der Organisation gehe es vor allem darum, Menschen abhängig zu machen und wirtschaftlich auszunutzen.

Zürcher Oberländer, 16.06.2009
Scientology im Coop 
Georg Schmid kritisiert geplantes Musical Hinter einer geplanten Musical-Aufführung vom Mittwoch steht eine Sekte, sagt Experte Georg Schmid. Diese Aufführung wird die Coop-Verkaufsleitung wohl kritisch begutachten: Am Mittwoch ist die Zürcher «Ziel»-Schule mit einem Kindermusical zu Gast im Hinwiler Coop Megastore. Doch diese Privatschule ist nicht wie jede andere: Den Schülern werden unter anderem die Lehren von Scientology-Gründer Ron L. Hubbard näher gebracht. Sektenexperte Georg Schmid befürchtet darum, dass die Schule am Mittwoch nach neuen Schülern und somit potenziellen Mitgliedern suchen wird. «Keine Anwerbung» Schmid findet es bedenklich, dass das Musical an einem solchen Ort stattfindet: «Die Eltern werden nirgends darüber informiert, dass es sich um eine Scientology-Privatschule handelt.» Bei der «Ziel»-Schule beteuert man, keine neuen Schüler anwerben zu wollen; das habe man nicht nötig. Die Schule existiert seit zehn Jahren und wurde auf einem Angebot an Privatunterricht aufgebaut; sie gibt sich auf ihrer Homepage als «überkonfessionell». (heu)

KNA-Basisdienst vom 16.06.2009 
Frankreich: Staatsanwaltschaft fordert Auflösung von Scientology 
Paris (KNA) Im Prozess gegen Scientology in Paris hat die Staatsanwaltschaft die Auflösung der Organisation verlangt. Zudem forderten die Staatsanwälte, die beiden wichtigsten französischen Scientology-Vereinigungen zu jeweils zwei Millionen Euro Geldbuße zu verurteilen, wie französische Medien am Dienstag berichteten. Der spirituelle Leiter der Organisation, Alain Rosenberg, solle zu vier Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldbuße von 150.000 Euro verurteilt werden. Geldbußen und Bewährungsstrafen forderten die Staatsanwälte auch für fünf Mitangeklagte. Scientology wird bandenmäßiger Betrug und illegale medizinische Betätigung vorgeworfen. Der Prozess gegen die Organisation hatte Ende Mai begonnen. Er soll am Mittwoch zu Ende gehen. Ein Urteil wird aber erst in einigen Wochen erwartet. Dem Prozess voraus gingen neun Jahre dauernde Ermittlungen. Geklagt hatten zwei ehemalige Scientology-Mitglieder. Drei weitere Klagen wurden laut Medienberichten zurückgezogen, nachdem Scientology mit den Klägern eine finanzielle Einigung erreicht hatte. Es ist der zweite Prozess gegen Scientology in Frankreich. 2003 war die Organisation vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen worden. Sie wurde damals aber wegen Verstoßes gegen die Datenschutzbestimmungen verurteilt. Bereits in den 1990er Jahren wurden führende Scientology-Mitglieder sowohl in Lyon als auch in Marseille wegen Betrugs verurteilt.

Der Westen, 04.06.2009, Silke Hoock und Jürgen Polzin
Verfassungsschutz Scientology schleicht sich in Firmen ein 
Düsseldorf/Essen. Verfassungsschützer und Sekten-Experten raten der Wirtschaft in NRW eindringlich, Unternehmen vor einer Einflussnahme durch die Scientology-Organisation zu schützen. Vorgesetzte sollen Mitarbeiter unter Druck gesetzt haben. „Leitende Angestellte eines Betriebes sollten eine Abstandserklärung unterzeichnen, in der sie sich von den Zielen der Scientologen distanzieren”, sagte Dirk Ritter-Dausend, Experte im NRW-Innenministerium, im Gespräch mit der WAZ-Gruppe. Bei Verstößen könnten dann arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet werden. Nach Erkenntnissen des NRW-Innenministeriums und der Beratungsstelle Sekten-Info NRW sind 15 Fälle bekannt, in denen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter zur Teilnahme an Scientology-Kursen oder zu Studien von Büchern der Organisation genötigt hätten. Betroffen seien oft kleinere Unternehmen ohne Mitarbeitervertretung. Ziel sei es, Mitglieder zu gewinnen und Geldquellen zu erschließen. Scientology steht seit 1997 im Blickfeld des Verfassungsschutzes. Laut NRW-Innenministerium strebt die Organisation eine Führung der Gesellschaft an. Sie verfüge über Strukturen mit totalitärem Anspruch und menschenverachtenden Tendenzen. Weltweit habe Scientology 100 000 Mitglieder. In Deutschland seien es 5000, in NRW 400. Schulungen als verkappte Werbung Die Gefahr für Unternehmen geht laut Experten von betriebsinternen Kursen aus. Scientologen würden darin für Ziele der Organisation werben. Werde ein Unternehmen für Schulungen engagiert, sei Vorsicht angebracht, warnte Ritter-Dausend. Er mahnte, auf Wortmarken und Symbole zu achten. Die Scientology Kirche Düsseldorf sprach von einer „Desinformationskampagne” und wies die Vorwürfe zurück: „Uns sind keine Fälle bekannt bei denen Mitarbeiter von Firmen unter Druck gesetzt werden, um Kurse bei Scientology zu belegen”, teilte die Organisation mit. Scientology verwies mit Blick auf die geforderte Abstandserklärung auf Urteile, die eine solche Erklärung als verfassungswidrig abstempelten. Sie würde auch dem Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit diametral entgegenstehen. Scientology erklärte zudem, Kontakt mit den Behörden und Beratungsstellen zu suchen, „um falsche Informationen zu korrigieren.”
Neue Masche von Scientology
Essen. Verfassungsschützer, Sekteninfo NRW und Handelskammer Dortmund sind beunruhigt: Scientology benutzt Führungskräfte von Unternehmen, um deren Untergebene als Mitglieder zu gewinnen. Und nistet sich in den Firmen ein, um an Geld zu kommen. Am Ende der Unterredung wurde der Chef dann deutlich. „Man spreche hier eine gemeinsame Sprache, sagte er dem Auszubildenden. Dann forderte er ihn auf, das Buch ,Dianetik' des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard zu lesen. Als sich der Azubi weigerte, wurde der Chef noch deutlicher. Du bist unser Feind im Team, sagte er.” Sabine Riede, Leiterin der Beratungsstelle Sekten-Info NRW, erzählt diese Geschichte. Sie nennt keine Namen. Ihre Erkenntnisse alarmieren Verfassungsschützer, Vertreter von Industrie- und Handelskammern, Abgeordnete des NRW-Landtags. Nun warnen sie gemeinsam: Die Scientology-Organisation hat in NRW die Wirtschaft infiltriert, benutzt Führungskräfte, um deren Untergebene als Mitglieder zu gewinnen. Es geht ums Missionieren und darum, Geld zu machen, sagt Marc Ratajczak, sektenpolitischer Sprecher der CDU im NRW-Landtag. Im Visier: die Firmen Sekteninfo NRW berichtet von 15 Unternehmen in NRW, in denen Mitarbeiter von Scientologen wiederholt und massiv unter Druck gesetzt worden sind. Die Vorfälle hätten sich in Unternehmen verschiedener Branchen ereignet: Immobilien, Kreditvergabe, Druckereien, Spielwaren, Geschenkartikel. Auch Handwerksbetriebe seien darunter, sagt Sabine Riede. Das Wirken von Scientology habe insbesondere in kleineren, mittelständischen Unternehmen ohne Mitarbeitervertretung Erfolg, so Experten. Marc Ratajczak berichtet von dem Fall eines jungen Auszubildenden, der bei einem Düsseldorfer Immobilienhändler beschäftigt gewesen sei. Der Geschäftsführer habe ihn dazu zwingen wollen, Scientology-Seminare zu besuchen. Immer wieder habe er insistiert. „Der Auszubildende hat schließlich die IHK um Hilfe gebeten. Man hat ihm eine neue Lehrstelle besorgt.” Das Vehikel: die Macht Die Anwerbeversuche richteten sich meist gegen Untergebene, sagt Sabine Riede. „Die Möglichkeit, am Arbeitsplatz Macht auszuüben, ist das Vehikel.” Auszubildende könnten besonders leicht unter Druck gesetzt werden. Denn: „Nur die Mutigsten entscheiden sich, direkt zu Beginn ihrer Arbeitskarriere eine Ausbildung abzubrechen.” In Betrieben, in denen ein Teil der Belegschaft zu Scientology gehöre, würden „Abtrünnige” durch Spitzeldienste unter Druck gesetzt, hören die Berater von Betroffenen. Es sind übliche Mobbing-Methoden, sagt Sabine Riede: „Äußerungen wurden dem Chef zugetragen, E-Mails und Rechner überwacht. Dadurch entstand ein Klima der Angst.” Die Masche: Coaching Das Einfallstor ist die Sprache, sagen Beobachter. Kommunikations-Kurse und Persönlichkeitstraining seien typische Situationen, in denen Anwerbeversuche gestartet würden, berichtet Sabine Riede. Ihr Beispiel: „Der Chef verordne betriebsinterne Weiterbildungen, die sich als spezielle Kurse von Scientology-Organisationen entpuppen. Die Anbieter sind uns namentlich bekannt, in den Kursen fallen typische Sätze, oder wir erkennen es an den Titeln der Bücher.” Teilnehmer der Kurse hätten berichtet, dass sie sich in die Augen schauen sollten, ohne dabei eine Regung zu zeigen. „Das Training dauert so lange, bis der Scientologe meint, das Ziel sei erreicht.” Wer sich entziehe, würde unter Druck gesetzt. Riede: „Wer keinen weiteren Kurs wollte, wurde im Betrieb mit Missachtung bestraft. Wer sich positiv äußerte, wurde mit Gehaltserhöhungen belohnt.” Das Motiv: Geld Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes stehen in NRW kommerzielle Aktivitäten der Organisation im Vordergrund. Die Staatsschützer warnen: Scientology erschließt sich Geldquellen. Kurse für Einsteiger kosteten einige hundert Euro, für höhere Stufen könnten fünfstellige Beträge verlangt werden. Dirk Ritter-Dausend, Scientology-Experte im NRW-Innenministerium: „Wenn es der Organisation gelingen sollte, mit einem Unternehmen enge Verbindungen aufzubauen oder es sogar zu unterwandern, ist das bei Bekanntwerden mit hohen Reputationsschäden verbunden. Das kann schlimmstenfalls zur Insolvenz des Unternehmens führen.” „Jede Menge Geld” Die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund nennt Fall einer Dortmunder Bäckerei, die Insolvenz anmelden musste. „Aus dem Unternehmen wurde jede Menge Geld gezogen”, sagt Sprecher Georg Schulte. Auch Sekteninfo NRW berichtet von Finanzströmen. Sabine Riede: „Mir ist ein Fall bekannt, bei dem ein Firmenchef regelmäßig 18 Prozent seines Gewinns an Scientology gespendet hatte.”

heiseticker.de, 29.05.2009
Wikipedia sperrt IP-Adressen von Scientology aus 
Das Wikipedia-Schiedsgericht[1] hat entschieden, Beiträge oder Beitragsänderungen von Mitgliedern der sogenannten Scientology Church ab sofort zu verhindern. Das soll erreicht werden, indem IP-Adressen, die der Organisation zugeordnet werden können, ausgesperrt werden. Diese werden demnach ebenso gehandhabt wie Adressen von offenen Proxys, die bei Wikipedia unerwünscht sind. Das Schiedsgericht hatte erwogen, die Sperre nur für Artikel einzurichten, die in einem Zusammenhang mit Scientology stehen, doch das erschien letztlich nicht umsetzbar. Die Aussperrung der US-amerikanischen Organisation, die auch in Deutschland vertreten ist, wurde im Schiedsgericht seit dem 11. Dezember 2008 diskutiert; insgesamt lief dort das vierte Verfahren rund um Scientology. Wikipedia hat sich dazu verpflichtet, alle Einträge von einem neutralen Standpunkt aus zu verfassen. Diesen hätten Nutzer verlassen, die Scientology zugeordnet werden können, indem sie Werbung in eigener Sache gemacht hätten. Nutzer sollen von Scientology aus Artikel bearbeitet und ihre Aktionen mit ihresgleichen koordiniert haben.

Baseler Zeitung 25.5.09, Claudio Habicht
Flüchten Frankreichs Scientologen in die Schweiz?
Frankreich macht Scientology den Prozess. Kommt es zu einem Schuldspruch, droht der Sekte dort das Ende. Viele Anhänger könnten in die Schweiz ausweichen, glaubt Experte Georg Schmid. Scientology in der Schweiz In der Schweiz gibt es laut Sektenexperte Georg Schmid von der evangelischen Informationsstelle «Kirchen – Sekten – Religionen» mehrere Hundert aktive Scientologen. Im Vergleich zu anderen Ländern sei das eine grosse Anzahl. «Gerade das hohe Einkommensniveau ist für die Sekte interessant: Nach Aussage von Ehemaligen ist jeder sechste Scientologe auf der höchsten Kurs-Stufe Schweizer.» Schmid schätzt Scientology als gefährliche Sekte ein: Sie übt grossen Druck auf ihre Mitglieder aus, Kurse zu kaufen, und hat Mitglieder öfters auch veranlasst, zur Finanzierung der Kurse Kredite aufzunehmen. «Menschen, die bei Scientology aussteigen, sind oftmals hoch verschuldet.» Die Anklage gegen Scientology lautet: organisierter Bandenbetrug. Folgen ihr die Richter des Pariser Gerichts, könnte die Sekte in Frankreich zwangsaufgelöst werden. Für den harten Kern der Sekte – etwa 1000 bis 2000 Personen – bliebe nur eines: Auswandern. «Es ist anzunehmen, dass die Scientologen versuchen werden, in andere französischsprachige Gebiete auszuweichen», sagt Sektenexperte Georg Schmid von der evangelischen Informationsstelle «Kirchen – Sekten – Religionen» im zürcherischen Rüti. «Lockerer Umgang mit Extremisten» Die Schweiz ist besonders attraktiv für die Scientologen: Die Behörden schränken so genannte weltanschauliche Gemeinschaften hierzulande nicht ein. «In der Schweiz ist man lockerer im Umgang mit Extremisten», sagt Schmid. Der Sektenexperte vermutet, dass die Scientologen in Genf oder in Lausanne in Lauerstellung gehen würden. Nicht nur die Romandie, auch andere frankophone Gebiete bieten sich den Scientologen an. «Québec wäre eigentlich naheliegender als die Schweiz. Die kanadische Provinz liegt näher an der Zentrale in den USA.» Für Sektenexperte Schmid ist allerdings klar, dass nur vermögende Scientologen die Möglichkeit hätten, nach Übersee zu gehen. Gar nicht in Frage kommt Belgien: Die dortigen Behörden betreiben eine ähnlich scharfe Antisektenpolitik wie Frankreich. Druck aus den USA vorprogrammiert Der Prozess in Paris dauert noch bis 17. Juni. Eines ist für Schmid aber schon jetzt klar: «Das wird einen riesigen Wirbel geben. Die Scientologen sind gut mit der US-Politik vernetzt, ein französisches Verbot würde in den USA als Schlag gegen die Religionsfreiheit angesehen.» In Deutschland, wo die Sekte als totalitäre Organisation eingestuft und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hat man laut Schmid genau aus diesem Grund von einem Verbot abgesehen. Der Druck aus den USA sei zu gross geworden. Bei Scientology will man keine Stellung nehmen zur möglichen Abwanderung von französischen Mitgliedern in die Schweiz: «Wir gehen davon aus, dass der Fall eingestellt wird», sagt Sprecherin Annette Klug.

AFP, 25.05.2009
In Tschechien öffnet angeblich Scientology-Grundschule
Prag (AFP) — In Tschechien wird laut einem Pressebericht demnächst mit Billigung der Regierung eine Grundschule eröffnet, die Verbindungen zur umstrittenen Scientoloy-Organisation haben soll. Die Schule werde im September ihre Pforten öffnen, berichtete die tschechische Wochenzeitung "Tyden" laut einer Vorabveröffentlichung. In der Einrichtung mit dem Namen "Erste Schule für angewendete Scholastik" werde nach der Methode des Scientology-Gründers Ron Hubbard unterrichtet. Zunächst solle es drei Klassen mit acht bis 15 Schülern geben, die jeweils ein Schulgeld von umgerechnet 131 Euro monatlich bezahlen sollten. Das tschechische Bildungsministerium habe Scientology 2004 zwar als gefährliche Sekte eingestuft, die Schulgründung aber erlaubt, berichtete "Tyden". Er habe nicht gewusst, dass es sich um eine Scientology-Einrichtung handele, sagte der Beamte, der die Schule ins Register aufgenommen hatte, dem Blatt. Scientology wird vielerorts als Sekte angesehen, in den USA, wo die Organisation in den 50er Jahren gegründet wurde, hat sie den Status einer Kirche.

n-tv.de, 22.05.2009, Kerstin Löffler
Wegen Betrugs in Frankreich Scientology vor Gericht
Mit Spannungsmessgeräten und Saunakuren fürs Seelenheil verdient Scientology in Frankreich vielleicht bald kein Geld mehr. Die umstrittene Organisation steht wegen "organisierten Bandenbetrugs" ab Montag vor einem Pariser Gericht, im Falle eines Schuldspruches droht ihr die Auflösung. In dem auf zweieinhalb Wochen angesetzten Verfahren geht es um eine Frau, die 1998 einen "Persönlichkeitstest" bei Scientology gemacht hatte. In der Folge zahlte die Französin für Bücher, Medikamente und ein "Elektrometer" zur angeblichen Messung ihres geistigen Wohlbefindens über 200.000 Francs (gut 30.000 Euro) an die Organisation, die in Frankreich als Sekte gilt. *"Illegale Ausübung des Apothekerberufs"* Das so genannte Elektrometer wird Anhängern der Scientology-Lehre für tausende Euro verkauft, obwohl er nur ein paar hundert wert ist; es handelt sich um einen simplen Apparat, der die Spannung zwischen den Händen misst. Auch mit wochenlangen Saunakuren zur Reinigung von Körper und Geist sowie Vitaminpräparaten verdient die Organisation offenbar kräftig. Die Mitglieder bekämen die Vitamine in solchen Überdosen verpasst, dass sie bleiern müde würden und langsam die Beziehungsfähigkeit zur Gesellschaft verlören, zitiert das Wochenmagazin "L'Express" aus der Anklageschrift. Mehrere Scientologen stehen deshalb auch wegen "illegaler Ausübung des Apothekerberufes" vor Gericht. Es ist nicht das erste Mal, dass Scientology einen Rechtsstreit am Hals hat. Aber es ist das erste Mal, dass die Organisation sich als juristische Person vor Gericht verantworten muss. Angeklagt sind das "Celebrity Centre", die wichtigste Scientology-Struktur in Frankreich, ihr Leiter Alain Rosenberg und sechs weitere französische Mitglieder der Organisation. Die Verteidigung gibt zu, dass der Prozess "lebenswichtig" sei: "Wenn unser Mandant verurteilt wird, können die Scientologen in Frankreich nicht mehr tätig sein", sagte der Rechtsanwalt Patrick Maisonneuve dem "L'Express". *Ron Hubbard in Frankreich verurteilt* Eine erste Scientology-Vereinigung in Frankreich war 1995 aufgelöst worden, weil sie sich weigerte, Steuern zu zahlen: Statt sie als religiöse Gemeinschaft anzuerkennen, stufte Frankreich die Organisation seinerzeit als Sekte ein. Schon 1978 hatte ein französisches Gericht den Scientology-Gründer Ron Hubbard wegen Betruges zu vier Jahren Gefängnis verurteilt; der Science-Fiction-Autor aus den USA verlor den Prozess schon deshalb, weil er nicht zum Gerichtstermin erschien. Ende der 90er Jahre musste sich der ehemalige Ortsvorsitzende der Scientologen in Lyon vor Gericht verantworten, nachdem eine Anhängerin der Bewegung sich das Leben genommen hatte. Derzeit läuft in Frankreich, wo die Organisation schätzungsweise mehrere tausend Mitglieder hat, ein weiteres Verfahren, nachdem der belgische Pianist Alain Stoffen sie angezeigt hatte. *Am Rande des Selbstmordes* Stoffen war Mitte der 80er Jahre zu Scientology gestoßen und konnte sich erst 15 Jahre später dem "Reich des Hasses" befreien, wie er heute sagt. "Ich ertrage es nicht, dass diese Sekte weiterhin durch das Netz der Justiz rutscht", erklärt der Musiker, der gerade ein Buch über "Die Reise ins Herz von Scientology" geschrieben hat. Die Organisation habe seine Beziehungen zerstört und ihn an den Rand des Selbstmordes getrieben. "Ich will, dass die Masken fallen und dass die Wahrheit ans Licht kommt." Allerdings wird es nicht einfach sein. "Wenn ein Priester sich an Kindern vergeht, kann man nicht die ganze katholische Kirche anprangern", sagt Anwalt Maisonneuve. "Die Anklage muss beweisen, dass Scientology eine Bande von Schurken ist und die Absicht hatte, dies zu sein." 

Tages-Anzeiger 13.05.2009, Hugo Stamm
In der Rezession haben Sekten Hochkonjunktur
Mit den Sekten ist es wie mit den Drogen: Nach einer Phase der Angst und Empörung gewöhnt man sich an sie. Die Gefahr nimmt aber nicht ab. Ein aktuelles Ranking.
1.Scientology Scientology hat das umfassendste Heilsangebot, ein starkes Vereinnahmungssystem und vielfältige Missionsmethoden. 
Um Scientology ist es relativ ruhig geworden. Trotzdem bleibt die amerikanische Organisation die unbestrittene Nummer eins unter den Sekten. Zentrales Merkmal sind die radikale Einbindung und Vereinnahmung der Anhänger: Mitglieder der scientologischen Elite-Einheit Sea-Org unterschreiben einen Mitgliedschaftsvertrag über eine Milliarde Jahre. Gleichzeitig erhalten Sektenanhänger einen Scientology-Pass, der gültig ist, «solang das Universum existiert». Elite-Scientologen sind also bereit, ihre Seele auf alle Ewigkeit zu verkaufen. Dabei arbeiten sie 60 bis 80 Stunden pro Woche für ein besseres Trinkgeld und rutschen in eine radikale Gegenwelt ab, in der Sciencefiction die Realität überdeckt. Scientology verlangt von seinen Anhängern eiserne Disziplin. Wenn die Welt nicht in nützlicher Frist scientologisch wird, ist sie dem Untergang geweiht, trichterte der 1986 verstorbene Gründer Ron Hubbard seinen Kolonnen ein. Dies koste Schweiss und Tränen. Und viel Geld. Die Spendenskala reicht bis zu einer Million Dollar. Alle rackern sich durch das verschachtelte, teure Kurssystem. Mit Psychotechniken und Therapien wollen sie unsterbliche Genies werden. In der Kunstwelt von Scientology ist selbst der Glaube eine Technologie. Schliesslich ist die Heilslehre geprägt vom Geist der Sciencefiction-Romane Hubbards. Der einstige Chef von Scientology Österreich, Wilfried Handl, erklärt, die Sekte habe ihn zum Zombie gemacht. Nach Hubbard muss die Welt scientologisch werden. Weltweit soll es fünf Millionen und in der Schweiz 5000 Anhänger geben. Das sind Propagandazahlen, denn Scientology stagniert seit ein paar Jahren.
2. Zeugen Jehovas Zeugen Jehovas ist eine der grössten Sekten, die flächendeckend missioniert und die Gläubigen entfremdet. 
Die Zeugen Jehovas nannten sich einst ernsthafte Bibelforscher. Ernsthaft ist zumindest ihr Lebenswandel geblieben. Lebensfreude wird nicht zur Schau getragen, sie könnte Ausdruck satanischer Verführung sein. Ein Fest zum Geburtstag gibt es nicht, Rechtgläubige feiern nur Gott. Wer fremden Herren dient, verliert das Seelenheil. Deshalb leisten sie keinen Militärdienst und meiden politische Ämter. Der Gott der Zeugen Jehovas ist so übermächtig, dass er einen apokalyptischen Schatten auf die Welt wirft. Tatsächlich ist die Endzeit bei den Zeugen das Generalthema. Ihre Legitimation holten die Gründerväter Ende des 19. Jahrhunderts aus der Überzeugung des nahen Endes der Zeit, das sie aus der Bibel herleiteten. Gründer Charles Russell errechnete das Jahr 1914, seine Anhänger bereiteten sich mental auf den Tod vor - vergeblich. Die Zeugen verkündeten noch weitere apokalyptische Daten. Nun erklären sie wie andere Freikirchen auch, wir lebten «in den letzten Tagen». Tage, die nun schon Jahrzehnte dauern. Der Endzeitglaube stürzt viele junge Zeugen in einen Gewissenskonflikt. Sie überlegen sich, ob es sich lohnt, eine Ausbildung zu machen oder Kinder zu haben. Trotz der kapitalen Fehlprognosen entwickelten sich die Zeugen Jehovas zu einer grossen christlichen Glaubensgemeinschaft, die weltweit Millionen von Anhängern hat. Sie missionieren mit den Traktaten «Wachtturm» und «Erwachet». Die Zeugen Jehovas interpretieren die Bibel auf eigenwillige Weise. So auch das biblische Verbot, Blut zu sich zu nehmen. Deshalb verweigern sie Bluttransfusionen. Immer wieder sterben Gläubige deswegen. Erst kürzlich wieder eine 29-jährige schwangere Deutsche: Sie verblutete und liess das ungeborene Kind sterben.
3. Raël-Bewegung Der Wahn, den Menschen genetisch zu veredeln, und apokalyptische Ideen führen in eine Scheinwelt. 
Die Anhänger der weltweit aktiven Ufo-Sekte flüchten in eine Fantasy-Welt, in der Sciencefiction zur Wirklichkeit umgedeutet wird. Was für Aussenstehende als Autosuggestion und Konditionierung erscheint, empfinden die Anhänger als spirituelle Metamorphose. Als Zaubermeister amtet der heute 62-jährige französische Autojournalist Claude Vorilhon (Raël). Die Wandlung begann 1973. Ausserirdische, Elohim genannt, besuchten den Kultgründer mit ihren fliegenden Untertassen und offenbarten ihm, sie hätten vor 22'000 Jahren genetische Versuche unternommen. Dabei sei irrtümlicherweise das Abfallprodukt Mensch entstanden. Um ihr Missgeschick zu korrigieren, erkoren sie Vorilhon als Retter. Er soll ihnen bei der genetischen Veredelung des dekadenten Homo sapiens helfen. Die Endphase der Mission begann an Weihnachten 2002. Die Anhänger verkündeten, das erste Klonbaby Eve sei geboren. Die Meldung ging um die Welt. Heute sollen fünf geklonte Kinder existieren, gesehen hat sie aber niemand. Trotzdem könnte es dem Klonlabor der Sekte bald gelingen, Embryos im Reagenzglas zu erzeugen. Der Guru träumt sogar von der Erzeugung künstlicher Intelligenz: «Das Leben in einem Computer wird möglich.» Raëls Todessehnsüchte erinnern an den Massensuizid der Sonnentempler. «Für die Elohim zu sterben, ist das Schönste, was es auf diesem Planeten gibt», schreibt er in der Zeitschrift «Apocalypse». Dabei erinnert er an den mutigen Tod der Urchristen in den Löwengruben der Römer. Die Juden würden es den Opfern der Gaskammern verdanken, dass sie heute friedlich in Israel leben könnten. Die mehreren Hundert Schweizer Raëlianer gehören zu den aktivsten Anhängern Vorilhons. Jährliche Treffen fanden mehrmals im Wallis statt, wo die Ufo-Anhänger nackt auf Bergwiesen herumhüpften. Der Guru hätte sich gern in der Schweiz niedergelassen, doch die Walliser Behörden verweigerten ihm die Bewilligung. Sexpraktiken und Klonen widersprächen der Bundesverfassung. Das Kantonsgericht hielt fest, die Sexualerziehung der Kinder könnte pädophile Akte begünstigen.
4. Universale Kirche Die Angst vor Handystrahlen und antisemitische Tendenzen führen zur radikalen Bindung an die Pseudokirche. 
Die Universale Kirche (UK), auch Bruderschaft der Menschheit genannt, gehört zu den theosophischen Bewegungen. Guru Leach Lewis glaubt, auf medialem Weg spirituelle Botschaften von aufgestiegenen Meistern oder Avataren aus den kosmischen Sphären zu empfangen. Sein autoritäres Verhalten, der Absolutheitsanspruch und die antisemitische Geisteshaltung machen die UK zu einer Sekte mit erheblichem Gefahrenpotenzial. Mit ihrer Unterorganisation Weltfundament für Naturwissenschaften verbreitet sie Horrorvisionen jenseits religiöser Anschauungen. Wissenschaftler der Sekte behaupten, Handystrahlen und Mikrowellengeräte seien schlimmer als der Holocaust und würden Millionen von Opfern fordern. Die Schweiz ist die Drehscheibe des international tätigen Kultes. Wegen antisemitischer Aussagen («In ihrer satanischen Gier haben die Juden den 3. Weltkrieg angezettelt») wurden führende Mitglieder in der Schweiz verurteilt. Der 71-jährige Peter Leach Lewis, der zeitweise mit einer Einreisesperre belegt worden war, sieht sich als der wiedergeborene Jesus. Mitglieder der UK tauchen in eine radikale Schein- oder Gegenwelt ab, die geprägt ist von Verfolgungsängsten. Der Guru zeichnet irrationale Bedrohungsszenarien, um seine Anhänger von der realen Welt zu entfremden und an die Bewegung zu binden. Er verlangt bedingungslosen Gehorsam: «Seid ihr bereit, für euer Leben zu kämpfen? Seid ihr bereit, euer Leben für euern Mit-Chela zu geben?», schrieb er. (Mit-Chela bedeutet Glaubensbruder.) UK-Mitglieder versuchen mit vielfältigen Aktionen und Unterorganisationen, ihre Ideen in die Gesellschaft zu tragen. Sie bieten in Schulen Vorträge über den sinnvollen Umgang mit Handys an und geben die Zeitschrift «Zeitenschrift» heraus. Die Sekte hat vor allem auch bei höheren Kadern Erfolg. So zählen ein einflussreicher Manager, ein ehemaliger Rektor einer Mittelschule und ein bekannter Wirtschaftsanwalt dazu. Die Zahl der Mitglieder wird auf rund 2000 geschätzt. In der Schweiz dürften es etwa 500 sein. Das Zentrum für Europa ist in Luzern, der Kultsaal in Rotkreuz.
5. VPM Hunderte von Akademikern und Lehrern tarnen sich geschickt und beeinflussen die Schweiz auch politisch. 
Vor sieben Jahren hat sich der Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM) aus taktischen Gründen aufgelöst, viele Anhänger sind aus Zürich in den Hinterthurgau geflüchtet. Um sich zu tarnen, haben sie zahlreiche Bürgeraktionen, Foren und Unterorganisationen gegründet. Nach dem Rückzug der VPM-Leute ins Tannzapfenland atmete Zürich auf. Die Psychosekte um die Führerin Annemarie Buchholz-Kaiser hatte viele Politiker, Behörden und Schulen mit ihren radikalen Ansichten und Aktionen auf Trab gehalten. Wer Kritik an ihren schul-, drogen- und realpolitischen Forderungen übte, wurde eingeklagt oder angezeigt. Verfolgungsängste und Weltschmerz trieben die VPM-Leute - meist Akademiker und Lehrer - in die Provinz. Angst vor Umweltverseuchung, atomarer Verstrahlung, Terrorismus und dem Dritten Weltkrieg schweissten sie zusammen. Wie zu Zeiten des Gründervaters Friedrich Liebling vor mehr als 40 Jahren treffen sie sich zu einer Art Massentherapie. Im Beisein der Chefin diskutieren bis zu 300 Anhänger in einem Saal in Sirnach psychologische und politische Grundsatzthemen. Jeder Besucher zahlt einen Obolus. Die Kasse führt nun nicht mehr der VPM, sondern Buchholz. Die Wühlarbeit geht weiter. Manche eidgenössische Abstimmung wäre ohne die VPM-Leute nicht zustande gekommen. Das jüngste Beispiel: Die Initiative «Volkssouveränität statt Behördenpropaganda» des unbekannten Vereins «Bürger für Bürger» war vor allem das Werk von VPM-Leuten. Als Propaganda-Vehikel dient die eigene Zeitung «Zeit-Fragen».

rbb-online.de, 09.04.2009
Scientology eröffnet Büro in Berlin-Spandau 
Die umstrittene Scientology-Organisation hat sich in Berlin ein weiteres Standbein geschaffen. Nach Informationen des rbb wird sie in Kürze in der Spandauer Altstadt ein Informationsbüro eröffnen. Im Umfeld dieses Büros in der Charlottenstrasse befinden sich drei Schulen. Das Bezirksamt Spandau hatte nach eigenen Angaben vom Abschluss des Mietvertrages nichts gewusst und erst in dieser Woche erfahren, dass sich Scientology im Bezirk niederlassen wird. 2007 hatte die Organisation ihre Deutschland-Zentrale in Berlin-Charlottenburg eröffnet. Auch damals wurden die Behörden überrascht. Da Scientology als verfassungsfeindlich eingeschätzt wird, wird die Organisation inzwischen wieder vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet.

chiemgau online, 04.04.2009
Kein Platz für Scientology 
Traunstein (bjr). Bestürzt über rege Aktivitäten der Scientology-Sekte in Traunstein zeigten sich die Traunsteiner CSU-Mitglieder auf ihrer jüngsten Sitzung. Laut Mitteilung der CSU-Vorstandschaft hatten Scientologen am Faschingssamstag einen Infostand auf dem Maxplatz aufgebaut. Viele Jugendliche und Kinder, die wegen des Faschingszuges in die Stadt gekommen waren, hätten Flyer und Werbematerial von Scientology erhalten. Dabei gelte die Organisation als extremistisch und werde seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Alle CSU-Mitglieder seien sich darin einig, dass Extremisten keinen Platz in Traunstein haben dürften und man entschieden gegen jede Form Extremismus eintreten müsse. In einer gemeinsamen Erklärung von CSU-Ortsverband, CSU-Stadtratsfraktion und Junge Union stellt sich die CSU gegen das offene Werben der Sekte in Traunstein. CSU-Ortsvorsitzender Karl Schulz erklärte, die politische Gruppierungen und alle Bürgerin Traunstein sollten sich gemeinsam gegen die Scientology-Organisation stellen. „Insbesondere sollten Eltern ihre Kinder aufklären und sie dazu anhalten, keinerlei Werbematerial anzunehmen.“ Wolfgang Osenstätter, Vorsitzender der CSUStadtratsfraktion forderte, dass die Stadtverwaltung alle rechtlich zulässigen Mittel ergreifen sollte, um Informationsstände oder ähnliche öffentliche Veranstaltungen von Scientology zu unterbinden. „Die Stadtratsfraktion wird hierzu Vorschläge einbringen.“ Kreistagsmitglied Gerhard Kotter sprach sich dafür aus, aktiv auf die Gefahren hinzuweisen, die von Scientology ausgehen. „Wegschauen verschlimmert das Problem. Es ist eine Bürgerpflicht, sich gegen Extremisten zu wenden.“ Der JU-Ortsvorsitzende Christian Hümmer, sagte, besonders Kinder und Jugendliche seien einer großen Gefahr ausgesetzt.

sueddeutsche.de, 01.04.2009, Christoph Kappes
Nachhilfestudio in der Hand von Scientology
Scientology betreibt nach Beobachtungen des Verfassungsschutzes eine sogenannte Lernakademie in Pliening. Für die Elterninitiative sind die Aktivitäten ein "rotes Tuch". Der bayerische Verfassungsschutz warnt in seinem jüngst veröffentlichten Bericht vor Aktivitäten der Scientology-Organisation in Pliening: Demnach wird in der Gemeinde ein Nachhilfestudio betrieben, unter dessen Adresse eine "ranghohe Scientologin" wohne. Elternvertreter berichten, die Organisation sei für viele in der Gemeinde schon seit Jahren "ein rotes Tuch". Die im Gemeindegebiet Pliening wohnhafte Scientologin ist laut Verfassungsschutzbericht seit längerem "für die SO (Scientology-Organisation, Anm. d. Red.) im Bereich Kinder- und Jugendarbeit tätig". Aufmerksam wurden die Verfassungsschützer durch Flugblätter, die im vergangenen Sommer für eine "Lernakademie" warben und über die es eine Beschwerde aus dem Plieninger Elternbeirat gab, wie ein Sprecher des Innenministeriums berichtet. Eine entsprechende Überprüfung habe Hinweise auf Scientology bestätigt. Daraufhin sei das Kultusministerium unterrichtet worden, das wiederum die Schulen über den Hintergrund der "Lernakademie" informierte. Der Betreiber der "Lernakademie" teilte auf Anfrage der SZ mit, er stehe vor Freitag nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung. "Diese Lernakademie existiert in Gelting", bestätigt Max Huber, stellvertretender Vorsitzender des Plieninger Elternbeirats und Gemeinderatsmitglied für die Wählergruppe Gelting. Die Werbezettel für das Nachhilfestudio kursieren laut Huber schon seit längerer Zeit im Landkreis, im Juli 2008 seien sie dann erstmals auch in Briefkästen aufgetaucht. Daraufhin kam es zur Beschwerde aus dem Elternbeirat beim Verfassungsschutz, allerdings nicht vonseiten der Vorsitzenden, betont Huber. Laut Huber macht der Betreiber des Lernstudios kein Hehl aus seiner Zugehörigkeit zu Scientology. Eine Einladung, die "Lernakademie" zu besichtigten, lehnte Huber allerdings ab: Er wolle nicht Gefahr laufen, "als Gemeinderat und Elternbeiratsvorsitzender Werbung" zu machen. Man wolle die Sache jedenfalls "nicht an die große Glocke" hängen: "Die Leute wissen, was dahinter steht, danach können sie sich richten", sagt Huber. Manche scheuten auch deshalb eine Auseinandersetzung, weil sie fürchteten, das könnte "gefährlich mit denen" werden. AuchAnnette Stadler, Vorsitzende der Elterninitiative Pliening, beobachtet schon seit längerem Aktivitäten der Scientology-Organisation. So sei vor Jahren bekannt geworden, dass eine Geltinger Ballettlehrerin Mitglied der Organisation sei. Laut Stadler bat eine Scientology-Familie auch um Aufnahme in die Elterninitiative: Nachdem man aber mehrfach Vorbehalte signalisierte, sei der Antrag wieder zurückgezogen worden. Die Eltern in Pliening seien jedenfalls für das Thema "sensibilisiert". "Wir sind alle hellhörig". Wie aktiv die Organisation derzeit in der Gemeinde sei, wisse sie nicht zu sagen. Doch auch Stadler haben die Flugblätter aufgeschreckt: "Das ist ein rotes Tuch für uns." Eva Strauß, unabhängige Gemeinderätin und Jugendreferentin, beschäftigt das "Thema Scientology schon lange". Allerdings könne auch sie über keine aktuellen Vorfälle berichten, die Aufregung verursachten. Trotzdem herrsche "unter Eltern große Sorge".

Allgäuer Zeitung, 27.03.2009, Stefanie Heckel
Kaum Handhabe gegen unerwünschte Infostände Gesetzeslage - Stadt konnte rechte Gruppierung nicht ablehnen
Kempten  Darf eigentlich jeder einen Infostand in der Stadt aufbauen - egal, wie extrem das Gedankengut derer ist, die dahinter stecken? Diese Frage stellen sich viele seit bekannt wurde, dass vor zwei Wochen die rechte Gruppierung «Nationales Augsburg» einen Stand in der Fußgängerzone aufgestellt hatte (wir berichteten). Tatsächlich, so erläutert Kemptens Rechtsreferent Wolfgang Klaus, habe die Stadt kaum eine Handhabe. Vor sechs Jahren sei man vor Gericht «kläglich» mit dem Versuch gescheitert, einen Infostand der Organisation Scientology zu verbieten. Die Grundlage dafür, dass Infostände überhaupt aufgestellt werden können, liefert Klaus zufolge das Bayerische Straßen- und Wegegesetz. Dieses sehe vor, dass öffentlicher Raum «sondergenutzt» werden darf. Diese «Sondernutzung» allerdings muss von der Stadt genehmigt werden. Geregelt ist das in der Satzung, in der es auch ums Aufstellen von Verkaufsständen und Kiosken sowie um Plakatwerbung geht. «Wenn bei uns ein Antrag eingeht, können wir nur überprüfen, ob verkehrliche Belange eingehalten werden», so Klaus. Soll heißen: Wenn die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt werde, müsse die Erlaubnis in aller Regel erteilt werden. Deshalb sei übrigens auch das Amt für Verkehrswesen zuständig und nicht das Ordnungsamt. «Natürlich lassen wir uns vorher vorlegen, was am Stand passieren soll», ergänzt Klaus.
Solange damit aber nicht gegen das Gesetz verstoßen werde, könne so leicht niemandem ein Riegel vorgeschoben werden. Das habe sogar ein Gericht festgestellt. «Es ging um einen Stand von Scientology», erzählt Klaus. Diesen Stand ließ die Stadt verbieten. Die Organisation allerdings sei vor Gericht gezogen - und bekam Recht. Die Begründung: Bei legalen Organisationen (und dazu zählt Scientology) habe die Stadt keine inhaltliche Prüfung vorzunehmen. Der Infostand sei durch die freie Meinungsäußerung gedeckt. Deshalb habe man den Stand der Rechten nicht verbieten können. «Dabei haben wir sogar bezüglich des Plakatmaterials recherchiert. Das stammt von einer Jugendorganisation der NPD und ist damit nicht verboten», so Klaus. Und auch die Polizei - mit ihr arbeite man in solchen Fällen zusammen - habe keinen Verstoß feststellen können.

merkur-online.de, 16.03.2009
Fürstenfeldbruck - Das Jugendamt warnt vor dem Verein „Sag Nein zu Drogen, sag Ja zum Leben“, 
der offenbar auch im Landkreis versucht, Fuß zu fassen. Bei der Aktion handle es sich um eine gezielte Werbekampagne von Scientology. Auf der Homepage des Vereins sei nicht auf den ersten Blick erkenntbar, dass es sich um einen Werbezug von Scientology handelt, berichtet Tobias Knie vom Landkratsamt. Nur ein Blick ins Impressum verrate es. Dies und eine genauere Prüfung via Innenministerium habe ergeben, dass der Verein mit Scientology verbunden ist und gezielt auf Jugendliche und Jugendeinrichtungen zugehen möchte. Ziel sei es, über Informationsveranstaltungen und die Versendung von Werbematerilien Interessenten zu finden und damit Jugendliche oder Personen, die im Jugendbereich arbeiten, für sich zu gewinnen.

newsclick.de, 13.03.2009, Michael Ahlers
Verfassungsschutz beobachtet Scientology 
Umstrittene Organisation soll in Hannover auf Immobiliensuche sein
HANNOVER. Mit angeblichen Expansionsplänen in der Landeshauptstadt machte Scientology schon öfter Schlagzeilen. Der Verfassungsschutz sieht es gelassen. Erleuchtung sieht anders aus. In Hannovers Odeonstraße muss sich Scientology mit Räumen in einem tristen Häuserblock begnügen. Laufkundschaft, die man gewinnen könnte, gibt es dort nicht. Das Viertel liegt in Bahnhofsnähe und ist doch isoliert. SPD und Grüne haben hier ihre Büros, Drogenberatung und Verbraucherschützer auch. "Jede Kirche sucht weltweit größere Gebäude wie in Berlin und Hamburg", sagt Scientology-Mann Jürg Stettler aus der Münchener Vertretung der Organisation. Mit "Kirche" meint Scientology sich selbst. Und über die Räume in der Odeonstraße, laut Scientology rund 300 Quadratmeter, sagt Christine Richter von Scientology Hannover: "Das ist zu klein, wir haben viele Anfragen." Dass Scientology nun gezielt Großgebäude an Ausfallstraßen sucht, weil im Zentrum nichts zu holen sei, bestätigt Stettler nicht. Konkrete Pläne gebe es nicht, längerfristig sei eine Veränderung aber schon ein Ziel, sagt er. Angebote gebe es, aber Makler wollten keinesfalls in die Schusslinie geraten. Der Verfassungsschutz wirft Scientology vor, ein totalitäres Herrschaftssystem durchsetzen zu wollen, im niedersächsischen Verfassungsschutzbericht ist der Organisation ein eigenes Kapitel gewidmet. Im Internet bietet der Verfassungsschutz zudem eine Telefonnummer für Aussteiger an. Scientology spricht von Diskriminierung, auch wenn Aussteigerberichte dem Ruf immer wieder verheerend schaden. "Man sieht und hört nach außen nichts", sagt Niedersachsens Verfassungsschutz-Präsident Günter Heiß über die aktuellen Aktivitäten von Scientology in Hannover. "Wenn die ein gutes Objekt in der Innenstadt finden, kann ich mir aber schon vorstellen, dass der eine oder andere Besucher da auch reingeht", sagt Heiß. Und das ist wohl keine Perspektive, die den Verfassungsschützern gefiele. In der großen Münchner Vertretung gibt man auch zu bedenken, dass Hannover ein kleiner Standort sei, mit Berlin oder Hamburg nicht zu vergleichen. So gesehen wäre ein repräsentativer Immobilienkauf, gelänge er denn, bestimmt ein besonderer Coup. "Die Pläne wurden bisher nicht umgesetzt", heißt es lapidar im jüngsten Verfassungsschutzbericht.

live-PR.com, 06.03.2009
Scientology jetzt auch in Argentinien als Religion anerkannt!
Scientology Kirche Argentinien hat ihren religiösen Charakter seit langem bewiesen. Der Sekretär für Glaubens-Angelegenheiten in Buenos Aires beschloss daher, die Scientology Kirche
Bereits im Dezember 2008 wurde der Beschluss vom Generaldirektor des nationalen Religionsregisters Argentinien gefasst, Scientology in das Register für Religionen einzutragen. Er sieht die Scientology Kirche Argentinien damit im Einklang mit Artikel 14 der Verfassung des Landes. Darin ist das Recht jeder Person festgeschrieben, ihre Religion frei praktizieren zu können. Der Präsident der Scientology Kirche Argentinien wurde somit am 11. Dezember 2008 von der Registerbehörde darüber informiert, dass Scientology „ihren religiösen Charakter in der Vergangenheit und auch heute präsentiert“. Aus diesem Grund wurde die Scientology Kirche Argentinien in das Register für Religionen unter der Nummer 4.006 eingetragen. Argentinien ist ein weiteres Land, das die Scientology als Religion anerkennt. Zu den weiteren Ländern gehören Portugal, Spanien, Schweden, Italien, Slowenien, Kroatien, USA, Ungarn, Venezuela, Ecuador, Costa Rica, Brasilien, Philippinen, Indien, Australien, Neuseeland, Südafrika, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Taiwan, Nepal, Tansania und Sri Lanka. Seit der Entscheidung vom 5. April 2007 des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, ist dies das vierte Land, das Scientology als Religion anerkennt. Im April 2007 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass die Scientology Kirche unter den Schutz der Religionsfreiheit fällt. Dieses Urteil ist rechtskräftig und für alle 47 europäischen Länder uneingeschränkt gültig. Der Leiter der Scientology Kirche Argentinien empfand diese Anerkennung als sehr wichtig und als einen großen Triumph für die internationale Religionsfreiheit. Diese Anerkennung wurde in der gleichen Woche gemeldet, als die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ ihren 60ten Jahrestag feierte. Die Scientology Kirche Argentinien hatte ihren Anfang im Jahre 1986. Das Interesse für die Dienste der Kirche und die religiösen Schriften des Stifters L. Ron Hubbard fand schnell großes Interesse. Bald darauf wurden die ersten Dianetik-Gruppen und Scientology-Missionen in der Hauptstadt Buenos Aires gegründet. Heute betreut die Hauptkirche in Buenos Aires 7000 Mitglieder, die verschiedene Dienste in Anspruch nehmen. Es gibt zudem Scientology-Gruppen in ganz Argentinien wie z.B. in Córdoba, Salta, San Juan, Ushuaia, Santa Cruz, Entre Ríos, Santa Fe, Rosario, usw. Außer der Kirche in Buenos Aires existieren zwei weitere Scientology Kirchen: eine in Stanta Fe und eine in Tucuman. Zwanzig Kilometer außerhalb von Buenos Aires, in San Isidro, existiert auch ein NARCONON-Center für Drogenabhängige. Das NARCONON-Selbsthilfeprogramm ist ein drogenfreies Langzeitkonzept, das sich seit Jahren weltweit bewährt hat. Es gibt Abhängigen die Chance, ein völlig neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen. Hier wird auch das erfolgreiche Entgiftungs-Programm von L. Ron Hubbard durchgeführt. „Scientology ist eine Religion im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir nun im amtlichen Register für Religionen eingetragen sind. Dies war die einzige und richtige Entscheidung.“ teilte der Leiter der Scientology Kirche, Signore Libardi, der Presse mit.

openpr.de, 24.02.2009
CDU macht mobil gegen Scientology Politik, Recht & Gesellschaft Pressemitteilung von: CDU Spandau (openPR) - Keine
Werbeveranstaltungen auf öffentlichem Straßenland CDU-Fraktion bringt zur Aufklärung einen BVV-Dringlichkeitsantrag ein Der Vorstand der CDU Spandau hat sich auf seiner letzten Sitzung intensiv mit möglichen Aktivitäten von Scientology im Bezirk Spandau auseinandergesetzt. Scientology plant im Bezirk Werbemaßnahmen und will in 2009 verstärkt in der Spandauer Altstadt Menschen anwerben. Dies bestätigte das Spandauer Bezirksamt auf Anfrage. Für die Spandauer CDU steht fest: es darf keine falsche Toleranz gegenüber der Scientology-Sekte geben. Deshalb bring die Spandauer CDU in die nächste Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung einen Dringlichkeitsantrag „Scientology stoppen!“ ein: Kai Wegner, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der CDU Spandau und Arndt Meißner, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der BVV Spandau: "Die Gefährlichkeit von Scientology wurde bereits vielfach diskutiert. Es rächt sich, dass in Berlin nach der Einstellung der nachrichtendienstlichen Beobachtung im August 2003 kein neuer Anlauf gestartet wurde, den Verfassungsschutz, wie in anderen Bundesländern, gegenüber Scientology tätig werden zu lassen. Der Staat darf nicht länger wegschauen, sondern muss sich dieser Bedrohung annehmen. Denn Scientology will ein anderes Wertesystem, eine andere Gesellschaft. Scientology setzt auf Fremdbestimmung und Unterdrückung; wir streiten weiterhin für die Freiheit und Eigenverantwortung des Einzelnen. Eine verbesserte Aufklärungsarbeit ist alternativlos. Unser Ziel ist es, dass kein Spandauer den Sektierern auf den Leim geht. Deshalb bitten wir den Runden Tisch für Demokratie und Toleranz gegen Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt sich mit dem Thema Scientology und der Mitgliederwerbung dieser Organisation auch in unserem Bezirk aktiv auseinanderzusetzen und darüber zu informieren."
Die Christlich Demokratische Union (CDU) Spandau setzt sich für den Berliner Bezirk Spandau ein und ist in insgesamt acht Ortsverbände aufgeteilt. Hier werden die -oftmals vermeintlich kleinen- Probleme des Kiezes genauso besprochen wie die große Politik. Die Spandauer Ortsverbände bieten Ihren Mitgliedern und Interessierten regelmäßige Diskussionsrunden, Stammtische zu unterschiedlichsten politischen Themen sowie gesellige Veranstaltungen an. Vorsitzender der CDU Spandau ist der Bundestagsabgeordnete Kai Wegner. Die CDU Spandau stellt mit Heiko Melzer, Matthias Brauner und Peter Trapp insgesamt drei Mitglieder im Berliner Abgeordnetenhaus.

Schaffhauser Nachrichten 14.02.2009
Scientology wirbt mit Bock und Munot 
Rechtlich kann gegen die Verwendung der beiden Symbole nicht vorgegangen werden. 
schaffhausen Seit kurzem ist Scientology in Schaffhausen präsent, und bereits wirbt sie mit zwei Schaffhauser Wahrzeichen für ihr neues Zentrum: Auf einem Flyer, den die Organisation in der Altstadt zu Werbezwecken an Passanten verteilt, ist vorne ein grosses Farbbild des Munots zu sehen, auf der Rückseite ist das Schaffhauser Kantonswappen in achtfacher Ausführung abgedruckt. Juristisch lässt sich kaum gegen die Verwendung der beiden Symbole vorgehen, aber sowohl beim Kanton als auch bei der Stadt fällt die Beurteilung des Sachverhaltes eindeutig aus: «Wir sind alles andere als glücklich über die Verwendung des Wappens», sagt Regierungspräsidentin Rosmarie Widmer Gysel. Vonseiten der Staatskanzlei legt man der Organisation zudem nahe, künftig auf die Verwendung des Schaffhauser Wappens zu verzichten. Die Gefahr, dass es zu einer Verwechslung mit amtlichen Dokumenten kommt, erachtet man beim Kanton indes als gering. Auch Stadtpräsident Thomas Feurer reagierte auf die Werbeflyer verärgert. Besonders stossend empfindet er, dass sich eine solch «undurchsichtige Organisation» mit Identifikationsmerkmalen der Region schmücke. Seine Besorgnis über die Scientology-Aktivitäten hat der Stadtrat der Gruppierung bereits im Vorfeld der Zentrumseröffnung mitgeteilt.

berlinonline.de, 07.02.2009
Scientology beschert Leitstelle für Sektenfragen viel Arbeit 
Werbung der Sektenzentrale in Berlin erregt Ärger BLZ Die Scientology-Organisation beschert der neuen Berliner Leitstelle für Sektenfragen viel Arbeit. In rund vierzig Prozent aller Anrufe von Ratsuchenden gehe es um diese Organisation, sagte der Dienststellenleiter Stefan Barthel am Freitag. Zumeist seien es Beschwerden etwa über aggressive Werbung. Zudem gebe es viele Anfragen, ob bestimmte Altersheime, Privatschulen oder Firmen etwas mit Scientology zu tun hätten. "Unter den einzelnen Gruppen ist Scientology diejenige, die uns am meisten beschäftigt", sagte Stefan Barthel. Über den Umgang mit der umstrittenen Organisation, die sich selbst als Kirche bezeichnet, war in der Berliner Politik lange gestritten worden. Ein Ergebnis dieser Diskussion ist die Leitstelle für Fragen zu Sekten und konfliktträchtigen Anbietern auf dem Lebenshilfemarkt. Sie wurde im September 2008 in der Senatsverwaltung für Bildung eingerichtet. Überdies wird Scientology laut Innenverwaltung auch wieder vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet, nachdem man die Observation 2003 eingestellt hatte. Da die BVG sich nicht bereit erklärt hatte, die Bushaltestelle direkt vor der Hauptstadt-Zentrale in der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg zu verlegen, hat das Bezirksamt dort eine Litfaßsäule aufstellen lassen. Auf ihr warnt seit gut zwei Wochen ein "Stopp"-Plakat vor der als verfassungsfeindlich eingestuften Organisation. An dieser Stelle waren immer wieder auch Jugendliche von Scientologen angesprochen worden. Die Innenminister der Länder hatten sich Ende des vergangenen Jahres auf Anraten von Verfassungsschutzämtern gegen die Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen Scientology, aber für eine Beobachtung ausgesprochen. Der Beschluss erfolgte gegen die Stimmen der Bundesländer Hamburg und Bayern, deren Verfassungsschutzämter sich am intensivsten mit der Sekte befasst haben. Der Berliner SPD-Innensenator Ehrhart Körting hatte sich 2007 noch für ein Verbot von Scientology ausgesprochen. Seine Partei setze nun vor allem auf Aufklärung und Wachsamkeit, sagte nun der Berliner SPD-Abgeordnete Tom Schreiber, Fraktionssprecher für Verfassungsschutz. Nach seinen Informationen hat Scientology die Anhängerschaft in der Hauptstadt bisher nicht vergrößern können. Die Mitgliederzahl stagniere bei rund 200. Scientology-intern gilt die Berliner Filiale jedoch seit letztem Jahr als "erfolgreichste Niederlassung auf dem Planeten", da keine andere weltweit derart viele Neumitglieder rekrutieren konnte. Der Erfolg beruht im wesentlichen darauf, dass die Mitglieder von Scientology seit etwa einem Jahr nicht mehr nur in der Berliner Innenstadt, sondern verstärkt auch in den großen Plattenbausiedlungen Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen rekrutieren. In der Innenstadt häufen sich nach Angaben des Sektenbeauftragten Barthel Beschwerden von Einzelhändlern, dass ihre Kunden durch aggressive Straßenwerbung belästigt würden. Dies sei insbesondere am Wittenbergplatz und am Alexanderplatz der Fall. Stefan Barthel wies auch darauf hin, dass Scientology ihr Internetangebot mit vielen Videos attraktiver gestaltet habe, um vor allem junge Leute anzusprechen. "Wir befürchten, dass die Organisation demnächst viel offensiver an die Schulen herangeht", sagte Barthel. "Da müssen wir gewappnet sein."

abendblatt.de, 12.02.2009
Scientology-Jägerin Caberta macht weiter 
In der Innenbehörde werden aber intern Gespräche geführt, welche andere Aufgabe für die Hamburger Scientology-Beauftragte Ursula Caberta künftig infrage kommt, sagte Behördensprecher Thomas Butter.
Die Hamburger Scientology-Beauftragte Ursula Caberta wird ihre Aufgabe weiter wahrnehmen. In der Innenbehörde werden aber intern Gespräche geführt, welche andere Aufgabe für sie infrage kommt, sagte Behördensprecher Thomas Butter. Caberta habe nach mehr als 16 Jahren den Wunsch geäußert, sich beruflich zu verändern. „Das ist zu respektieren.“ Butter wies Darstellungen zurück, Cabertas Dienststelle sei personell nicht gut ausgestattet. Die Stellenkapazität sei vor Monaten sogar noch ausgeweitet worden. Die Entscheidung, vorübergehend nicht besetzte Stellen wieder zu besetzen, sei längst getroffen worden.

abendblatt.de, 10.02.2009, Jan-Eric Lindner
Chefin der Arbeitsgruppe Sekten fordert mehr Unterstützung Scientology-Jägerin Caberta ist amtsmüde 
Die bekannte Expertin und Scientology-Gegnerin der Innenbehörde ist offenbar frustriert, dass sie nicht mehr Personal zur Verfügung hat.
Ursula Caberta, seit mehr als 16 Jahren Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology (AGS) in der Innenbehörde, will ihren Job offenbar aufgeben. "Frau Caberta hat vor einiger Zeit signalisiert, dass sie sich nach 16 Jahren innerhalb der Hamburger Verwaltung beruflich verändern will. Darauf hat die Behörde in enger Abstimmung mit Frau Caberta reagiert", sagt Thomas Butter, Sprecher der Innenbehörde. Hinter den Kulissen aber brodelt es mächtig. Es soll um die Nachbesetzung von Stellen in der AGS gehen - und darum, dass die bundesweit renommierte Sekten-Expertin mangelnde Unterstützung seitens der Behördenleitung beklage. Ursula Caberta will sich offiziell zu den Vorwürfen nicht äußern. Sie bestätigt aber, dass es Gespräche über einen Wechsel innerhalb der Verwaltung gebe. Caberta: "Ich bin offen für etwas Neues. Mehr gibt es derzeit nicht zu sagen." Allen Beteiligten, so heißt es in der Behörde, sei klar, dass ein Weggang Cabertas aus der AGS einschneidende Folgen haben könnte: Die Ex-Politikerin gilt als versierte Kennerin der Scientology-Machenschaften und anderer Sekten, hat internationale Kontakte und tritt in Diskussionsrunden und Talkshows als Speerspitze im Kampf gegen Psychosekten auf. Zahlreichen Aussteigewilligen hat sie geholfen, ein Leben außerhalb von Sekten oder dubiosen Vereinigungen aufzubauen. Dass die energiegeladene Buchautorin und Ex-Unterstützerin der Linkspartei einen "ruhigen" Job in der Verwaltung antreten wolle, halten Wegbegleiter für vollkommen ausgeschlossen. "Derzeit werden verwaltungsintern - immer in enger Absprache mit Frau Caberta - Gespräche geführt, die aber noch nicht abgeschlossen sind", so Butter. Laut "Bild" soll ein Wechsel in die Sozialbehörde im Raum stehen.
Caberta, die wegen ihres Kampfes gegen Scientology schon körperlich angegriffen wurde, unter anderem in den USA, mahnt nach Abendblatt-Informationen seit geraumer Zeit immer wieder eine bessere Personalausstattung ihrer Arbeitsgruppe an - bisher ohne greifbare Ergebnisse. Der SPD-Abgeordnete Andreas Dressel wirft der Innenbehörde deshalb Versäumnisse vor: "Der Psychokonzern Scientology hat es in mehr als 15 Jahren nicht hinbekommen, Frau Caberta zu zermürben. CDU-Innensenator Ahlhaus hat das aber offenbar in nicht mal zwölf Monaten geschafft." Dressel will mit einer Kleinen Anfrage an den Senat die Hintergründe des möglichen Behörden-Wechsels in Erfahrung bringen. Caberta war zuletzt immer wieder für ein Verbot der Scientology-Organisation eingetreten. Ein Vorstoß, den Hamburg gemeinsam mit Bayern unternommen hatte, war allerdings in der Innenministerkonferenz abgeschmettert worden. Die Sektenbeauftragte der Bundesregierung, Antje Blumenthal (CDU), würde es nach eigenem Bekunden bedauern, wenn Caberta die AGS verließe: "Ich kann verstehen, dass man nach 16 Jahren neue Aufgaben sucht. Doch es wäre schade, wenn ihr Fachwissen verloren ginge."

ignoranz.ch, 18.01.2009
Initiative ‘Jugend für Menschenrechte’: Scientology auf Menschenfang
Die neuste Masche der Psychosekte Scientology ist eine besonders Perfide. Mit einer, mit dem lässigen Titel “Jugend für Menschenrechte” betitelten Aktion, lockt Sie junge Menschen in ihre “Kirche”, ohne vorher deren wahren Hintergrund zu deklarieren. Zitate von einem Philosophen namens “Ron Hubbard” (gründer von Scientology) hängen gemäss Hugo Stamm, an den entsprechenen Veranstaltungen an den Wänden. Auch die offizielle Schweizer Webseite der Aktion “Jugend für Menschenrechte” zeigt erst auf den zweiten Blick den Sektenhintergrund. Mit Google lassen sich jedoch einfach die offenbar ziemlich grosse Verknüpfung der Aktion mit Scientology ermitteln: Scientology auf der Homepage von “Jugend für Menschenrechte”. Da finden sich dann auch die lässigen Zitate von Ron Hubbard. Das Thema wurde auch schon von den deutschen Medien aufgegriffen. Letzten Samstag berichtete die Hamburger “Tageszeitung”: „Eindringliche Warnungen” sprach gestern auch Ursula Caberta, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Neuregionale und ideologische Gemeinschaften” im Rahmen der Broschüren-Vorstellung aus: Warnungen vor neuen Scientology-Aktivitäten in Hamburg. Unter dem Deckmantel des Namens „Jugend für Menschenrechte” sammele die Organisation derzeit – hauptsächlich im Stadtteil St. Georg – Unterschriften. Gezielt werde versucht, Jugendliche „in die Organisation zu ziehen”, so Caberta. Ein Blick in die Schweizer Medienberichterstattung zur Aktion “Jugend für Menschenrechte” zeigt, dass die Medienschaffenden in der Schweiz entweder den Bezug zu Scientology nicht kennen, oder diesen verschweigen. So sind folgende Artikel erschienen, ohne den Scientology-Hintergrund der Aktion zu nennen: 
Einsatz für die Menschenrechte, St. Galler Tagblatt, 20. Dezember 2005 
Solidarität , Basler Zeitung, 13 Dezember 2005 
Boswil Adventskonzert der Musikschule Boswil, Aargauer Zeitung, 8 Dezember 2004 
schaufenster - Spielen Sau-Glatt, St. Galler Tagblatt, 6 July 2004 
Damit hat die Aktion von Scientology ihr Ziel erreicht, Werbung für die Sekte machen, ohne deren Namen zu nennen. Und die Medien spielen das üble Spiel mit. Sehr clever…

Spiegel-Omline, 17.01.2009, Christian Fuchs
MENSCHENRECHTSINITIATIVE - Scientologen narren Uno und Politiker
Mit der Initiative "Jugend für Menschenrechte" versucht Scientology Menschen zu erreichen, die der umstrittenen Glaubensgemeinschaft eher kritisch gegenüberstehen. Nun ist dem Tarnverein der erste deutsche Politiker auf den Leim gegangen - und die Uno. Hamburg - Ein staubiger Bolzplatz irgendwo auf der Welt. Die zwei coolsten Jungs wählen der Reihe nach ihre Mitspieler aus. Nur ein kleiner Steppke im grünen Trikot bleibt übrig. Aus Wut kickt er den Fußball so feste über den Platz, dass es das Tornetz fast zerreißt. Alle jubeln, der Junior ist der Star. Das kurze Filmchen ist ein Werbeclip für das zweite Uno-Menschenrecht: keine Diskriminierung.
Produziert und auf YouTube hochgeladen hat den Clip die Initiative "Jugend für Menschenrechte", deren Ziel es ist, "die Jugend auf der ganzen Welt über Menschenrechte aufzuklären und ihnen dadurch zu helfen, wertvolle Verfechter bei der Förderung von Toleranz und Frieden zu werden". Den Aktivisten gehe es darum, Jugendlichen klarzumachen, wie wichtig "Menschenrechte und religiöse Toleranz" seien. Darum haben sie unter anderem zu jedem der 30 Menschenrechte einen kleinen Erklärfilm hergestellt. "Jugend für Menschenrechte" wirkt auf dem ersten Blick wie eine unabhängige harmlose Jugendorganisation, fast wie ein offizielles Projekt der Vereinten Nationen (Uno). Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die Gruppe jedoch als Scientology-"Front Group" - als eine Art inoffizielle Unterorganisation. 2001 gründete eine US-Lehrerin die "Youth for Human Rights", ab 2005 ist die Initiative auch in Deutschland aktiv.
Ungefähr hundert Scientologen in Hamburg, Berlin, München, Stuttgart und Erlangen betreiben im Namen der Menschenrechte Propaganda für die umstrittene Glaubensgemeinschaft. So sieht das Ursula Caberta, die Sektenbeauftrage der Stadt Hamburg. Die Menschenrechtsjugend versuche "über ein positiv besetztes Thema Nachwuchs für Scientology zu werben und die Sekte damit hoffähig zu machen", sagt Caberta. Und Michael Zügel vom Landesamt für Verfassungschutz in Baden-Württemberg warnte: "'Jugend für Menschenrechte' ist eine Hilfsorganisation von Scientology. Die Propaganda soll suggerieren, dass sich Scientology für Menschenrechte und Demokratie einsetzen würde. Aber hinter 'Jugend für Menschenrechte' verbirgt sich eine Organisation, die die Demokratie verachtet und unbotmäßige Mitglieder häufig menschenverachtend behandelt." Jugendgruppen umworben Unter dem Deckmantel der Menschenrechte werden also beispielsweise Unterschriften für eine Petition gesammelt, Menschenrechte als Unterrichtsfach in den Schulen zu lehren. Vergangenes Jahr versuchten Mitglieder von "Jugend für Menschenrechte" in München Jugendgruppen zu umwerben und luden Kinder zum "Tag der Menschenrechte" ein. Außerdem haben die verdeckten Scientologen einen Tanz choreographiert, mit dem sie in "Live-Performances" in deutschen Einkaufsstraßen für ihre Sache werben. Im Internet gibt es ein "Hip-Hop Musikvideo für Menschenrechte" und die Broschüre "Was sind Menschenrechte?". Das Büchlein wird im Verfassungsschutzbericht 2007 erwähnt und wurde laut Scientology bereits eine halbe Million Mal verteilt. In dem 36-seitigen "illustrierten Leitfaden für Kinder und Jugendliche" findet sich unter Zitaten von anerkannten Menschenrechtlern wie Martin Luther King oder Mahatma Gandhi auch ein Sinnspruch von L. Ron Hubbard, dem Gründer von Scientology. Mit dieser subtilen Gleichstellung versucht sich die Sekte aufzuwerten, kritisieren Sektenbeauftragte und Politiker. Michael Feiler vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz sieht die Aktivitäten als Teil einer "Expansionsstrategie", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Mit Erfolg, wie es scheint. Im Rahmen des 60-jährigen Jubiläums der Uno-Menschenrechtserklärung sind anscheinend selbst die Vereinten Nationen der Scientology-Kampagne aufgesessen. Bis Mitte vergangener Woche vertrieb der offizielle "United Nations Bookshop" die DVD "Youth for Human Rights" weltweit über das Internet. Das Video ist die Zusammenfassung aller 30 jugendgerechten Kurzclips zu den Menschenrechten, die auch im Internet zu sehen sind. Schon im vergangenen September veranstaltete "Youth for Human Rights International" einen Jugendkongress mit über tausend Teilnehmern aus 27 Ländern im Plenarsaal des Uno-Hauptquartiers. Der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, und Prinz Albert von Monaco haben die vermeintlichen Menschenrechtler bereits öffentlich gelobt. Werbespots im deutschen Fernsehen Aber auch die Arbeit der deutschen Abteilung hat bereits Wirkung erzielt: Die Menschenrechtsspots liefen auf den Fernsehsendern DSF und Hamburg1, behauptet Sabine Weber von Scientology stolz. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte der Münchner Sender den Vorgang. Googelt man in Deutschland den Begriff "Menschenrechte", dann erscheint die Scientology-Seite von "Jugend für Menschenrechte" - als drittes Suchergebnis hinter Wikipedia und Amnesty International. Vor allem Schüler und Lehrer haben bisher Videos und Broschüren bei der Initiative für den Unterricht bestellt, sagt Jürgen Heise von "Jugend für Menschenrechte". Im Januar scheint nun auch der erste deutsche Politiker auf die verdeckten Scientologen hereingefallen zu sein. Zum Auftakt seiner Neujahrsansprache zeigte der Bürgermeister der brandenburgischen Gemeinde Peitz, Bernd Schulze (parteilos), den Film zum zwölften Menschenrecht - nach eigenen Angaben ohne zu wissen, wer hinter der am Ende eingeblendeten Organisation "Jugend für Menschenrechte" steht. Mit der Sekte habe er aber nichts am Hut, sagte er der "Berliner Zeitung". Laxer Umgang mit Scientology Dieser laxe Umgang mit Scientology sei gefährlich, sagte die Sektenexpertin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Antje Blumenthal, SPIEGEL ONLINE. "Herrn Schulze scheint die Dimension der Scientology-Strategie gar nicht bewusst zu sein." Die Hubbard-Jünger stellten sich als Verfechter einer guten Sache hin, um alle Kritiker als Verrückte zu diskreditieren, glaubt die Abgeordnete. Darum werde sie dem Peitzer Bürgermeister einen persönlichen Brief senden. Obwohl der "überwiegende Anteil" der Mitglieder Scientologen seien, sieht Jürgen Heise von "Jugend für Menschenrechte" keinen Zusammenhang zu der Sekte: "Im unserem gesamten Material finden Sie keine Werbung für Scientology." Die Vorwürfe seien "einfach Bananas". Gleichwohl machte der Pressedienst der Scientology Kirche Bayern im August 2008 mit einer bebilderten Meldung auf eine Unterschriftenaktion der "Jugend für Menschenrechte" aufmerksam. Scientology-Sprecherin Sabine Weber, die die Kampagne vor ein paar Jahren noch selbst mit aus der Taufe gehoben hat, sagte SPIEGEL ONLINE: "Es geht bei der Initiative nicht um Scientology, sondern um Menschenrechte. Über 'Jugend für Menschenrechte' ist in Deutschland noch niemand Mitglied von Scientology geworden."



2008

Welt-Online, 23.12.2008
Urteil: Der Scientology-Kindergarten in Sendling bleibt zu
Die Kindertagesstätte in München, die von Scientology-Mitgliedern geführt wird, darf vorläufig keine Kinder betreuen. Zu diesem Entschluss kam das Bayerische Verwaltungsgericht. Es sieht durch die Glaubens-Ausübung der Scientology-Mitglieder das Wohl der Kinder gefährdet.
Die von Scientology-Mitgliedern betriebene Kindertagesstätte „Haus für Kinder“ im Münchner Stadtteil Sendling bleibt vorerst geschlossen. Die Einrichtung hat vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) keine vorläufige Betriebserlaubnis bekommen. Mit dieser gestern bekannt gegebenen Eilentscheidung bestätigten die VGH-Richter eine gleichlautende Entscheidung des Verwaltungsgerichts München. Die Landeshauptstadt hatte die Betriebserlaubnis für die Kindertageseinrichtung in der Lenaustraße im Februar 2008 zurückgenommen, als sie von der Scientology-Mitgliedschaft der beiden Erzieherinnen sowie weiterer Vorstands- und Vereinsmitglieder Scientology-Mitglieder erfuhr. Insgesamt 18 Kinder waren dort untergebracht. Es könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass ein maßgeblicher Einfluss „scientologischer Methoden und Techniken“ auf die Erziehungsarbeit im „Haus für Kinder“ stattfinde, so das Gericht. Die „Umsetzung scientologischer Lehren und Methoden“ und eine daraus resultierende Gefährdung des Wohls der Kinder seien nicht mit Sicherheit auszuschließen.
Ob die Voraussetzungen für die Rücknahme der Betriebserlaubnis vorliegen, müsse in einem Hauptsacheverfahren geklärt werden, erklärte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof. Die Frage eines generellen Verbots von Kindertageseinrichtungen durch Vereine mit Scientology-Mitgliedern als Erzieher und Vorstände sei nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen. Es gehe allein darum, eine Erziehung nach möglicherweise auch verdeckt angewandten „scientologischen Technologien“ zu einem durch totalitäre Unterwerfung gekennzeichneten und auf die Abschaffung wesentlicher Prinzipien und tragenden Grundrechte zielenden System zu unterbinden, so das Gericht.
Die Stadt begrüßte die Entscheidung. „Wir waren und sind überzeugt, dass das Wohl der Kinder in dieser Einrichtung gefährdet wäre, weil der Bildungs- und Erziehungsarbeit die Vorgaben von Scientology zu Grund lagen“, sagte Eva-Maria Volland vom Schulreferat.

indymedia.org, 21.12.2008
11. weltweite Demo gegen Scientology 
Auch gestern gelang es Anonymous: Projekt Chanology wieder viele Anwohner und Passanten über die wirklichen Taten und Ziele von Scientology aufzuklären. Nahe zu 30 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil, darunter auch einige Scientology-Aussteiger.
Ab 17:00 Uhr sammelten sich die ersten Anonymous-Aktivisten gegenüber dem Scientology „Celebrity Centre“ an der Landshuter Allee 42, Ecke Nymphenburger Straße. Nach der Auftaktkundgebung bewegten sich die Demonstranten lautstark und friedlich über den Stiglmaierplatz, Königsplatz und Odeonsplatz weiter Richtung Schwabing zum Scientology „Dianetik-Zentrum“ an der Leopoldstr. 49, Ecke Kaiserstraße, wo gegen 19:00 Uhr die Schlusskundgebung stattfand. Unterstrichen wurde die Aktion von Transparenten, Flaggen, Flugblättern und lauten Sprechchören mit denen die Demonstranten auf die menschenverachtenden Praktiken der Scientology Organisation aufmerksam machen wollten. Mit monatlichen Kundgebungen trägt Anonymous zur Aufklärung über die Taten und Ziele von Scientology bei - insbesondere über die von dieser Organisation ausgehenden Gefahren für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. In Deutschland fanden bereits am 6. und 13. Dezember Demonstrationen in Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Hannover, Hamburg und Stuttgart statt.
ÜBER ANONYMOUS 
Schon seit Jahren organisieren sich unter dem Pseudonym „Anonymous“ im Internet unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Zielen. Aufgrund anhaltender Zensurbestrebungen richtete sich Ende Januar 2008 das Augenmerk von Anonymous erstmals auf die Scientology Organisation. Scientology unterdrückt systematisch alle Kritik von innen und außen, beutet seine Mitglieder aus und versucht, die Gesellschaft zu unterwandern. Die weltweiten Anonymous-Demonstrationen sollen die Öffentlichkeit über die wahren Hintergründe der Scientology Organisation aufklären und die Menschen auf die Risiken dieser vermeintlich harmlosen Organisation hinweisen. Die Bewegung: Es handelt sich bei Anonymous weder um einen Verein noch um eine feste Gruppe. Es gibt keine Anführer, über die Form seines Protests entscheidet der Einzelne. Die internationale Koordination erfolgt über Websites, Wikis und Foren. Dort werden gemeinsam Ideen entwickelt und Entscheidungen über Aktionen und Ziele getroffen. Anonymous stellt sich nicht gegen den Glauben der Scientology-Mitglieder. Die gewaltfreien Proteste wenden sich ausschließlich gegen die unterdrückerischen Methoden der Organisation. Die Demonstrationen: Anonymous demonstriert seit Februar 2008 weltweit vor den örtlichen Scientology-Zentralen. Die letzten Demonstrationswellen fanden am 10. Februar, 15. März, 12. April, 10. Mai, 14. Juni, 12. Juli, 16. August, 13. September, 18. Oktober und 8. November statt. Die Ziele: Die direkten Ziele von Anonymous im Kampf gegen Scientology sind die Einstellung der „Stress-Test-Tische“ sowie die offensichtliche Kennzeichnung dieser und ähnlicher Aktionen, wie z. B. Anti-Drogen-Kampangen, als Scientology-Aktionen. Über Tarnorganisationen bietet Scientology unter anderem Drogen-Beratung, Management-Kurse für Wirtschaftsunternehmen sowie Nachhilfeangebote für Jugendliche an. Das endgültige Ziel von Anonymous ist, dass die Scientology Organisation sämtliche Tätigkeiten einstellt. Dies kann durch die Aufklärung der Bevölkerung und Unterstützung durch das Rechtssystem erreicht werden.

Bild.de, 18.12.2008
Innenbehörde warnt: „Scientology schnüffelt in Hamburgs Schulen rum“
Untergruppe der Psycho-Sekte will an sensible Daten rankommen
Die Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde schlägt Alarm: Derzeit versucht eine Untergruppe der Psycho-Sekte Scientology an sensible Daten von Hamburger Schülern ranzukommen.
Aufmerksame Schulleiter hatten die Innenbehörde über die Ausforschungs-Aktion unterrichtet. Die scientologynahe „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland e.V.“ (KVPM) wende sich an Schulen, will Daten haben, berufe sich bei ihren Anfragen auf das Hamburgische Informationsfreiheitsgesetz. Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology in der Innenbehörde, zu BILD Hamburg: „Scientology schnüffelt in Hamburgs Schulen rum. Es wird zum Beispiel abgefragt, wie viele Psychologen an der Schule tätig sind oder wie viele Schüler wegen einer Lernstörung von der Benotung freigestellt wurden. So kommt man an äußerst sensible Daten ran, die dann von der Scientology-Organisation genutzt werden können.“ Was macht die Sekte mit den Daten? Caberta: „Nach Auffassung von Scientology sind alle Menschen auf die eine oder andere Art psychisch krank. Nur Scientology-Mitglieder natürlich nicht. Scientology versucht deshalb, beispielsweise die Schulpolitik anzuschwärzen, zu verändern. Daher auch die Fragen nach de rZahl der Schüler mit Lernstörungen. Gleichzeitig geht es darum, möglichst viele Informationen zu sammeln, um Menschen zu kontaktieren.“ Die Sekten-Expertin: „Ich gehe davon aus, dass diese Ausforschungs-Aktion bundesweit läuft." Sitz des scientologynahen Vereins ist München. Caberta: „Was geht einen Münchener Verein eigentlich an, was an Hamburgs Schulen los ist?" Die KVPM gibt es schon lange, ist laut Caberta fester Bestandteil der Scientology-Organisation. Mitglieder der KVPM waren früher regelmäßig auf Hamburgs Strassen, machten unter anderen Umfragen zur Psychiatrie. Cabertas Rat an Lehrer und Eltern: „Schulleiter sollten auf keinen Fall auf solche Anfragen reagieren. Auch Eltern können etwas unternehmen, indem sie sich beispielsweise an den Datenschutzbeauftragten wenden und fragen, wieweit sie ihre Kinder sich vor solchen Anfragen schützen können.“ Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) zu BILD Hamburg: „Scientology verfolgt nach wie vor das demokratiefeindliche Ziel, Staat und Gesellschaft im scientologischen Sinne umzugestalten. Das Ergebnis wäre ein totalitärer Staat, in dem alle Rechte ausschließlich Scientologen zustehen. Die Scientology-Ideologie ist mit unserer Demokratie nicht vereinbar und verfassungsfeindlich – und mit einer Kirche hat Scientology rein gar nichts zu tun.“ Ahlhaus über die jüngsten Ausspäh-Aktivitäten: „Gerade in jüngster Zeit bemüht sich die Organisation verstärkt darum, ihren Einfluss in Deutschland auszubauen. Die Briefe an die Schulen sind der klare Beweis. Hier in Hamburg werden wir unsere intensive Aufklärungsarbeit über die Gefahren der Scientology-Organisation auch in Zukunft fortsetzen. Unser Verfassungsschutz wird die Organisation auch künftig im Auge behalten, und unsere Arbeitsgruppe Scientology wird ihre erfolgreiche Arbeit auch in Zukunft konsequent fortsetzen."

Radio Munot, Schaffhausen, 09.12.2008
Neues Scientology-Zentrum in Schaffhausen 
Heute ist in Schaffhausen ein neues Scientology-Zentrum eröffnet worden. Das Zentrum befindet sich direkt gegenüber des Bibelpanoramas in der Repfergasse. Die umstrittene Organisation Scientology wird häufig als Sekte bezeichnet. Die Öffentlichkeitsbeauftragte von Scientology Zürich, Jacqueline Ceriani, wehrt sich dagegen. Scientology sei keine Sekte. Wer die Grundbegfriff Sekte verstehe, beziehe dies auch nicht auf Scientology. Anderer Meinung ist die Filialleiterin des Bibelpanoramas, Gabriela Birchmeier. Für sie sei Scientology eine Sekte. Leute, die sich darin befinden, würden dies meistens nicht merken.

Schwarzwaelder-Bote.de, 02.12.2008
Bürger sorgen sich wegen Scientology
Stuttgart - Eine Expertengruppe der Landesregierung schlägt Alarm: Sie weist darauf hin, dass zahlreiche Menschen wegen der Sekte Scientology Rat suchen – vor allem Eltern aus Angst um ihre Kinder. »Ernstzunehmendes Extremismuspotenzial« »In Briefen, E-Mails sowie Eingaben und Petitionen, teilweise sogar durch persönliches Erscheinen vor Ort, wird deutlich gemacht, dass Menschen sich durch Angebote von und dem Kontakt zu Sekten und Psychogruppen in ihren Freiheitsrechten beeinträchtigt sehen«, heißt es in dem Bericht einer Expertengruppe, über den heute das Landeskabinett berät. Oft sorgten sich Menschen um ihre Angehörigen, vor allem um Kinder und Jugendliche. Die meisten Anfragen bezögen sich auf Scientology, deren Arbeit man nach Überzeugung der Arbeitsgruppe als verfassungsfeindlich bezeichnen könne: »Es bestehen tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass von der Scientology-Organisation Bestrebungen ausgehen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind«, kritisiert der Bericht der von der Landesregierung eingesetzten Arbeitsgruppe. Die Gefahr durch Sekten und Psychogruppen in Baden-Württemberg dürfe nicht unterschätzt werden, warnen die Experten. Scientology sei zwar nach den tatsächlichen Mitgliederzahlen keine weltweite Massenbewegung, besitze aber ein »ernstzunehmendes Extremismuspotenzial«, heißt es in dem Bericht. Anhänger verschiedener Sekten sorgen für »eine nicht unerhebliche Gefährdung« Nach Schätzungen der Arbeitsgruppe zählen die Sekten und Psychogruppen im Südwesten insgesamt rund 30?000 bis 35?000 Anhänger. Von den Sekten gehe »eine nicht unerhebliche Gefährdung« aus, warnen die Experten. Insgesamt gebe es in Baden-Württemberg 120 Organisationen und Gruppierungen, die sich aber stark durch Mitgliederzahl und Organisationsdichte unterscheiden. Es sei auffällig, dass die Zahl der Sympathisanten steige, die bislang eigentlich herkömmlichen religiösen oder weltanschaulichen Gruppen angehörten. Sie suchten nun eine neue Orientierung bei Sekten und Psychogruppen – und sind dabei nach Überzeugung der Experten weitgehend unkritisch: »Die Vermischung von Lebenshilfe und Gewinnstreben der Gruppierungen wird entweder akzeptiert oder – zunächst – im Bewusstsein der Sympathisanten oder Neumitglieder ausgeblendet«, heißt es in dem Bericht. Scientology hat Schwerpukt in Baden-Württemberg Nach den Erkenntnissen der Arbeitsgruppe haben sich in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Menschen aus Baden-Württemberg bei den staatlichen Stellen gemeldet und Schutz vor psycho-manipulativen Techniken sowie problematischen Heilsversprechungen verlangt. In Baden-Württemberg besitze Scientology einen Schwerpunkt und das dichteste organisatorische Netz in Deutschland. Neben einer Niederlassung in Stuttgart gebe es sogenannte Missionen in Ulm, Karlsruhe und Göppingen sowie eine Gruppe in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) und Anlaufstellen in Erlenbach bei Heilbronn, in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen), Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) und Welzheim (Rems-Murr-Kreis). Von Erfolg scheint die Mitgliederwerbung der Scientologen nach Überzeugung der Arbeitsgruppe nicht gekrönt: Seit Anfang 2006 stagniere die Organisation in Baden-Württemberg trotz intensiver Werbung. »Eine dynamische Mitgliederentwicklung gelang der Organisation nicht«, heißt es in dem Bericht. Derzeit zähle Scientology im Südwesten 1000 bis 1100 Mitglieder.

Der Tagesspiegel, 22.11.2008, Jasmin Rietdorf und Nicole Scharfschwerdt 
Die Unterschätzten: Scientology wird nicht verboten 
Berlin - Seit mehr als zehn Jahren wird Scientology nun schon vom Verfassungsschutz in Deutschland beobachtet. Und der schätzt die Sekte als verfassungswidrig ein. Dennoch konnten sich die Innenminister der Länder nicht dazu durchringen, ein Verbotsverfahren gegen die Organisation einzuleiten. Bereits am Wochenende verkündete der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, in einem Interview: "Wer ernsthaft glaubt, wir würden von 5000 Scientologen gefährdet, ist in meinen Augen hasenfüßig." Eine Meinung, die sein Berliner Kollege Ehrhart Körting teilt. Im Interview mit dem RBB erklärte der Innensenator: "Wir sind glücklicherweise entgegen ersten Vermutungen in der Situation, dass die Scientology-Organisation eigentlich eine unbedeutende Organisation ist." Nach Schätzungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Deutschland zählt Scientology zwischen 5000 und 6000 Mitglieder. Im Januar 2007 eröffnete die Organisation ein neues Zentrum in Berlin-Charlottenburg. Gleichzeitig mehrten sich die Hinweise darauf, dass Scientologen verstärkt Einfluss auf die Bundespolitik nehmen wollen. So erhielten alle Bundestagsabgeordneten Post von Scientology – ein Werbefilm sollte sie von der Harmlosigkeit der Organisation überzeugen. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz warnte im Gespräch mit tagesspiegel.de davor, die Organisation zu unterschätzen: "Ich respektiere die Überlegungen der Innenminister bezüglich Scientology. Ich persönlich neige aber zu der Meinung, dass man die Organisation nicht verharmlosen sollte." Das Geschäft mit der Jugend Die Bundestagsabgeordnete Antje Blumenthal ist Berichterstatterin der Unionsfraktion für Sekten und Psychogruppen. Auch sie warnt davor, die Scientology-Aktionen auf die leichte Schulter zu nehmen. Mit ihren Lehren versuche Scientology vor allem, durch Lebenskrisen geschwächte Menschen von der Sekte abhängig zu machen, so ihre Einschätzung: "Wir müssen die Aufklärung verstärken, damit die Leute an den Straßenständen von Scientology einfach vorbeigehen", forderte sie im Gespräch mit tagesspiegel.de. Blumenthal beobachtet vor allem die Versuche der Sekte mit Sorge, Jugendliche für ihre Ideologie zu gewinnen: Immerhin betreiben Scientologen mittlerweile über 30 Nachhilfeschulen in ganz Deutschland, die Dunkelziffer dürfte höher sein. Das Geschäft ist zum einen lukrativ, viel wichtiger aber sei es, Kinder und Jugendliche auf eine mögliche Scientology-Karriere vorzubereiten, so Blumenthal. Der Verfassungsschutz ist sich sicher: Die Organisation verletzt die Menschenwürde, lehnt das bestehende Rechtssystem ab, strebt die Kontrolle über ihre Mitglieder an und verunglimpft Kritiker als krank und kriminell. Kurz: Sie agiert am Rande der Verfassungswidrigkeit. Im letzten Bericht der Verfassungsschützer von 2007 heißt es daher: Aus einer Vielzahl von Quellen ergebe sich, dass die Organisation "wesentliche Grund- und Menschenrechte, wie die Menschenwürde, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht auf Gleichbehandlung, außer Kraft setzen oder einschränken will." Trotzdem haben sich die Innenminister gegen ein mögliches Verbot entschieden. Warum? Verfassungsschutz und Politik sind machtlos Hintergrund der Entscheidung ist ein aktueller Prüfbericht des Verfassungsschutzes, der Probleme in der Realisierung eines Verbots sieht. In dem Papier heißt es, dass sich aus dem öffentlichen Auftreten der Organisation keine Absicht ableiten lasse,die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik aggressiv-kämpferisch verwirklichen zu wollen. Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, sagte im Rahmen der Innenministerkonferenz, die Anhaltspunkte für die Verfassungsfeindlichkeit der Organisation reichten bisher für ein Verbotsverfahren nicht aus. Blumenthal bestätigt diese Einschätzung: "Wir wissen zwar, dass ihre Theorien gegen die Verfassung verstoßen, aber es fehlen die konkreten Beweise, die vor Gericht Bestand hätten. Sie kämpfen nicht offen gegen die demokratische Grundordnung", sagte sie. "Nach außen gibt sich die Organisation als Religionsgemeinschaft. Sie geben vor, keine politische Motivation zu besitzen." Auch Wiefelspütz ist vorsichtig: "Die Verbotsfrage ist eine kritische Frage im Grenzbereich: Es gibt unterschiedliche Vorstellungen weltweit über das, was Religion sein kann. In den USA ist Scientology überhaupt kein Problem. Und die Vereinigten Staaten sind sicherlich ein Rechtsstaat", so der SPD-Innenexperte. Die Sektenexpertin der CDU ist ebenfalls gegen ein Verbot der Organisation. "Wenn jetzt kein Verbot erreicht wird, dann heißt das trotzdem, dass die Beobachtung durch den Verfassungsschutz weitergeht. Ich bin gegen das Verbot, weil ich der Meinung bin, dass eine offene Beobachtung besser ist, als ein Verbot." Es ist das gleiche Argument, das auch immer wieder in Bezug auf ein erneutes Verbotsverfahren gegenüber der NPD angeführt wird. Agieren Organisationen und Parteien offen, können sie besser kontrolliert werden als im Untergrund. Auch Wiefelspütz sprach sich im Gespräch mit tagesspiegel.de weiterhin für die Beobachtung aus: "Grund zur kritischen Beobachtung von Scientology durch den Verfassungsschutz haben wir in jedem Fall weiterhin."

tagesspiegel.de, 21.11.08, Glaudia Keller 
Auf den Punkt - Gedanken sind frei - Claudia Keller über den Beschluss, Scientology nicht zu verbieten 
Berlin - Die Gedanken sind frei. Ob ich als verlassener Mann die Ex meuchle oder als militanter Atheist den Papst stranguliere - solange ich das nur im Kopf tue, mache ich mich nicht strafbar. Auch in den Büchern des Science-Fiction-Autors L. Ron Hubbard steht viel krudes Zeug. Das alleine reicht aber nicht, damit die Polizei einschreitet. In Hubbards Büchern steht zum Beispiel auch, dass eine Elite von Scientology-Jüngern die Welt regieren soll und die Ungläubigen in Lager eingesperrt werden. Das ist nicht im Sinne unserer demokratischen Verfassung. Scientology versucht auch unermüdlich und besonders in Berlin, Lehrer, Journalisten und Politiker von ihrer Weltsicht zu überzeugen. Das nervt. Der Beginn einer Weltverschwörung ist das aber noch nicht. Erst wenn sich eine Person oder eine Organisation daran macht, solche Fantasien in die Tat umzusetzen, wird es ernst. Dann muss der Staat eingreifen. Die Verfassungsschützer der meisten Bundesländer sind nach monatelanger Prüfung nun zu dem Ergebnis gekommen, dass es dafür keine richtigen Anhaltspunkte gibt. Deshalb hat sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) jetzt entschieden, kein Verbotsverfahren gegen Scientology einzuleiten. Gut so. Dennoch sollten wir Hubbards Freunde nicht aus dem Auge lassen. Im Moment dürfte aber wohl über kaum einen anderen religiösen Verein so viel bekannt sein wie über Scientology. Es gibt Aufklärungskampagnen, eine Hotline im Rathaus, eine extra Sektenüberwachungsstelle im Senat wurde eingerichtet. Wer sich dennoch nicht abhalten lässt, sein Innerstes an einem E-Meter zu offenbaren, das aussieht wie zwei metallene Klopapierrollen, dem wäre auch mit einem Verbot nicht zu helfen gewesen.

Vorschau:
Mittwoch, 26.11.2008 um 23.30Uhr 
Johannes B. Kerner, Talkshow
Tim Carter tritt am 26. November zusammen mit Hugo Stamm in der «Johannes B. Kerner»-Talkshow im ZDF auf.

derStandard.at, 16.11.2008
Kein Verbotsverfahren gegen Scientology
Vorsitzender der Innenministerkonferenz: Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut
Berlin - Die Scientology-Organisation muss kein Verbotsverfahren in Deutschland fürchten. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Verbotsverfahren nicht zielführend ist", sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Brandenburgs Ressortchef Jörg Schönbohm (CDU), der "Welt am Sonntag". Hintergrund ist der Zeitung zufolge ein vertraulicher Prüfbericht des Verfassungsschutzes für die nächsten Mittwoch in Potsdam tagende IMK. Das Gremium hatte laut dem Bericht den Inlands-Geheimdienst vor einem Jahr mit der Prüfung eines Vereinsverbots von Scientology beauftragt. Schönbohm stand dem Verfahren demnach von Anfang an skeptisch gegenüber. "Wenn wir meinen, dass eine Ansicht nicht ganz korrekt ist, wollen wir sie gleich verbieten", sagte er der "WamS". "Aber wir leben in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, in der die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist." Der IMK-Vorsitzende unterstrich, er wünsche sich mehr Selbstbewusstsein und mehr Vertrauen in die Demokratie. "Wer ernsthaft glaubt, wir würden von 5.000 Scientologen gefährdet, ist in meinen Augen hasenfüßig." (APA)

welt.de, 16.11.2008, Thorsten Jungholt
Warum Scientology in Deutschland nicht verboten wird
Scientology weichen? Das kam für die Berliner Verkehrsbetriebe nicht infrage. Als die deutschen Jünger der amerikanischen Psychogruppe voriges Jahr ihre neue Hauptstadt-Dependance im Stadtteil Charlottenburg eröffneten, beschloss der zuständige Stadtrat die Verlegung einer Bushaltestelle. Denn das Wartehäuschen liegt direkt gegenüber dem Eingang der Sektenzentrale, einem Prachtbau aus Glas und Beton. Die Lokalpolitiker fürchteten, dass die Scientologen die Wartenden mit ihren pseudoreligiösen Botschaften missionieren könnten. Doch die Verkehrsbetriebe stellten sich bockig: Sie halten ihre Kunden für mündig genug, der Indoktrination zu trotzen, und weigerten sich, das Bushäuschen abzubauen. Der Stadtrat begnügte sich mit einem großen Plakat, das nun an der Haltestelle prangt und die Bürger mit Telefonnummern versorgt, an die sie sich bei Belästigungen wenden können.
Nicht nur die Berliner Kommunalpolitik ringt um den richtigen Umgang mit den Anhängern des verstorbenen Science-Fiction-Autors Ron Hubbard. Auch die Innenminister der Republik tun sich schwer. Vor einem Jahr beauftragten sie den Verfassungsschutz, die Aussichten eines Verbots der Organisation zu überprüfen. "Von dieser Sekte geht ein hohes Risiko aus", begründete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Vorstoß. Der Beschluss sei ein "großer Erfolg" im Kampf gegen diese "kriminelle Vereinigung", jubelte der Kollege aus Hamburg. Wenn sich die 16 Innenminister am Mittwoch in Potsdam treffen, werden die Kommentare zurückhaltender ausfallen. Denn der 46 Seiten umfassende Geheimdienst-Bericht ist fertig - und bietet wenig Anhaltspunkte für ein erfolgreiches Verbot. Das Lagebild sei lückenhaft, das Prozessrisiko erheblich, und ein Scheitern könne zum Ansehensverlust des Staates führen, heißt es in dem vertraulichen Dossier.
"Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Verbotsverfahren nicht zielführend ist", bestätigte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm der "Welt am Sonntag". Der derzeit amtierende Vorsitzende der Innenministerkonferenz sah ein Verbot - immerhin das schärfste Schwert des Rechtsstaates - stets skeptisch.
"Ganz generell diskutieren wir in Deutschland zu schnell über diese Vereinsverbote. Wenn wir meinen, dass eine Ansicht nicht ganz korrekt ist, wollen wir sie gleich verbieten", sagte Schönbohm. "Aber wir leben in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, in der die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist." Stattdessen wünscht er sich mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen in die Demokratie: "Wer ernsthaft glaubt, wir würden von 5000 Scientologen gefährdet, ist in meinen Augen hasenfüßig." Den Berliner Verkehrsbetrieben kann man das jedenfalls nicht vorwerfen.

welt.de, 16.11.2008, Till-r. Stoldt
Scientology marschiert durch NRW
Von der Öffentlichkeit lange unbemerkt hat die angebliche Kirche ihren Einfluss massiv ausgebaut: Sie infiltriert Unternehmen und lockt Jugendliche an. Nun hat der Landtag eine Gegenkampagne beschlossen
Droht Wahnsinn, wenn man über Stunden hinweg einen Aschenbecher anschreit? Dafür spricht einiges. Und erst recht dürfte Wahnsinn drohen, wenn man so lange schreien muss, bis der Zustand völliger Gefühllosigkeit erreicht ist. Daher ist es eine plausible Vermutung, dass bei Scientology höchst ungesunde Seelenzustände gezüchtet werden. Denn Scientology bietet solche Praktiken als "Psycho-Therapie" an.
Nur: Als Grund für ein Verbot der Organisation reicht das nicht aus. Die rechtlichen Anforderungen dafür seien wohl zu hoch, vermuteten viele Innenminister in Bund und Ländern vor einem Jahr. Und wenn sich die 17 Innenminister diese Woche treffen, um die Frage endgültig zu beantworten, dann werden sie diese Einschätzung höchstwahrscheinlich bestätigen.
Doch während die Innenpolitiker prüften und debattierten, schaffte Scientology Fakten - gerade in NRW: Die Kirche mit dem leidenschaftlichen Faible für das Geld ihrer Anhänger baute ihren Einfluss in Unternehmen und ihre Lockangebote für Jugendliche aus. Deshalb hat der Landtag am Mittwoch mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP eine Kampagne beschlossen, um Unternehmen, Eltern und Jugendliche besser vor den Scientologen zu schützen. Bedenkt man, dass das Innenministerium noch vor einem Jahr mitteilte, Scientology sei in NRW eine zu vernachlässigende Größe, ist dies ein großer Schritt.
Und ein überfälliger. Immerhin sind inzwischen mindestens zwölf NRW-Firmen bekannt, in denen scientologische Führungskräfte versuchen, ihre Untergebenen für die sogenannte "Kirche" zu gewinnen. Dabei handelt es sich vor allem um Immobilienunternehmen, aber auch um einen bekannten Grußkartenhersteller (Namen wollen die Experten der Parteien noch nicht nennen, weil ein dann drohender Kaufboykott allen Mitarbeitern schaden würde).
In diesen Firmen üben die Scientologen auf zweierlei Weise Druck auf Untergebene aus, weiß CDU-Sektenexperte Marc Ratajczak: "In manchen Fällen preisen die Chefs ganz offen die Kraft scientologischer Therapieangebote und drängen Mitarbeiter, ebenfalls solche Kurse zu besuchen." In vielen Fällen verlaufe diese "Missionierung von oben" aber verdeckt: Der Vorgesetzte empfehle Mitarbeitern, an einem Kommunikationskurs oder Persönlichkeitstraining teilzunehmen. Zu dem Zweck werden Trainer von außen eingeladen. Die sind Scientologen, treten aber nicht als solche auf.
Ihr Vorgehen folgt stets einem Muster: Zunächst lehren sie unverdächtige psychische Techniken, um das Wohlbefinden zu steigern. Dann entdecken sie seelische Probleme bei den Teilnehmern, sprechen sie darauf an - und empfehlen eindringlich Scientologen-Kurse als Lösung. Diese Kurse zeichnen sich durch erstaunlich niedrige Einstiegspreise aus. Doch schon die Fortsetzungskurse kosten oft ein Vielfaches. Um auch in ahnungslose Unternehmen hineinzugelangen, haben die Scientologen in NRW laut Ratajczak eine Handvoll Firmen für Kommunikations- und Persönlichkeitstraining gegründet. Die bieten ihre Dienste ohne jeden Hinweis auf Scientology an.
Noch an einer anderen Front kann die Organisation, die so viele völlig überschuldete Opfer produziert, Erfolge vorweisen: beim Versuch, Jugendliche zu ködern. Mindestens fünf Nachhilfeinstitute wurden landesweit bekannt, in denen die Organisation unter Namen wie "Applied Scholastics" oder "professionelles Lernen" einzigartigen Lernerfolg verheißt.
Laut der Informationsstelle "Sekten-Info NRW" wird dort aber keinerlei Fachunterricht erteilt, sondern nur Lernmethodik gelehrt. Und auch hier sagen die Scientologen über kurz oder lang zu den Kindern: "Du hast ein Problem - und wir haben die Lösung bei Scientology." Wie viele Kinder dadurch bereits in die Fänge der Organisation geraten sind, weiß niemand.
Per Informationskampagne will das Land nun über diese wachsende Gefahr aufklären und sie zu erkennen helfen. Was gar nicht so schwer ist. Denn nur scientologische Nachhilfeangebote verzichten vollständig auf Fachunterricht. Zudem sind auf ihren Unterrichtsmaterialien meist die Quellen angegeben (etwa "nach den Lehren Ron Hubbards" oder "aus Dianetik"). Die extrem niedrigen Kurskosten sollten ebenfalls stutzig machen. Und schließlich empfehlen die Sektenexperten, im Zweifelsfall Kursanbieter auf ihre Nähe zu Scientology anzusprechen. Da sich Scientologen ihres Weltbilds nicht schämen, antworten sie auf Anfrage meist ehrlich.
Neben der Aufklärungsarbeit setzen CDU, SPD und FDP aber auch darauf, Scientology durch den staatlichen Sicherheitsapparat unter Druck zu setzen. So soll die Organisation offenbar noch intensiver als bisher vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachtet werden. Allein die Grünen lehnten die Beobachtung als unangemessenes Mittel ab - obwohl die Observation erst im Februar vom Oberverwaltungsgericht Münster für zulässig erklärt wurde. Die Richter sahen starke Anzeichen für verfassungsfeindliche Bestrebungen bei Scientology.
Sehr viel unangenehmer könnte für die selbst ernannte Kirche allerdings eine andere, noch umstrittene Abwehrmaßnahme werden: Zumindest in der Union gibt es Sympathie für eine Art Sektenzertifikat. Laut dem CDU-Experten Ratajczak könnte solch ein Zertifikat wie ein Prüfsiegel an Kommunikations- und Persönlichkeitstrainer verliehen werden. Denkbares Kriterium für ein Seriositätsminimum wäre, nicht vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. "Gäbe es solch ein Zertifikat, könnte sich keine scientologische Beraterfirma mehr unerkannt in Unternehmen einschleichen", begründet Ratajczak seinen Plan.
Doch da stellt sich der liberale Koalitionspartner bislang quer. Aus der FDP-Fraktion verlautete, mit den Liberalen werde es "keinen Gesinnungsführerschein für Berater" geben. In der Union warnt man indes vor dem verheerenden Eindruck, der demokratische Staat sei zu skrupulös, sich seiner skrupellosen Feinde zu erwehren. Weit entfernt sei die Bevölkerung nicht mehr von diesem gefährlichen Eindruck. Tatsächlich könnte man die bisherigen Abwehrversuche der Politik als zu schwachbrüstig deuten: Einerseits lehnen alle Fraktionen in NRW und die meisten deutschen Innenminister aus rechtsstaatlicher Gewissenhaftigkeit ein Verbot der Organisation ab. Schließlich laufe der Zweck der Scientology-Gründung dem Strafrecht nicht nachweisbar zuwider, und eine aggressiv-kämpferische Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung lasse sich zwar theoretisch ausmachen, nicht aber praktisch nachweisen.
Andererseits aber beweist Scientology laut Verfassungsschützern immer wieder die eigene Skrupellosigkeit: So warnen Verfassungsschützer zum Beispiel vor dem Scientology-Geheimdienst, der unliebsame Kritiker und Aussteiger bedrohe und einschüchtere.
Eine Kampagne und die Beobachtung durch den Verfassungsschutz hält die NRW-CDU daher für das Mindeste, was man Scientology entgegenhalten müsse. Denn manchmal gelte es, eine leicht steinzeitlich anmutende Botschaft zu verkünden: Wir sind stärker.

Abendblatt.de
Scientology geht verstärkt auf Jugendliche zu 
Stuttgart - Scientology geht nach Einschätzung des baden-württembergischen Verfassungsschutzes immer mehr auf Kinder und Jugendliche zu. Kampagnen und Werbematerial würden zunehmend auf diese Zielgruppe zugeschnitten, heißt es in einem aktualisierten Scientology-Bericht des Verfassungsschutzes, über den die Behörde gestern in Stuttgart berichtete. Die Darstellung als "scheinbar karitative und unpolitische Kirche" sei jedoch nur ein Ablenkungsmanöver, um "über die wahren, extremistischen Ziele hinwegzutäuschen". "Die Organisation verfolgt nach wie vor das Ziel, eine perfekt funktionierende scientologische Gesellschaftsordnung zu errichten. Sie arbeitet darauf hin, die Wertprinzipien der Verfassung zu beseitigen, indem sie versucht, ihre Organisationslehre auf die Gesellschaft zu übertragen". Scientology wähne sich im Besitz eines Alleinvertretungsanspruchs, der keine anderen Ansichten zulasse.

Tagesanzeiger 31.10.2008, Hugo Stamm
Scientologen machen für SVP die Knochenarbeit
Bei den Abstimmungen zu den Drogenvorlagen kämpfen SVP-Parlamentarier Seite an Seite mit Scientologen und VPM-Exponenten. Roland Messerli ärgert sich: «Die katholische Kirche ist eine furchtbare Sekte.» Der Sprecher des Dachverbandes abstinenzorientierte Drogenpolitik (DaD) kämpft wortstark gegen die Hanfinitiative und das Betäubungsmittelgesetz, die beide am 30. November zur Abstimmung kommen. Wer für die Vorlagen ist, den wirft Messerli in den Sektentopf. Unter anderen eben auch Teile der Schweizer Katholiken. Weniger Mühe hat Messerli mit klassischen Sekten. In seinem Dachverband sind Scientologen und Anhänger der Psychosekte VPM prominent vertreten. Der VPM hat sich 2002 aus taktischen Gründen aufgelöst, die Anhänger arbeiten aber wie früher in Aktionsgruppen weiter. Unter den Mitstreitern der Scientologen und der VPM-Exponenten finden sich auch 40 National- und Ständeräte der SVP. Diese haben sich im DaD und im Komitee «Drogen: 2 x Nein» zusammengefunden. Die Knochenarbeit im Komitee leisten nicht die Parlamentarier, sondern elf Vereine, die seit Jahren für eine repressive Drogenpolitik kämpfen. Unter ihnen finden sich drei Organisationen, die von VPM-Anhängern gegründet worden sind oder von ihnen mitgetragen werden. Am aktivsten ist der Verein Jugend ohne Drogen. Dieser hatte Mitte der 90er-Jahre die gleichnamige Initiative gestartet, scheiterte 1997 aber deutlich an der Urne. Vizepräsident des VPM-lastigen Vereins ist der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi. Ebenfalls aktiv im Nein-Komitee ist der Verein Schweizer Ärzte gegen Drogen, in dem mehrere Exponenten des aufgelösten VPM eine zentrale Rolle spielen. Dasselbe gilt für die Aids-Aufklärung Schweiz (AAS, nicht zu verwechseln mit der Aids-Hilfe Schweiz, AHS), die von VPM-Anhängern gegründet worden war. Auch bei ihr dienen Politiker oder bekannte Fachleute als Aushängeschilder. Die Vereinsarbeit erledigen aber vor allem die Mitglieder aus dem VPM-Umfeld. Der VPM hat sich unter anderem aufgelöst, um das Sektenimage abzustreifen und Politiker leichter für seine Sache gewinnen zu können. Im Nein-Komitee engagiert sich auch ein führendes Mitglied des Vereins «Sag Nein zu Drogen». Dabei handelt es sich um die Juristin und hochrangige Scientologin Gabrielle Arnold. Der Verein ist eine Unterorganisation von Scientology. Ähnlich wie die VPM-Leute suchen auch die Scientologen die Nähe zu bürgerlichen Politikern, um ihren Einfluss auszuweiten und gesellschaftlich besser akzeptiert zu werden. Roland Messerli vom DaD hat keine Berührungsängste und arbeitet eng mit ehemaligen VPM-Exponenten und Scientologen zusammen. «Den VPM gibt es nicht mehr», sagt er. Und Scientology? «Es ist mir egal, ob Mitglieder unseres Verbandes mit Sekten zu tun haben. Wichtig ist nur, dass sie gegen die Verbreitung von Drogen sind.» Ähnlich tönt es bei Hans Fehr, Zürcher SVP-Nationalrat. «Ich habe nicht geprüft, wer alles im Komitee aktiv ist», antwortet der Parlamentarier. «Es ist mir egal, ob jemand noch einen Fuss in Scientology hat. Hauptsache er kämpft für die richtige Sache.»

Westfalenblatt, 30.10.08
»Scientology ist totalitär und extremistisch« 
Bielefeld (sas). Sie sind längst unter uns: Die Scientologen breiten sich aus und suchen Einfluss, Macht und Geld, sagt Ursula Caberta. »Eine Religionsgemeinschaft sind sie nicht. Das sind Nebelkerzen. Scientology ist nichts anderes als eine politisch extremistische Organisation.« Seit 1992 befasst sich Caberta mit den Scientologen und leitet beim Hamburger Innensenator eine Arbeitsstelle, die ein Ziel hat: das Verbot der von Ron Hubbard gegründeten Organisation. Caberta hat Bücher über Scientology geschrieben und reist durch das Land, um aufzuklären. Dienstagabend war sie auf Einladung des Evangelischen Forums Westfalen und der Neustädter Mariengemeinde als Referentin in Bielefeld. Scientology, sagt Caberta, stehe für eine menschenverachtende Ideologie und teile die Menschen in sozial und antisozial. Letzteren drohe das Lager. Wie auch Kritikern die Menschenwürde abgesprochen werde. Drohungen und Verunglimpfungen gehören für die Hamburgerin zum Alltag. »Und wenn Sie einmal hören, dass ich von der Köhlbrandbrücke gesprungen sei, können Sie sicher sein: nicht freiwillig.« Nach wie vor aber, kritisiert die Volkswirtin, werde Scientology verharmlost und würden berühmte Anhänger hofiert - wie unlängst Tom Cruise bei der Bambi-Verleihung. Dem steht Caberta fassungslos gegenüber - zumal schon 1997 die Innenministerkonferenz Scientology als »neue Form des politischen Extremismus« bezeichnet hat. Wenngleich subtiler und die Strukturen nutzend. »Scientology geht strategisch vor«, sagt Caberta: Die totalitäre Organisation werbe gezielt Prominente an und arbeite mit einer Art der Gehirnwäsche. »Hubbard hat gesagt: Macht euch nicht die Mühe, gewählt zu werden, sondern bringt Euch in die Nähe der Menschen mit Macht und bringt sie dazu zu funktionieren.« Die Taktik gehe auf: In den 90er Jahren habe sie gedacht, Scientology sei bald verschwunden. Heute sieht sie den Einfluss gewachsen - über Investorentätigkeit, Unternehmensberatungen, Personalentwicklung und Schülernachhilfe. Und der Ausstieg ist schwer und vermutlich riskant.

nrwz-online.de, 05.10.2008, Martin Himmelheber 
Scientology wirbt in Schramberg 
SCHRAMBERG, 5. Oktober - Nicht gern gesehen, aber nicht zu verhindern: Scientologen werben vor dem Schramberger Rathaus für ihre "Kirche". Die umstrittene Politsekte baut regelmäßig auf dem Rathausvorplatz ihr grellgelbes Partyzelt auf, um für sich zu werben. Vielen Schrambergern ist das ein Dorn im Auge, denn sie halten den Kult um den Science Fiction Autor L. Ron Hubbard für gefährlich. "Solange die nicht verboten sind, können wir nichts gegen ihren Infostand machen", heißt es aus dem Schramberger Rathaus. Sie melden sich rechtzeitig an, und dann muss die Stadt den Stand genehmigen, es sei denn, der Rathausvorplatz wird schon anderweitig beansprucht. Die Hoffnung auf ein baldiges Verbot der Scientologen in Deutschland wird aber wohl auch nicht in Erfüllung gehen. Zwar wollen die Landesinnenminister immer mal wieder ein Verbot erreichen, aber ein Gutachten des Verfassungsschutzes macht wenig Hoffnung. Wie der "Spiegel" kürzlich berichtete, heißt es in dem Gutachten, dass Scientology als deutscher Verein behandelt werden müsste. Einen solchen Verein zu verbieten werde sehr viel schwieriger als eine ausländische Organisation. Auch sei schwer nachzuweisen, dass Scientologen eine aggressiv-kämpferische Grundhaltung gegen das Grundgesetz einnehmen. Das wäre aber eine weitere Verbotsvoraussetzung. So bleibt also der Wunsch von etwa zwei Dritteln der Deutschen, Scientology zu verbieten, bis auf weiteres unerfüllt, und müssen sich die Schramberger mit dem grellgelben Partyzelt auf ihrem Rathausvorplatz abfinden. Tröstlich nur: Laut Verfassungsschutz stagnieren die Mitgliederzahlen von Scientology in Deutschland bei fünf- bis sechstausend, und ihr Ziel, die deutsche Gesellschaft und Politik zu durchdringen, haben die Hubbard-Jünger nicht einmal ansatzweise erreicht. 

Tagesspiegel.de. 01.10.2008 
Kampf gegen Scientology: Sektenberatung ausgebaut 
Berlin erweitert sein Beratungsangebot für Opfer von Sekten und ähnlichen Gruppen. Der Senat beschloss am Dienstag, die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung beim Thema Sekten zu verbessern. Die im Sommer eingerichtete Anlauf- und Informationsstelle bei der Bildungsverwaltung heißt künftig "Leitstelle für Fragen zu Sekten und konfliktträchtigen Anbietern auf dem Psycho- und Lebenshilfemarkt" und wird um eine Stelle auf drei Mitarbeiter aufgestockt. Dabei geht es vor allem um die Aktivitäten der Organisation Scientology, die seit Anfang vergangenen Jahres ihre Zentrale in Charlottenburg hat. Im Durchschnitt bekommt die Senats-Beratungsstelle vier Anfragen täglich, sagt Kenneth Frisse, Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung. "Rund die Hälfte der Anfragen betrifft Scientology." Durch die neue Organisationsform erhofft er sich eine "bessere Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Senatsverwaltungen und mit den Bezirken". Speziell zugeordnete Kontaktpersonen sollen dafür verantwortlich sein, Informationen auszutauschen und die Hilfe für Betroffene abzustimmen. Scientology wird vom Verfassungsschutz beobachtet, weil "Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung vorliegen". Ein Verbot der Organisation war kürzlich vom Verfassungsschutz im Auftrag der Innenministerkonferenz geprüft worden. Das Ergebnis: Ein Verbotsverfahren hat kaum Chancen auf Erfolg Die Leitstelle für Fragen zu Sekten ist telefonisch unter 9026-5574 zu erreichen, im Internet unter www.berlin.de/sen/familie/sekten-psychogruppen.

Focusonline, 21.09.2008
Scientology Verbot wird immer unwahrscheinlicher
Die Verfassungsschutzbehörden sind gegen ein Verbot der umstrittenen Scientology-Organisation in Deutschland. Ein Verbot wird daher immer unwahrscheinlicher. Einem Bericht zufolge verfolgt Scientology keine strafgesetzwidrige Zwecke.
Ein Verbot der deutschen Sektion von Scientology wird immer unwahrscheinlicher. Die Verfassungsschutzbehörden sprechen sich nach Informationen des „Spiegel“ in einem Bericht für die Innenministerkonferenz klar gegen ein Verfahren gegen die umstrittene Organisation aus. Aus dem öffentlichen Auftreten lasse sich „nicht ableiten, dass Scientology die Überwindung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland aggressiv-kämpferisch verwirklichen will“. Die Innenminister von Bund und Ländern hatten die Verfassungsschützer vor einem Jahr damit beauftragt, Material für mögliche vereinsrechtliche Ermittlungen zu sammeln. Das Vorgehen gegen die vor mehr als 50 Jahren in den USA gegründete und seit fast 40 Jahren in Deutschland aktive Scientology war vom damaligen Hamburger Innensenator Udo Nagel beantragt worden. Im November wollen die Innenminister auf ihrer Herbstkonferenz in Potsdam über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens entscheiden. Im Gegensatz zu Parteien kann eine Organisation wie Scientology ohne Einschaltung des Bundesverfassungsgerichts über das Vereinsrecht vom Bundesinnenminister verboten werden. In dem 46-seitigen Bericht der Verfassungsschutzämter, aus dem der „Spiegel“ zitiert, ist von einem „lückenhaften Lagebild“ die Rede. Die Behörden warnten vor diesem Hintergrund vor einem „Ansehensverlust für die damit befassten staatlichen Stellen“ bei einem Vorgehen gegen Scientology. Weder die Satzung noch sonstige Äußerungen ließen „den Schluss zu, dass der Verein strafgesetzwidrige Zwecke verfolgt“, zitiert der „Spiegel“ aus dem Bericht. Bei dem Versuch der Durchdringung von Politik und Gesellschaft seien „selbst ansatzweise keine Fortschritte zu verzeichnen“.

Zommer.de, 21.09.2008
Verfassungsschutz warnt vor Verbot 
Das verwundert nun doch. Jahrelang wurde Scientology bekämpft, in Berlin wehrte man sich mit Händen und Füßen gegen die Eröffnung der Zentrale. In Frankreich dagegen muss sich die Organisation gegen den Vorwurf "organisierten Bandenbetrugs" wehren, weil eine Frau nach einem Persönlichkeitstest Materialien für über 30.000 Euro gekauft hatte. Das Urteil könnte sogar die Auflösung zur Folge haben. Doch in Deutschland fürchtet sich die Verfassungsbehörde vor einem Ansehensverlust, sollte ein Verbotsverfahren scheitern.
Aus dem öffentlichen Auftreten der Organisation lasse sich "nicht ableiten, dass Scientology die Überwindung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland aggressiv-kämpferisch verwirklichen will", zitiert der "Spiegel" aus einem vertraulichen Prüfbericht im Auftrag der Innenminister von Bund und Ländern. Weder die Satzung noch sonstige Äußerungen ließen "den Schluss zu, dass der Verein strafgesetzwidrige Zwecke verfolgt". Niemals "Scientology ist meines Erachtens lediglich ein menschenverachtender und gehirnwaschender Verein, der den Leuten das Geld aus der Tasche zieht. Das braucht Deutschland nicht wirklich. Schluss aus." Scientology könne zudem nicht wie von den Innenministern erhofft als ausländischer Verein eingestuft werden. Der Nachweis einer "umfassenden und totalen Fremdsteuerung" aus den USA könne "nicht geführt werden, entsprechende Erkenntnisse liegen nicht vor", heiße es in dem als geheime Verschlusssache eingestuften Bericht. Deutsche Vereine sind nach Angaben des Magazins viel schwerer zu verbieten als ausländische. Das Prozessrisiko sei nach Einschätzung der Verfassungsschützer "nicht unerheblich". Ein Scheitern könne "zu einem Ansehensverlust für die damit befassten staatlichen Stellen führen". Es liege nur ein "lückenhaftes Lagebild" vor. Laut Verfassungsschutz stagniere die Zahl der Scientology-Mitglieder in Deutschland bei 5000 bis 6000. Bei der Durchdringung von Politik und Gesellschaft seien selbst ansatzweise keine Fortschritte zu verzeichnen". Scientology bezeichnet sich selbst als Kirche, wird von Kritikern aber als gefährliche Sekte angesehen. Ende vergangenen Jahres hatten die Innenminister von Bund und Ländern die Verfassungsschutzbehörden angewiesen, ein Verbot von Scientology zu prüfen. Der nun vorliegende Bericht soll bei der nächsten Innenministerkonferenz in zwei Monaten beraten werden.

Spiegel, 20.09.2008
Verfassungsschutz warnt vor Scientology-Verbot 
«Spiegel»: Verfassungsschutz w... Die Organisation kann demnach nicht als ausländischer Verein eingestuft werden Hamburg (ddp). Die Verfassungsschutzbehörden warnen vor einem Verbot der umstrittenen Scientology-Organisation. In einem vertraulichen, 46-seitigen Prüfbericht im Auftrag der Innenminister bewerten die Verfassungsschützer das Lagebild über Scientology als «lückenhaft», wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Samstag vorab berichtete. Die Organisation kann demnach nicht als ausländischer Verein eingestuft werden. Auch könne der Nachweis einer «umfassenden und totalen Fremdsteuerung» aus Amerika könne «nicht geführt werden». Zudem lasse sich aus dem öffentlichen Auftreten «nicht ableiten, dass Scientology die Überwindung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland aggressiv-kämpferisch verwirklichen will». Weder die Satzung noch sonstige Äußerungen ließen «den Schluss zu, dass der Verein strafgesetzwidrige Zwecke verfolgt». Laut Verfassungsschutz hat Scientology 5000 bis 6000 Mitglieder, bei der Durchdringung von Politik und Gesellschaft seien «selbst ansatzweise keine Fortschritte zu verzeichnen». Ende 2007 hatten die Innenminister von Bund und Ländern die Verfassungsschutzbehörden angewiesen, ein Verbot von Scientology zu prüfen. Der nun vorliegende Bericht soll bei der nächsten Innenministerkonferenz beraten werden.

Wiesbadener Kurier, 15.09.2008, 
Volker Stahl Zwischen Gehirnwäsche und sozialer Isolation 
Prominente Ex-Scientologen packen in Hamburg aus / Organisation versucht ihre Gegner einzuschüchtern HAMBURG Die 1954 von dem Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründete Scientology Organisation (SO) reagiert bekanntermaßen aggressiv auf ihre Kritiker. So versuchten die Scientologen, sich vor dem Hamburger Verwaltungsgericht einen Podiumsplatz für die Veranstaltung "Das ist Scientology! Berichte aus den USA" einzuklagen, zu der die Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde geladen hatte - vergeblich. Und so konnten drei namhafte SO-Aussteiger, die Arbeitsgruppenleiterin Ursula Caberta aus den Vereinigten Staaten hatte einfliegen lassen, ungestört zu Wort kommen: Der Hollywood-Schauspieler Jason Beghe, bekannt durch Kinofilme wie "Thelma & Louise" und seine Gastauftritte in Fernsehserien wie "CSI", der ehemalige SO-"Geheimdienstler" Larry Brennan und das Ex-Mitglied der internationalen SO-Führungsriege Marc Headley. Zudem nahm der Rechtsanwalt Graham Berry aus Los Angeles teil, der Scientology-Opfer vertritt - darunter auch Mitglieder der Gruppe Anonymous, die Anfang des Jahres eine Kampagne mit medienwirksamen Aktionen gegen Scientology gestartet hat. Berry sprach davon, dass bei SO Menschen "in ein schwarzes Loch eingesaugt" würden. "Vor allem Abtrünnige werden erpresst, als Terroristen denunziert und mit Klagen überzogen." Dabei sei es für die Organisation weniger wichtig, die Gerichtsverfahren zu gewinnen, als ihre Gegner zu diffamieren, zu schikanieren und finanziell wie psychisch zu ruinieren, ergänzte Larry Brennan, der den Scientologen den Rücken kehrte, nachdem sie ihm eine Kontaktsperre zu seiner Tochter auferlegt hatten. "Sehr gefährlich" Obwohl die SO durch die Anonymous-Proteste sehr geschwächt sei und die Zahl ihrer Mitglieder rapide schrumpfe, stuft Graham Berry die Organisation weiterhin als "sehr gefährlich" ein. "Zumindest in Hollywood hat Scientology aber nur noch sehr wenige Anhänger", teilt Jason Beghe Berrys Einschätzung nur bedingt. "Außerdem wollen viele Mitglieder aussteigen. Wie bei einer Hypnose fehlt nur noch das erlösende Fingerschnippen." Der Schauspieler, der rund 800 000 Dollar für SO-Psychoprogramme investiert hat, die ihm nach eigenen Angaben nichts brachten, war von 1994 bis 2006 Mitglied: "Die unglücklichsten Jahre meines Lebens - Scientology hat mich einer Gehirnwäsche unterzogen." Aussteiger Marc Headley erging es nicht anders: "Ich habe 100 Stunden pro Woche gearbeitet, für 36 Cent pro Stunde. Dabei hatte ich zu niemandem Kontakt, der kein Scientologe war", schilderte der ehemalige Vertraute von SO-Führer David Miscavige und Produzent bei Golden Era Productions - einem Unternehmen, das Filme, Audio-CDs und anderes Propagandamaterial für Scientology herstellt - seine soziale Isolation. Headley hatte die Organisation nach 15 Jahren verlassen, weil Miscavige ihm bei Meinungsverschiedenheiten immer wieder ins Gesicht geschlagen hatte. "Die Organisation funktioniert streng hierarchisch, kein Mitglied darf autonom handeln", beschrieb Headley das totalitäre System von SO. "Weltweit geschieht absolut nichts, was nicht vom Scientology-Hauptquartier in den USA abgesegnet wird." Inwieweit Superstar Tom Cruise, der als zweiter Mann hinter David Miscavige gehandelt wird, in die zum Teil kriminellen Machenschaften von SO verwickelt ist - darüber können die prominenten Ex-Scientologen nur spekulieren: "Tom Cruise wird total abgeschottet", sagte Marc Headley. "Ich glaube, er weiß sehr wenig von den Vorgängen in der Organisation."

diepresse.com, 10.09.2008 
Scientology auf Mitglieder-Fang: Jugendwerbefeldzug 
Ein Verein, der Scientology nahesteht, umwirbt derzeit intensiv Wiener Schüler. Stadtschulrat und Drogenkoordinator warnen davor nun in einem Brief. Wien. Die Stimmung: beunruhigt bis alarmiert. Der Grund: Scientology und eine dem Verein nahestehende Organisation („Narconon“) sind derzeit in der Stadt so präsent wie schon lange nicht mehr. So werden vermehrt Folder über Drogenprävention und -therapie an Jugendliche verteilt. Mal von Scientology selbst auf der Straße, mal vor Schulen von „Narconon“, einem eigenen Verein, der auf den Lehren von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard basiert. Die Vermutung, dass über die Antidrogenkampagnen Jugendliche als Mitglieder geworben werden, mag naheliegen, wird aber von „Narconon“ zurückgewiesen. Weil „Narconon“ laut dem Wiener Sucht- und Drogenkoordinator Michael Dressel „über den Sommer sehr aktiv“ gewesen sei, hat er nun mit dem Stadtschulrat einen Brief verfasst, der morgen, Freitag, an alle 670 Wiener Schulen verschickt werden soll. Darin wird über Narconons „fragwürdige“ Methoden informiert. Diese „widersprechen völlig dem, was in der Drogenarbeit State of the Art ist“, so Dressel. So besteht etwa die Drogen-„Selbsthilfe“ aus „Reinigungsprogrammen“, bei denen die Sucht durch exzessive Saunabesuche „ausgeschwitzt“ werden soll. Eine explizite Warnung vor Scientology findet sich im Brief aber nicht – aus Angst vor Klagen. Dass hinter der Antidrogenaktion die Lehren von Scientology stecken, geht aus den Broschüren nicht hervor. Der Stadtschulrat prüft bereits eine weitere Info-Kampagne: Denn laut den Wiener Grünen wirbt Scientology derzeit auch mit Lernhilfen („Englisch lernen ist leicht“) unter Schülern. Wie sehr aber sprechen Jugendliche auf die Drogenprävention an? Sehr, glaubt man Narconon-Leiterin Antonia Homschak. Sie spricht von Hunderten – begeisterten – Schülern, vor denen sie Vorträge gehalten habe, will die Schulen aber nicht verraten, um den Direktoren Probleme zu ersparen. Der Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen, German Müller, wiederum meint, es sei schwer abzuschätzen, ob es sich um „Einzelfälle“ handelt oder ob Schüler vermehrt auf das Angebot eingestiegen seien. „Jedenfalls muss man das ernst nehmen und darüber informieren“. Die Briefaktion ist für Narconon eine „wirklich bösartige Kampagne“. Man wolle nur über Drogen aufklären. Es ginge nicht darum, Mitglieder für Scientology zu werben, sagt Homschak, selbst Scientologin. Aber natürlich komme es vor, dass sich Jugendliche so für Hubbards Lehren zu interessieren beginnen. Neben „Narconon“ ist auch Scientology selbst derzeit in der Stadt an gleich mehreren Stellen (etwa Graben, Schwedenplatz) mit Infoständen präsent. Ohne sichtbare Hinweise auf „Scientology“ werden Passanten zu einem „Stresstest“ und in der Folge zu Seminaren eingeladen. Bewohner und Passanten freut das weniger: Die Bundesstelle für Sektenfragen vermeldet vermehrte Anrufe, City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel berichtet von „massiven Anrainerbeschwerden“. Für die Infostände, sagt Stenzel, habe Scientology überdies keine Genehmigung.

AFP, 09.09.2008. 
Scientology muss in Frankreich wegen Betrugs vor Gericht 
Paris (AFP) — Die Scientology-Organistation muss sich in Frankreich wegen "organisierten Bandenbetrugs" in einem Strafprozess verantworten. Eine Verurteilung könne die Auflösung der Organisation zur Folge haben, sagte ein Justizsprecher in Paris. In dem Verfahren geht es um den Fall einer Frau, die 1998 einen "Persönlichkeitstest" bei Scientology machte. Sie hatte für den Kauf von Büchern, Medikamenten und eines so genannten Elektrometers zur Messung des geistigen Wohlbefindens insgesamt über 200.000 Francs (mehr als 30.534 Euro) ausgegeben. In Frankreich wird Scientology seit 1995 als "Sekte" eingestuft. Einen Termin für den in Paris geplanten Strafprozess gibt es noch nicht. Als juristische Personen angeklagt sind das Celebrity Centre, die wichtigste Struktur der Scientology-Bewegung in Frankreich, sowie deren Buchhandlung SEL. Zudem ermittelt die Justiz gegen sieben französische Scientology-Mitglieder, unter ihnen den Leiter des Celebrity Centre, Alain Rosenberg. Einigen von ihnen wird unter anderem "illegale Ausübung des Apotheker-Berufs" zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft hatte eigentlich die Einstellung der Ermittlungen beantragt. Dies wies nun der zuständige Untersuchungsrichter Jean-Christophe Hullin zurück. Als Nebenkläger treten eine weitere Frau sowie der französische Apotheker-Verband auf. In Frankreich werfen die Behörden Scientology vor, Mitglieder psychisch zu zu destabilisieren. 1995 wurde eine erste Scientology-Vereinigung aufgelöst, weil sie sich weigerte, Steuern an den Fiskus zu zahlen, der ihr den Status als Kirche verweigerte. Im Februar sorgte die Kabinettschefin von Präsident Nicolas Sarkozy für Aufsehen, weil sie offen die Frage stellte, ob Scientology tatsächlich eine Gefahr darstelle. Sarkozy, der als Minister Scientology-Promi Tom Cruise empfing, versicherte darauf, der Staat werde "größtmögliche Härte" gegenüber Sekten zeigen. Wie in Frankreich wird die 1954 in den USA vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründete Organisation auch in mehreren anderen europäischen Ländern als "Sekte" angesehen - unter anderem in Belgien und Griechenland. In Deutschland wird Scientology seit 1997 vom Verfassungsschutz observiert. Eine Klage der Organisation gegen dieses Praxis wies das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster im Februar ab.

Heise vom 18.8.2008
Anonymous gegen Scientology: 
Bewegung orientiert sich neu Am 16. August veranstaltete Anonymous die siebte weltweite Protestaktion gegen Scientology. In über 80 Städten trafen teils maskierte Demonstranten vor den örtlichen Zentralen der umstrittenen Organisation zusammen, um gegen den Umgang von Scientology mit seinen Mitgliedern und Kritikern zu demonstrieren. Anonymous gegen Scientology: Die Berliner Kundgebung Bilderstrecke, 9 Bilder = www.heise.de/bilderstrecke/417/nt51bef8 Ersten Schätzungen zufolge brach die weltweite Anzahl der Demonstranten weiter ein. Fanden sich im Vormonat noch etwa 2100 Teilnehmer zu "Spy vs. Sci" ein, kamen diesmal schätzungsweise um die 1500 Demonstranten zusammen. Damit bleibt die letzte Demonstrationswelle weit hinter vergangenen Aktionen zurück – den bisherigen Höhepunkt bildete "The Ides Of March" mit über 9000 Teilnehmern. Der größte Einbruch war in London zu verzeichnen; hier sackte die Zahl von über 600 auf 150 Teilnehmer ab. In den Anonymous-Diskussionsforen hat der Rückgang erhitzte Debatten ausgelöst. Einige plädieren lautstark dafür, das Zählen ganz aufzugeben – es erodiere die Moral und sei nicht repräsentativ für die Wirkung der Aktionen. Die Internet-Bewegung Anonymous existiert bereits seit Jahren, beschränkte ihre Aktivitäten aber meist auf das Internet. Mitte Januar richtete sich Anonymous gegen die Scientology-Organisation, als diese versuchte, die Verbreitung eines Videos mit Tom Cruise zu unterbinden. Anonymous interpretierte dies als Zensur und reagierte mit Angriffen auf Scientology-Webserver. Kurz darauf schwenkte die Bewegung um: Über Web-Foren und Chat-Räume koordinierte sich eine weltweite Protestwelle. Am 10. Februar ging Anonymous zum ersten Mal auf die Straße, um vor den örtlichen Scientology-Niederlassungen zu protestieren. Scientology wurde Anfang der 50er Jahre zunächst als Selbsthilfe-Gruppe ins Leben gerufen, um bald darauf zur Religion umzufirmieren. Die Ziele und Mittel der Organisation waren von Anfang an umstritten. In den 70er-Jahren musste Scientology sich mehrfach wegen illegaler Aktivitäten in den USA vor Gericht verantworten. Sprecher der Organisation bezeichnen diese Ereignisse gern als vergangene Fehler; Kritiker sehen darin hingegen systematische Unterdrückungsstrategien mit dem Ziel, die Gesellschaft zu unterwandern. In Deutschland fanden Kundgebungen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, München und Stuttgart statt. Auch hier waren die Teilnehmerzahlen größtenteils rückläufig, nur Berlin und München trotzten dem Trend. In Berlin zeigte sich die Anonymous-Bewegung trotz schlechten Wetters ungebrochen. Am Versammlungspunkt trafen etwa fünfzig Teilnehmer zusammen. Einige Neuzugänge hatten am Morgen im Tagesspiegel von der Kundgebung gelesen und schlossen sich spontan der Demonstration an. Die Anonymous-Demonstration in der Hauptstadt zog zunächst um den Kurfürstendamm und hielt zweimal, um warnende Reden vorzutragen und Flugblätter zu verbreiten. Dabei passierte der Umzug auch einen Dianetik-Stand der örtlichen Scientology-Niederlassung, was mit lauten Gejohle kommentiert wurde. Die Scientologen sahen betont an den Demonstranten vorbei. Wie bei den vergangenen Veranstaltungen endete die Kundgebung in der Otto-Suhr-Allee neben der siebenstöckigen Zentrale von Scientology Deutschland. Wie üblich hatte Scientology eine Gegendemonstration angemeldet; diese beschränkte sich jedoch auf eine Handvoll Teilnehmer, die ihre Schilder gegen die Brüstung gelehnt ließen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Organisation mit ihrer Gegenveranstaltung nur verhindern will, dass die Anonymous-Demonstranten direkt vor dem Scientology-Gebäude Position beziehen. Ein Grund für die schrumpfende Teilnehmerzahl an den weltweiten Demonstrationen dürfte in den Turbulenzen innerhalb der Anonymous-Bewegung zu suchen sein. In den vergangenen Wochen sah es kurzzeitig so aus, als ob sich die Protestbewegung selbst zerfleischen würde. Ein seit längerem schwelendes Problem ist der Umgang von Anonymous mit langjährigen Scientology-Kritikern, unter denen sich zahlreiche Ex-Scientologen befinden. Als sich Anonymous Ende Januar erstmals gegen Scientology richtete, reagierten langjährige Aktivisten zunächst verschreckt. Schnell erkannten die beiden Gruppen jedoch, dass sie im Verbund mehr ausrichten konnten. Anonymous lud die "alte Garde" dazu ein, mitzudemonstrieren und finanzierte im vergangenen Monat sogar Flugreisen für ausgewählte Scientology-Kritiker. Nach der letzten Protestwelle zeigte die Allianz jedoch Brüche. In der US-Hauptstadt Washington entwickelte sich am Rand der Kundgebung eine erhitzte Diskussion zwischen einem Demonstranten der "alten Garde" und einem Anonymous. Der Zwischenfall führte dazu, dass Anonymous eine ehemals hochgeschätzte Ex-Scientologin öffentlich verwarnte. Ein weiterer Konfliktpunkt war das Bekanntwerden einer Denkfabrik innerhalb der Anonymous-Bewegung. Dieser "harte Kern" der Bewegung hatte Ideen für die Demonstrationen entwickelt und sie zur offenen Diskussion gestellt. Als einer der Ideenlieferanten ausscherte und die Existenz der Gruppe öffentlich machte, kam es zum Eklat: Einige Anonymous-Teilnehmer fühlten sich manipuliert und verraten. Die Angelegenheit schlug derart hohe Wogen, dass die letzte Demonstrationswelle keinem einheitlichen Thema mehr folgte. Mittlerweile hat sich die Bewegung aber offenbar wieder gefangen. Die "alte Garde" mag ihren Nimbus verloren haben, was sie aber nicht davon abhielt, weiter mit zu demonstrieren. Der von Anonymous als "Wise Beard Man" titulierte Scientology-Kritiker Mark Bunker fand sich unangekündigt im kalifornischen Tustin ein und wurde dort herzlich willkommen geheißen. Auch in den Foren glätten sich die Wogen wieder. Anonymous mag angeschlagen sein, ist aber noch lange nicht am Ende. In einem Anfang August auf YouTube veröffentlichten Video verkündet eine synthetische Stimme den Beginn von "Phase Three": Anonymous werde sich auf seine ursprünglichen Ziele besinnen und seine Taktiken ändern. Die nächste globale Demonstrationswelle soll am 13. September stattfinden. (ghi/c't)

Der Tagesspiegel, 16.8.2008
Die Schatten der Scientologen 
Wo immer Scientology einen Stand aufbaut sind sie nicht weit: Die Anonymous-Leute kämpfen gegen die Organisation, die ihre deutsche Repräsentanz in Charlottenburg eröffnet hat - mit Masken, falschen Namen und Informationen. Kurz vor 16 Uhr hat die Suche ein Ende. Robert Tonlein*, 27 Jahre alt, schwarzer Anzug, akkurat geknüpfte Krawatte, das Gesicht hinter einer Faschingsmaske versteckt, hat die Scientologen endlich entdeckt. Am Ku’damm oder auf dem Potsdamer Platz, wo sie bisher jeden Samstag standen, hat er sie nicht gesehen. Die Anhänger haben heute ausnahmsweise am Alexanderplatz ihren Infostand aufgebaut. Dort versuchen sie, Passanten davon zu überzeugen, einen „Stresstest“ zu machen. Der endet dann mit der Diagnose von Schwächen – und dem Angebot, Scientology könne mit Kursen helfen. Diese Hilfe bietet die Organisation, die sich als „Religion“ versteht, nicht ganz uneigennützig an. Mehrere Tausend Euro kosten einzelne Kurse – Aussteiger werfen der Organisation vor, Anhänger finanziell auszuplündern. „Wir halten Scientology für eine Psychosekte, die massiv Menschenrechte verletzt“, sagt Tonlein. „Wir möchten potenzielle Opfer schützen, indem wir über Scientology aufklären – mit friedlichen Mitteln.“ Gemeinsam mit drei Mitstreitern, auch sie in schwarzen Anzügen und mit Maske vorm Gesicht, bezieht er unweit des Standes Position. Mit lauter Stimme warnen die Maskenträger Passanten davor, einen Stresstest zu machen oder die grellbunten Flyer anzunehmen. Die Passanten gucken amüsiert bis irritiert. Der Stand, auf dem zwei Stresstest-Geräte stehen – simple „Lügendetektoren“ – bleibt verwaist. Seit Februar 2008 kämpft die weltweit agierende Protestgruppe „Anonymous“ gegen Scientology. Damals tauchte im Internet ein Video auf, das den Schauspieler und bekennenden Scientologen Tom Cruise vor fanatisierten Anhängern zeigte. Da die Rhetorik des Hollywood-Idols an Reichspropagandachef Goebbels erinnerte, bemühte sich die Sekte, das Video zu zensieren und aus dem Internet zu entfernen. „Anonymous“ gründete sich spontan in einem Internetforum und legte wenig später die Homepage der Organisation lahm. Von illegalen Aktionen hat sich die Gruppe aber inzwischen verabschiedet. An Aktionstagen, die weltweit stattfinden, treffen sich die Maskenträger stattdessen zu Demonstrationen – meistens direkt vor den jeweiligen Hauptsitzen von Scientology. Am heutigen Sonnabend findet der Protest schon zum siebten Mal statt. In Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart werden die „Men in black“ protestieren. In Berlin gehören etwa 100 Mitstreiter zu „Anonymous“. Der Name gehört bei den Sektengegnern gewissermaßen zum Programm. Aus Sorge vor Infiltrationsversuchen wahren die Aktivisten nämlich strikte Anonymität – selbst untereinander. Sie haben spezielle Handynummern, reden sich nur mit Spitznamen an und verabreden sich nur durch anonymisierte E-Mail-Verteiler. Tonlein, der als Webmaster arbeitet, ist von Anfang an dabei. Er sagt, dass er sich engagiere, weil er jede Art der Zensur ablehne – so wie seine Mitstreiter. Ein persönlicher Grund sei auch ein Onkel: Der geriet einst in die Fänge der Organisation. „So habe ich hautnah miterlebt, wie Scientology Familienbindungen zerstört und Menschen psychisch vernichtet.“ Deshalb nimmt er ein- bis zweimal pro Woche an sogenannten „Blitz-Raids“ teil: Aktionen, bei denen Werbeversuche der Scientologen auf der Straße behindert werden. So wie heute. Scientology nimmt die Maskenträger offensichtlich ernst. Nur 20 Minuten, nachdem sie Position bezogen haben, fährt ein Polizeiwagen vor. Der Beamte spricht kurz mit dem Chef des Standes. Der beklagt sich über die massive „Werbebeeinträchtigung“ durch die Maskenaktivisten, und dass dadurch rund 70 Prozent weniger Interessierte kämen. Der Polizist nickt, geht dann zu Tonlein und weist ihn freundlich darauf hin, mehr Abstand zum Infostand zu halten. „Rechtlich gesehen bewegen wir uns in einer Grauzone, aber die Polizei hat glücklicherweise etwas Ermessensspielraum“, sagt Tonlein später und drückt gleichzeitig einer jungen Mutter einen Infozettel in die Hand. Auch eine ältere Dame will jetzt einen Infozettel und klopft ihm wohlwollend auf die Schulter, Jugendliche lassen sich mit ihm fotografieren und wollen wissen, wo es die „coolen Masken“ gibt. Dabei sind die kein Gimmick, sondern purer Selbstschutz. Scientology sei dafür bekannt, Gegner mit Mitteln wie Rufmord zu bekämpfen. Deshalb hat Tonlein am Arbeitsplatz und im Freundeskreis sein Engagement öffentlich gemacht. Er will so möglicher Gerüchteverbreitung entgegentreten. Ein Scientologe habe schon versucht, ihn bis zu seinem Auto zu verfolgen. Seine Maske ist bewusst gewählt. Sie stammt aus dem Science-Fiction-Film „V wie Vendetta“, wo ein einsamer Held gegen ein totalitäres System kämpft. Der heutige Aufklärungskampf der vier Maskenträger scheint erfolgreich zu sein. Eine knappe Stunde nach ihrer Ankunft packen die Scientologen ihren Infostand zusammen. „Die heutige Aktion war ein echter Erfolg“, sagt Robert Tonlein und steckt sich eine Zigarette unter der Maske an. „Normalerweise bleiben die drei Stunden länger.“ *Name geändert (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.08.2008)

Der Newsticker, 15.8.2008
Maskiert gegen Scientology 
berlin (ddp-bln). Fünf maskierte Menschen stehen im Halbkreis vor einem Stand, an dem ein «Kostenloser Stresstest» angeboten wird. In ihren Händen halten sie Flugblätter, auf denen in großen schwarzen Lettern «Vorsicht! Scientology!» steht. «Wir kommen immer dahin, wo Scientology die Stände aufbaut», erklärt einer der Maskierten. «Samstags Kudamm, sonntags Potsdamer Platz. In der Woche sind die Orte unterschiedlich», sagt der Mann, der seinen Namen nicht nennen will. «Aber nenn mich David, so heißen alle ´Anonymous´-Mitglieder», fügt er erklärend hinzu. Hinter «Anonymous» verbirgt sich ein weltweites Netzwerk, das für die Auflösung der umstrittenen «Church of Scientology» arbeitet. Die Zahl der Mitglieder ist auch innerhalb des «Anonymous»-Netzwerks nicht bekannt. «In Berlin allein machen etwa 60 Männer und 40 Frauen mit», sagt David. Früher diskutierten die «Anonymous»-Anhänger in Internetforen über unterschiedliche Themen. Seit Anfang des Jahres gibt es für sie nur noch einen Diskussionsgegenstand: Scientology. Grund für den Richtungswechsel war ein Video, in dem sich ein namhafter Hollywood-Schauspieler zu der Glaubensgemeinschaft bekannte. Das Video wurde auf Veranlassung von Scientology aus den Foren entfernt. Das empfand «Anonymous» als Zensur, wie David berichtet. Zum Treffen, wenige Tage nach den Protesten auf dem Kudamm, erscheint David ohne Maske, aber mit Sonnenbrille. Im Februar 2008 gründete sich nach seinen Angaben die Anti-Scientology-Bewegung. Seit März ist auch er dabei. Der Berliner hatte das inkriminierte Video in ein Forum gestellt. Als er sich weigerte, es zu löschen, drohte Scientology mit einer Klage. «Das war für mich der Auslöser», erzählt der etwa 35 Jahre alte Mann mit den dunklen Haaren. Mittlerweile treiben ihn auch andere Motive: «Ich stell mir vor, dass Scientology jemanden aus meiner Familie für sich gewinnen kann und mein Umfeld daran zerbricht.» Im Januar 2007 wurde die Sientology-Zentrale in Charlottenburg eröffnet. Frank Nordhausen, Mitautor des Buches «Scientology - Wie der Sekten-Konzern die Welt erobern will», sieht darin eine Gefahr. «Scientology versucht mit sehr guter Lobbyarbeit Einfluss auf Parlamentsentscheidungen zu nehmen», sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. «Zudem wirbt die Organisation sehr engagiert Neulinge an und bringt sie in die Abhängigkeit.» Auch der Charlottenburger Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD)befürchtet, «dass Scientology wichtige Schaltstellen in Politik und Wirtschaft besetzen könnte». Durch eine großangelegte Aufklärungskampagne sei das allerdings bisher vermieden worden. Für 4. September lädt Schulte zur Vorstellung des Buches von Nordhausen und Liane von Billerbeck ein. Mehrmals in der Woche streift sich David die Maske über den Kopf und geht auf die Straße. «Ein echt zeitaufwendiges Hobby und nur schwer zu vereinbaren mit Vollzeitjob und Privatleben», sagt er. Erfolgserlebnisse würden den Stress jedoch vergessen lassen. «Scientology nimmt uns sehr ernst und auch viele Passanten geben uns positives Feedback». Der Erfolg macht die Arbeit der Maskierten nicht leichter, berichtet David. Durch Filme, Fotos und Gespräche versuchten Scientologen, die Identität der «Anonymous»-Mitglieder zu lüften. So auch vor dem Stand am Kudamm. Wutentbrannt stürmt ein Mittvierziger mit Halbglatze und rotem Scientology-T-Shirt auf die Maskierten zu - Al Bundy wird er in «Anonymus»-Kreisen auch genannt. «Nimm die Maske ab», schreit er David an, «sonst ruf´ ich die Polizei». Der Maskierte reagiert gelassen: «Die Polizei kennt unsere Ängste, identifiziert zu werden, und erlaubt uns das Maskentragen». Doch Davids Ruhe ist nicht so groß, wie es scheint. Er ahnt, dass seine Identität irgendwann bekannt wird. »Anonymus"-Mitglieder in anderen Städten hätten nach dem Aufdecken ihrer Identität Drohungen erhalten. «Doch Familie, Firma und auch meine Vermieterin habe ich über ´Anonymous´ informiert. Die sind auf meiner Seite». Am Samstag ist in Berlin eine größere Aktion geplant: Genau wie in vielen anderen Städten der Welt gehen die «Anonymous»-Mitglieder an diesem Tag auf die Straße. In Berlin beginnt der Protestzug um 12.30 Uhr vor dem Bahnhof Zoo und endet vor der Scientology-Zentrale in der Charlottenburger Otto-Suhr-Allee.

www.rp-online.de, 12.08.2008
Nachhilfe - CDU warnt vor Scientology-Angeboten Düsseldorf (RPO). 
Die CDU und Sektenexperten haben Eltern zu Beginn des neuen Schuljahres davor gewarnt, ihre Kinder zu Nachhilfeinstituten der Scientology-Organisation zu schicken. Man gehe davon aus, "dass Scientology wieder stärker auf dem Nachhilfemarkt aktiv werden wird". Das teilten der Sektenexperte der CDU-Landtagsfraktion, Marc Ratajczak, und die Leiterin des Sekten-Info NRW, Sabine Riede, am Dienstag in Düsseldorf gemeinsam mit. "Mit dem neuen Schuljahr werden auch Eltern wieder Nachhilfeinstitute aufsuchen, um ihren Kindern zu helfen. Dabei sollten Eltern jedoch keine voreilige Entscheidung treffen, sondern sich genau über die verschiedenen Institutionen und Angebote informieren", sagten Ratajczak und Riede. "Scientology versucht, massiv in den Nachhilfemarkt einzusteigen, um so Kinder und ihre Eltern in ihrem Sinne zu beeinflussen", sagte der CDU-Landtagsabgeordnete. Nachhilfeschüler bekämen hierbei keinen fächerorientierten Unterricht, "sondern eine Schulung, die sich ausschließlich an der Lerntheorie des Gründers der Psycho-Sekte, L. R. Hubbard, orientiert". Dabei stelle die Lerntechnik nicht die eigentliche Gefahr dar, sondern der persönliche Kontakt und die sich daraus ergebende Abhängigkeit, sagte Ratajczak. Eindeutige Kennzeichen einer Verbindung von Nachhilfeinstituten zu Scientology sind nach Angaben der CDU Namen wie "Nachhilfe und Lerntechniken", "Zentrum für individuelles und effektives Lernen (ZIEL)", "Applied Scholastics" oder "Ziel Concept". Eltern, die sich nicht sicher sind, ob die Nachhilfeorganisation von Scientologen geleitet wird, können sich beim Sekten-Info NRW informieren.

Presse dpa, 07.08 2008
Scientologen nicht in der Lage in Stuttgart eine "IDEALE ORG" zu errichten
Stuttgart (dpa/lsw) - Die Scientologen (SO) sind nach Ansicht des Verfassungsschutzes nicht in der Lage, eine seit Jahren geplante Repräsentanz in Stuttgart zu errichten. «Der Finanzbedarf für eine sogenannte Ideale Org wurde vom SO-Management mit acht Millionen Euro veranschlagt. Dies müsste die hiesige Basis aufbringen», sagte eine Behördensprecherin am Donnerstag in Stuttgart. Zuletzt wollten die Scientologen eine Repräsentanz am 8. August eröffnen und damit Pendants zu Berlin und Hamburg schaffen. Auch der Stadt Stuttgart liegen keine konkreten Hinweise auf die Gründung einer Niederlassung vor, wie eine Sprecherin mitteilte. «Wir sind gelassen.» Die als verfassungsfeindlich eingestufte Scientology-Organisation hat in Baden-Württemberg bis zu 1100 Mitglieder. Die Zahl stagniert seit einigen Jahren. Die Sprecherin des Verfassungsschutzamtes konnte nicht ausschließen, dass für die Gründung einer Stuttgarter Repräsentanz ausländische Investoren auftreten. «Dies war mit den Zentren in Hamburg und Berlin der Fall.» Der Schwerpunkt von Scientology liegt nach Angaben von Sicherheitsexperten in Wirtschaftsregionen - «dort, wo etwas zu holen ist». Dazu zählen neben Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, das Rhein-Main-Gebiet, Hamburg, Berlin und Bayern. Derzeit werden unter Federführung des Bundes Informationen gesammelt, die für ein mögliches vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren mit dem Ziel eines Verbotes erforderlich sind. Scientology bestreitet, verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen.

Berliner Morgenpost, 30.06.2008
SEKTEN - Scientology steckt hinter Anti-Drogenkampagne 
Scientology wirbt auch bei kleinen Händlern am Kaiserdamm in Charlottenburg um Aufmerksamkeit. Zu zweit haben dort Scientologen oder von ihnen Beauftragte Geschäfte besucht, um Werbeplakate anzubringen. Da Scientology darauf zur Anti-Drogen-Kampagne nur in einer klein gedruckten Zeile am unteren Rand auftaucht, ist etlichen Händlern nicht bewusst, dass es sich um die umstrittene Sekte handelt. Andere wissen es zwar, hängen das Plakat dennoch ins Schaufenster. "Es richtet sich doch gegen Drogen. Das ist gut", meint ein Händler. Auch zwei benachbarte Geschäftsfrauen finden nichts dabei. Schließlich hängen sie auch von anderen Veranstaltern Plakate in ihre Schaufenster. Ein anderer Händler hingegen warf das Duo achtkantig aus dem Laden. "Sie haben nicht gesagt, dass sie von Scientology kommen. Erst im Infoheft, das sie mir zum Schluss gaben, entdeckte ich das", ärgert sich der Geschäftsmann. Die Entgegennahme des Plakats wollten sie sich mit einem Stempel bestätigen lassen. Nach Einschätzung von Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) haben die Werbebemühungen von Scientology im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf aber nachgelassen. "Unsere Strategie, die Menschen über Scientology aufzuklären, hat gefruchtet. Aufzuklären, ohne zu verteufeln, war genau der richtige Weg. Ihre Broschüren und Faltblätter versuchen sie auch in den Bürgerämtern auszulegen. Unsere Mitarbeiter sind aber geschult. Sie erkennen die Flyer und entfernen sie", berichtet Schulte. Erst jüngst habe die Stadtbücherei von Scientology unaufgefordert eine Bücherkiste mit Scientology-Büchern zugeschickt bekommen. Auch die werde entsorgt. Organisationen wie "Sag nein zu Drogen, sag ja zum Leben" seien genauso wie die Hilfe für angebliche Psychiatrieopfer Tochterunternehmen von Scientology. In den Schulen sei darüber informiert worden. Es handle sich um "das Deckmäntelchen vermeintlicher Lebenshilfe". Die Werbestände an der Wilmersdorfer Straße Ecke Pestalozzistraße, am Kurfürstendamm Ecke Uhlandstraße und auf dem Joachimstaler Platz seien zwar noch genehmigt. Scientology habe aber gegen Auflagen verstoßen und Heizpilze und Stühle aufgestellt. Diese Verstöße würden geahndet. Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin, warnt ebenfalls vor den Broschüren, deren Herkunft erst auf den dritten Blick zeigten, woher sie kämen: "Einziges Ziel der Kampagne ist es, neue Mitglieder anzuwerben." Als Versuch der Sekte, hier Fuß zu fassen, werten Berliner auch den Fragebogen "Oxford Persönlichkeits-Analyse", der ihnen kürzlich in den Briefkasten flatterte. Es handle sich "aus datenschutz- und persönlichkeitsrechtlichen Aspekten um ein höchst zweifelhaftes und weitreichendes Ausspähmanöver der Sekte, mit dem der unbefangene Antwortgeber zur Enthüllung sehr persönlicher Daten und auch finanzielle Details zur Vermögenssituation veranlasst werden solle", kritisiert ein Jurist.lr

Hamburger Morgenpost, 28.06.2008, OLAF WUNDER
SCIENTOLOGY Die miese Masche der Seelenfänger 
Dubiose Ausstellung verteufelt Arbeit der Psychiatrie - Sekten-Beauftragte Ursula Caberta "Alles Schwachsinn" 
Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern", heißt es im Internet-Lexikon "Wikipedia". Was da seit mehr als einer Woche im Haus Fuhlsbüttler Straße 129 passiert, ist eine Propaganda-Show erster Güte. Niemand hat die Chance, das Gebäude zu passieren, ohne dass sich ihm jemand in den Weg stellt, der fragt: "Darf ich Sie zu unserer Ausstellung einladen?" Und wer das - vielleicht aus Höflichkeit - nicht ausschlägt, geht nach einer Stunde raus mit Angst im Nacken. Ob er je einem Psychiater wieder vertrauen kann? Ob er künftig bei jedem Medikament, das der Arzt ihm verschreibt, denkt, er soll vergiftet werden? Scientology steckt dahinter. Aber keiner der Besucher merkt das. Veranstalter der Ausstellung "Psychiatrie - Tod statt Hilfe" ist offiziell die "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte", kurz: KVPM. Dass es sich dabei um eine Unterorganisation der Scientologen handelt, eine der gefährlichsten noch dazu, darauf wird nirgendwo hingewiesen. Gute Propagandisten lügen nicht, sie verzerren die Wahrheit, wie es ihnen gefällt. Und so schaffen es die Macher dieser Ausstellung, scheinbar schlüssig zu belegen, dass so ziemlich jedes Unheil der Menschheitsgeschichte die Schuld der Psychiatrie ist - einschließlich Bosnien-Krieg und Nationalsozialismus. Die Akteure sind schließlich entweder selbst Psychiater - wie der bosnische Kriegsverbrecher Radovan Karadzic - oder wurden von Psychiatern als Marionetten benutzt - gemeint ist Hitler. Der soll während des Ersten Weltkriegs an der Front von einem Psychiater behandelt worden sein. Dabei habe dieser dem späteren Diktator Allmachtsgefühle und Sendungsbewusstsein eingeimpft. Auch die Rassentheorien, die zum Mord an Juden und Behinderten führten, sind angeblich auf dem Mist der Psychiatrie gewachsen. Übrigens: Wer glaubt, Osama bin Laden sei schuld am 11. September, wird überrascht mit der Erkenntnis, dass auch hier ein ganz anderer die Fäden zog: Ayman al Zawahiri, ein - was auch sonst? - Psychiater. In ihrer Verschwörungstheorie versteigen sich die Scientologen zu der These, dass es seelische Erkrankungen wie Depression oder ADS gar nicht gibt, dass sie von Psychiatern nur erfunden wurden, damit die Pharmaindustrie und sie selbst damit Geld verdienen könnten. Medikamente werden pauschal als "Gift" verunglimpft - abgesehen natürlich von den Substanzen, die Scientologen empfehlen. Die heißen im Sekten-Jargon "Vitamine". "Alles Schwachsinn." Das ist der Kommentar von Ursula Caberta, Hamburgs Scientology-Beauftragter. Sie weiß gut, warum die Sekte so bissig wird, wenn es um Psychiatrie geht. "Einmal wohl, weil L. Ron Hubbard, der geisteskranke Gründer der Sekte, erfolglos von Psychiatern behandelt wurde." Noch wichtiger aber sei: "Die Psychiatrie wird als Konkurrent betrachtet." Eine Chance auf Seelenheil und Erleuchtung soll nur haben, wer Scientologe wird und für immer neue Kurse immer mehr Geld bezahlt. Neue Opfer zu finden, neue Mitglieder für die Sekte, das ist eins der Ziele, die mit dieser Ausstellung verfolgt werden. Deshalb: Wer am Ende des Rundgangs wie verlangt einen Fragebogen ausfüllt, sollte Vorsicht walten lassen. Besser das Feld mit Name und Anschrift offen lassen. Wer weiß, was sonst alles noch an Propaganda mit der Post kommt! Dieses Ladenlokal wurde für die Anti-Psychiatrie-Ausstellung angemietet. Veranstalter: die Scientology-Organisation KVPM
Ob das im Sinne von Ernest Hemingway wäre? Der Literatur-Nobelpreisträger, aber auch die Schauspieler Judy Garland, Raimund Harmstorf und Marilyn Monroe werden von den Machern der Ausstellung missbraucht. Von allen sind Porträtfotos zu sehen. Daneben finden sich Texte, in denen behauptet wird, Psychiater hätten sie in den Tod getrieben. Hollywood sei von der Psychiatrie regelgerecht infiltriert worden. Dazu passt, was sich vor drei Jahren Tom Cruise, die Galionsfigur der Sekte, erlaubte Er griff seine Kollegin Brooke Shields an, nachdem diese offenbart hatte, während ihrer Schwangerschaft ein Antidepressivum eingenommen zu haben. Cruise maßte sich an, sie dafür zu tadeln. Ganz im Sinne der Scientology-Ideologie sagte er, sie hätte stattdessen lieber "Vitamine" zu sich nehmen sollen. Die Öffentlichkeit war empört über Cruise' medizinische Ratschläge. Der "Top Gun"-Darsteller musste sich entschuldigen.

Frankenpost, 28.06.2008, Bate Franz
EX-SCIENTOLOGIN WIDMET SICH DER AUFKLÄRUNG Von der Hölle zur Helferin
Hof – Wenn Jeanette Schweitzer heute von ihrer Zeit als Mitglied bei Scientology erzählt, bekommt sie immer noch Bauchschmerzen oder Attacken von Übelkeit. Dabei sind seit ihrem völligen seelischen Zusammenbruch schon 16 Jahre vergangen. „Ich war nur noch ein Wrack“, sagt sie und streicht sich fröstelnd über die Arme, obwohl sie auf einer sonnigen Terrasse sitzt, vor dem Haus ihres zweiten Ehemannes im Landkreis Hof. Knapp zwei Stunden hat sie von ihrer schleichenden Entmündigung durch die Psycho-Sekte erzählt, in deren Fänge sie 1989 ahnungslos hineingeraten war. Damals, mit 37 Jahren, war Jeanette Schweitzer gerade frisch geschieden und arbeitete als Verwaltungsleiterin bei einer saarländischen Baufirma. Eine vermeintlich nette Kollegin – zu spät stellte sich heraus, dass sie Scientologin war – empfahl ihr einen Kommunikationskurs für Führungskräfte in Frankfurt. „Wie komme ich mit anderen besser aus?“ – an das Thema erinnert sich Jeanette Schweitzer noch sehr genau. Auch daran, dass auf der Arbeitsmappe der Name des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard stand. „Das sagte mir gar nichts. Das Haus war sehr hübsch und die Leute sehr charmant. Ich hatte gleich das Gefühl, die nehmen mich an, so wie ich bin“, erinnert sich die 56-Jährige. 350 Mark kostete der Kurs. Dass im Lauf ihrer dreijährigen Scientology-Karriere Kosten in Höhe von 160 000 Mark für Seminare, sogenannte Clearings und Auditings – eine Art Psycho-Verhöre zur „Seelenreinigung“ und zum internen Aufstieg auf der Scientology-Karriereleiter – fällig werden würden, ahnte sie damals nicht. Scientology war für sie eine unbekannte Größe. 
Unermüdlich unterwegs
Dass das heute anders ist, dazu hat Jeanette Schweitzer selbst maßgeblich beigetragen. Seit ihrem Ausstieg bei der Psycho-Sekte im Jahr 1992 ist die engagierte Frau unermüdlich unterwegs im In- und Ausland – in Schulklassen, bei Behörden, in Landtagen, bei der Polizei, bei Richtern und Staatsanwälten – und erzählt ihre Geschichte, klärt auf über das menschenverachtende System, das hinter Scientology steckt. „Wer mich anfragt, zu dem komme ich“, betont sie, obwohl das mitunter sehr anstrengend sei. Vor kurzem war sie in Tschechien, wo Scientology gerade die Religionszugehörigkeit beantragt hat. 
Wolf im Schafspelz
Die Aufklärung über die „Psycho-Mafia“, wie sie es nennt, ist ihr zur Lebensaufgabe geworden – obwohl sie als Bilanzbuchhalterin noch voll berufstätig ist. „Mehr als 600 Menschen“, betont Jeanette Schweitzer, „habe ich in den vergangenen 16 Jahren aus der Organisation herausbegleitet.“ Wie ein Wolf im Schafspelz verstecke sich Scientology hinter vermeintlich menschenfreundlichen Parolen oder Internet-Adressen – www.sag-nein-zu-drogen.de oder www.jugend-fuer-menschenrechte.de seien nur zwei Beispiele dafür. Letztendlich nutze die Organisation alle möglichen Ziele als Köder, um die Menschen völlig unter Scientology-Kontrolle zu bringen und sie – zum materiellen Nutzen der Organisation – bis aufs Blut auszusaugen. Jeanette Schweitzer selbst ist damals dem Scientology-Köder auf den Leim gegangen, ihre Person würde in einer Firma gebraucht, die nach „rein ethischen Prinzipien“ aufgebaut werden sollte. Damals sei sie intern schon als „Clear“ eingestuft gewesen – diese Stufe erreiche man, wenn man die Lehren Hubbards schon so weit verinnerlicht habe, dass man arbeite „wie eine gut geölte Maschine, perfekt funktionierend und sich selbst wartend“, zitiert Schweitzer die Definition eines „Clear“ aus dem Scientology-Dianetik-Buch. Schweitzer sollte als kaufmännische Leiterin einer Stahlbau-Firma in Stuttgart arbeiten und hat dazu ihre Heimat verlassen. Heute weiß sie: „Es gehört zur Taktik von Scientology, die Menschen aus ihren Lebenszusammenhängen mit Freunden und Verwandten herauszureißen.“ Damals ahnte sie nicht mal, dass die – inzwischen liquidierte – Firma zum scientologischen Unternehmensverband WISE gehörte. In ihrer Funktion sollte sie Geldentnahmen für polnische Schwarzarbeiter in großem Stil decken und sie sollte die Bilanzen um rund 12 Millionen D-Mark fälschen. Weil sie sich strikt weigerte, landete sie an den Wochenenden im britischen Saint Hill, im „Religious Education College“ von Scientology. Schweitzer nennt es Straflager, wo Menschen in subtiler Art und Weise solange gedemütigt werden, bis ihr Wille gebrochen ist. Auch sie hatte sich bald wie eine Fliege im Spinnennetz in der Scientology-Ideologie verfangen. Dazu kam eine von der „Org“ geforderte 60-Stunden-Woche, der ständige Druck, weitere teure „Ethik-Kurse“ zu besuchen, obwohl sie faktisch pleite war, und die Situation in der Firma, an der – wie man ihr einredete – sie selbst schuld sei. Der Nervenzusammenbruch ließ nicht mehr lange auf sich warten. 
Überzeugte Christin
Heute wandelt die ehemalige Scientologin auf neuen Wegen: Sie ist – wie übrigens viele Aussteiger – überzeugte Christin geworden. Dass sie über ihre Vergangenheit „ohne Angst“ sprechen kann, und dass sie immer wieder Kraft bekomme, andere Menschen über Scientology aufzuklären, verdanke sie „einem wunderbaren Gott und meinem Glauben, in dem ich mich sehr geborgen fühle“, sagt die 56-Jährige. Sie ist sich sicher: „Solange es Aufklärung gibt, wird Scientology in Europa nicht Fuß fassen.“

Tages-Anzeiger; 21.06.2008; Hugo Stamm
Mit den Scientologen an der Euro 
Die Scientologen nutzen das Fussballereignis für einen Missionsfeldzug und verteilen Abertausende von Broschüren.
Scientology ist Europameister im Trittbrettfahren. Dutzende von Sektenanhängern sind in den Fanmeilen unterwegs, um Broschüren zu verteilen und neue Mitglieder anzuwerben. Es werde die grösste Kampagne, «die wir je in der Schweiz oder sogar in Europa hatten», schreibt Scientology Zürich in einem Brief an ihre Mitglieder. Und erwartet von ihnen, dass sie 250 Franken oder mehr für die Aktion spenden. Um den Feldzug vorzubereiten, wurden «Euro-Meetings» organisiert. Dabei ging es um «Briefings mit anschliessendem Drilling». Das Motto: «Ein historischer Ort für einen historischen Event. Der endgültige Call-to-Arms an alle Schweizer Scientologen.» Frei übersetzt: An die Waffen! Die Einladungskarte trägt den Titel «Clear Schweiz», also klären wir die Schweiz. Die Scientologen wollen eine Million Broschüren mit dem Titel «Der Weg zum Glücklichsein» verteilen. Dabei handelt es sich um einen «Leitfaden zu besserem Leben» des Scientology -Gründers Ron Hubbard. Die Aktion ist verboten In der Broschüre findet sich kein Hinweis auf Scientology , dafür enthält es einen Spielplan. Das Ziel der Missionskampagne ist unmissverständlich: «Es ist d i e Gelegenheit, tausende Bücher zu verkaufen und unsere Orgs ( Scientology -Zentren, die Red.) mit neuen Leuten zu füllen und ein gutes Stück in Richtung ideale Org zu gehen», heisst es im Brief an die Zürcher Scientologen. Doch es ist verboten, auf öffentlichem Grund Bücher zu verkaufen. Sie wenden ein, die Hubbard-Werke den neuen Kunden erst im Zentrum schmackhaft zu machen. Doch auch damit benutzen sie den öffentlichen Grund indirekt als Verkaufsfläche.

Bieler Tagblatt, 17.6.08
Verboten sind sie nicht
Scientologen auf dem Walserplatz findet Stadtpräsident Hans Stöckli nicht gut. Die Scientologen auf der Bieler Fanmeile geben zu reden. Moralische Bedenken wischen die Bieler Behörden beiseite. (bjg) Die Städte Bern, Zürich und Solothurn wollen die Scientologen nicht auf ihren Fanmeilen. Anders Biel, wo diese auf dem Walserplatz Broschüren verteilen und einen Stresstest anbieten (BT vom Samstag). Warum wird in Biel toleriert, was andernorts nicht erwünscht ist? Was haben Gruppierungen wie Scientology auf einem Fussballfest zu suchen, wo Essen, Trinken und Feiern angesagt sind? Die Bieler Behörden, Gewerbe- und Stadtpolizei, das Stadtmarketing und der Organisator Peter Winkler winden sich um klare Antworten, moralische Bedenken werden beiseite gewischt. Verboten seien die Scientologen in der Schweiz nicht, sagt André Glauser, der Kommandant der Bieler Stadtpolizei. Solange diese nichts Verbotenes täten, gebe es keine rechtliche Handhabe, ihnen einen Stand auf der Fanmeile zu verwehren. Es liegt also in der Hand von Peter Winkler, mit welchen Standbetreibern er Verträge abschliessen will. Er hat das Gelände des Walserplatzes von der Stadt gemietet und von der Polizei eine Gesamtbewilligung für die Stände erhalten und er wäre frei gewesen, die Scientologen abzuweisen. Hat es nicht genug andere, passendere Bewerber für die Zelte auf der Fanmeile gegeben?

Berliner Zeitung, 13.06.2008, Jan Thomsen
Neue Leitstelle für Sektenfragen - Derzeit 100 Psycho-Gruppen 
Mit der Scientology-Sekte und rund 100 anderen Anbietern auf dem lukrativen Markt der "Lebenshilfe" wird sich in Berlin künftig eine neue Leitstelle für Sektenfragen befassen. Einen einzelnen Sektenbeauftragten oder eine Arbeitsgruppe Scientology, wie es sie in Hamburg gibt, habe man nicht einrichten wollen, sagte die Jugend-Referentin von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), Kirstin Fussan, gestern. Eine einzelne Person werde leicht zur Zielscheibe für Angriffe von Sektenvertretern, was die Aufklärungsarbeit erschwere. Die Leitstelle ist Ansprechpartner für betroffene Bürger (Telefon 90 26-55 74) und koordiniert mit ihren drei Mitarbeitern den Kontakt unter den Sektenexperten aller Senatsverwaltungen. Es gehe darum, Anfragen an die richtigen Stellen zu leiten, Broschüren bereitzustellen, für einen aktuellen Informationsstand in allen Behörden zu sorgen und die Verwaltungen zu vernetzen, hieß es. Derzeit melden sich in der Leitstelle täglich etwa drei bis vier Bürger mit ihren Fragen. Die Opposition von CDU und FDP im Abgeordnetenhaus warf der rot-roten Koalition gestern dennoch vor, kein Konzept gegen die Manipulationsversuche von Organisationen wie Scientology zu haben. Der Senat ergehe sich in "Absichtserklärungen", sagte Monika Thamm (CDU), der FDP-Innenexperte Björn Jotzo kritisierte fehlende Hilfsangebote im Internetauftritt des Senats.

Blick am Abend, 11.06.2008, Sarah Siedler
Auch Sekte nutzt die EM
Trittbrettfahrer - Die Scientology-Sekte verteil in der Fanmeile ihre Schriften
Fanmeile am Seebecken: eine gepflegte junge Dame verteilt "Spielpläne". Auf der Titelseite der Broschüre ein grosser Fussball. Darunter steht: Der Weg zum Glücklichsein". Im Inneren gibt es 21 Regeln für den Fussballfan; im täglichen Leben. Die Broschüre belehrt, wir sollen "aktiv, erfolgreich und dem Partner treu" sein. Was hat das mit Euro 08 zu tun?
Situation ausnutzen
Auf der ersten Seite, klein aufgedruckt, steht die Aufklärung: L. Ron Hubbard, der Gründer der Scientology-Sekte, hat diesen "Moralkodex" verfasst. Die Broschüre verspricht bessere Lebensqualität und Heil - wenn man sie weiterverschenkt: "Wenn sie dies fortgesetzt tun, steigern sie ihr Überlebenspotential enorm", verpricht Scientology (Starmitglied: Tom Cruise). Es gäbe sogar Rabatte für Gruppen, die es ermöglichen, die Broschüre auf breiter Basis in Umlauf zu bringen. Das heisst, die Broschüre kosten den Verteiler Geld: Lukrativ für die weltweit verbreitete Sekte. Setzen dir Scientology auf den Nachwuchs aus dem Kreis von Fussballfans? Nutzen sie die Euro 08 zur Bekehrung? Die Organisation war heute für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Tagesspielel, 10.06.2008, Claudia Keller
Hilfe für Scientology-Opfer
Belästigung durch Psychogruppen oder Scientology? Der Senat hat eine zentrale Beratungsstelle für Betroffene eingerichtet. Der Opposition ist das aber nicht genug.
Wer sich von Scientology oder anderen Psychogruppen belästigt fühlt, kann sich seit einer Woche bei der zentralen „Leitstelle zu Fragen zu sogenannten Sekten und Psychogruppen“ im Senat Rat holen. Die neue Anlaufstelle ist der Bildungsverwaltung unterstellt und beschäftigt drei Mitarbeiter, die aus Personenschutzgründen erst einmal anonym bleiben wollen. Die neue Leitstelle will Bürgern, aber auch Abgeordneten oder etwa Schulleitern „beratend“ zur Seite stehen und gleichzeitig Aktivitäten der verschiedenen Senatsbehörden im Zusammenhang mit der Beobachtung und Bekämpfung von Sekten bündeln. Laut Bildungsverwaltung gibt es rund 100 Anbieter auf dem Psycho- und Lebenshilfemarkt. Die Anlaufstelle richtet ihre Aufmerksamkeit aber auch besonders auf die Aktivitäten von Scientology. Die Einrichtung einer solchen zentralen Beratungsstelle für Sektenfragen im Senat war seit einem Jahr geplant. Anstoß dazu gab die Eröffnung der Hauptstadtrepräsentanz von Scientology im Januar 2007. Monika Thamm, der sektenpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, reicht die Einrichtung der zentralen Anlaufstelle aber noch nicht. Sie bemängelte gestern im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses, dass die neue Leitstelle keine Befugnisse habe und die Ratsuchenden auch wieder nur an andere Behörden in den Bezirken oder an die Polizei weitervermitteln könne. Die CDU fordert seit einem Jahr, dass in Berlin ein „Kompetenzzentrum“ Scientology eingerichtet wird nach dem Vorbild der „Arbeitsgruppe Scientology“ in der Innenverwaltung des Hamburger Senats. Die Arbeitsgruppe wird von der langjährigen Scientology-Expertin Ursula Caberta geleitet. „Eine Berliner Frau Caberta wird es nicht geben“, stellte Tom Schreiber klar, der Sprecher für Verfassungsschutzangelegenheiten in der SPD-Fraktion. Mit Scientology seien unterschiedliche Behörden und Senatsverwaltungen befasst, weshalb eine allzu große Zentralisierung nicht sinnvoll sei. Björn Jotzo, der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, kritisierte, dass der Senat immer noch zu wenig über Methoden und Ziele von Scientology aufkläre. Auch auf der Internetseite der Innenverwaltung finde man zu wenig Informationen und keine Hinweise auf konkrete Beratungsangebote. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wies die Kritik zurück, er sei für die Bekämpfung von Sekten oder Scientology nicht zuständig. Oder nur, soweit es den Verfassungsschutz betrifft. Scientology wird nach Auskunft des Innensenators seit einem Jahr vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Verfassungsschützer schätzen, dass die umstrittene Organisation in Deutschland 5000 bis 6000 Mitglieder hat und in Berlin 500.

rbbonline, 09.06.2008
Scientology wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Innere Sicherheit 
Ausschuss befasst sich mit Scientology Der Innenausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus befasst sich am Montag mit der umstrittenen Organisation Scientology. Der Senat hatte vor geraumer Zeit eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich um den Umgang mit der Organisation kümmern soll. Die Parlamentarier erhalten nun einen Bericht über Maßnahmen gegen die Organisation, die Anfang 2007 unbemerkt von Senat und Bezirk ihre Hauptstadtrepräsentanz in Charlottenburg eröffnet hatte. Scientology bezeichnet sich selbst als Religionsgemeinschaft. Kritiker sehen in der Organisation einen Sekten-Konzern, der seine Anhänger in psychische und finanzielle Abhängigkeit bringt. Seit 1997 wird Scientology vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet.

Berliner Zeitung, 24.05.2008, Frank Nordhausen
Stauffenberg in der Wüste 
Tom Cruise, das deutsche Feuilleton und Scientologen setzten große Hoffnung auf den Film über den Hitler-Attentäter - jetzt wurde der Kinostart erneut verschoben
BERLIN. Alles hätte so schön werden können. In wenigen Tagen sollte der mit Spannung erwartete Film über den Hitler-Attentäter Claus Stauffenberg mit Tom Cruise in die Kinos kommen. Der Hollywoodfilm, dessen Dreharbeiten im letzten Jahr für einige Aufregung in Berlin sorgten, sollte eine Stauffenberg-Welle ins Rollen bringen. Der Fernsehhistoriker Guido Knopp arbeitet an einer Dokumentation, ein Stauffenberg-Buch ist bereits erschienen und ein weiteres von Tobias Kniebe, namhafter Feuilletonist der Süddeutschen Zeitung, sollte zum Filmstart vorliegen. Doch nun sind all die Stauffenberg-Projekte erst einmal auf Eis gelegt worden, der Knopp-Film, das Kniebe-Buch und noch ein weiteres Buch werden erst im nächsten Jahr herauskommen. Der Grund: Obwohl die Kinos im März bereits Trailer zeigten, in denen Tom Cruise mit der Augenklappe auftrat, wurde "Walküre" über das missglückte Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 zum zweiten Mal verschoben. Er soll nun erst am 13. Februar 2009 anlaufen oder gar nicht in die Kinos kommen - und die Filmbranche rätselt, woran das wohl liegen mag. Angeblich ist der Film bei Testvorführungen in Hollywood total durchgefallen. "Walküre ist tot", schrieb daraufhin die Hollywood-Internetseite The Hot Blog. "Walküre ist eine der schlechtesten Filmideen, die es je gab", zitierte die New York Times einen Kritiker, der mit Tom Cruise in Wehrmachtsuniform nichts anfangen konnte. Um den 100-Millionen-Dollar-Film zu retten, würden jetzt Schlachtenszenen in der Wüste nachgedreht. Enttäuscht von den Deutschen Diese Entwicklung ist bitter für den 45-jährigen Cruise, der mit der Stauffenberg-Rolle wohl seine angeschlagene Karriere neu starten wollte. Auch als Produzent wird es schwierig für ihn, denn schon "Lions for Lambs", sein erster Film mit United Artists, war ein Flop. Zudem dürfte die verdeckte Agenda des Films Schaden nehmen: Offenbar wollte Cruise Sympathie für Scientology in Deutschland erzeugen, als er den deutschen Helden mit seinem Gesicht verband - dem des wichtigsten Werbeträgers der Sekte. Die gegenwärtigen Probleme lassen die Aufregung des Feuilletons um den Film im vergangenen Jahr als Farce erscheinen. Es ging darum, ob der Scientologe im Berliner Bendlerblock drehen dürfe, wo Stauffenberg erschossen wurde. Dafür kämpfte die Frankfurter Allgemeine, die sich zur Überschrift verstieg: "Deutschlands Hoffnung heißt Tom Cruise." Ein Hollywoodschauspieler könne der Welt zeigen, dass es in Deutschland Widerstand gegen Hitler gegeben habe. Der britische Tom-Cruise-Biograf Andrew Morton urteilte, die Intellektuellen seien auf Scientology hereingefallen, als sie Cruise lobten: "Bessere Reklame hätte sich die Sekte nicht wünschen können." Cruises Historienprojekt stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Erst wurden Komparsen verletzt, als sie von einem Film-LKW fielen, dann mussten die Hinrichtungsszenen wiederholt werden, weil die Negative beim Entwickeln beschädigt wurden. Es folgte die peinliche Vergabe eines "Bambis" an Tom Cruise für seine "Courage", Stauffenberg zu spielen. Nie zuvor war ein Repräsentant einer vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation derart geehrt worden. Dazu sagt der Burda-Sprecher Nikolaus von der Decken, der Vorschlag, Cruise den Courage-Bambi zu verleihen, sei "in den Diskussionen der Bambi-Jury" des preisstiftenden Burda-Verlages gereift. Die Idee stamme jedenfalls nicht vom FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der die Laudatio auf Cruise hielt. Inzwischen sind weitere Einzelheiten des Walküre-Drehbuchs bekannt geworden, dem Tobias Kniebe in der "Süddeutschen" nach dem Lesen einer Fassung vom Januar 2007 noch "historische Kompetenz" bescheinigt und prognostiziert hatte: "Es könnte ein großer Film sein. Vielleicht sogar ein Meisterwerk." Nun konnte Peter Steinbach, Wissenschaftlicher Leiter der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock, das Drehbuch in der Fassung vom Juni 2007 einsehen, und er kommt zu einer völlig anderen Bewertung: "Der Stauffenberg, den Cruise spielt, hat mit Deutschland so viel zu tun wie Graf Dracula mit Rumänien." So werde Stauffenberg laut Drehbuch von seinem Mitverschwörer Ludwig Beck eine Zyankali-Kapsel angeboten, die er ablehne. "Es ist perfide zu unterstellen, die Nazi-Gegner hätten sich durch Gift ihrer Verantwortung entziehen wollen", sagt Steinbach. "Sie haben im Gegenteil den Prozess genutzt, um den Machthabern die Wahrheit zu sagen." Im Filmtrailer explodiert die Bombe nicht in einer Baracke, sondern in einem Betonbunker. "Das ist Geschichtsfälschung", sagt Steinbach. "Im Bunker wären Hitler und alle anderen tot gewesen. Aber zufällig fand die Besprechung in einer Holzbaracke statt, deren Wände die Sprengwellen nicht halten." Steinbach, der die Dreharbeiten im Bendl erblock kritisiert hatte, sagt, er habe das Gefühl gehabt, deshalb "nach Scientology-Art" bis ins Private attackiert worden zu sein. Wie sehr es Tom Cruise mit dem Film um Scientology ging, schrieb die Hollywood-Insiderin Janet Charlton in ihrem Blog. Um die schlechte Meinung der Deutschen über die Sekte zu ändern, habe Cruise während des Drehs in Berlin seinen ganzen Charme aufgewendet. Doch sei er nach ihren Informationen "bitter enttäuscht", weil deutsche Politiker kurz nach seiner Abreise wieder ein Scientology-Verbot diskutierten. Diese Enttäuschung mag ein weiterer Grund dafür sein, dass die Premiere auf Februar 2009 verlegt wurde. Denn nun fällt sie mit den Filmfestspielen in Berlin zusammen, der wohl letzten Chance, etwas für den Film und für Scientology in Deutschland zu tun. Es kursiert das Gerücht, dass "Walküre" die Berlinale eröffnen soll. Deren Chef Dieter Kosslick sagte dazu nur: "Ich muss mir den Film überhaupt erstmal angucken."

Vienna online, 20.05.2008 
Wien: Scientology auf dem Vormarsch? 
In Mariahilf sorgt ein fragwürdiger Buchladen für Unmut.
In der Barnabitengasse ist Unruhe eingekehrt: Vor wenigen Wochen eröffnete hier „Ron’s Bookstore“. Nichts besonderes, denken Sie? Falsch, denn hierbei handelt es sich um keine gewöhnliche Buchhandlung. In diesem Buchladen werden ausschließlich Bücher von L. Ron Hubbard verkauft, dem Begründer der neuen religiösen Bewegung Scientology. Die Anrainer sind empört, und das nicht nur, weil sie eine Beeinträchtigung ihres Geschäfts befürchten. Händler und Anrainer sind besorgt Unter dem Deckmantel des Demonstrationsrechts wirbt das Unternehmen an starken Geschäftstagen auf offener Straße um Mitglieder und Kunden, wie einige Anrainer zu erzählen wissen. „Sie verwenden diese elektronischen Geräte, um den Stressfaktor der Freiwilligen zu ermitteln“, so der benachbarte Bettwaren-Händler Göran Gaertner. Die Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann versteht die Bedenken der Anrainer. Der Comic-Store gegenüber bangt beispielsweise um wichtige Kundschaft, da er berechtigte Befürchtungen hat, dass Kindern von ihren Eltern verboten werden wird, sich in der Nähe des „Scientology-Buchladens“ aufzuhalten. „Viele haben einfach Angst vor Scientology“, so Kaufmann. „Zwar ist alles was sie tun legal, aber ich werde dennoch versuchen mit Hilfe von Vereinen zur Sektenbekämpfung etwas zu erreichen.“ Steigende Scientology-Aktivitäten in Wien? Die Scientology wird es also nicht leicht haben, sich in Mariahilf zu etablieren. Versuche, Fuß zu fassen sind offensichtlich gleich mehrfach vorhanden. So erzählt beispielsweise eine Hausbewohnerin in der Barnabitengasse, dass die Bewegung dort kürzlich eine große Eigentumswohnung gekauft habe. Dort soll auch Nachts so viel Betrieb herrschen, dass schon mehrmals die Polizei gerufen werden musste.

Märkische Allgemeine, 20.05.2008, Ildiko Röd
Scientology im Schafspelz 
Stresstests sollen das Seelenheil fördern – fragt sich nur, von wem
Das Scientology-Buch dort, wo es unters Volk gebracht werden soll - auf der Brandenburger Straße. Foto: Christel Köster POTSDAM / INNENSTADT - Ein Sonntagnachmittag in der Brandenburger Straße. Die Sonne scheint, alles ist entspannt, bis ... „Hallo, wart’ mal, möchtest du vielleicht ’nen Stresstest machen?“ Die Fragerin ist eine junge Frau mit ermunterndem Blick, die auf einen Stand an der Familie Grün zeigt. Stresstest? Ja, verkündet sie. Sie hätte da einen tollen Test („Dauert nur zwei Minuten“), der über jegliches Stresspotenzial im Leben Auskunft geben könne. Und obendrein läge da ein super Mittel gegen Stress parat, sagt sie und deutet auf einen riesigen Bücherstapel. Der Umschlag zeigt einen feuerspeienden Vulkan; darüber in güldenen Lettern der Autorenname: „L. Ron Hubbard“, darunter: „Dianetik. Der Leitfaden für den menschlichen Verstand.“ Moment mal. L. Ron Hubbard von Scientology? Der behauptet, dass die Menschheit schon mal ausgerottet wurde? Und irgendwelches krudes Zeug mit Seelenwanderung? Solche Fragen findet die junge Dame gar nicht lustig. „Das ist alles eine Erfindung der Medien“, kontert sie patzig. Plötzlich ist der Stresstest kein Thema mehr. Eine zweite Chance bekommt man am folgenden Wochenende. Diesmal steht der Stand an der Ecke Brandenburger/Hermann-Elflein-Straße, aber mit einer anderen Dame. Jetzt darf man sogar an den Stresstest-Apparat. Der besteht aus zwei Metallröhren, die per Kabel mit einem kleinen schwarzen Messgerät verbunden sind. Man soll die Röhren in die Hand nehmen; sich dabei konkrete Lebenssituationen vorstellen. „Arbeit!“, gibt die Fragerin vor. Zwei, drei weitere Fragen, und der Fall ist klar: Der Zeiger am Apparat, der angeblich jeglichen Widerstand misst, schlägt nach rechts aus. Eindeutig; man ist ein gebeuteltes Stress-Opfer. Abhilfe könne natürlich Hubbards Buch bringen. Ach ja, und eine Spende für eine Anti-Drogenkampagne wäre auch schön. Auf dem Info-Heftchen steht: „Dieses Heft wird von der Church of Scientology International verlegt.“ Wenn man zehn Euro rüberreicht, kriegt man den Wälzer von Hubbard in die Hand gedrückt. Ob das Geld Kaufpreis oder Anti-Drogen-Spende ist, wird nicht so recht klar. Wohl aus gutem Grund: „In Berlin hat Scientology schon eine Abmahnung der Behörden bekommen, weil sie mit dem Verkauf des Buches an Sonntagen die gesetzlichen Ladenschlusszeiten unterwandert haben“, erläutert Michael Utsch, Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin. Immerhin hat man nun ein fettes Buch mit echt abgedrehten Thesen – samt vielen Adressen für Scientology-Anlaufstellen in ganz Europa!

Der Stern, 14.05.2008
Undercover-Journalist "Scientology will Berlin knacken"
Fünf Monate lang recherchierte der Journalist Fredy Gareis verdeckt bei Scientology. Ob auf Partys oder in den Drill-Kursen: Die versteckte Kamera war immer dabei. Im Interview mit stern TV erklärt Gareis, warum Deutschland für die Scientologen das wichtigste Operationsgebiet ist. Herr Gareis, vor einigen Wochen haben Sie Scientology wieder verlassen. Akzeptiert die Sekte Ihren Ausstieg? Überhaupt nicht. Ich bekomme noch immer täglich Anrufe. Das ist wie beim Angeln, mal geben sie etwas mehr Schnur und sind ganz verständnisvoll und freundlich. Und dann erhöhen sie wieder den Druck und die Frequenz der Anrufe. Was will Scientology noch von Ihnen? Ich soll unbedingt noch einmal in der Zentrale in Berlin vorbeischauen. Dort hofft man, mich doch noch umdrehen zu können. Inzwischen gehe ich aber nicht mehr an mein Telefon. Scientology soll an Deutschland das größte Interesse haben. Intern wird gesagt: "Wenn wir Berlin knacken, dann schaffen wir es überall." Hier ist man besonders ambitioniert. Deutschland gilt als das schwierigste Umfeld für die Sekte, nirgends gibt es größeren Gegenwind. Deshalb ist für Scientology ein Erfolg hierzulande auch wichtiger als in jedem anderen Land, das hätte einen enormen symbolischen Wert für die Organisation. Ende März stieg in Berlin eine große Party mit rund 250 Scientologen. Stimmt es, dass keine andere europäische Niederlassung so viel Zulauf wie Berlin hat? Da bin ich mir nicht sicher. Das kann auch Propaganda nach innen sein, um die Mitglieder zu motivieren. Die Kursräume, in die ich einen Blick werfen konnte, waren nie voll. Allerdings habe ich einige Neu-Mitglieder gesehen. Erschreckend war, wie viele Kinder in der Zentrale herumliefen. Richtig unheimlich fand ich es, wenn die Acht- bis Zehnjährigen dort an diese E-Meter angeschlossen und ausgefragt wurden. Was ist die wichtigste Rekrutierungsmethode für Scientology? Extrem wichtig sind die Stände auf der Straße. Dort werden an einem Tag bis zu 200 Kontakte gemacht, d.h. die bringen 200 Menschen täglich dazu, einen sogenannten Stresstest zu machen und Adressen zu hinterlassen. Gibt es eine bestimmte Klientel, die auf diese Masche hereinfällt? Es wäre ein großer Fehler zu glauben, dass z.B. nur labile Menschen in die Fänge der Sekte geraten. Scientologen versuchen, bei einem eine entscheidende Schwäche zu finden und dann eine Lösung anzubieten. Dafür ist grundsätzlich jeder anfällig, denn wer will nicht sein Leben verbessern? Haben Sie auch an sich Veränderungen festgestellt, obwohl Sie von Anfang an nur zu Recherchezwecke bei Scientology waren? Bei mir hat sich zu meinem eigenen Erstaunen ein Wettbewerbsgedanke entwickelt: Ich ertappte mich dabei, auch diese blöde "Brücke der Erleuchtung" erreichen zu wollen. Nach den Kursen fragte ich mich manchmal: "Verdammt, warum bin ich noch nicht höher gekommen?" Außerdem übernimmt man irgendwann diese typische Propagandasprache: Zum Schluss habe ich auch privat von "Kirche" und "Religion" gesprochen - obwohl ich weiß, dass die Begriffe nicht zutreffen. Haben Sie in den Kursen, die Sie bei Scientology belegten, etwas Sinnvolles gelernt? Da werden überwiegend Banalitäten verbreitet, gespickt mit Lektionen wie "Lass Dich kontrollieren", die natürlich im Sinne der Organisation sind. Ich kann verstehen, wenn diese Kurse attraktiv auf manche Menschen wirken, weil sie auf ein besseres Leben abzielen. Die Kosten sind anfangs verhältnismäßig niedrig und steigen dann kräftig. Man muss eine Menge Geld und Zeit investieren, um auf der "Brücke der Erleuchtung" voranzukommen. Man wollte Ihnen weismachen, dass sie später einmal Krankheiten wie Krebs heilen können? Ja, man hat mir auch voller Ernst erzählt, dass ich ab einem gewissen Status ins All fliegen kann. Man müsse ja nicht nur die Erdenbürger erlösen, sondern auch Milliarden von Außerirdischen. Aber die Anhänger von heute glauben doch nicht mehr wirklich an die Geschichten des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard, demzufolge ein intergalaktischer Herrscher names Xenu vor Millionen von Jahren sogenannte Thetane mit Wasserstoffbomben in die Luft gejagt hat? Lachen Sie nicht, das ist unheimlich. Dieser Gründungsmythos soll der Organisation wohl einen religiösen Anstrich geben. Daran glauben die wirklich, auch wenn es keiner Logik folgt. Scientologen können ihren Verstand völlig ausschalten, funktionieren wie Roboter und sind immun gegen jede Kritik oder skeptische Fragen. Zu Xenu allerdings kann Ihnen die Mehrheit der Mitglieder nichts Näheres sagen, weil sie noch nicht den Status erlangt haben, mit dem sie in dieses Wissen eingeweiht werden. In einem Interview mit stern TV hat die deutsche Scientology-Pressesprecherin gesagt: "Wir werden mit Sicherheit nicht an Menschen herantreten und behaupten, wir können heilen." Die interne und die externe Kommunikation ist komplett unterschiedlich. Ein weiteres Beispiel: Offiziell strebt Scientology keinen Einfluss in der Politik an – aber intern heißt es, man müsse "Straßen in den Bundestag bauen". Bei Scientology hat man mir sogar stolz erzählt, dass man schon wichtige Politiker gewonnen hätte, die würden nur noch auf ein Signal warten, um sich öffentlich zu bekennen. Scientology ist bekannt dafür, nicht gerade zimperlich mit Kritikern umzugehen. Was befürchten Sie nach Veröffentlichung Ihrer Geschichte bei stern TV und im stern? Gewöhnlich geht die Organisation aggressiv in einen persönlichen Angriff über. Vielleicht wird man versuchen, mich zu diffamieren, vielleicht hat man aus den fünf Monaten Erkenntnisse über mich, die sich für eine öffentliche Schmutzwäsche eignen. Andererseits böte sich jetzt die Gelegenheit für eine kritische Auseinandersetzung. Ich glaube, Scientology wird hierzulande nicht allzu großen Ärger in der Öffentlichkeit riskieren wollen. Dafür ist der Standort Deutschland einfach zu wichtig.

Berner Zeitung, 08.05.2008, st
Die Sekte macht Druck - Schweizer Bibliotheken geraten ins Visier von Scientology. 
Die Sekte versucht Einfluss auf die Bestände zu nehmen. Zahlreiche Bibliotheken erhielten in den vergangenen Wochen dicke Pakete mit Schriften von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard zugeschickt. Darunter auch eine Bibliothek in Solothurn. 18 Bücher von L. Ron Hubbard, Gründer und Aushängeschild von Scientology, wurden unbestellt aus Dänemark angeliefert. «Nach der Post kamen die Anrufe», sagt eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Mehrmals hätten sich Vertreter von Scientology gemeldet und die Angestellten dazu aufgefordert, die einschlägigen Schriften in den Bestand aufzunehmen. Schliesslich seien zwei Scientologen unangemeldet in der Bibliothek aufgetaucht und hätten die Mitarbeiter unter Druck gesetzt. «Wir haben die Bücher weggeworfen und Scientology schriftlich mitgeteilt, dass wir keinen Kontakt mehr wünschen», sagt die Mitarbeiterin. Auch Bern ist vom «Werbefeldzug» betroffen: Gleich zwei 16-Kilo-Pakete hat die Universitätsbibliothek kürzlich von Scientology erhalten. Stösst die Organisation in den Katalogen auf Scientology-kritische Bücher, beschwert sie sich bei den Bibliotheken und spricht von «Diskriminierung». Der Schweizer Bibliotheksverband verurteilt die Methoden und spricht von einer «gewissen Verunsicherung» bei der Basis. Für Scientology ist alles nur ein Missverständnis

Tagesanzeiger 07.05.2008
Leserbrief zu: Scientology hält Zürcher Sektenberatungsstelle in Trab.
Auch bei der Selbsthilfegruppe SADK Schweiz sind Anfragen zu „ Scientology“ ein Dauerbrenner.. Die Schweiz. Arbeitsgemeinschaft gegen destruktive Kulte besteht nun über 20 Jahre, gegründet von Eltern , deren Kinder in Sekten leben. Diese durchleben seit vielen Jahren ein Wechselbad der Gefühle, denn es gibt nichts Schlimmeres als die Ungewissheit. Ueber 80 verschiedene Gruppierungen , weltweit agierend sind bei uns im letzten Jahr bekannt geworden. Es geht dabei nicht um Glaubensinhalte, sondern um die Methoden ,die die Kulte anwenden. Die Angehörigen sind es, die um Rat bitten, denn Sektenmitglieder haben kaum die Möglichkeit, an eine Beratungsstelle zu gelangen. Sie leben meist abgeschottet, überwacht und ohne Kontakt zu den Eltern. Durch Zufall erfahren sie oft, dass sie ja in einer Sekte leben, ein Aushang an einem Kiosk ,kann sie darauf ansprechen. Erst wenn der Leidensdruck sehr gross, zu gross wird, werden sie mit letzter Kraft versuchen auszubrechen. Wem das gelingt, der hat noch mal Glück gehabt. Dann braucht es eine lange Zeit von Aufarbeitung der Vergangenheit. 
Für den Vorstand 
SADK Schweiz 
Sophie Meier

Sueddeutsche.de, 06.05.2008
Verfassungsschutz darf Scientology überwachen 
Seit elf Jahren überwacht der Verfassungsschutz Scientology wegen Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung - und darf das auch weiter tun. Die Organisation hat eine Beschwerde dagegen zurückgezogen.
Das Urteil zur Überwachung der Scientology-Organisation mit nachrichtendienstlichen Mitteln durch den Verfassungsschutz ist rechtskräftig. Scientology habe seine Beschwerde gegen eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) für Nordrhein-Westfalen zurückgenommen, teilte das Gericht am Dienstag in Münster mit. Die OVG-Richter hatten im Februar dem Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln die Fortsetzung der seit 1997 dauernden Beobachtung erlaubt und keine Revision zugelassen. Scientology bezeichnet sich selbst als Kirche, wird von Kritikern aber als gefährliche Sekte angesehen. Scientology hatte gegen das OVG-Urteil am 26. März eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingelegt. Über die Gründe für die Rücknahme der Beschwerde wurde zunächst nichts bekannt. In der Urteilsbegründung vom Februar hatten die Münsteraner Richter angeführt, Scientology und die Mitglieder verfolgten nach wie vor Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet seien. Die Organisation strebe eine Gesellschaftsordnung an, mit der zentrale Verfassungswerte wie die Menschenwürde und das Recht auf Gleichbehandlung außer Kraft gesetzt oder eingeschränkt werden sollten, hieß es damals weiter. Dies ergebe sich aus teilweise nicht zugänglichen Schriften, aber auch aus Aktivitäten von Scientology. Scientology wird in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt. Sekten-Experten werfen der Organisation vor, ihre Anhänger psychisch und finanziell abhängig zu machen.

20min.ch, 19.04.2008
Frontalangriff auf Scientology
Nach 12 Jahren Mitgliedschaft und rund einer Million Dollar für Kurse stieg er zum Sprecher von Scientology auf. Jetzt ist Jason Beghe der erste Prominente, der ausgestiegen ist - und die Organisation heftig angreift und Sekten-Interna ausplaudert. Auf Youtube ist ein Kampf um das Video entbrannt. «Nach meiner persönlichen Erfahrung ist Scientology zerstörerisch und eine Abzocke. Und es ist sehr, sehr gefährlich.» Das sagt nicht irgendwer, das sagt einer, der einst Sprecher von Scientology war. In einem Youtube-Video packt Schauspieler Jason Beghe («CSI», «Cane») aus und spart nicht mit Kraftausdrücken. Er investierte rund eine Million Dollar und stieg binnen zwölf Jahren Mitgliedschaft in die oberste Riege der Sekte auf, in der es viele Prominente zu höheren Würden geschafft haben. Doch gebracht hat es ihm nach eigenen Angaben nichts - im Gegenteil: Die Kurse würden die spirituelle, psychologische und mentale Gesundheit und Entwicklung gefährden. «Ich denke, Scientology behindert die persönliche Entwicklung», sagt Beghe. Er sei vor sieben Monaten ausgestiegen, sagte er dem Magazin «Village Voice». Eingeführt worden sei er vom Partner von Promi-Mitglied Jenna Elfman. Zunächst sei er begeistert von den Therapien und «Auditings» (eine Art geführte Beichte, Kritiker sprechen von Gehirnwäsche) gewesen. Dann sei er von den immer neuen und teuren Kursen frustriert gewesen, die zum Erreichen eines höheren «Levels» und zum Aufsteigen in der Hierarchie absolvieren musste. Experten glauben, dass die öffentliche Demontage von Scientology - noch dazu durch ein einstiges Vorzeigemitglied - der Organisation schweren Schaden zufüge. «Jeder, der aus der Scientology-Szene aussteigt, ist ein herber Verlust für die Organisation. In diesem Fall ist der Schaden jedoch gewaltig», sagte Ursula Caberta von der Arbeitsgruppe Scientology in Hamburg gegenüber Spiegel Online. Der Schauspieler werde jetzt zum Feind erklärt und könnte dadurch fertiggemacht werden, indem ihm Rollenangebote entzogen werden. Bislang ging Scientology wie gewohnt vor - mit der rechtlichen Keule. Das seit einiger Zeit im Internet kursierende Video wurde am Donnerstag vom Scientology-Kritiker Mark Bunker («XenuTV») hochgeladen und von Youtube gleichentags wieder entfernt. Samt dem Account von Bunker. Doch Scientology hat die Rechnung oder die Youtube-Community gemacht. Dutzende weitere User haben das Video flugs wieder hochgeladen. Wenn man heute nach «Beghe» sucht findet man zehn Seiten Suchergebnisse, die zum Video führen.

Berliner Zeitung, 17.04.2008, Frank Nordhausen
Wie eine Sekte Arbeitslose rekrutiert, Polizei schließt Zentrale der Scientology in Brüssel
BERLIN. Für Scientology galt Deutschland lange als Feind Nummer eins. Inzwischen hat Belgien diese Stelle übernommen. In der Nacht zum vergangenen Freitag durchsuchte eine Polizei-Sondereinheit die belgische Zentrale der Sekte in der Rue Mac Arthur in Brüssel. Sie transportierte "mehrere Lastwagen mit Akten" aus dem Gebäude, wie Medien berichteten. Anlass war eine neue Methode der Sekte, Mitglieder zu rekrutieren. "Sie haben in Vitrinen ihrer Niederlassung Aushänge gemacht, dass sie Personal suchen", sagte ein Geschädigter. Doch statt Geld habe es Scientology-Kurse gegeben. Auch in mehreren Brüsseler Zeitungen sollen die Jobangebote, die keine waren, in Kleinanzeigen aufgetaucht sein - mit der Überschrift "Wir stellen ein." Stellten sich die Arbeitssuchenden vor, wurde ihnen ein "Eignungstest" mit 200 Fragen vorgelegt, wie ihn Scientology seit mehreren Jahrzehnten für die Anwerbung verwendet. Wie die Zeitung La Libre Belgique schreibt, unterzeichneten die Arbeitslosen dann einen Arbeitsvertrag, ohne Gehalt, aber mit der Verpflichtung, an einem Scientology-Kurs teilzunehmen, vage Versprechungen für eine echte Arbeit inbegriffen. "Das ist wohl die perfideste Art, Mitglieder zu rekrutieren, indem man die Schwäche von Arbeitslosen ausnutzt", sagt die Hamburger Scientology-Beauftragte Ursula Caberta. "Das haben wir in dieser Dreistigkeit noch nicht erlebt." Intime Dossiers Die Brüsseler Scientology-Chefin Miyriam Zonnekeyn räumte ein, dass man mit dem Formular "etwa 100 Personen" rekrutiert habe, aber es gebe keinen Zusammenhang mit Stellenanzeigen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Scientologen, deren Mitgliederzahl in Belgien auf 5 000 geschätzt wird, nun Betrug, Urkundenfälschung und sittenwidrige Verträge vor. Sie stellte auch Computer sicher und ließ die "Kirche" anschließend versiegeln. Die Durchsuchung steht im Zusammenhang mit zehnjährigen Ermittlungen gegen die Sekte in Belgien, einem der aufwändigsten Justizverfahren des Landes. Bei Razzien in mehreren Scientology-Einrichtungen 1999 wurden tausende persönliche Dossiers über Scientology-Anhänger, Beamte, Politiker und Journalisten beschlagnahmt. Darin gab es auch medizinische Informationen über die Betroffenen, Berichte über ihr Sexleben, Angaben über ihre Familien und "Geständnisse", die mit dem Einsatz eines Lügendetektors erzielt wurden. Seit dem Abschluss einer Enquête-Kommission des Parlaments 2001 bereitet Belgien Anti-Sekten-Gesetze nach dem Vorbild Frankreichs vor, das 2001 weltweit erstmalig "Gehirnwäsche" unter Strafe gestellt hatte. Die belgische Justiz hat schon gehandelt. Vor sechs Monaten erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Scientology und zwölf führende Scientologen. Scientology sei eine kriminelle Vereinigung, die sich krimineller Methoden wie Erpressung, Verletzung der Privatsphäre, illegaler medizinischer Praktiken und Betrugs bediene. Bei einer Verurteilung kann der Sekte in Belgien ein Verbot drohen.

The Inquirer, 16.04.2008, Bernd Kling
Tod nach Scientology-Test
Kaja Bordevich Ballo, die 20-jährige Tochter eines bekannten norwegischen Politikers, brachte sich um. Wenige Stunden, nachdem sie in eine Anwerbefalle der Sekte geraten war. Sie studierte in Südfrankreich an der Universität von Nizza. Nach dem Suizid fand ihre Familie einen von ihr absolvierten „Persönlichkeitstest“, wie ihn die Scientology-Organisation zur Anwerbung neuer Mitglieder einsetzt. Der Zeitstempel verriet, dass der Test und die „kirchliche“ Analyse ihre Persönlichkeit am Tag ihres Todes stattfanden. Diese Scientology-Tests fanden bereits Eingang in die Populärkultur von Southpark. Folge 912 stellte anschaulich dar, wie aus den naheliegenden Antworten auf Fragen wie „Bist du manchmal traurig?“ eine vernichtende Psycho-Diagnose geliefert wird, um anschließend „kirchliche“ Heilung gegen hohe Kostenbeiträge in Aussicht zu stellen. Wenn jemand einen besonders schlechten Tag hat, sollte er wohl besser nicht in eine solche Missionsfalle geraten. Und wenn sich jemand in einer persönlichen Krise befindet, könnte es ihm den Rest geben. Wie war das noch mit dem scheinheiligen Sektenprediger Tom Cruise, der sich in einem Schulungsvideo von Scientology als einziger Retter präsentierte: „Wenn man ein Scientologe ist und an einem Unfall vorbeikommt, dann ist das nicht wie bei jedem anderen. Während man vorbeifährt, weiß man, dass man etwas tun muss, einfach weil man weiß, dass man der einzige ist, der helfen kann.“ Für Kaja Bordevich Ballo bedeutete Scientology das genaue Gegenteil. Sie erreichte ein sehr niedriges Ergebnis bei diesem „Persönlichkeitstest“, kehrte in ihr Studentenwohnheim zurück und sprang aus dem Fenster. Der 19-jähriger Kommilitone Henrik Møinichen erinnert sich, wie er an Kajas Todestag mit ihr zur Universität ging: „Ich hatte den Eindruck, dass sie wie immer war. Sie nahm an der Uni teil wie üblich, redete und war guter Dinge.“ Danach wollte sie noch Kleidung kaufen und lief dabei offenbar den Anwerbern der Sekte über den Weg, um bis zu ihrem Tod nicht mehr gesehen zu werden. Die Polizei von Nizza ermittelt.

Pressemitteilung, 11.4.2008
Verein gegen Scientology gegründet. 
Kompetenzzentrum in Berlin geplant. 
Pressemitteilung Verein gegen Scientology gegründet Marcab e.V. ist ein Verein der mit dem Hintergrund einer Gemeinnützigkeit gegründet wurde und die Öffentlichkeit über die Scientology-Organisation informiert und Betroffenen Unterstützung bietet. Weiterhin plant Marcab e.V. ein Kompetenzzentrum in Berlin zu gründen um eine konstante Beratungsstelle die sich ausschließlich mit Scientology beschäftigt in der Bundeshauptstadt einzurichten. Hintergrund: Mitte Januar 2008 haben sich anonyme Internerbenutzer, die sich schlicht Anonymous (dt.: Namenlos) nennen, zu einer weltweiten Bewegung gegen die Scientology-Organisation zusammengeschlossen. Auslöser war die Zensur eines Videos, in dem der Schauspieler und Scientologe Tom Cruise in verwirrender und beängstigender Weise über Scientology schwärmte. Die sich anfangs auf das Internet beschränkende Bewegung unter dem Namen Projekt Chanology erfuhr regen Zulauf und schon nach einem knappen Monat wurde öffentlich vor 108 Scientology-Gebäuden in 17 Ländern demonstriert. Um die Ziele der Bewegung und die Bewegung selbst langfristig effektiv unterstützen zu können wurde Marcab e.V. gegründet. Scientology betreibt humanitäre Kampagnen (z.B. Drogenentzug - Narconon - oder Nachhilfestunden), die dem Anwerben neuer Mitglieder dienen. Dass sich Scientology dahinter verbirgt ist meist erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Scientology unterwandert Firmen indem bspw. "Managementkurse" angeboten werden um so die Führungskräfte von Firmen für Scientology zu gewinnen. (WISE-Firmen) Ein Ausstieg aus der Scientology-Organisation ist aufgrund von Repressalien sehr schwierig und oft ohne fremde Hilfe nicht möglich. Marcab e.V und seine Aufgaben: Marcab e.V. informiert über die wahren Hintergründe solcher Kampagnen und vermindert so das Risiko unwissend in die Organisation zu geraten. Marcab e.V. bietet Firmen Informationen über die Praktiken der Scientology-Organisation, die der Unterwanderung der Wirtschaft dienen. Marcab e.V. unterstützt Menschen, die der Organisation entkommen wollen und vermittelt Kontakte zu Aussteigerprogrammen. Marcab e.V. bietet Seminare in Schulen sowie Firmen an um diese vor einer Unterwanderung durch Scientology Organisationen zu schützen. 
Für weitergehende Informationen besuchen Sie unsere Webpräsenz: 
www.marcab-ev.org
Marcab e.V. Postfach 1203 15202 Frankfurt (Oder) Tel:0176 - 96 788 186 Marcab.ev@googlemail.com Impressum: Marcab e.V. Postfach 1203 15202 Frankfurt (Oder) Kontakt: marcab.ev @ googlemail.com Vereinsregister-Nr.: Verein in Gründung - Nummer wird noch zugewiesen Inhaltlich Verantworlich gemäß §5 TMG: Marcab e.V.

20minuten, 02.04.2008, Manuel Bühlmann
Attackiert Scientology Epileptiker?
Mehrere Personen erlitten epileptische Anfälle, nachdem sie beim Surfen im Internet auf einen manipulierten Link klickten. Die verdächtigte Hackergruppe weist die Schuld von sich und schiebt den Schwarzen Peter Scientology zu. «Die Seite wurde von Scientology selbst angegriffen», steht in einem Mail an die Redaktion von 20minuten.ch geschrieben. Verfasst wurde es von einem gewissen «Anon», einem deutschen Mitglied der Hackergruppe Anonymous. Die Vorwürfe, dass Anonymous hinter den fiesen Attacken auf die Webseite der gemeinnützigen Epilepsy Foundation stehe, will er nicht auf sich sitzen lassen: «Wir haben die Seite niemals angegriffen und wir verurteilen solche Taten und die Betroffenen haben als Unschuldige in diesem Protest unser Mitgefühl.» Die Mitglieder von Anoymous und Scientology liegen sich seit Monaten in den Haaren. Die global operierende Hackergruppe erklärte Mitte Januar der Sekte den Krieg und verübte mehrere Cyber-Attacken auf Scientology-Server. Im Internet werden im Namen von Anonymous in Text und Bild Hassbotschaften verbreitet. Am 10. Februar versammelten sich in verschiedenen Grossstädten rund um den Erdball Scientology-Gegner, um gegen die Sekte Dampf abzulassen. Hacker im Dienste von Scientology? Die Sympathisanten von Anonymous gerieten daraufhin selbst ins Visier von Scientology. So wurden die Demonstranten von Sekten-Mitgliedern fotografiert und gefilmt. Ausserdem soll entlarvten Mitgliedern von Anonymous das Leben schwer gemacht worden sein: «Sektenmitglieder haben es bereits mit falschen Bombendrohungen und selbstverschickten Anthraxbriefen probiert, sie bedrohen jeden Anon, dessen Adresse sie rausgefunden haben und erzählen ihren Familienmitglieder Lügen über sie», behauptet der Verfasser des Mails, der seine Identität geheim halten will. «Scientology besitzt eine Reihe gut ausgebildeter Hacker die schon mehrfach unsere Protestseiten attackiert und ausgeschaltet haben», schreibt Anon weiter. Scientology wehrt sich «Die Vorwürfe sind vollkommen an den Haaren herbeigezogen», sagt Jürg Stettler, Pressesprecher von Scientology Zürich auf Anfrage von 20minuten.ch und ergänzt: «Wir haben keine Ahnung, wer sich hinter Anonymous verbirgt. Es ist keine Struktur erkennbar, man weiss nicht, mit wem man es zu tun hat.» In letzter Zeit komme es immer wieder zu Attacken auf Scientology-Server, im Internet würden gezielt Lügen über Scientology gestreut und Drohungen ausgesprochen: «Dies ist Cyberterrorismus pur und wird ja in den USA auch strafrechtlich verfolgt. Es ist ja das Prinzip, das viele innerhalb Anonymousanonym bleiben, um nicht für deren kriminelle Taten geradestehen zu müssen. Da gehört nun auch noch Ehrverletzung dazu, wenn sie uns diese Epilepsiestory andrehen wollen. Dies ist schlicht und einfach kriminell, aber typisch, dass solche Vorwürfe anonym erfolgen», enerviert sich Stettler. Todes- und Bombendrohungen Seit der ersten Cyberattacke am 17. Januar dieses Jahres erreichten Scientology laut eigenen Angaben in weniger als drei Wochen 8139 schikanierende oder drohende Anrufe, 3 674 221 bösartige E-Mails und 141 880 937 Anschläge gegen Scientology Websites. Ausserdem sollen 10 Vandalismus-Akte gegen Scientology-Gebäude verübt worden sein und 22 Bombendrohungen sowie acht Todesdrohungen gegen Mitglieder und Vertreter von Scientology ausgesprochen worden sein. Anonymous versus Scientology Mitte Januar erklärte die Hackergruppe «Anonymous» der Scientology-Sekte offiziell den Krieg. Das erklärte Ziel der anonymen Hacker ist es, Scientology aus dem Internet auszustossen und die umstrittene Sekte in ihrer gegenwärtigen Form systematisch aufzulösen. Gezielt wurden Server attackiert, Protestkundgebungen organisiert und Drohungen im Internet publiziert. Die nächste Protestaktion soll am 12. April über die Bühne gehen.

DIE ZEIT, 20.03.2008, Nikolaus Jilch
OT 8 antwortet nicht 
Scientology ist eine Gefahr. In Österreich allerdings nur für Verstand und Geldbörsen seiner wenigen Mitglieder Den Persönlichkeitstest gibt es auch zum Mitnehmen. Jeder kann ihn bequem bei sich daheim ausfüllen. 200 Fragen stehen da auf einigen pinkfarbenen Blättern. Keine Spur von der pompösen Hochglanzästhetik, die Scientology sonst bevorzugt. Dafür ist der Test gratis und das Ergebnis vorherbestimmt: »Sie haben ein Problem.« Mindestens. Aber keine Sorge, Scientology hat die Lösung. Gegen entsprechende Spenden, versteht sich. Angelika Thonauer protestiert. »Bei mir wurden damals gar keine Probleme festgestellt«, berichtet sie von ihrem ersten Kontakt mit der Sekte. Die fotoscheue Werbekauffrau mit den langen dunklen Haaren ist seit 15 Jahren Scientologin und eine von zwei Pressesprecherinnen der Organisation in Österreich. Sie hat auf jeden Vorwurf die passende Antwort, meist behauptet sie schlicht das Gegenteil. Scientologen bevorzugen ein simples Freund-Feind-Schema. »Entweder bist du für uns oder gegen uns«, so lässt sich die jüngst veröffentlichte Internetpredigt von Tom Cruise zusammenfassen, dem weltweiten Aushängeschild der Sekte. In Deutschland, wo der Filmstar zuletzt seine Missionstätigkeit konzentrierte, nähren solche Aussprüche alte Sorgen. Seit zehn Jahren beobachtet der Verfassungsschutz der Bundesrepublik die Organisation, weil er sie für »demokratie- und verfassungsfeindlich« hält. Regelmäßig warnen deutsche Politiker und Experten vor den Verführern. In Österreich hingegen besticht die Sekte mehr durch ihren klingenden Namen denn durch Präsenz. An einem weltweiten Protesttag gegen Scientology, dem 10. Februar, tauchten auch vor der Wiener Zentrale Demonstranten auf: Gezählte zwölf Sektengegner waren gekommen. Diese Zahl entspricht der Bedeutung von Scientology in Österreich. Pressesprecherin Thonauer spricht zwar von »5.000 bis 7.000 Mitgliedern«. Sektenexperten und Behörden gehen aber von höchstens 500 aktiven Scientologen in Österreich aus. »In absoluten Zahlen klingt das wenig, aber im Vergleich zu anderen Sekten ist Scientology immer noch im Spitzenbereich«, behauptet Martin Felinger von der Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren in Wien. Die Scientologen gelten als Meister der Reklame. Dafür zuständig: das Office of Special Affairs (OSA), Propagandaministerium im Staate Scientology, das kiloweise Hochglanz-Werbematerial produziert. Angelika Thonauer ist die OSA-Residentin in Österreich. Als Kämpfer gegen Drogen, gegen Leid und für den Weltfrieden – so will sich Scientology der Öffentlichkeit verkaufen. »Weltfrieden? Wohl eher Weltherrschaft«, sagt Wilfried Handl und lacht. Der 53-jährige Wiener war 28 Jahre lang in der Sekte. Dann wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Die Nähe zum Tod ließ ihn das System erstmals hinterfragen. Er stieg aus, schrieb ein Buch und ist heute der Kronzeuge gegen Scientology im deutschsprachigen Raum. Immerhin war er einmal Chef der Organisation in Wien. Handl sagt heute, dass er ein »Parteisoldat in einem faschistischen System« war. »Ich habe Menschen von Scientology abhängig gemacht, habe sie genötigt, Kurse zu besuchen und viel Geld dafür zu bezahlen«, gesteht er. In Österreich ist die Organisation weder eine anerkannte Religions- noch eine Bekenntnisgemeinschaft, sondern lediglich der eingetragene Verein Scientology Kirche Österreich, Capistrangasse 4 in Wien-Mariahilf, gegründet am 31. März 1971, Vereinsregister-Zahl 028678946. Der Empfangsraum der »Kirche« sieht aus wie eine schlecht sortierte Buchhandlung. So als habe nur ein Mensch jemals Bücher geschrieben: Lafayette Ron Hubbard, Erfinder von Scientology, gestorben 1986. »Was Sie hier sehen, sind Neuübersetzungen, gerade erst erschienen«, sagt Thonauer. Bunt, protzig und sehr amerikanisch kommen die Titel daher. Für Scientologen ist der Vielschreiber »L. Ron« die zentrale Bezugsperson. Schon in seinem ersten Buch, Dianetik, behauptete er, alle Antworten auf alle Probleme der Menschheit zu besitzen. In weiteren 200 Schmökern gab er sie dann auch. Dass er dabei jedes Übel der Welt auf außerirdische Eingriffe zurückführt, darf nicht überraschen: Hubbard war ursprünglich Science-Fiction-Autor. »Wenn man Geld verdienen will, sollte man eine Religion starten« Angelika Thonauers Büro liegt gleich neben jenem des Gründers. Jede »Mission« beherbergt solch eine Büroattrappe für das Phantom. Verkaufsraumdesigner von Ikea hätten sie nicht besser hinbekommen: dunkles Holz, rote Vorhänge, Aktenordner und viele, viele Bücher. Auf dem Schreibtisch liegt ein Vergrößerungsglas. »Hier arbeitet ein Gelehrter«, will die Einrichtung sagen. Von seinem Schreibtisch aus hätte Hubbard, würde er noch leben und in Wien vorbeischauen, einen guten Blick auf die Monitore, an die vier Überwachungskameras angeschlossen sind und die Aktivitäten in den verschiedenen Räumen der Zentrale übertragen. »Für einen Penny pro Wort zu schreiben ist lächerlich. Wenn man eine Million Dollar verdienen will, sollte man seine eigene Religion starten«, soll Hubbard einmal gesagt haben. Als Religionsgemeinschaft steht die Church of Scientology seit 1953 in den USA unter dem Schutz des ersten Verfassungszusatzes und zahlt keine Steuern. Auf dieser Basis schuf sich Hubbard einen hartnäckigen und zahlungswilligen Fanclub. Auch in Österreich. Eine Kette von Kursen bildet das Rückgrat des Systems Scientology. Über zwanzig Stufen kann ein Scientologe die »Brücke zur völligen Freiheit« beschreiten, die in ein irdisches Paradies führen soll. Ständiger Begleiter auf dem Weg ist das sogenannte Auditing. Bei diesem Seelenstrip wird der Scientologe an das »E-Meter«, ein Bioresonanzgerät, angeschlossen. »Diese Sessions können über zehn Stunden dauern«, erzählt Aussteiger Handl. »Kein noch so intimer Lebensbereich wird dabei ausgespart. Am Ende wissen sie alles über dich.« Zum Beispiel, wer »mögliche Problemquellen« im Umkreis eines Scientologen sind. Gibt es im Bekanntenkreis jemanden, der die »Religion« des Mitglieds nicht akzeptiert, kann es zu einem disconnect kommen, zu einer Trennung. »Seit meine Exfrau einen Scientologen in Amerika geheiratet hat, ist mir jeder Kontakt zu meinen Söhnen untersagt«, erzählt Handl. Seine Aussagen decken sich mit denen anderer Aussteiger. Auch wenn Angelika Thonauer versichert, dass Auditing-Inhalte nicht gespeichert würden und daher nicht gegen ehemalige Mitglieder verwendet werden könnten, schweigen die meisten Aussteiger beharrlich. Der Wiener Geschäftsmann Michael A. hängt gar das Telefon auf, sobald die Sprache auf die Sekte kommt. Dabei war A. eine Spitzenkraft, ein »OT 8«, wie das bei Scientology heißt: ein »operativer Thetan der 8. Stufe«. Von seiner Sorte gibt es nicht viele in Österreich. Es ist die höchste und teuerste Würde, die man bei der Sekte erwerben kann, benannt nach dem Geisteswesen, das laut Hubbard in jedem Menschen steckt und befreit werden muss. Thonauer sagt, dass ihr Thetan schon ab und zu ihren Körper verlasse. Wo er zum Zeitpunkt des Interviews war, wollte sie nicht beantworten: »Diese Frage ist zu persönlich.« OT 8 Michael A. ist inzwischen von seinen früheren Gefährten zu einer »unterdrückerischen Person« erklärt worden. Das ist die schlimmste Strafe, die Scientology kennt. 2,5 Prozent der Weltbevölkerung, stellte schon Hubbard fest, seien solche suppressive persons, kurz SP. Von ihnen gilt es sich fernzuhalten. Die »Knusperstube« in St. Gertraut ist das Scientology-Handelsgericht Ist das Sektenmitglied auch von der letzten SP isoliert, besteht sein Leben fast nur noch aus Hubbard, Auditing und E-Meter. Dem Scientologen bleibt allenfalls sein Beruf, um die Kosten seiner Erlösung erwirtschaften zu können. Das Unternehmen Scientology bietet allerdings auch Beschäftigungsmöglichkeiten – sei es als hauptberuflicher Mitarbeiter in einer der drei österreichischen »Missionen« oder als Angestellter bei einer Wise-Firma. Die World Institute of Scientology Enterprises sind so etwas wie die Handelskammer der Organisation. Dort kann man eine Firma registrieren, wenn sie nach Hubbards krausen, aber sehr profitorientierten Management-Vorstellungen umgestaltet wurde. In Österreich gibt es rund zwanzig Wise-Firmen, meist kleine Betriebe. Angelika Thonauer betreibt selbst eine Werbefirma, die diesem Netzwerk angehört. Der Großteil der Wise-Firmen ist in den Bereichen Werbung, PR, Nachhilfe und Unternehmensberatung tätig. Es gibt in Österreich aber auch Trafiken und Bäckereien, die nach Scientology-Prinzipien geführt werden. Die »Knusperstube« im Kärntner Ort St. Gertraut ist eine davon. Ihrem Besitzer Edwin Storfer untersteht auch das Charter Committee für Österreich, worunter das Handelsgericht von Scientology zu verstehen ist. Ein weiteres Betätigungsfeld für Mitglieder sind Vorfeldorganisationen, die weltweit nach demselben Muster aufgebaut sind. Zum Beispiel die »Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte«. Die Psychiatrie, aus Scientology-Sicht ein Konkurrent in Sachen Lebenshilfe, gehört zu den Lieblingsfeinden der Organisation. Es gibt in Wien auch ein Celebrity Centre, wie in Hollywood. Allein: Am Viktor-Adler-Markt in Favoriten wurde noch kein Promi gesichtet. Während in Deutschland immer wieder ein Verbot von Scientology diskutiert wird, ignoriert der österreichische Staat die Organisation. »Für eine Beobachtung fehlen uns die Argumente«, sagt Rudolf Gollia, der Sprecher des Innenministeriums. Tatsächlich dürften Ängste vor einer Infiltration von Politik und Wirtschaft durch Scientology in Österreich unberechtigt sein. Ein ÖVP-Gemeinderat wurde in den Neunzigern als Scientologe entlarvt, ein blauer Vizebürgermeister outete sich. Der ehemalige Skistar Patrick Ortlieb hielt eine Zeit lang Anteile an der Energydrink-Marke Power Horse, die von einem bekannten Scientologen erfunden worden war. Das war’s dann auch schon. Einzig Martin Bartenstein legte sich 1998 als Familienminister ein wenig mit der Organisation an und ließ in einer Sektenbroschüre vor Scientology warnen. Das US-Hauptquartier erklärte daraufhin »Big Brother Bartenstein« recht folgenlos zu einer »unterdrückerischen Person«. Die lange Hand der Jünger Hubbards mag nach Hollywood reichen, vielleicht sogar nach Berlin. Wien hingegen scheint außer Reichweite.

Der Teckbote, 14.03.2008, Richard Umstadt
Eine „Krake“ mit vielen Armen   -  Scientologen versuchen in Jugendverbänden Fuß zu fassen 
Bekanntlich hat eine Krake viele Arme und die sogenannte Scientology-Kirche viele Tarnableger. Jetzt versucht sie, sich über „Jugend für Menschenrechte“ an Jugendorganisationen heranzumachen. 
Kreis Esslingen. Der Scientology-Ableger „Jugend für Menschenrechte“ ist kein Unbekannter in der Verfassungsschutzszene. Erfolglos versuchte die Tarnorganisation der Scientologen in Schulen Fuß zu fassen. Jetzt also haben sie sich Jugendverbände, Jugendringe und Einrichtungen der offenen Jugendarbeit auserkoren, um über das „Werkzeug“ Menschenrechte Mitglieder zu rekrutieren. „Teilweise haben sie sich sogar als Mitglieder von Jugendorganisationen ausgegeben“, warnt Johannes Heinrich, Geschäftsführer des Landesjugendringes Baden-Württemberg seinen Kollegen Kurt Spätling vom Kreisjugendring Esslingen. Heinrich wiederum wurde vom Bayrischen Jugendring informiert. In München und Umgebung wurden bereits einige Jugendorganisationen wie zum Beispiel das Jugendrotkreuz oder Einrichtungen der offenen Jugendarbeit von Vertretern von „Jugend für Menschenrechte“ angesprochen. Es sollten Treffen vereinbart werden, um „sich einfach mal vorzustellen“. Da „Jugend für Menschenrechte“ eindeutig Ziele von Scientology verfolgt, empfahl der Bayrische Jugendring keine Kooperation mit dieser Organisation. Auch machte der Kreisjugendring München-Stadt von seinem Hausrecht Gebrauch und erteilte den Vertretern von „Jugend für Menschenrechte“ ein Hausverbot. Bereits im April 2006 hat das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg eine entsprechende Warnung veröffentlicht: „Unter dem Schlagwort „Jugend für Menschenrechte“ hat die Scientology Organisation (SO) eine neue PR-Offensive begonnen. Hinter dem vermeintlichen Einsatz für Menschenrechte verbergen sich jedoch eigennützige Motive. Wer wollte den scheinbar hehren Zielen einer Gruppierung widersprechen, die sich „Jugend für Menschenrechte“ nennt? Eine solche Vorgehensweise hat bei der SO System. Ihr dürfte es als einer Organisation, die bereits ein öffentliches Lossagen von Scientology oder gar Kritik an ihrer Lehre als „Schwerverbrechen“ brandmarkt, nicht wirklich darum gehen, der Bevölkerung das Thema Menschenrechte näherzubringen. Die Scientology Organisation führt nämlich bereits seit Jahren „Menschenrechtskampagnen“ durch, um sich in Szene zu setzen, soziale Akzeptanz zu gewinnen und auf diese Weise ihr schlechtes Image zu verbessern“.

Pressetext, 29.02.2008
Wirtschaftsambitionen von Scientology im Visier
"Methoden entsprechen nicht denen eines ehrbaren Kaufmannes"
Münster/Schleswig/Köln (pte/29.02.2008/06:00) - Scientology http://www.scientology.com ist aufgrund der wirtschaftlichen Ausrichtung zwar nicht als Religionsgemeinschaft in Deutschland anerkannt, macht aber trotzdem ihren Einfluss auf viele Wirtschaftsbranchen geltend. "Das deutsche Wirtschaftssystem ist so umfangreich, dass selbst eine aggressiv auftretende Gruppe nicht namhaft Fuß fassen wird", sagt der Rechtsanwalt und Scientology-Experte Ralf Bernd Abel im Gespräch mit pressetext. Trotzdem erlaubt ein aktuelles Urteil des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen dem Bundesverfassungsschutz, die Organisation weiter unter die Lupe zu nehmen. Obwohl Scientology angekündigt hat, gegen den Beschluss Nichtzulassungsbeschwerde einzulegen, mehren sich Kritiker, die von einer möglichen Unterwanderung der Wirtschaft sprechen. "Inwieweit Scientology eine Unterwanderung der Wirtschaft als maßgebliches Ziel anstrebt, ist eine heiß diskutierte Frage. Bezogen auf den gesamten deutschen Wirtschaftsstandort halte ich die Verwirklichung dieses Plans jedoch für äußerst schwierig", verdeutlicht Abel weiter. Laut dem Spezialisten sei die Organisation als Wirtschaftsunternehmen primär darauf ausgerichtet, Geld durch das Verkaufen von sogenannten "Kursen" oder "Seminaren" zu lukrieren. "Hierbei dominieren vor allem Branchen, in denen man möglichst schnell, viel Umsätze herausholen kann. Folglich gehen die Aktivitäten in die Breite, wobei vor allem das Immobilien-Geschäft von Scientology in den 1990er Jahren in Ostdeutschland boomte", so Abel. Zum aktuellen Urteil erklärten die Richter, dass der Erkenntnisstand über die Aktivitäten von Scientology den Schluss zulässt, dass diese ihre eigenen Prinzipien in Staat, Gesellschaft und vor allem auch in der Wirtschaft verbreiten wollen. Sekten-Experten wie Ingo Heinemann http://www.ingo-heinemann.de konfrontieren die Organisation hingegen mit Vorwürfen des Betrugs, Wuchers, der Ruinierung von Kunden sowie der Ausbeutung eigener Mitarbeiter. "Ich werfe der Scientology-Organisation nicht vor, dass sie Geschäfte macht, sondern wie sie Geschäfte macht", unterstreicht Heinemann auf seiner Internetseite. "Was Heinemann damit sagen will, ist, dass man sich wahrscheinlich unsauberer Methoden bedient, die nicht dem klassischen Bild eines ehrbaren Kaufmannes entsprechen", sagt Abel gegenüber pressetext. Bei der Benennung von Unternehmen sollte jedoch Vorsicht geboten sein, da eine öffentliche Zuordnung besonders kleinere Firmen schnell in den Ruin treiben kann, gibt Abel zu bedenken. Heinemann hingegen weist darauf hin, dass Scientology selbst in nur sehr begrenzten Ausmaß eigene Unternehmen betreibt. "Meist handelt es sich um die Frage, ob eine Firma von Scientology-Anhängern und/oder nach den Anweisungen und ,Techniken' des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard betrieben wird", stellt der Insider fest. Die "Enttarnung" einer im Scientology-Netzwerk verstrickten Gesellschaft sei jedoch nicht auf Anhieb anhand einer rabiaten Geschäftsführung möglich.

Schwäbische Zeitung, 26.02.2008
Scientology hat Mission aufgegeben
BAINDT - Die "Bodensee-Mission" der umstrittenen Scientology-Organisation in Baindt gibt es nicht mehr. Grund: Die Leiterin der Sekten-Dependance zog von Baindt nach Berlin. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. "Es stimmt. Die Mission ist stillgelegt worden", sagte Maja Nüesch auf Anfrage der "Schwäbischen Zeitung". Nüesch ist Pressesprecherin von Scientology Deutschland. Die "Mission", eine Untereinheit der "Kirche" in Stuttgart (im Sektenjargon ORG genannt) sei bereits vor etwa einem Jahr geschlossen worden. Es habe dort ohnehin nur grundlegende Einführungskurse in die Lehre des Sektengründers L Ron Hubbard gegeben. Für weitergehende Seminare und so genannte "Auditings", mit deren Hilfe schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit ans Licht gebracht und so beseitigt werden sollen, mussten die Mitglieder nach Ulm oder Stuttgart fahren. Nachdem die Missions-Leiterin Ute J. von Baindt nach Berlin gezogen ist, beabsichtigt Scientology laut Maja Nüesch nicht, die "Mission Bodensee" weiterzuführen. Im Jahr 2004 hat der baden-württembergische Verfassungsschutz in seinem jährlichen Bericht erwähnt, dass Scientology verstärkt in Oberschwaben Mitglieder werben wolle und deshalb eine "Mission Bodensee" im 4900-Seelen-Dorf Baindt gegründet hat (die SZ berichtete). Recherchen unserer Zeitung ergaben, dass es sich dabei jedoch lediglich um die Privatwohnung der Scientologin Ute J. gehandelt hat. Groß in Erscheinung getreten ist die bekennende Scientologin, die 2004 und 2006 als Spenderin von mindestens 140000 US-Dollar im Sektenmagazin "Impact" gelobt wurde, offenbar nicht. Sie trat weder durch Flugblätteraktionen noch sonstige öffentlichkeitswirksame Aktivitäten in Erscheinung. Umstrittener Psychokult Ute J. freute sich zwar in einem Internetbeitrag im Jahr 2004 darüber, als Filiale der "idealen ORG in Stuttgart" dabei helfen zu können, die Lehre des umstrittenen Psychokults am Bodensee zu verbreiten, offenbar blieb es aber bei der bloßen Absichtserklärung. Das bestätigt Florian Müller, Ravensburger Dekanatsreferent der Katholischen Kirche, der die scientologische Szene im Kreis Ravensburg gut im Blick hat. "Die Mission ist nie sonderlich gut gelaufen, wir haben jedenfalls nie irgendeine Veranstaltung mitbekommen." Noch gibt es im Raum Ravensburg, einer Hochburg der Sekte, Doppelmitgliedschaften. Also Christen, die gleichzeitig Mitglied bei Scientology sind, bestätigt Müller. Die Lehre Scientologys sei aber mit der Weltanschauung der katholischen Kirche unvereinbar. "Wegen des Gottesbildes und weil Scientologen vom Modell der Selbsterlösung ausgehen", sagt der Dekanatsreferent. Einfach herauswerfen (exkommunizieren) kann die Katholische Kirche ihre an die Sekte verlorenen Schäfchen jedoch nicht. Dafür fehlt eine kirchenrechtliche Handhabe.

Nibelungen-Kurier, 26.02.2008
Scientology verliert Gebührenstreit gegen Stadt Stuttgart
Mannheim (ddp). Die Scientology-Weltzentrale in Los Angeles hat einen Rechtsstreit gegen die Stadt Stuttgart um die Erhebung von Gebühren für Informationsveranstaltungen verloren. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg in Mannheim wies mit einem am Dienstag veröffentlichten Urteil eine Klage von Scientology gegen die Stadtverwaltung ab. Informationsveranstaltungen von Scientology seien «Werbeveranstaltungen» und dienten weder gemeinnützigen Zwecken noch dem öffentlichen Interesse, hieß es zur Begründung. Die Stadtverwaltung Stuttgart hatte 2002 eine Genehmigung für Veranstaltungen der in Kalifornien ansässigen «Church of Scientology International» erteilt, diese jedoch an die Zahlung einer Sondernutzungsgebühr in Höhe von 18.568 Euro gebunden. Bei den Veranstaltungen wollte die Scientology-Weltzentrale im Rahmen einer Rundreise von «ehrenamtlichen Geistlichen» durch Europa auch in Stuttgart ihre Arbeit vorstellen und Anleitungen zur «Harmonisierung von Seele und Körper» geben. Scientology wehrte sich gegen die Festsetzung der Gebühr, scheiterte damit aber bereits in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart. Auch der VGH bestätigte nun im Berufungsverfahren das Vorgehen der Stadt. Scientology gehöre nicht zu den als gemeinnützig anerkannten Religionsgemeinschaften, für deren Informationsstände keine Gebühren erhoben werden dürften, urteilten die Richter. Einen Verstoß gegen das Grundrecht der Glaubensfreiheit konnten sie nicht erkennen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Revision ließ der VGH zwar nicht zu. Diese Nichtzulassung kann Scientology aber beim Bundesverwaltungsgericht anfechten.

AFP, 25.02.2008
Stadt München schließt Scientology-Kindertagestätte
Die Münchner Stadtverwaltung hat eine Kindertagesstätte der Scientology-Organisation geschlossen. Wie das Presseamt der Stadt mitteilte, entzog das Schulreferat "mit sofortiger Wirkung" dem Träger Kinderhäusl e.V. die Betriebserlaubnis zur Führung seiner Kindertageseinrichtung. Der Verein betrieb in Münchner Sendling seit dem Sommer 2007 eine Tagesstätte, in der zwei Erzieherinnen 18 Kinder betreuten. Erst durch Informationen des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutzes hatte die Schulverwaltung von den Verbindungen des Trägervereins und der Erzieherinnen mit Scientology erfahren. Die Stadt sei der Überzeugung, "dass das Wohl der Kinder in dieser Einrichtung gefährdet war, weil der Bildungs- und Erziehungsarbeit die Vorgaben von Scientology zu Grunde lagen", teilte das Presseamt weiter mit. Die inhaltlichen und methodischen Grundsätze von Scientology widersprächen verfassungsrechtlichen Vorgaben, vor allem dem Recht des Kindes auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Die Scientology-Organisation wird in Bayern und den meisten anderen Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet.

AFP, 21.02.2008
Fillon: Frankreich wird seine Politik bezüglich der Sekten nicht ändern 
[Der französische Premierminister] François Fillon hat am Donnerstag bestätigt, dass Frankreich bezüglich der Sekten die bisherige Politik „weiterführen“ werde, indem er eine „Verstärkung der Mittel“ der Mission des Kampfes gegen die sektiererischen Abwege wünscht. „Frankreich hat eine Politik bezüglich der Sekten, die es führt und weiterhin führen wird, mit einer Interministeriellen Mission, die dem Premierminister untersteht und ihm weiterhin unterstehen wird“, erklärte der Regierungschef der Presse anlässlich eines Unterstützungsbesuchs für die Pariser Kandidatin der UMP, Françoise de Panafieu. Betreffend die Interministerielle Mission der Wachsamkeit und des Kampfes gegen die sektiererischen Abwege (Miviludes) gab Herr Fillon an, es werde „keine Änderung“ geben. „Ich wünsche vielmehr, dass man ihre Mittel verstärkt und dass sie ein interministerielles Instrument bleibt, denn das ist ihre Berufung“, bestätigte er als Antwort auf Vorschläge, die in [der Wochenzeitung] VSD der Kabinettsdirektorin von Nicolas Sarkozy, Emmanuelle Mignon, unterstellt und teilweise von dieser dementiert wurden. Herr Fillon schätzte, dass es „keine Polemik geben werde.“ „Frau Mignon hat gesprochen. Ich habe die Vorschläge der Mitarbeiter des Präsidenten der Republik nicht zu kommentieren“, sagte er.

Blick, 21.02.2008
Fragen zum Tod des Scientology-Kritikers Shawn Lonsdale
CLEARWATER (USA) – Ein prominenter Kritiker von Scientology ist tot in seinem Haus gefunden worden. Viele glauben nicht an einen Selbstmord. Sicher ist aber: Die Sekte machte das Leben des Mannes zur Hölle. Shawn Lonsdale (39) war wichtiger Informant in einer BBC-Doku über die Sekte, provozierte Scientology auch selbst mit verschiedenen Filmen. Dabei filmte er vornehmlich Mitglieder der Kirche vor dem Hauptquartier der Scientology-Stadt Clearwater. Was hier abgehe, müsse dokumentiert werden, so Lonsdale. Doch jetzt ist Lonsdale tot – erstickt! Lonsdale habe sich selbst umgebracht, informierte Polizeisprecherin Elizabeth Daly-Watts die US-Medien. Man habe einen Gartenschlauch gefunden, mit dem Lonsdale von seinem Auto tödliche Abgase ins Innere seines Hauses geleitet habe. Er sei also an einer Kohlendioxidvergiftung gestorben. Scientology-Kritiker mögen dies nicht recht glauben. Derzeit kursieren im Internet allerlei Gerüchte und Vermutungen. Zum Beispiel: Es sei schwer vorstellbar, dass sich Lonsdale die Mühe machte, den Gartenschlauch vom Auto ins Haus zu ziehen. «Hätte er sich vergasen wollen, hätte er sich doch einfach im Auto umgebracht», schreibt ein Blogger auf Youtube. Ein anderer bezweifelt, dass die Polizei von Clearwater die Untersuchungen wirklich sauber geführt habe. Immerhin seien in Clearwater die meisten Polizisten selbst Mitglieder von Scientology. An einer lückenlosen Aufklärung wäre die hiesige Polizei deswegen gar nicht interessiert. Trotz aller Behauptungen und Verschwörungstheorien, die derzeit im Internet kursieren: Niemand kann beweisen, dass Scientology etwas mit dem Tod des Kritikers zu tun hat. Sicher ist aber, dass Scientology-Mitglieder lange versuchten, Lonsdales Leben zur Hölle zu machen – zu sehen auf der besagten BBC-Doku. Als Lonsdale damit begann, provokative Fragen zu stellen, heuerte die Kirche einen Privatdetektiv an, um seine Vergangenheit zu durchforsten. Bald kamen schmutzige Details ans Licht. Etwa, dass Lonsdale sich wegen Sex mit Männern in der Öffentlichkeit vor Gericht zu verantworten hatte. Lonsdale gab dies auch freimütig zu. In der BBC-Doku sagt er, er sei jung gewesen und habe sich des Geldes wegen prostituiert. Die Scientologen aber verteilten in der ganzen Stadt Zettel mit Lonsdales Bild und persönlichen Daten darauf und warnten die Bevölkerung vor dem «Triebtäter».
Wieder Aufruf zu weltweiten Protesten 
Der Zusammenschluss «Anonymous» und das Projekt «Chanology» machen mit Videoerklärungen und elektronische Attacken auf Internetseiten der Sekte von sich reden (Blick.ch berichtete). Am 10. Februar riefen sie zu weltweite Kundgebungen gegen die Kirche von Scientology auf. Tausende nahmen tatsächlich daran teil. Dies soll nun am 15. März wiederholt werden: Am Geburtstag von Scientology-Gründer Ron L. Hubbart ist erneut ein gewaltloser Aufmarsch der Gegner der Kirche geplant. Das Motto: «Bring funny hats and cake!» («Bringt lustige Hüte und Kuchen!»).

Echo Münster 12.2.2008, Stefan Clauser
Schlappe für Scientology
Normalerweise wirken sie eher im Verborgenen. Am Nachmittag aber zeigten die Mitglieder der Scientology Kirche in Münsters Innenstadt offen Flagge. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Vor dem Rathaus demonstriert die umstrittene Organisation, welche Staaten der Erde sie bereits als reguläre Religionsgemeinschaft anerkannt hat. Observation rechtens Vor dem Oberverwaltungsgericht NRW (OVG) am Aegidiikirchplatz gab es derweil eine juristische Schlappe. Der 5. Senat bestätigte ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln vom November 2004, wonach die Beobachtung der Scientologen durch den Bundesverfassungsschutz rechtens ist. Auch nachrichtendienstliche Mittel sind bei der Überwachung erlaubt. Mehrstündige Verhandlung Zu diesem Schluss kam das Richtergremium um Gerichtspräsident Dr. Michael Bertrams nach mehrstündiger, mündlicher Verhandlung und ausgiebiger Beratung. In der inhaltlichen Auseinandersetzung ging es nicht um die Frage, ob Scientology als Religion anzuerkennen, sondern darum, ob in der Arbeit der Organisation das Streben nach verfassungsfeindlichen Zielen auszumachen ist. Grundordnung gefährdet Das bejahte das OVG ausdrücklich. Vorsitzender Bertrams und seine Kollegen sehen eine Gefährdung der freiheitlich demokratischen Grundordnung durch Scientology. Zahlreiche Hinweise darauf ergäben sich aus Schriften und aktuellen Aktivitäten. Insbesondere die Einschränkung von Verfassungswerten wie der Menschenwürde und des Rechts auf Gleichbehandlung soll nach Überzeugung des Gerichts außer Kraft gesetzt werden. Die Erkenntnis, dass das scientologische Programm in Deutschland umgesetzt werden und die Organisation dementsprechend personell expandieren soll, rechtfertigt es laut Bertrams, die Kläger auch künftig zu observieren. Die Verhandlung wurde von zahlreichen Medienvertretern interessiert verfolgt. Für die Kläger erschienen neben den Prozessbevollmächtigten auch der Präsident der Scientology Kirche Deutschland, Helmuth Blöbaum, sowie die Pressesprecherin von Scientology Deutschland, Sabine Weber (Bild). Ihr Anwalt Wilhelm Blümel sprach am Rande der Verhandlung von einem „politischen Prozess“ und kündigte weitere rechtliche Schritte an. Notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dem schloss sich Weber am Abend an. "Wir sind überzeugt, den Fall in der nächsten Instanz leztlich zu gewinnen", erklärte sie in einer Pressemitteilung. Rechtlich offen steht allerdings vorerst nur der Weg einer Nichtzulassungsbeschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Denn Revision haben die münsterschen Richter nicht zugelassen. Die bereits 2000 Seiten starke Prozessakte dürfte noch dicker werden.

yahoo nachrichten.de, 12.02.2008
Verfassungsschutz darf Scientology weiter überwachen 
Münster (RPO). Schlappe für die Scientology-Sekte vor Gericht: Der Verfassungsschutz darf die umstrittenen Organisation weiter beobachten. Das urteilte das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in Münster. Damit unterlag Scientology auch in zweiter Instanz mit dem Versuch, die seit 1997 andauernde, nachrichtendienstliche Überwachung verbieten zu lassen. Das Gericht befand, es lägen "tatsächliche Anhaltspunkte" dafür vor, dass Scientology nach wie vor Bestrebungen verfolge, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtet seien. Die Revision ließ das Gericht nicht zu. Scientology will jedoch nach Angaben eines Anwalts der Organisation gegen diese Entscheidung Beschwerde einlegen.

Presseportal, 12.02.2008
RTL - "Punkt 12" deckt auf: Scientology ködert Schüler mit Nachhilfeunterricht - Auditing inklusive: Bundesregierung ist ahnungslos.
Köln (ots) - Seit längerem versucht die Scientology-Organisation in Deutschland, Kinder und Jugendliche über Schüler-Nachhilfeangebote zu ködern. Einem Reporter des RTL Mittagsjournals "Punkt 12" ist es nun gelungen, sich unerkannt in eine dieser Nachhilfeschulen einzuschleusen. Dabei deckte er auf, dass die Sekte nicht davor zurückschreckt, Schülern bereits nach kürzester Zeit ein Auditing anzubieten. Wie das RTL-Mittagsjournal "Punkt 12" in seiner Montags-Ausgabe berichtete, wurde dem als Gymnasiast getarnten Reporter bereits nach drei Nachhilfestunden das Auditing, eine Art "Psychotherapie der Scientologen" angeboten. Auch Bücher von Scientology-Gründer Hubbard wurden dem vermeintlichen Schüler verkauft. "Lernen mit Spaß" und "Einzelunterricht" - so wird im Ruhrgebiet auf harmlosen Flyern für Schüler-Nachilfe geworben. Nichts deutet daraufhin, dass sich hinter diesem Angebot die Scientology-Sekte verbirgt. In enger Zusammenarbeit mit Sabine Riede, Leiterin der Sekten-Info Essen, wurde der RTL-Reporter auf die verdeckte Recherche vorbereitet. Dafür nahm er aus Sicherheitsgründen eine komplett gefälschte Identität an. Schon in der vierten Nachhilfestunde wird dem vermeintlichen Schüler ein Auditing angeboten. Die Sitzung wird von einem Mann durchgeführt. Ohne Pause muss der Schüler bei geschlossenen Augen immer wieder ein bestimmtes Erlebnis erzählen, wobei der Auditor immer neue Einzelheiten verlangt. Nach zwei Stunden beendet er das Auditing, ohne eine Auswertung wird der Schüler nach Hause geschickt. Auf Nachfrage von RTL verweigerte der Auditor anschließend jede Auskunft. Der Bundesregierung lagen bislang keinerlei Erkenntnisse darüber vor, ob Nachhilfeschülern Auditing-Sitzungen angeboten werden. Das geht aus einer schriftlichen Mitteilung des Familienministeriums an RTL hervor. Auf eine weitere spätere Nachfrage sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen schließlich gegenüber RTL: "Man kann ja nicht grundsätzlich Nachhilfeangebote verbieten. Aber das Entscheidende ist Aufklärung, und deshalb ist es auch gut, dass sie darüber berichten. "

Blick, 07.02.2008, gux
1.2.3 - Ists mit Scientology vorbei?
Internet – In drei Tagen, am 10. Februar, wollen virtuelle Gegner der Sekte Scientology einen Denkzettel verpassen. Sie rufen übers Internet dazu auf, an diesem Tag «die Kirche zu zerstören».
Die Hackergruppe «Anonymous» war die erste, die die Scientologen im Visier hatte: Sie legte am 19 Januar die Webseite von Scietology.org über mehrere Tage lahm (Blick.ch berichtete). Und sie rief Gesinnungsgenossen im Web dazu auf, das Gleiche zu tun. Mit Erfolg: In den letzten Wochen funktionierten wichtige Webseiten der Organisation in den USA und in Grossbritannien auf einmal nicht mehr. Es ist anzunehmen, dass «Anonymous» eine eher kleine Gruppe von Computerfreaks ist. Ihr Aufruf und das gezielte Vorgehen gegen die Sekte und ihren Webauftritt scheint die Menschen weltweit aber zu inspirieren: Es hat sich eine ganze Kultbewegung gebildet, die Scientology schikaniert, wo es nur geht. Nicht nur im Internet. Letzte Woche musste das FBI in 19 Scientology-Kirchen im Grossraum Los Angeles ausrücken. Es waren dort überall Couverts mit weissem Pulver deponiert worden. Ungefährlich, wie sich herausstellte. Wieso die Angriffe auf Scientology? «Anonymous» und andere werfen der Kirche etwa vor, Kritiker der Sekte mundtot zu machen und die Meinungs- und Pressefreiheit zu sabotieren. Die Kirche sei gefährlich und menschenverachtend und ziehe den Leuten lediglich Geld aus der Tasche. Als fast schon persönlichen Angriff verstanden die Hacker dann die Intervention von Scientology bei Youtube: Der Videoportalbetreiber musste den Film mit Tom Cruise von seiner Seite nehmen. Cruise, einer der prominentesten Anhänger der Sekte, hatte in dem Film beängstigende «Wahrheiten» über die Kirche und ihre Ziele von sich gegeben (Blick.ch berichtete). Diesen Schritt betrachteten die Hacker als klaren Angriff auf die virtuelle Freiheit. Was ist am 10. Februar nun zu erwarten? «Vielleicht tauchen nur ein paar Kinder mit Brillen auf, die blöde Sprüche klopfen», meint ein ehemaliger Hacker gegenüber «The Age». «Die Aktion könnte aber auch wirklich radikal werden». Was auch immer «radikal» heissen mag: Den Scientology-Gegnern ist es wichtig, dass jedwelche Aktionen gegen Scientology friedlich und ohne Gewalt ablaufen. Das unterstreichen sie auf ihren Internetseiten und in ihren Blogs immer wieder. Ausnahme: natürlich die virtuelle Gewalt.

Sueddeutsche.ch, 06.02.2008, Mirjam Hauck
Hacker erklären Scientology den Krieg
Mit rüden, aber kreativen Methoden greifen Hacker Scientology an: Mit virtuellen Bomben attackieren sie Tom Cruise' Glaubensgenossen.
Ein Video kursiert derzeit im Internet und sorgt weiter für Aufregung. Es zeigt den Schauspieler Tom Cruise, der rund 5000 Scientologen fragt: "So what do you say? We'll clean this place up?" In der deutschen Übersetzung "Sollen wir die Welt säubern?“ erkannte der ZDF-Hitler-Historiker Guido Knopp Parallelen zur berüchtigten Sportpalast-Rede, was ihn in Bild am Sonntag zum prägnanten Vergleich brachte: "Tom Cruise tritt auf wie Goebbels." Dem gleichen Tom Cruise überreichte FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher jüngst einen eigens kreierten Bambi für "Mut". In der englischen und amerikanischen Internetszene ist man sich derzeit in der Beurteilung von Tom Cruise' Schaffen und seinen Diensten für Scientology weniger uneins: Hacker haben der Sekte den virtuellen Krieg erklärt. Der Anlass: Die Bemühungen der Sekte, das inkriminierende Tom-Cruise-Video bei Youtube und auf anderen Internseiten entfernen zu lassen. Die Kriegserklärung haben die Hacker in ein Video gepackt, das ebenfalls auf Youtube zu sehen ist.
Untern dem Namen Project Chanalogy warnt die Gruppe, die sich selbst Anonymous nennt, vor den Gefahren und Gehirnwäsche-Taktiken der Sekte. Die Hacker belassen es aber nicht bei diesem Video. In den USA nahmen sie die Internet-Seite von Scientology ins Visier. Mit sogenannten Distributed Denial-of-Service-Attacken (DDoS) haben sie für kurze Zeit die Websites der Sekte lahmgelegt. Eine Flut von Seitenaufrufen sorgte dafür, dass die Surfer statt Ron Hubbards Weisheiten lediglich eine weiße Seite oder eine Fehlermeldung zu sehen bekamen. Für Scientology-Gegner hält die Gruppe auf der eigenen Website Tipps bereit, wie man die selbsternannte Kirche angreifen kann - zum Beispiel, indem schwarze Fax-Seiten an die Zentrale geschickt werden. Zu den Guerilla-Taktiken zählt auch die sogenannte Google-Bombe: Wer auf der englischen und der amerikanischen Google-Website die Begriffe "Dangerous cult" eingibt, bekommt als obersten Suchtreffer die offizielle Scientology-Website ausgespuckt. Auch in den Social Communities tobt der Kampf gegen Tom Cruise und seine Sektierer. Bei Facebook gibt es derzeit bereits zwei Anti-Scientology-Gruppen mit jeweils mehr als 3500 Mitgliedern. Und der Protest soll sich vom Internet auf die Straße verlagern: Am 10. Februar wollen die Sekten-Gegner in Großbritannien, USA, Kanada, Australien und auch Deutschland auf die Straße gehen.
Scientology wappnet sich im Internet gegen seine Gegner. Um sich vor den virtuellen Angriffen zu schützen, hat die Sekte inzwischen Spezialisten beauftragt. Wer die IP-Pakete sowohl der deutschen als auch der amerikanischen Website verfolgt, landet bei Prolexic Technologies - einer Firma, die laut Eigenwerbung wirksame Hilfe gegen DDoS-Attacken verspricht. Zu den Vorgängen selbst will sich Scientology nicht äußern. "Wir geben dazu keine Kommentare ab", erklärte eine Sprecherin zu sueddeutsche.de und verweist auf eine Pressemitteilung zum alles auslösenden Tom-Cruise-Video. Die im Internet aufgetauchten Versionen seien zusammengeschnittene Raubkopien. Das vollständige, drei Stunden lange Video "kann in jeder Scientology-Kirche angesehen werden".

Pressetext Austria vom 01.02.2008
Scientology will schlechtes Image aufpolieren 
Sektenexperte: "Bei Scientology duldet man keine Kritik"
Los Angeles/Berlin (pte/01.02.2008/13:41) - In den letzten Wochen ist die amerikanische Church of Scientology http://www.scientology.org wegen des Auftauchens eines Videos, das ein Interview mit dem Schauspieler Tom Cruise zeigt, wieder stärker ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. "Leute, das ist unsere Zeit", ruft er darin frenetisch seinen Anhängern zu, "eine Zeit, an die wir uns alle erinnern werden." Nicht nur wegen Aussagen wie dieser ist die in den USA den Rang einer Kirche genießende Glaubensgemeinschaft in Deutschland sehr umstritten. Weltbild und Lehre seien fanatisch und gefährlich, lautet das Urteil vieler Kritiker. Um das angeschlagene Image der Religionsgemeinschaft in Deutschland wieder aufzupolieren, haben die Deutschen Scientology Kirchen heute, Freitag, eine groß angelegte Informationskampagne gestartet. So sollen bundesweit rund eine halbe Mio. Flugblätter verteilt werden. Zeitgleich zum Start der Kampagne wurde mit http://www.scientology-re! ligion.de auch eine eigene Internetseite lanciert. "Das Image von Scientology ist in Deutschland durch eine negative Medienberichterstattung geprägt", meint Sabine Weber, Vorstandssprecherin von Scientology Deutschland, im Gespräch mit pressetext. Das Bild der Öffentlichkeit entspreche nicht den Tatsachen. "Die meisten Menschen wissen gar nicht, was Scientology ist", stellt Weber fest. "Durch die gestartete Informationskampagne wollen wir dieses einseitige Bild wieder zurechtrücken", erklärt die Scientology-Sprecherin. Den in Zusammenhang mit dem Tom-Cruise-Interview entstandenen Vorwurf des Fanatismus weist Weber zurück: "Im Gegenteil, wir treten für eine freie Gesellschaft ein, in der für jeden Menschen Entscheidungs- und Meinungsfreiheit gilt", betont sie. Keine Religionsgemeinschaft sei so in punkto Menschenrechte engagiert wie Scientology. "Gegenteilige Behauptungen wollen nur den Hass schüren", so Weber. Diese Behauptungen kann Thomas Gandow, Experte für Sekten- und Weltanschauungsfragen, gegenüber pressetext allerdings nicht bestätigen. "Wenn dem so ist, warum werden Aussteiger aus Scientology dann von der Gemeinschaft nachträglich eingeschüchtert und bedroht", fragt Gandow. Er selbst habe mit vielen Betroffenen zu tun gehabt, denen es so erging. "Leute, die zuvor Mitglieder waren, trauen sich nicht, sich öffentlich von Scientology zu distanzieren", schildert der Sektenexperte. Dies sei kein Einzelfall, sondern die Regel. "Bei Scientology duldet man keine Kritik", ergänzt Gandow. Auch das aufgetauchte Tom-Cruise-Video bestätige diese Auffassung. "Das Interview macht auf Außenstehende zwar einen wirren Eindruck, aber die Botschaft ist für Scientologen klar: Entweder man ist mit der Organisation oder gegen sie", analysiert Gandow. Unterdessen versuchte die Hackergruppe "Anonymous" in der vergangenen Woche die US-Homepage von Scientology durch gezielte Angriffe zum Absturz zu bringen. Im Netz wurde zu diesem Zweck zudem das Projekt "Chanology" http://partyvan.info/index.php/Project_Chanology gestartet, in dem die Gruppe zu einem weltweiten Hackerangriff auf die Religionsgemeinschaft aufruft. Langfristige Ziele sind die Rettung der Menschen vor Scientology und die Zerstörung der Organisation. Die Scientology Kirche ist in Portugal, Spanien und Südafrika 2007 offiziell als Religion anerkannt und eingetragen worden. "Scientology ist in 163 Ländern der Welt vertreten, aber nicht in allen offiziell als Religion anerkannt", schildert Weber. Etwa 30.000 Mitglieder hat die Gemeinschaft Schätzungen zufolge in Deutschland.

Süddeutsche Zeitung vom 31.01.2008, Andrian Kreye
Die Gehirnwäscher aus Hollywood 
Weil Sekten wie Scientology funktionieren wie Konzerne, ist der neue Markt Berlin für sie so interessant. Eine Stadt im Umbruch produziert mehr verlorene Seelen als satte Städte wie Hamburg oder München. Ein Besuch im deutschen Hauptquartier. 
Betritt man das deutsche Hauptquartier der Church of Scientology an der Otto-Suhr-Allee in Berlin Charlottenburg, schreitet man zunächst durch ein Spalier aus bunten Luftballons und Länderwimpeln. Leichtes Unbehagen beschleicht einen, schließlich ist in den letzten Monaten wieder viel geschrieben worden über die Sekte aus Hollywood. Über die Mobbing- und Gehirnwäschetaktiken, über die verschwörerischen Weltmachtpläne, und natürlich über den Filmstar Tom Cruise. Über den hat der Promi-Journalist Andrew Morton gerade ein Buch geschrieben, das den Filmstar als Bruder Nummer Zwei in der Hierarchie der Scientologen beschreibt, der seinen Film "Valkyrie" über den Hitlerattentäter Stauffenberg lediglich als trojanisches Pferd für seine Sektenarbeit in Berlin produzierte. Betritt man die Zentrale als Passant, begegnet man im Empfangsbereich einem jungen Herrn in dunkelblauem Anzug, der höflich seine Hilfe anbietet. Die Atmosphäre in dem sechsstöckigen Glasbau ist kühl und sachlich. Stein- und Teppichböden sind in Grautönen gehalten, das Mobiliar in dezenten Schattierungen von Rot und Blau. Aufgedrängt wird einem nichts. Man muss schon fragen. Das tut man bei den Damen in der Abteilung für Tests und Einschreibung. Das beste Buch für den Einstieg? "Dianetik - Der Leitfaden für den menschlichen Verstand". Gibt es da nicht diese Persönlichkeitstests? "Bitte folgen Sie mir." Man nimmt an einem Pult Platz, bekommt Bleistift, Radiergummi und die Fragebögen für die "Oxford Capacity Analysis", die aus 200 Fragen besteht. Die Fragen kreisen immer wieder um die gleichen Schwächen - Nervosität, Hemmungen, Aggressionen, Unsicherheit. Das Ergebnis liefert ein Computer. Auf einer Tabelle ziehen sich Kurven nach oben - die Sollwerte. Nur eine Kurve geht nach unten - das Testergebnis. Das fällt bei Scientology immer schlecht aus. "Da können Sie aber noch viel an sich arbeiten", sagt die Beraterin und zeichnet mit dem Kugelschreiber warnende Pfeile in die Kurven. Beunruhigend So ähnlich funktioniert das auch bei Wahrsagern. Sie lesen einem für wenig Geld aus der Hand, finden dunkle, beunruhigende Vorzeichen, die man nur in einer zweiten, teuren Sitzung deuten lassen kann. So beginnt bei Scientology ein labyrinthisches System aus Kursen und Prozessen. Zunächst wird man auf die Empore geleitet. Dort gibt es Kaffee, Kuchen und ein Gespräch in lockerer Runde. Ob man vielleicht einen Film sehen will? Im Erdgeschoss sind vier kleine Kinos. In einem läuft ein Interview mit dem 1986 verstorbenen Sektengründer L. Ron Hubbard. Man sieht den gewesenen Autor für Groschenromane im dunkelblauen Anzug in seinem Büro am Schreibtisch. Fast eine Stunde lang erklärt Hubbard seine Lehre. Die soll den Menschen befähigen, sein Potential zu vergrößern, seinen IQ zu heben, sein Schicksal zu kontrollieren. Eine wohlbalancierte Mischung aus Psychotechniken, Heilsversprechen und Spiritualität bietet er da an. Als Hubbard das Buch "Dianetik" 1950 veröffentlichte und in den folgenden Jahrzehnten eine ganze Glaubensgemeinschaft darum herum konstruierte, bewies er allerdings nicht nur ein enormes Gespür für das Geschäft, sondern auch für den Zeitgeist. Während der fünfziger und sechziger Jahre löste sich die Sinnsuche in exotischen Religionen und modernen Technologien aus den Subkulturen. Was mit den spirituellen Reisen der Beatniks und Hipster begann, schwoll bald zu einer Welle der spirituellen Moden an, die ihren Höhepunkt in den unzähligen Sekten der sechziger Jahre und schließlich in der Esoterikbewegung fand. Hubbard erkannte schon früh das Bedürfnis der Menschen, den technokratischen Fortschrittsglauben des zwanzigsten Jahrhunderts mit spirituellen Inhalten zu füllen, die nicht mehr an die Dogmen der traditionellen Weltreligionen gebunden waren. Einen gemeinsamen Feind hatte er auch schnell gefunden - die Psychologie, jene Wissenschaft eben, die den menschlichen Geist erstmals mit konkreten weltlichen Mitteln behandelte. Hier liegt auch die große Gefahr, die in jeder Sekte lauert. Prinzipiell ist jedes Glaubenssystem eine Methode, den klaren Verstand auszuschalten. Richtet sich der Glaube jedoch gegen die Wissenschaft, kann das tödliche Folgen haben. Da lassen Makrobioten ihre Kinder verhungern, Zeugen Jehovas verweigern Bluttransfusionen, und auch das absolute Verbot der Scientology, Psychotherapie oder Psychopharmaka zu verwenden, hat schon zu Selbstmorden geführt, die man hätte verhindern können. Hubbards Verteufelung der Psychologie hatte einen guten Grund: Die Scientology ist eine ins Religiöse überhöhte psychologisch-technische Weltanschauung. Und sie wird als solche wahrgenommen: Die American Psychological Association warnte ihre Mitglieder schon im September 1950 vor der Dianetik. Denn sie soll, wie die meisten spirituellen Techniken, Abhängigkeiten schaffen. Die Methoden sind sich ähnlich. Meist beruhen sie auf einer Gehirnwäsche, deren Muster schon der Psychiater Robert Jay Lifton in seinem Grundlagenwerk "Thought Reform and the Psychology of Totalism" von 1961 definiert hat. Demnach gibt es acht Kriterien für diese Technik: Die Kontrolle der Beziehungen zur Außenwelt (Scientologen werden angehalten, sich von sogenannten unterdrückerischen Personen selbst in der eigenen Familie fernzuhalten); die Behauptung, die Gruppe habe höhere Ziele als der Rest der Welt (Scientology gilt als unfehlbare Lehre); die Beichte (Scientologen unterziehen sich regelmäßigen Tests mit dem E-Meter, einem Lügendetektor); ein Reinheitsgedanke (Scientologen befinden sich in einem lebenslangen Reinigungsprozess); die Lehre einer heiligen Wissenschaft (Scientology beansprucht einen Vorsprung vor den Naturwissenschaften); einen schwer verständlichen Jargon (schon das Buch "Dianetik" enthält ein 75-seitiges Glossar); eine Gruppendoktrin (die Gruppe ist wichtiger als das Individuum); sowie ein Heilsversprechen (Scientologen arbeiten auf eine Erlösung von den Seelen Außerirdischer hin, die nach den Lehren Hubbards jeden Menschen daran hindern, zum wahren Menschen zu werden). Hubbards Clou: Der Normalzustand des Menschen ist der einer Gehirnwäsche, nur die Scientology kann ihn daraus erwecken. Der antisemtische Kern Das aber ist ein Geschäft. In den USA ist es unter dem Mantel einer Kirche auch noch steuerfrei. Und weil Stars als Werbefiguren von Anfang an Kern der Expansionsstrategie Hubbards waren, bekommen sie auch eine Sonderbehandlung. Das Celebrity Centre am Fuße der Hügel von Hollywood ist dafür essentiell, ein elfenbeinfarbenes Gebäude, das mit seinen Erkern und Türmchen an ein französisches Landschloss erinnert. Hier dürfen sich die Stars in luxuriösem Ambiente von der Welt zurückziehen, die doch immer nur etwas von ihnen will - Autogramme, Pressekonferenzen, Fotos, Verträge. Hier bekommen sie - Frieden, Hilfe, Zuspruch. Nun funktioniert nicht nur Scientology so. Das Kabballah Center, das seine Gehirnwäschepraktiken auf jüdischem Mystizismus aufbaut, gewann Madonna, Britney Spears, David und Victoria Beckham für sich. Auch Kabballah will nach Berlin, auch wenn das Zentrum bisher lediglich aus einem Büro in Mitte besteht. Außerdem hat die Transzendentale Meditation des Guru Maharischi Mahesh Yogi Großes vor in Berlin. Die Sekte, die einst die Beatles für sich gewinnen konnte, will gemeinsam mit dem Regisseur David Lynch auf dem Teufelsberg eine Universität errichten und dazu noch 150 Tempel im ganzen Land. Warum ausgerechnet Berlin? Weil Glaube ein Milliardengeschäft ist, sind Sekten wie Konzerne aufgebaut. Berlin ist ein neuer Markt, denn eine Stadt, die sich im Umbruch befindet, wird mehr verlorene Seelen produzieren als satte Städte wie Hamburg oder München. Bei so viel Geld lauern natürlich Gefahren. Doch im Kern der Debatte lauern dieselben Muster wie im Kulturpessimismus, der sich gegen Hollywood richtet und in den Vereinigten Staaten eine dämonische Nation zu erkennen meint. Da wird eine Geldkultur verteufelt, eine Kultur der Gleichmacherei bezichtigt und eine Weltverschwörung vermutet. Das aber sind die Muster des Antisemitismus aus dem 19. Jahrhundert. Das findet man umgekehrt auch in den eigentümlich leidenschaftlichen Verteidigern von Tom Cruise. Jubelt man ihn als Retter der deutschen Geschichte aus Hollywood hoch, so erhofft man sich Erlösung von der Last der Vergangenheit - von einem, der stellvertretend für die alten Feindbilder steht. Das macht eine nüchterne Auseinandersetzung unmöglich. Tom Cruise wird weder das deutsche Ansehen im Ausland retten noch Deutschland für die Scientology erobern. Wenn er Glück hat, schafft er es noch, seine Karriere mit einem Oscar zu retten.

Berliner Zeitung, 30.01.2008, Frank Nordhausen
Die dunkle Seite der Macht 
Andrew Morton wollte eigentlich nur eine Biografie von Tom Cruise schreiben - jetzt hat er sogar in den USA eine Debatte um Scientology ausgelöst
BERLIN. "Really? Ist das wahr?" Andrew Morton legt die Stirn in Falten und lässt einen Anflug von Lächeln um seine Lippen spielen. Er hat es wirklich nicht gewusst. Er hat noch nie davon gehört, dass der deutsche Filmregisseur und Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck im vergangenen Sommer einen Artikel schrieb mit der Überschrift "Deutschlands Hoffnung heißt Tom Cruise". "Unglaublich", sagt Morton. Mit britischer Zurückhaltung hat der Autor in seiner gerade erschienenen "unautorisierten Biografie" des Hollywoodschauspielers auch die Rolle deutscher Journalisten in der Debatte um Tom Cruise beschrieben, als er in Berlin seinen Film "Walküre" über den Hitler Attentäter Stauffenberg drehte. In Interviews sagte Morton, sie seien auf den Scientology-Botschafter "hereingefallen", als sie ihn in den Himmel lobten und am Ende noch einen "Bambi" für Mut verliehen. Bessere Reklame hätten sich Cruise und die Sekte nicht wünschen können. "Das Ganze war ein strategisch geplanter Coup, wie mir hochrangige Ex-Scientologen erklärten." Jetzt sitzt der 54-jährige Bestsellerautor in einem Berliner Hotel, trinkt Tee, entspannt sich nach einem Radiointerview und wiederholt seine These: "Der Film war das Trojanische Pferd von Scientology, um Deutschland aufzurollen." In seinem Buch klingt es noch martialischer, da ist von den "Panzern" die Rede, mit denen der Sekten-Konzern die Berliner City umstellt habe. Vielleicht müssen Briten so schreiben, wenn sie an Berlin denken. Andererseits sieht man die Dinge von außen oft klarer. Andrew Morton spricht nicht ohne Grund von der "gewaltigen Macht" von Scientology. Man hatte ihn schon mit Klagedrohungen und Hassbriefen eingedeckt. Erst jetzt aber erkennt er, wie groß der Einfluss der Sekte in der Unterhaltungsindustrie wirklich ist. Sein Buch ist seit zwei Wochen in Amerika auf dem Markt, es hat einen Riesenwirbel erzeugt, ist gerade auf den ersten Platz der Bestsellerliste der New York Times gesprungen. "Man würde denken, nun müsste es Einladungen in die Fernsehtalkshows in den USA hageln - aber nichts. Ich bin in keine einzige Sendung eingeladen worden." Einige Redakteure hätten ihn angerufen und sich dafür entschuldigt: "Sorry, aber wir können Sie nicht einladen." Man habe ihnen ganz deutlich gesagt: "Wenn ihr Morton holt, bekommt ihr nie wieder Tom Cruise, John Travolta, Jenna Elfman oder einen anderen Scientology-Star in eure Sendung." Morton scheint dies eher zu belustigen, er ruht in sich, spricht sein schönes Oxford-Englisch und spielt mit seinem ausgeprägten Sinn für Ironie. Er habe das alles schon einmal erlebt, sagt er. Vor 16 Jahren, als er, der Boulevardjournalist, die geheimen Tagebücher von Lady Diana veröffentlichte und einen Weltbestseller landete. Damals habe die "Royal Family" dafür gesorgt, dass er in Großbritannien den Fuß nicht ins Fernsehen - das wichtigste Werbemedium für Bücher - bekam. "Genau dasselbe passiert jetzt in den USA. Das ist wohl so, wenn man die Royals angreift. Die Hollywoodschauspieler sind die Royals von Amerika." Doch vielleicht bewirkt die Sperre wie damals genau das Gegenteil: Statt den Verkauf zu bremsen, verhalf die Gegenwehr des Königshauses dem Diana-Buch erst recht zum Durchbruch. Mortons neuer Erfolg dürfte entscheidend damit zusammenhängen, dass zwei Tage nach dem Erscheinen seines Buches jene grotesken Videos im Internet auftauchten, in denen Tom Cruise sein "wahres Wesen" zu offenbaren schien. Die "dunkle Seite der Macht", die wirre Rede vom "Säubern" der Welt, das irre Lachen des Sektenpredigers - genau wie es Morton im Buch beschreibt. Diese Videos, millionenfach aus dem Internet heruntergeladen und auf CNN und ABC gezeigt, haben seine fehlende Bildschirmpräsenz mehr als wettgemacht. "War das abgesprochen, Mister Morton?" Er lächelt, sagt "nein", die seien schon vorher im Netz gelaufen - was Experten eher ausschließen. Es war wohl so, dass die Scientology-Kritiker sie gezielt und koordiniert zum Termin der Buchpremiere veröffentlichten. Damit entstanden zu viele Fronten für die Sekte, um sie alle gleichzeitig in den Griff zu bekommen. Inzwischen deutet sich an, dass Mortons Buch und die Videos in den Vereinigten Staaten erstmals seit vielen Jahren eine echte öffentliche Debatte über Scientology anstoßen - die auch schon in die Sekte hineinwirkt. Jenna Miscavige-Hill, die Nichte des Scientology-Bosses und Tom-Cruise-Vertrauten David Miscavige, stellte vor wenigen Tagen eine Erklärung ins Internet, wonach "zutrifft, was Morton über Scientology schreibt". Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied des innersten Kreises der Miscavige-Familie öffentlich Kritik an der Organisation äußerte. Die Nichte war in der Sekte aufgewachsen und hatte sie mittlerweile verlassen. Gegenüber der Berliner Zeitung erklärte der amerikanische Scientology-Abtrünnige Larry Brennan, dass auch ihr Vater Ron Miscavige vor kurzem ausgestiegen sei. "Jeden Tag rufen mich ehemalige Scientologen aus den USA an", sagt Morton, "sie sagen, dass hochrangige Funktionäre sich lösen wollen." Manchmal wirkt Andrew Morton ein wenig erstaunt darüber, welche Lawine er mit seiner Tom-Cruise-Biografie offenbar angestoßen hat. Dabei hatte er ursprünglich nur ein Buch über den erfolgreichsten Filmschauspieler der Gegenwart schreiben wollen. Doch habe er "sehr schnell begriffen, dass Tom Cruise und Scientology eins sind, "wie eine zweite Haut". Es gebe für Cruise keine Trennung von "Religion" und "Beruf", sagt Morton. Den deutschen Feuilletonisten würde er sein Buch empfehlen. Um sich genau darüber zu informieren.

sonntagonline.ch. 27.01.2008, SACHA ERCOLANI
Scientologen buhlen um Schweizer Prominente 
Hollywood-Star Tom Cruise will die Welt «säubern». Zurzeit befindet er sich für Scientology auf einem Propaganda-Feldzug. Schauspielerin Ines Torelli ist schon dabei, Musiker Florian Ast empfahl ein Buch der Sekte.
Scientology geht in der Schweiz in die Offensive: «Nach meiner Wahl zur Vize-Miss habe ich von Scientology ein Gratulationsschreiben und mehrere Bücher erhalten», verrät Sabrina Knechtli (21). Die Sekte habe sie zu einem Treffen einladen wollen. «Ich respektiere jede Art von Glauben, doch das ist überhaupt nichts für mich. Darum habe ich alle Unterlagen sofort weggeworfen.» Auch Hitproduzent und Plattenboss Roman Camenzind (32) wurde schon öfter angeschrieben: «Diese Briefe landen bei mir sofort im Mülleimer.» Dem Schweizer Soul-Star Nubya (34) lauerte man vor kurzem gar beim Spazieren in der Basler Altstadt auf: «Zwei Scientology-Mitglieder wollten unbedingt mit mir reden und haben mir, obwohl ich sie immer wieder abzuwimmeln versuchte, einen langen Fragebogen in die Hände gedrückt», so die Sängerin zu «Sonntag». «Ich habe mir das kurz angesehen. Doch bei den Fragen wurde mir übel.» Unter dem Deckmantel von Religion und Kirche verwickelt Scientology Menschen in vermeintlich seriöse Beratungsgespräche. Für anschliessende Kurse verlangt die Organisation dann Tausende von Franken. Die Opfer werden zu Rädchen in Scientologys Getriebe. Viele trennen sich vom bisherigen Leben. Es kommt zu furchtbaren Tragödien, die ganze Familien zerstören. Wegen ihrer Publicity-Wirkung sind bekannte Persönlichkeiten bei Scientology besonders willkommen: Neben Schauspieler John Travolta (54), Sänger Al Jarreau (67) oder Elvis-Witwe Priscilla Presley (62) ist Action-Held Tom Cruise (46, Bild) das aktivste und prominenteste Mitglied. Erst vor zwei Wochen tauchte im Internet ein unheimliches Video des Schauspielers auf: Es zeigt einen fanatischen Propagandisten, der vor Mitgliedern der umstrittenen Scientology-Sekte eine aufpeitschende Rede hält: «Sollen wir die Welt säubern?», schreit der Hollywoodstar ins Mikrofon – und die Anhänger im Saal schreien begeistert: «Jaaaaah!» Ein Scientologe habe die Fähigkeit, neue Realitäten zu erzeugen und die Verhältnisse zu verbessern, predigt Cruise. Er habe sich dieser Sache absolut und kompromisslos verschrieben. Scientologen seien die Herrscher über den Geist, sie könnten sogar Kriminelle rehabilitieren. «Wir sind der Weg ins Glück. Wir können Frieden verbreiten und Kulturen verbinden.» Vize-Miss-Schweiz Sabrina Knechtli hat für solches Geschrei kein Verständnis: «So etwas schockiert mich und macht Angst.» Trotz allem zählt Scientology in der Schweiz mittlerweile mehr als 5000 Anhänger – und es werden immer mehr. Auch Volksschauspielerin Ines Torelli (76) und ihr Ehemann Edi Baur sind seit mehr als 15 Jahren dabei. Selbst Mundart-Rocker Florian Ast (32, «Sex») propagierte die umstrittene Lehre. Zumindest empfahl er vor einem Jahr in der «Sonntags-Zeitung» ein Buch des Scientology-Gründers Ron Hubbard zur Lektüre. «Klar haben wir in der Schweiz auch prominente Mitglieder», bestätigt Jürg Stettler (54), Sprecher von Scientology Schweiz. «Die Namen kann ich aber nicht verraten.» Den Vorwurf, dass Scientology aktiv um Schweizer Prominenz buhle, bestreitet er. Stettler lapidar: «Die Leute kommen dank Mundpropaganda zu uns.» Deutschlands bekannteste Sektenexpertin und Buchautorin Ursula Caberta («Schwarzbuch Scientology») redet Klartext: «Die Scientologen sind eine verfassungsfeindliche Organisation, ein totalitäres System mit dem Ziel, eine neue Gesellschaft zu errichten.» Nun sollen Prominente wie zum Beispiel Tom Cruise weltweit vermehrt Türöffner spielen. Auch in der Schweiz.

Heise online,  25. 1.2008
DDoS-Angriffe für Redefreiheit 
Eine anonyme Gruppe hat Scientology im Internet den Krieg erklärt. Über ein YouTube-Video verkündet die sich selbst "Anonymous" nennende Gruppe, gegenüber der Scientology-Kirche die Redefreiheit verteidigen zu wollen. In einer Pressemitteilung soll die Gruppe zudem erklärt haben, die finanzielle Ausbeutung von Scientology-Mitgliedern durch die Organisation, die sich selbst als Kirche bezeichnet, beenden zu wollen. Zudem missbrauche Scientology den Urheberrechtsschutz, um kritische Meinungen von Webseiten wie Digg und YouTube entfernen zu lassen. Berichten zufolge hat die Anonymous-Gruppe bereits einige DDoS-Attacken auf Server von Scientology in den USA durchgeführt. Die zu Scientology gehörige Seite religiousfreedomwatch.org ist seitdem gar nicht mehr zu erreichen. Der Zugriff auf www.scientology.org soll am Wochenende durch die Angriffe gestört gewesen sein, auch andere Server der sektenähnlichen Bewegung sollen nur schwer aufzurufen sein. Scientology ist auch in Deutschland eine umstrittene Organisation. Derzeit denken die Innenminister nach, ein Vereinsverbot für Scientoloy anstrengen zu wollen. Sie unterstrichen auf der letzten Herbstkonferenz in Berlin "die Gefährlichkeit der auf Abhängigkeit ausgerichteten Aktivitäten" der Organisation und hielten im Bereich der Prävention verstärkte Bemühungen insbesondere gegen kriminelle Methoden für erforderlich. Die Minister blieben zudem bei ihrer Auffassung, dass Scientology verfassungsfeindliche Ziele verfolge. Die Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder sollen die umstrittene Vereinigung daher nun stärker ins Visier nehmen und Material für ein mögliches vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren sammeln.

Bild am Sonntag, 20.01.2008, HELMUT BÖGER und MICHAEL REMKE
Tom Cruise Sekten-Video schockt die Welt
Dieses Video schockt die Welt. Hollywood-Superstar Tom Cruise (45) wirkt darin wie ein Roboter. Er trägt eine große, blinkende Medaille an einem blau-grünen Band um den Hals. Es ist der „Freiheits-Orden“ der Scientologen-Sekte. Er starrt ins Publikum. Seine Finger sind gespreizt, wirken verkrampft. Er pocht auf ein altarähnliches Pult. Immer wieder, so als wolle er seinen Worten Kraft geben. „Leute, das ist unsere Zeit“, ruft er seinen Anhängern zu, „eine Zeit, an die wir uns alle erinnern werden.“ Er fragt: „Wart ihr dabei? Was habt ihr getan?“ Starrer Blick ins Publikum. Kurze Pause. Ein neuer Satz: „Ich bin sicher, ihr wisst, ich bin da für euch. Ich kümmere mich sehr, sehr, sehr um euch.“ Das Sekten-Video von Tom Cruise Cruise am Rednerpult – um seinen Hals hängt die eben von Scientology verliehene „Freiheitsmedaille für Mut“. Er spricht eindringlich zum Publikum, das am Ende jubelnd aufspringt . . . Ein Raunen geht durch die Reihen seiner Zuhörer. Cruises Augen wandern von rechts nach links. Immer wieder nickt er mit dem Kopf, als wolle er sich selbst zustimmen. Dann der schrille Höhepunkt seiner Rede. „So, was sagt ihr?“, fragt er und es klingt bedrohlich. Jetzt schreit Cruise: „Sollen wir die Welt säubern?“ Die Menge brüllt fanatisch-begeistert zurück: „Jaaa!“ Historiker Professor Dr. Guido Knopp (59), Chef der Redaktion Zeitgeschichte des ZDF, bewertet die Szene so: „Tom Cruise tritt auf wie Goebbels.“ Konkret denkt er an eine berüchtigte Rede von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels. Knopp zu BILD am SONNTAG: „Es mag ja sein, dass Cruises Sprechweise bei vielen Erweckungsbewegungen in den USA üblich ist. Doch die Szene, in der er fragt, ob die Scientologen die Welt säubern sollen und alle Ja rufen, erinnert zwangsläufig jeden Deutschen, der sich für Geschichte interessiert, an die berüchtigte Sportpalast-Rede von Goebbels.“ Am 18. Februar 1943 hatte Goebbels im Berliner Sportpalast gebrüllt: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ Und die Massen hatten dem Demagogen geantwortet: „Ja!“ Nach dem Satz vom „Säubern“ wendet sich Cruise in dem Video roboterhaft steif dem obersten Führer der Sekte, David Miscavige, zu. „Wir zählen auf dich“, beschwört der Star den Scientology-Chef. Der lächelt. Doch schnell wird es wieder ernst. Cruise nimmt soldatisch-stramme Haltung an, Miscavige applaudiert. Der Schauspieler hebt die rechte Hand und salutiert mit militärischem Gruß vor einem riesigen Foto des 1986 verstorbenen Sektengründers L. Ron Hubbard. Das Publikum tobt, kann sich kaum beruhigen. Der Sektenchef und sein Star fallen sich in die Arme. Abgang Cruise. Das Video ist vor vier Jahren gedreht worden. Es ist so brisant, dass die Sekte es unter Verschluss gehalten und nur vor Mitgliedern gezeigt hat. Der New Yorker Internetdienst Gawker.com hat das insgesamt eine Stunde lange Band nach eigenen Angaben „von jemandem“ zugespielt bekommen und ins Netz gestellt. Der erste Teil des Geheimvideos zeigt die Verleihung der „Freiheits-Medaille“ der Scientology-Sekte an ihr weltbekanntes Mitglied Tom Cruise und dessen Rede. Genauso beklemmend ist auch der zweite Teil – ein neunminütiges, kritikloses Bekenntnis des Superstars für eine vom deutschen Verfassungsschutz seit zehn Jahren überwachte Sekte. Unterlegt ist Cruises Glaubensbekenntnis, das für die Ordensverleihung aufgenommen wurde, mit Musik aus seinem Filmhit „Mission: impossible“. Mehr als eine Million Mal wurde das Cruise-Video bisher angeklickt und auf anderen Webseiten weiterverbreitet – trotz massiver Versuche von Scientology, die Veröffentlichung mit Hinweis auf das Urheberrecht zu verhindern. Webseiten wie YouTube zogen das Band aus dem Verkehr, Gawker.com ließ sich nicht einschüchtern. In den USA sorgt es seit Tagen für Schlagzeilen. Die „Washington Post“ nennt es „Horror-Film“. Die „Buffalo News“ fragen besorgt: „Ein gefährlicher Mann oder ein fallender Star?“ Der „National Ledger“ (Arizona) stellt fest: „Immer mehr schockierendes Filmmaterial“. „Es ist ein Privileg, Scientologe zu sein“, schwärmt Cruise im zweiten Teil des Videos in einem Interview mit einem unbekannten, und nicht sichtbaren Fragesteller, „es ist etwas, was du dir verdienen musst“. Cruise sitzt in einem Raum mit schummrigem Licht, während er das Glaubensbekenntnis für die Sekte abgibt. Ein Scientologe „hat die Fähigkeit, neue Realitäten zu erzeugen und die Verhältnisse zu verbessern“, predigt Cruise. Er habe sich dieser Sache „absolut und kompromisslos verschrieben“. Scientologen seien „die Herrscher über den Geist“, sie könnten „Kriminelle rehabilitieren. Wir sind der Weg ins Glück. Wir können Frieden verbreiten und Kulturen verbinden“. Der Star, der bis Ende Oktober 2007 bei Dreharbeiten in Deutschland den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg gespielt hat, bekennt sich dazu, dass er die Welt verändern möchte: „Ich wünschte mir, die Welt sei anders. Ich könnte in die Ferien fahren.“ Aber er könne das nicht. Er habe „dieses Wissen“. „Und wenn du dieses Wissen hast, musst du etwas tun.“ Scientology, sagt er zum Ende des Interviews, „habe eine Verantwortung zu helfen“. Dann wird Cruise noch einmal ganz deutlich: „Du bist entweder mit dabei oder nicht.“ Für Professor Knopp stellt sich „die Frage, ob Cruises Stauffenberg-Film, der im Herbst in die Kinos kommen soll, nicht doch in die Scientology-Strategie passt, um über die Person ihres Hauptdarstellers Sympathien für die Sekte zu erzeugen“. Umso mehr, so der TV-Historiker, fühle er sich nun in der Verantwortung, für seinen ZDF-Zweiteiler über den Hitler-Attentäter „die volle historische Wahrheit“ darzustellen. Wie Knopp fühlt sich auch Pfarrer Thomas Gandow (61), Scientology-Experte der evangelischen Kirche, durch das Cruise-Video an Goebbels erinnert. Gandow: „Für mich ist das ein weiterer Beleg dafür, dass Tom Cruise nicht nur ein einfaches Mitglied der Sekte ist, sondern ihr Propagandaminister. Ich bleibe dabei: Tom Cruise ist der Goebbels der Scientologen. Sein Stauffenberg-Film soll genau die Wirkung für die Scientologen erzielen wie die Olympischen Spiele 1936 für die Nazis, Sympathien für eine totalitäre Bewegung wecken.“ Die Hamburger Sekten-Expertin Ursula Caberta triumphiert: „Dieses Video, das ich seit einigen Tagen kenne, ist für mich ein ganz besonders eindrucksvoller Beleg dafür, dass ich mit meiner Einschätzung richtig liege: Die Scientologen sind eine totalitäre, verfassungsfeindliche Organisation. Tom Cruise hat die Aufgabe, den Türöffner zu spielen.“ Die deutsche Sektion der Sekte war gestern für eine Stellungnahme zum Cruise-Video nicht erreichbar.

RP-Online, 20.01.2008
CDU warnt vor Scientology-Nachhilfeinstituten 
Düsseldorf (RPO). Die CDU hat alle Eltern davor gewarnt, ihre Kinder zu Nachhilfeinstituten von Scientology zu schicken. Hierbei gehe es der Oragnisation weniger um die Förderung der Kinder, sondern um Einflussnahme. Deswegen steige Scientology massiv in den Nachhilfemarkt ein. "Eltern sollten keine voreilige Entscheidung treffen, sondern sich genau über die verschiedenen Institutionen und Angebote informieren", sagte der Sektenbeauftragte der CDU-Landtagsfraktion, Marc Ratajczak, der Nachrichtenagentur ddp in Düsseldorf. Die Scientology-Organisation versuche massiv in den Nachhilfemarkt einzusteigen, um so Kinder und ihre Eltern in ihrem Sinne zu beeinflussen.
"Nachhilfeschüler bekommen keinen fächerorientierten Unterricht, sondern eine Schulung, die sich ausschließlich an der Lerntheorie des Gründers der Psycho-Sekte, L. R. Hubbard, orientiert", sagte der CDU-Landtagsabgeordnete. Dabei stelle die Lerntechnologie nicht die eigentliche Gefahr da, sondern der persönliche Kontakt und daraus die Abhängigkeit, so Ratajczak. Eindeutige Kennzeichen einer Verbindung von Nachhilfeinstituten zu Scientology sind laut Ratajczak Namen wie "Nachhilfe und Lerntechniken", "Zentrum für individuelles und effektives Lernen (ZIEL)", "Applied Scholastics" oder "Ziel Concept". Eltern, die sich nicht sicher seien, ob die Nachhilfeorganisation von Scientologen geleitet werde, könnten sich bei dem Verein Sekten-Info NRW in Essen näher informieren, sagte der CDU-Politiker. Im Dezember 2007 hatte die Innenministerkonferenz beschlossen, ein Verbot der umstrittenen Organisation zu prüfen.

die Ost-West Wochenzeitung, 18.01.2008, Jürgen Meier
Nur Tiger überleben! - Die Scientology-Sekte ist nicht nur in Westeuropa auf dem Vormarsch
Kreuzzug Die Scientology-Sekte ist nicht nur in Westeuropa auf dem Vormarsch. Anmerkungen zu dem Opium der Eliten Scientology sei eine Psycho-Ideologie, die auf "die völlige Unterdrückung des Einzelnen" ziele. Starke Worte. Zu hören waren sie im vergangenen Jahr von einer Sprecherin der Hamburger Innenbehörde, auf deren Initiative die Innenminister der Länder nun ein Verbot der Organisation prüfen lassen. Was schwierig sein dürfte. Denn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat im April 2007 Scientology ausdrücklich als religiöse Gemeinschaft anerkannt. Die Organisation versuche "geistliche, humanistische oder ähnliche Werte" zu verbreiten, stellten die Richter fest. Worauf am 24. September der Nationale Gerichtshof Spaniens den Scientologen das Recht zusprach, sich in das Register der offiziell anerkannten religiösen Gemeinschaften einzutragen. Am 5. November 2007 erkannte Portugal Scientology offiziell als religiöse Organisation an und am 3. Dezember stellte die südafrikanische Steuerbehörde fest, Scientology sei eine Wohltätigkeitsorganisation. "In einem solchen Klima einen solchen Antrag zu stellen, ist mehr als unverständlich", stellte die Vorstandssprecherin von Scientology Deutschland, Sabine Weber, selbstsicher fest. Der "Kreuzzug Europa" zeigt Früchte. Scientology ist auf dem Vormarsch. 2007 entstanden weltweit mehr als 1.500 Zentren, Missionen und Scientology-Kirchen. In diesem Jahr wurden neue Gruppen in Afghanistan, Nigeria und Bahrain gegründet, so dass Scientology in 163 Nationen mit insgesamt mehr als zehn Millionen Mitgliedern vertreten ist. Dabei sind die "Abspaltungen" von ehemaligen Scientology-Gurus noch nicht mitgerechnet, die ihrem geistigen Vater Hubbard treu ergeben sind. Portugal breitete die Arme für die Hubbard-Manager besonders weit auf. Hier werden nicht nur wie in allen Ländern, in denen Scientology als Kirche anerkannt ist, die hohen Einnahmen aus Zeitungen, Verlagen und Kursen, nicht versteuert. Portugal erkennt sogar deren "Geistliche" an und stellt deren Eheschließungen mit der Zivilehe gleich. Diese "Geistlichen" bekommen auch das Recht zur Krankenhausseelsorge, und deren Vorschläge für Scientology-Feiertage finden staatlicherseits Beachtung. Man stelle sich vor, alle Portugiesen würden am 13. März Ron Hubbards Geburtstag als staatlichen Feiertag begehen, um sich kollektiv an den "Hubbard-Elektrometer", einem "religiösen Hilfsmittel, das während der kirchlichen Beichte benutzt wird" (Hubbard), anzuschließen, um, wie Hubbard schreibt, "Entheta in Theta umzuwandeln. Mit anderen Worten, die Aufspeicherungen von Enturbulierung aus dem Leben einer Person entfernen oder dafür sorgen, dass sie nicht mehr restimuliert sind. Ein Auditor versucht nicht, irgendetwas zu heilen. Er hebt einfach die Tonstufe an." Mit anderen Worten, ganz im Scientology-Slang, ausgedrückt: Die Festplatte des "Beichtenden" muss gelöscht und neu programmiert werden. Das wäre ein Feiertag des Irrationalismus! Die Vernunft und der Verstand des Menschen sollen zerstört werden. Dies entspricht dem Niveau der heutigen kapitalistischen Gesellschaften. Das lässt sich nicht verbieten. Scientology, so würde Erich Fromm sagen, passt in die Welt des "Marketing-Charakters" und der "unproduktiven Ich-Orientierung". Scientology ist die Glorifizierung eines amerikanisierten Egotrips: Das Leben ist ein "Spiel"! Jeder spielt für sich! Jeder kann Sieger werden! Keiner muss sterben! Jeder kann ewig leben! Kriege sind nur Teile dieses Spiels! Natürlich muss Hubbards "religiöse Philosophie", wie er seine Lehre nennt, durch Kurse im Hirn des "Clears" implantiert werden, um Krieg und Tod siegreich zu überleben. Mit "positiver Religion" (Hegel) hat diese sich selbst "moderner Buddhismus" nennende Scharlatanerie nichts gemeinsam, was der Name bereits zum Ausdruck bringt. Er setzt sich aus Scientia, lateinisch Wissenschaft, und Logos, griechisch Vernunft, zusammen. Scientology ist weder wissenschaftlich noch von Vernunft geprägt. Der Name Scientology erhebt keinen kirchlichen Anspruch. Ob Muslim, Christ oder Jude - für alle existiert ein Gott, an den geglaubt und dessen Offenbarung gelebt wird. Bei Scientology gibt es keinen Gott, vor dem alle Menschen gleich sind. Hubbards "Tonskala" ist nicht, wie die "Zehn Gebote", eine göttliche Offenbarung. Sie teilt in wertes und unwertes Leben ein. Eine Frau, die es wagt, ihr Kind abzutreiben, rutscht auf dieser Skala auf die Stufe 1.1. Der stramme Scientologe steht auf 4.4. "Leichte Geburten können nur bei Frauen erwartet werden, die relativ hoch auf der Tonskala sind", schreibt Hubbard. Wie die Praxis dieser Ideologie aussieht, soll ein Beispiel zeigen. Der Bürgermeister der Stadt Perm am westlichen Ural, Wladimir Fil, stellte Scientology im März ein mehrstöckiges Gebäude für die Einrichtung eines Hubbard-Colleges of Administration zur Verfügung. Dort werden Direktoren und Manager von 28 staatlichen oder halbstaatlichen Firmen mit Zehntausenden von Mitarbeitern auf die Scientology-Ideologie eingeschworen. Der Staatsbetrieb "Perm-Motoren", 3.000 Mitarbeiter, steht unter der Führung von Scientologen, die regelmäßig mit der Zentrale in Los Angeles in Verbindung treten müssen. Hier wie in der "Perm-Maschinenfabrik" wurden Hubbard-Colleges eröffnet, in denen die Mitarbeiter geschult werden, um im kapitalistischen Konkurrenzkampf siegen zu können. "Nur die Tiger überleben", sagt Scientology und verlangt unter anderem für Schulungen der Mitarbeiter eine Art Steuer, die deren Wirtschaftszweig World Institute of Scientology Enterprises (WISE) in Los An! geles eins treicht. Alexander Guriev, der Chef der Permer Provinzverwaltung, ist scientologisch geschult. Ebenso der Verwaltungsdirektor des größten städtischen Industriegebietes sowie der Chef des örtlichen Fernsehsenders T-7 Grigorij Volchek. Perm könnte bald die erste Millionenstadt sein, die scientologisch gemanagt und manipuliert wird. Scientology durchtränkt Russland mit einer Ideologie, die zur Freude amerikanischen Kapitals gedeiht und die die russische Bevölkerung in einzelne "Spieler" zerlegt, die keine gemeinsame Vorstellung mehr von Staat, Nation, Klasse und Gesellschaft entwickeln sollen. Übrigens in Moskau wurde Ron Hubbard nicht nur zum Ehrendoktor gekürt, ein Krankenhaus mit 400 Betten will nach seiner "Narconon-Methode" reichen, alkoholkranken Russen "Entheta" mit mehrstündigen Saunagängen, überdosierten Vitaminzugaben und viel "Hubbard-Messungen" austreiben. Gott kommt hier nicht vor. Aber Geld. Viel Geld. Zur Erfüllung dieses Zwecks orientieren sich immer mehr deutsche Personalberatungsfirmen an den Prinzipien des Dr. Steven Reiss, der den Scientology-Neopositivismus mit der Aktiengesellschaft EAMS (European Academy for Motivation System), Sitz in der Schweiz, von Ohio nach Europa tragen will. "Macht (Einfluss, Leistung, Führung, Kontrolle)" lautet das erste von 16 "Reiss-Lebensmotiven", die Menschen genauso in ein Raster schieben, wie dies in "Hubbards Tabelle der Einstufung des Menschen" geschieht. Der Professor aus Ohio hat lediglich Ron Hubbard für Europa geglättet und von viel amerikanischem Kitsch befreit. Der Zweck dieser Philosophie, ob da nun Reiss oder Hubbard die Verpackung ziert, ist der gleiche. Sie soll Geld durch Manipulation "einspielen". Nur ein "hoher Grad an Selbsterkennung bezüglich berufsrelevanter und persönlicher Werte, Ziele und Motive" könne das "eigene Führungsverhalten optimieren". "Wie treffe ich richtige Personalentscheidungen unter Beachtung der Motivation?" "Wie setze ich Teams optimal zusammen?" fragt die Berliner Personalberatung Mannroth, die ihre täglichen Manipulationsaktivitäten auf Dr. Reiss stützt und genau das umsetzt, was auch Hubbards Ziel war. Skrupellose Manager sollen ihren "Job" als "Spiel" begreifen, bei dem jene über die Klinge springen, die keinerlei "Macht"-Motiv in sich verspüren, sondern die sogar noch froh sind, wenn sie mit einem "Ein-Euro-Job" ihr klägliches Leben aufbessern dürfen, ganz zu schweigen von! jenen Men schen, die aus Not die Flucht von Afrika über das Mittelmeer auf sich nehmen, um überleben zu können. Ob Reiss oder Hubbard, jeder aktualisiert den Neopositivismus auf seine Weise und will den Blick auf die Totalität des Lebens verhindern. Eine an sich seiende Wirklichkeit gibt es hier nicht. Der Mensch wird weder als Gattungswesen noch als Individuum verstanden. Alles wird durch den "Thetan" beherrscht. Die Natur als vom Menschen unabhängige Seinskategorie, mit der der Mensch arbeitend in Beziehung tritt, wird negiert; denn alles Denken und Tun ist auf Manipulation anderer und des eigenen Selbst abgestellt. Wie wird mein Staat, mein Betrieb, mein Produkt, mein "Team", wie werde ich im "Spiel" der Konkurrenz zum Sieger? Das ist die Zentralfrage des Scientology-Positivismus. Deshalb gewinnt er in allen kapitalistischen Ländern an Einfluss. Die Wissenschaft soll dem Zweck der universellen Manipulation dienen. Sie soll nicht dazu beitragen, dass sich die Erkenntnis über die Wirklichkeit tatsächlich vertieft. So beginnt jedes Scientology-Seminar damit, die Wirklichkeit als ! objektive Kategorie zu negieren; denn, so lernen alle Neopositivisten, also nicht nur die Scientologen: Die Wirklichkeit ist immer subjektiv. Daher kommt es nur auf die eigene Sichtweise an, nicht auf die Prozesse von Dingen und Beziehungen von Menschen, die sich hinter den Erscheinungen des eigenen Sichtvermögens verbergen. Durch bombastisch klingende Termini will Scientology allerdings Wissenschaftlichkeit vermitteln. "Wie es aber eine leere Breite gibt, so auch eine leere Tiefe", würde Hegel vermutlich diese Geistesblasen kommentieren, dessen dialektische Methode die Neopositivisten gar nicht mögen. Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg sind nur "Spiele" für den Scientologen, also nichts, was zur gesellschaftlichen Totalität gehört. Spiele sind aber bekanntlich immer Begegnungen von einzelnen Menschen, nicht von Völkern oder Klassen. Im echten Spiel ist die gesellschaftliche Wirklichkeit der Menschen ausgeklammert. Im Spiel kommen nur Spaß und Freude auf, wenn der Ehrgeiz die Spieler dazu treibt, die eigene Technik und Methode zu verbessern, um Sieger zu werden. Was im Spiel Spaß bringen kann, ist im Leben allerdings oft unmenschlich und tödlich. Die Wirklichkeit ist nämlich kein Spiel. Sie ist eine Totalität von Totalitäten natürlicher und menschlich-gesellschaftlicher Prozesse. Hie! r geht es um Leben und Tod, um Klima, um Hunger, Angst, Furcht, Lust, Liebe und Vernunft. Um in dieser Totalität menschlich denken und handeln zu können, braucht es keinen Neopositivismus, gleichgültig in welchem Gewand er daher kommt, sondern einen wissenschaftlich ungetrübten Blick auf diese Gegebenheiten. Dialektisches Denken ist gefragt und ein Blick, der begreift, dass wir in dieser Totalität des gesellschaftlichen Seins intensiv von den ökonomischen Kategorien geprägt werden und nicht von einem "Thetan" oder einer "Energie" oder von sonstigen Weltgeistern oder Außerirdischen.

Tagesspiegel, 13.01.2008, Claudia Keller
Politiker stehen unter Beobachtung (Scientology ) 
Seit einem Jahr gibt es die Hauptstadtzentrale der Organisation. Ihr Ruf hat sich seitdem nicht verbessert - obwohl sie seither massiv für ihre Ziele wirbt – auch bei Politikern.
Tom Cruise ist „bitter enttäuscht“. Er hat allen Charme aufgebracht, genutzt hat es nichts – der Stand von Scientology ist immer noch schlecht in Deutschland. So schrieb es das amerikanische Internet-Magazin „Monsters and Critics“. Cruise, bekennendes Mitglied der Organisation, hatte einer Reporterin anvertraut, dass er während des „Valkyrie“- Filmdrehs alles getan habe, um den Leuten normal vorzukommen und ihre Meinung über Scientology zu ändern. Aber selbst sein „Megawatt-Lächeln“ habe nichts bewirkt, schreibt das Magazin. Ums Ansehen ging es auch, als Scientology vor einem Jahr die 4000 Quadratmeter große Hauptstadtzentrale an der Otto-Suhr-Allee eröffnete. Aber nicht nur das, wie Verfassungsschützer und Kritiker der Organisation befürchteten: Das Ziel sei auch gewesen, Kontakte zur Politik zu knüpfen. „In der Hauptstadt sind alle wichtigen Organisationen vertreten. Da wollen wir nicht fehlen“, sagte ein Scientology-Sprecher damals. In einem internen Strategiepapier stand: „Um unsere planetarischen Rettungskampagnen in Anwendung zu bringen, müssen wir die obersten Ebenen der deutschen Regierung in Berlin erreichen.“ In einer internen Stellenausschreibung hatte es außerdem geheißen, die Berliner Mitarbeiter sollten „die nötigen Zufahrtsstraßen in das deutsche Parlament bauen, um unsere Lösungen tatsächlich eingearbeitet zu bekommen in die gesamte deutsche Gesellschaft“. „Die Einflussnahme läuft immer über persönliche Kontakte“, sagt Ursula Caberta, die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology in der Hamburger Innenverwaltung. Wie es scheint, hat sich Scientology dafür zunächst das Berliner Abgeordnetenhaus vorgenommen. Viele Abgeordnete bekommen Werbebroschüren geschickt und Dokumente, die beweisen sollen, dass Scientology in anderen Ländern als Religion anerkannt wird. Politiker von SPD, CDU und FDP berichten von einer „sehr intensiven Lobbyarbeit“ der Organisation. Regelmäßig vor Sitzungen des Innenausschusses werde er von der Scientology-Sprecherin angerufen, sagt zum Beispiel Björn Jotzo, der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion. Sie wolle wissen, ob der Verfassungsschutz tatsächlich die Beobachtung aufgenommen habe, oder sie rate ihm, wie er sich in der Ausschusssitzung verhalten und etwa das von der CDU geplante „Kompetenzzentrum Scientology“ ablehnen solle. Er gehe grundsätzlich auf den „großen Gesprächsbedarf“ der Scientologen ein, wie bei anderen Bürgern auch. Die Gespräche seien eine Gelegenheit, die eigene, scientologykritische Meinung zu äußern. Und gegen Pläne für ein Kompetenzzentrum sei er sowieso und nicht, weil ihm Scientology dies souffliert habe, sagt Jotzo. Die Scientology-Sprecher Sabine Weber und Reinhard Egy würden auch zu den Sitzungen des Innenausschusses kommen und eifrig mitschreiben. Auch bei zahlreichen anderen Veranstaltungen des Abgeordnetenhauses wurden sie gesehen. Frank Henkel, innenpolitischer Sprecher der CDU, und die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Christa Müller (SPD), erzählen, dass Scientology-Mitarbeiter in ihre Bürgersprechstunden kommen. Sie seien sehr zuvorkommend und höflich, die Gespräche verliefen aber „völlig belanglos“, sagt Müller. Nur einmal sei sie „irritiert“ gewesen: als Reinhard Egy ihr seine „Bewunderung“ dafür ausgedrückt habe, wie souverän sie eine Sitzung des Bildungsausschusses geleitet habe, in der es um ein Verbot von Scientology ging. Sie habe signalisiert, dass sie keinen weiteren Gesprächsbedarf sehe. CDU-Mann Frank Henkel wurde von seinem Scientology-Gast in der Bürgersprechstunde auf der sachlichen Ebene angesprochen. Man habe eine gemeinsame Basis beim Kampf gegen Drogen, habe der Mann betont, da könne man doch zusammenarbeiten. Henkel sagt, sie als Abgeordnete seien zwar nicht anfällig, Fans von Ron Hubbard zu werden. Sie könnten aber als Politiker Scientology hoffähig machen. Das sei gefährlich, er sei sich dessen bewusst. Als besonders dreist empfanden die Mitarbeiter der Senatskanzlei jene Werbebroschüre, die ihnen im November von Scientology zugeschickt wurde. Auf der Rückseite war der Name des Regierenden Bürgermeisters, Klaus Wowereit, aufgedruckt. Auf den ersten Blick habe das gewirkt, als hätte Wowereit selbst die Broschüre verschickt. „Wir haben sofort eine Aufforderung zur Unterlassung zurückgeschickt“, sagt Senatssprecher Günter Kolodziej. Auch weil man Angst hatte, dass es rechtlich als Zustimmung gewertet werden könne, wenn man nicht reagiere. Auch die Spandauer Jugendstadträtin hat solche Broschüren mit ihrem eigenen Namen auf der Rückseite erhalten. Manchen Abgeordneten werden Werbebroschüren auch nach Hause geschickt, „wohl um zu demonstrieren, dass die Organisation weiß, wo man wohnt“, sagt Thomas Kleineidam, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Um sich über die Aktionen von Scientology besser auszutauschen, gibt es nun auf ein Gesprächsforum: Alle paar Monate treffen sich Vertreter der Innen- und der Bildungsverwaltung des Senats mit Mitarbeitern des Verfassungsschutzes, der Bezirke und der Kirchen. Bei den Bundestagsfraktionen hat es Scientology bislang offenbar dabei belassen, Hubbards Hauptwerk „Dianetik“ und andere Werbebroschüren an Abgeordnete zu schicken. Die Sektenbeauftragte der CDU-Bundestagsfraktion erhält viel Post von Eltern, die um mehr Schutz für ihre Kinder bitten, denen Ärzte angeblich das Beruhigungsmittel Ritalin verabreicht hätten. „In der Regel stellt sich heraus, dass Scientology-Mitarbeiter die Briefe verfasst haben“, sagt Antje Blumenthal. Die Ablehnung von Ritalin ist Teil des Kampfes von Scientology gegen die Psychiatrie, der die Organisation unter anderem vorwirft, aus gesunden Menschen Drogenabhängige zu machen. Politiker, die mit der Psycho-Organisation bisher zu tun hatten, weisen weit von sich, dass die Zusendungen, Gespräche und Begegnungen etwas an ihrer kritische Haltung gegenüber Scientology verändert hätten. „Den Einfluss werden wir erst sehen, wenn wieder ein Gesetz auf den Weg gebracht wird, das in seiner Wirkung Scientology betrifft“, sagt Ursula Caberta. Hubbards Buch „Dianetik“ endet mit dem Gruß der Jäger „Waidmanns Heil“. „Die sind auf der Jagd“, sagt der Sektenexperte der Berliner SPD Jörn Thießen. „Passen wir auf.“

SWR, 12.01.2008
Scientology in Baden-Württemberg stärker aktiv
Die von Sicherheitsbehörden als verfassungsfeindlich eingestufte Scientology-Organisation hat ihre Aktivitäten in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr verstärkt. An der Gründung einer Repräsentanz in Stuttgart werde gearbeitet, hieß es. Für die Gründung einer solchen Repräsentanz hätten die Organisatoren den 8. August 2008 im Blick. Aber auch in anderen wirtschaftlich starken Großstädten sollen diese "Idealen Orgs" etabliert werden, sagte ein Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz. Mitgliederzahl steigt langsam Scientology konzentriere sich bundesweit in Wirtschaftsregionen, "dort, wo etwas zu holen ist", sagte der Sprecher weiter. Dazu zählten neben Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, das Rhein-Main-Gebiet, Hamburg, Berlin und Bayern. Die Zahl der Mitglieder der Scientology-Organisation in Baden-Württemberg sei 2007 annähernd gleich geblieben - es gebe nur eine leicht steigende Tendenz. Im Jahr 2006 zählte die Gruppe rund 1.000 Mitglieder. Rech warnt vor Verbot der Organisation Innenminister Heribert Rech (CDU) hatte zuletzt vor einem Verbot der totalitären Gruppe gewarnt. "Eine Ideologie kann man durch Gesetze nicht verbieten. Mit Parteiverboten sowieso nicht", sagte er. Um gegen Scientology vorgehen zu können, hatte die Innenministerkonferenz (IMK) dem Verfassungsschutz einen Prüfauftrag erteilt. Unter Federführung des Bundes sollen Informationen gesammelt werden, "die für ein mögliches vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren mit dem Ziel eines Verbotes erforderlich sind". Scientology hingegen bestreitet, verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen.




2007

Epochtimes, 24.12.2007
Rech warnt vor Einfluss von Scientology 
Innenminister fordert hartnäckige Bekämpfung – CDU-Politiker sieht auch Medien in der Pflicht
Stuttgart – Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech befürchtet einen verstärkten Einfluss von Scientology in Deutschland. Die Organisation versuche, Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft von ihrer Ideologie zu überzeugen, um Einfluss und Macht in Staat und Gesellschaft zu gewinnen, warnte der CDU-Politiker in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Bekämpft werden müsse sie vor allem durch Aufklärung und Information. In der Verantwortung sieht Rech dabei neben Landesamt für Verfassungsschutz, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen auch die Medien, die über die wahren Ziele von Scientology informieren müssten. „Die Gefährlichkeit resultiert aus ihrem harmlosen Auftreten“, sagte Rech. Scientology stelle sich als staatstreue und dem Gemeinwohl verpflichtete Erlösungsreligion mit karitativem Anstrich dar. „In Wahrheit ist die Organisation verfassungsfeindlich, totalitär und streng hierarchisch von der Zentrale in den USA geführt.“ Ihr weltweit angestrebtes Gesellschaftsmodell sei demokratiefeindlich und menschenrechtsverletzend. „Scientology muss dort vom Verfassungsschutz beobachtet werden, wo sie Aktivitäten entfaltet“, forderte Rech. Jedes Land müsse das für sich entscheiden. In Baden-Württemberg werde die Organisation seit 1997 beobachtet. Bundesweit hat Scientology laut Rech rund 6.000 Mitglieder. Schwerpunkte seien nach wie vor Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg. Nach Rückschlägen in den 90er Jahren habe sich die Organisation durchaus konsolidieren können und ihre Werbung intensiviert. Das gehe sogar soweit, dass versucht werde, flächendeckend die Bücher des Gründers L. Ronald Hubbard an Bibliotheken zu versenden. Besonders gefährlich sei, dass die Organisation immer häufiger Hilfsorganisationen benutze, bei denen zunächst nicht zu erkennen sei, dass Scientology dahinter stecke, sagte der CDU-Politiker: „Durch vorgeschobene Kampagnen für Bildung oder Menschenrechte blendet sie die Öffentlichkeit über ihre wirklichen totalitären Ziele.“ In ihren internen Verlautbarungen schlage die Organisation in letzter Zeit einen deutlich aggressiveren Ton gegen Institutionen der Bundesrepublik und der EU an. Ein wichtiges Ziel für sie sei dabei die Anerkennung als Religionsgemeinschaft. Deshalb sei es Scientology so wichtig, nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. „In Baden-Württemberg wird das nicht gelingen“, sagte Rech. (AP)

www.shortnews.de 21.12.2007
Scientology manipulierte Umfrage 
Bei "Welt-online" gab es, auf Grund des Treffens der 17 Innenminister in Berlin, einen Artikel und eine Umfrage auf der Nachrichtenseite. Bei dem Treffen kamen die Innenminister zu dem Ergebnis, dass Scientology eine mit der Verfassung nicht vereinbare Organisation sei. Außerdem wollte man ein Verbot der Sekte überprüfen. Bei der Umfrage ging es darum, ob man Scientology verbieten solle. Die Abstimmung verlief ungewöhnlich gut, etwa 4.000 Leute stimmten ab. Das Ergebnis war noch ungewöhnlicher, 73 Prozent waren gegen das Verbot. Thomas Gandow ist Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche, er lieferte die Erklärung: In den USA wurden per E-Mail Scientology-Mitglieder aufgerufen, bei der Umfrage gegen ein Verbot zu stimmen. Diese E-Mail wurde Gandow zugespielt.

Die Presse, 17.12.2007
„Gehirn an der Garderobe abgegeben“ 
Bei Scientology geht es weniger um spirituelle Erfüllung, sondern nur um Macht und Geld, sagt ein Aussteiger.
WIEN. „Mein Gehirn hatte ich an der Garderobe abgegeben und dann den Zettel verloren.“ Gefunden hat Wilfried Handl seinen Garderobenzettel erst 28 Jahre später, als er aus dem umstrittenen Verein Scientology ausstieg und sein Leben selbst in die Hand nahm. Der Wiener, der sogar Chef des österreichischen Scientology-Ablegers war, gibt heute zu, „Täter“ gewesen zu sein. Er habe Menschen manipuliert und unter Druck gesetzt, um der Organisation zu dienen. Vom amerikanischen Science-Fiction Autor L. Ron Hubbard 1954 gegründet, verspricht Scientology seinen Mitgliedern spirituelle Erlösung. Diese findet man, wenn man die „Brücke zur Freiheit“ emporklettert. Um den höchsten Bewusstseinszustand zu erreichen, ist es nötig, eine Reihe kostspieliger Kurse zu absolvieren, von Scientology „Auditing“ genannt. Persönlichkeitstests, bei denen laut Insider-Berichten alles andere als zimperlich mit den Teilnehmern umgegangen wird, tragen zur spirituellen Reinigung bei. Äußerst straff und streng hierarchisch ist dieses Kurssystem aufgebaut, um das Handeln und Denken im Sinne Hubbards durchzusetzen. „Gehirnwäsche“ nennt Aussteiger Handl die Therapie-Kurse. Religiöse Erfüllung spiele da kaum eine Rolle. „Da geht es um Macht und um Geld“, sagt Handl. Er selbst hat rund 140.000 Euro bei Scientology gelassen. Als Verein registriert Weltweit unterhält Scientology ein weit verzweigtes Netz an Unterorganisationen, die nicht unbedingt als solche erkannt werden wollen. Unternehmensberater oder Werbeagenturen agieren im Sinne Ron Hubbards. Der Gründer selbst benennt auch Geld und Machtausübung als wichtige Säule der Lehre. So gibt es etwa militärisch strukturierte Unterorganisationen, die auch in Uniformen auftreten und die sich darum kümmern, dass die jeweiligen Landesorganisationen ihr Plansoll erfüllen. Ist Scientology nun eine Religion oder bloß eine machtgierige Sekte? Diese Frage beschäftigt derzeit einige europäische Länder. In Deutschland wird immer wieder diskutiert, ob Scientology aufgrund von Verstößen gegen die Verfassung verboten werden sollte. Andernorts herrscht Gleichgültigkeit – wie etwa in Österreich. Anders als in Deutschland wird Scientology nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Scientology steht weder beim Innen- noch beim Familienministerium unter Beobachtung. Legal gesehen handelt es sich um einen Verein mit religiösem Zweck. Eine Anerkennung als Bekenntnisgemeinschaft oder Religion hat man hierzulande (noch) nicht angestrebt. Angelika Thonauer von Scientology Österreich sieht alle Voraussetzungen zur Anerkennung als Religionsgemeinschaft erfüllt: „Wir haben gemeinnützige Programme, wirken breit in die Gesellschaft hinein und arbeiten für die religiöse Erfüllung.“ Dass Aussteiger negativ berichten, sei wohl klar. „Demgegenüber stehen Millionen zufriedener Kunden“, behauptet Thonauer. Immer wieder beziehen sich Scientology-Sprecher auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg. Dort befand man 2007, ein Verbot der Scientology-Kirche verstoße gegen die Menschenrechte. Doch auch in Belgien könnten sich bald die Gerichte mit Scientology befassen – wenn auch auf andere Art und Weise. Der Staatsanwalt will die Organisation wegen Betrug und Erpressung anklagen. Krank von der Lehre abgewendet Geht es nach Handl, dann macht die Scientology-Kirche mit ihren Science-Fiction-Fantasien (siehe Kasten) finanziell und psychisch abhängig. Denkstrukturen und Muster, die er bei Scientology so lange eingeübt hat, die wird er so schnell nicht los. Obwohl er im Jahr 2002 aufgrund einer Krebserkrankung Scientology den Rücken kehrte und seither als „unerwünschte Person“ gilt, ertappt er sich manchmal noch immer dabei, dass er Scientology-Muster verwendet. „Heute bin ich zu fast 90 Prozent Mensch. Der Rest ist noch immer Scientologe.“

muensterschezeitung.de, 10.12.2007
Adventsmarkt: Scientology-Anhänger sammelt Adressen
MÜNSTER An den bunten Puppen am Stand Nummer 38 des Aegidii-Adventsmarkts schaut man nur schwer vorbei. Da sitzen die "Kumquats" und lachen. Die kleinen Stoffpuppen sind wirklich süß, aber wo sie auftauchen, kann es schon mal Ärger geben. Sie werden von der Firma Bodrik hergestellt, deren Inhaber Ludwig Bodrik Scientology-Mitglied ist. Er hat Stand 38 angemeldet.
Britte Hahn kennt die Firma und auch die "Kumquats". Die Leiterin der Fachstelle für Sekten- und Weltanschauungsfragen des Bistums Münster muss nur einen Blick in ihr Archiv werfen, dann findet sie gleich eine ganze Reihe von Einträgen, zum Beispiel einen aus dem Jahr 2001. Damals hatte der Betreiber des Christkindlmarkts in Nürnberg dem Budenbetreiber Thomas Görtler verboten, von seinen Kunden die Adresse zu verlangen. Weil Scientology über die Puppen versuche, an Kontaktdaten zu kommen, hieß es in den Nürnberger Nachrichten. Wenn man die Verkäuferin zwischen den bunten Puppen auf dem Weihnachtsmarkt in Münster nach Verbindungen zu Scientology fragt, sagt sie, man habe ihr versichert, die gebe es nicht. Man müsse ihren Chef fragen: Thomas Görtler. Der sammelt auch in Münster eifrig Adressen, streitet jedoch ab, diese weiterzugeben. "Keine der Adressen verlässt unser Haus", sagt er. Warum er sie sammle? Jedes Unternehmen mache das. Wer unterschreibe, bekomme Werbung. Mehr nicht. Man zwinge niemanden zur Unterschrift. Die Firma von Ludwig Bodrik hat eine Verquickung der Interessen von Unternehmen und Scientology ebenfalls mehrfach zurückgewiesen. Es gehe um den Verkauf von Spielzeug. Propaganda Brigitte Hahn zweifelt das an. Die Mitglieder der Organisation seien angewiesen, ihre gesellschaftlichen Kontakte zu nutzen. Wenn der Budenbetreiber Scientology-Mitglied sei, müsse man davon ausgehen, dass die Sekte auch mit den Erlösen unterstützt werde. Dass Thomas Görtler Scientology-Mitglied ist, streitet er nicht ab. Aber das sei Privatsache und habe mit dem Geschäft nichts zu tun. Brigitte Hahn sagt: "Sicher ist, dass Kumquat-Käufer vor Jahren Propaganda von der KVPM bekamen." Die KVPM ist die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte, gegründet von Scientology. Der Verfassungsschutz überwacht Scientology seit langem. "Es läuft gerade ein Verbotsverfahren", sagt Brigitte Hahn. Die Organisation wolle die Vefassung unterwandern. "Ich weiß gar nicht, warum die noch einen Marktstand bekommen", sagt sie. Weihnachtsmarkt-Betreiberin Heidi Hungeling interessiert das Thema nicht so sehr. Der Mann stehe dort schon seit Jahren. Man möge ihn doch bitte in Ruhe lassen.

Pressestelle des Senats 07.12.2007/bfi07
Innenminister der Länder unterstützen Hamburg im Kampf gegen die Scientology Organisation Innenministerkonferenz in Berlin
Innensenator Udo Nagel informierte während der Innenministerkonferenz in Berlin sei-ne Länderkollegen über rechtliche Wege für ein mögliches Verbot der Scientology Or-ganisation (SO). Die Innenminister sind der Auffassung, dass die SO unverändert verfassungsfeindliche Ziele verfolgt. Weiterhin unterstreichen die Mitglieder der Innenministerkonferenz in ih-rer Beschlussfassung die Gefährlichkeit der auf Abhängigkeit gerichteten Aktivitäten der Organisation. Hier seien verstärkte Bemühungen um Prävention gegen kriminelle Methoden erforderlich. Auf Antrag Hamburgs haben sich die Mitglieder der Innenministerkonferenz einstimmig dafür ausgesprochen, dass die Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Län-der unter der Federführung des Bundes Informationen sammeln und bewerten, die für die Einleitung eines Verbotsverfahrens erforderlich sind. Innensenator Udo Nagel: „Ich bin sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Die Innenmi-nister aller Bundesländer sind sich einig, dass es sich bei der SO um eine verfassungs-feindliche und kriminelle Organisation handelt. Gemeinsam werden wir daran arbeiten, die Voraussetzungen für ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren durch den Bun-desinnenminister zu schaffen.“ Zum Hintergrund: Bereits seit 1992 gibt es in Hamburger Innenbehörde die Arbeitsgruppe Scientology unter der Leitung von Ursula Caberta. Damit war Hamburg das erste Bundesland, das sich mit dem gefährlichen Wirken dieser Organisation beschäftigte und Aussteigern Hil-fe bietet. Darüber hinaus wird die Scientology Organisation (SO) von den Verfassungs-schutzbehörden beobachtet. 1 Gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz legte die SO Beschwerde beim Verwaltungsgericht Köln ein, die 2004 abschlägig beschieden wurde. Das Verwal-tungsgericht stellte in seinem Urteil fest, dass die SO verfassungsgefährdende Ziele verfolgt und damit die Beobachtung rechtmäßig ist. Gegen dieses Urteil läuft eine Be-rufung, die zurzeit noch anhängig ist. Ein Verbot der SO auf der Basis des Vereinsgesetzes ist aus Sicht der Hamburger In-nenbehörde deshalb möglich, weil ein Verein, dessen Zweck es ist, die gesellschaftli-che Ordnung zu unterwandern und zu beseitigen - also verfassungsfeindliche Ziele verfolgt - verboten werden kann. Für die SO gilt außerdem, dass es sich um einen aus-ländischen Verein handelt, denn die SO hat ihren Hauptsitz in den USA. Solche Verei-ne können verboten werden, wenn sie die politische Willensbildung in Deutschland be-einträchtigen oder gefährden. Innensenator Udo Nagel: „Mit meinem Engagement gegen diese Organisation möch-te ich den Menschen ein Signal geben: Die Scientology Organisation ist eine für unsere Gesellschaft gefährliche Organisation, mit der man sich nicht einlassen sollte.

Der Stern, 07.12.2007
Innenminister 
Scientology ist verfassungsfeindlich
Wird die umstrittene Sekte Scientology jetzt doch verboten? Die Innenminister von Bund und Ländern haben beschlossen, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten. Gegenüber stern.de erläutert die Hamburger Scientology-Beauftragte, warum sie ein Verbot der selbsternannten Kirche für sinnvoll hält. Die Hansestadt Hamburg hat ein besonderes Verhältnis zu Scientology. Jahrelang hatte die selbsternannte Kirche ihre Deutschlandzentrale in bester Innenstadtlage zwischen dem Verlagsgebäude der altehrwürdigen "Zeit" und dem Rathaus. Mittlerweile sind die Scientologen nach Berlin gezogen, aber in der Hansestadt gibt es dennoch zwei offizielle Niederlassungen. Vielleicht auch wegen dieser ständigen Präsenz unternimmt Hamburgs Innensenator Udo Nagel nun den Versuch, die Sekte verbieten zu lassen. "Extreme politische Gruppierung" "Nach allen Erkenntnissen ist Scientology eine politisch extreme Gruppierung, von der eine Gefahr für die Gesellschaft ausgeht", sagte Ursula Caberta, die Hamburger Scientology-Beauftragte, zu stern.de. Zwar haben die Länder jahrelang versucht, mit Aufklärungskampagnen gegen die Mitgliederwerbung der Sekte vorzugehen, doch die hätten laut Caberta nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Deswegen nun der Verbotsvorstoß des Innensenators. Und seine Kollegen ziehen mit: Auf der Innenministerkonferenz in Berlin haben sich die Minister darauf verständigt, dass das Bundesinnenministerium ein Verbot der Organisation prüfen solle. Alle 17 Teilnehmer der Innenministerkonferenz seien sich einig gewesen, "dass wir Scientology für eine nicht mit der Verfassung vereinbare Organisation halten", sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Berliner Innensenator Ehrhart Körting. Scheitern könnte "fatalen Signalcharakter" haben Trotz ihrer Verbotsbereitschaft haben einige Bundesländer allerdings Zweifel, ob das der richtige Weg ist, sich mit der Sekte auseinanderzusetzen. So sagte Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU), ein Scheitern des Staats vor Gericht könne einen "fatalen Signalcharakter" haben. Bei einem Verbot würde Scientology wahrscheinlich noch mehr als bisher im Verborgenen aktiv sein. Scientology selbst bezeichnet sich als Kirche, ein Status, der der Sekte in Deutschland aber nicht zuerkannt wird. Deshalb firmiert die Organisation offiziell als eingetragener Verein. Die Innenminister versuchen, ihn über ein Vereinsverbot aufzulösen. Niedersachsens CDU-Innenminister Uwe Schünemann aber ist skeptisch: "Es ist die Frage, ob es nach dem Vereinsverbot möglich ist, ihnen beizukommen", sagte ein Sprecher Schünemanns. Zudem, so Schünemann, gehen "unsere Fachleute davon aus, dass ein Vereinsverbot auf tönernen Füßen stünde". Das Vereinsgesetz ermöglicht ein Verbot ausländischer Organisationen, wenn diese etwa die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden. Bereits 1997 war ein Versuch gescheitert, Scientology über das Strafrecht zu verbieten. Die Sekte, deren bekanntester Anhänger der Schauspieler Tom Cruise ist, hat laut Verfassungsschutz in Deutschland rund 6000 Mitglieder - die Organisation selbst spricht von 30.000. Die Scientology-Lehre führt laut Bundesfamilienministerium "häufig zu psychischer und finanzieller Abhängigkeit". Scientology-Mitarbeiter nutzen im Zweiergespräch, dem so genannten Auditing eine psychologische Technik, die nach Ansicht von Sektenbeauftragten manipulierbar macht. Mit zunehmender Abhängigkeit verlangt Scientology nach Berichten von Aussteigern für Kurse immer mehr Geld. Deutschland ein "viertes Reich"? Der Sinn von Verboten solcher Organisation ist bei Experten umstritten. Ähnlich wie bei der Debatte über ein NPD-Verbot befürchten einige, die Sekte würde illegal weitermachen, sei so aber noch schwerer zu kontrollieren als ohnehin schon. Scientology reagiert auf die Verbotsüberlegungen harsch und hatte vor einiger Zeit Deutschland als "viertes Reich" bezeichnet, in Anspielung auf den Umgang mit Kirchen im Dritten Reich. Die "Süddeutsche Zeitung" kommentiert die aktuelle Diskussion mit den Worten "Die Dämonisierung der schwächelnden Truppe als Staatsfeind würde nur einer Gruppe nützen: Scientology." Ursula Caberta allerdings will beobachtet haben, dass allein schon die Verbotsdiskussion viele Mitglieder der Sekte zum Ausstieg bewegt habe. "Viele sind ohnehin auf dem Sprung." Ein Verbot, hofft die Scientology-Beauftragte, könnte vielen Betroffenen die Augen

Süddeutsche, 07.12.2007, Matthias Drobinski
Staatsfeind Scientology 
Scientology ist gefährlich. Jetzt soll das Bundesinnenministerium einen neuen Verbotsantrag gegen die Psycho-Sekte prüfen. Doch die Sache hat einen Haken. Die Dämonisierung der schwächelnden Truppe als Staatsfeind würde nur einer Gruppe nützen: Scientology.
Still geworden war es um Scientology, das Wert darauf legt, als Religionsgemeinschaft zu gelten, stiller als in einem Freibad bei Schneefall. In diesem Frühjahr aber gelang es der Organisation, einiges öffentliches Aufsehen zu erregen. Unbemerkt vom Berliner Senat richtete sie ein 4000 Quadratmeter großes Zentrum in der Hauptstadt ein; Scientology ist nun nicht mehr zu übersehen in Berlin. Und dann kam Tom Cruise, der Schauspieler und bekennende Scientologe, und wünschte, als Claus Graf Schenk von Stauffenberg dort gefilmt zu werden, wo der echte Stauffenberg am Abend des 20. Juli 1944 von Hitlers Schergen erschossen wurde. Darf ausgerechnet Cruise den politischen Märtyrer spielen? Die Frage erschütterte die Feuilletons. Die politische Quittung dafür kommt jetzt: Die Innenminister Udo Nagel (Hamburg, parteilos), Ehrhart Körting (Berlin, SPD) und Albrecht Buttolo (Sachsen, CDU) wollen Scientology das Handwerk legen. Seit 2001 erlaubt es das deutsche Recht, auch religiöse Vereine zu verbieten, wenn ihre Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderläuft, sich gegen die Verfassung richtet oder gegen die Völkerverständigung. Das Gesetz richtet sich vor allem gegen islamistische Gruppen, nun könnte es die Gläubigen des Science-Fiction-Autors L. Ron Hubbard treffen. Wobei die drei Minister ihr Anliegen mit gebremster Verve vortragen: Der Bund solle bitte prüfen, ob das geht. Nun gibt es gute Gründe zu sagen: Scientology ist gefährlich. Hubbards Ideologie vom Erfolg als Maß aller Dinge beruht auf der Phantasie, mit Hilfe bestimmter Techniken zum vollkommenen Menschen zu werden und die Erde zu beherrschen. Die Sitzungen am E-Meter erinnern an Gehirnwäsche, Gegner gelten als vogelfrei; Aussteiger berichten von Abzockerei und von Druck, der Menschen bis in den Suizid treibe. Und über allem leuchtet das grelle Pathos der Weltverbesserung durch Hubbards Methoden; wenn Tom Cruise, als ihm ein vergoldetes Rehkitz überreicht wird, "es lebe das heilige Deutschland" ruft - Stauffenbergs letzte Worte, dann hört man das obszöne Scientology-Wortgeklingel Nur: Genügt dies für ein Verbot? Die Bundesländer haben ja keine Ideologiekritik zu betreiben, wenn sie Vereine verbieten - dass dies bei der Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts anders ist, ist eine Ausnahme. Sonst soll der Staat nicht Gedanken verhindern, sondern verfassungsfeindliche Bestrebungen, und die sind bei Scientology nur mit einiger Interpretationskunst erkennbar. Natürlich würde die Organisation gerne die Politik infiltrieren, die Wirtschaft unterwandern, in der Kultur eine Rolle spielen; allein, es fehlt ihr die Kraft dafür. Scientology, sagen die meisten Weltanschauungsexperten, steckt in Deutschland in der Krise. Die Zahl der Anwerbungen bleibt hinter den Erwartungen zurück, die Organisation hat keine 10.000 Mitglieder mehr und, anders als in den USA, ein Schmuddelimage. Wer das neue Zentrum in Berlin besucht, merkt schnell, dass aus ganz Deutschland und Europa Scientologen in die Hauptstadt abkommandiert wurden; das neue Gebäude ist weniger eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung als vielmehr eine glitzernde Fassade, wie sie Generalfeldmarschall Fürst Grigori Potemkin nicht besser hätte hinstellen können. Und wenn einer glaubt, es mache ihn glücklich, wenn er, zwei Metallröhren in der Hand, sein Innenleben nach außen stülpt; und wenn er dann noch im Laufe seines Scientologenlebens dafür 50.000 Euro bezahlt - dann kann es der Staat nicht verhindern. Er kann höchstens dem armen Menschen helfen, einen Teil des Geldes zurückzubekommen, wenn er merkt, dass sich das Glück auf diese Weise doch nicht einstellt. Betrug, Nötigung, Missbrauch einer Therapiesituation sind strafbar - dies muss aber nachgewiesen werden, was häufig nicht gelingt. Das ist eine bittere Erkenntnis, denn am System Scientology sind schon viele Menschen zerbrochen. Allerdings sind auch schon Menschen bei den Zeugen Jehovas und in der neuapostolischen Kirche zerbrochen, in fundamentalistischen katholischen und evangelischen Zirkeln. Der Glaube kann gesund machen, ein Fundament vermitteln, auf dem man im Leben steht. Er kann aber auch krank machen, zerstören, ängstigen, in Abhängigkeit halten, die Persönlichkeit rauben und das Geld nebenbei auch. Nur kann kein Landes-Innenminister und kein Gericht entscheiden, welche Form des Glaubens pathologisch ist und welche nicht. Und Scientology hat bislang so geschickt in der Grauzone operiert, dass auch hier über die fürchterlichen Einzelfälle hinaus der Nachweis schwierig sein dürfte, dass die Scientology-Mitgliedschaft die Gesundheit gefährdet. Vor fünfzehn Jahren diskutierten die Innenminister schon einmal, ob Scientology zu verbieten sei; sie haben sich damals dagegen entschieden. Heute ist die Gesetzeslage günstiger, doch gleichzeitig hat die Bedrohung durch Hubbards Ideologen abgenommen - auch weil Staat, Parteien, Kirchen, Gewerkschaften konsequent und erfolgreich auf Aufklärung und Beobachtung der Szene gesetzt haben. Die Dämonisierung der schwächelnden Truppe als Staatsfeind würde nur einer Gruppe nützen: Scientology.

Hamburger Abendblatt, 05.12.2007
Vier Bundesländer wollen Scientology-Verbot unterstützen 
Nach dem Verbotsvorstoß von Innensenator Udo Nagel (parteilos) gegen die Scientology-Organisation gibt es neue Vorwürfe. In Hamburg scheinen die Anhänger des Science-Fiction-Autors neue Zielgruppen erschließen zu wollen. Wie die türkischsprachige Zeitung "Hürriyet" berichtet, tritt die Organisation, von der Innensenator Udo Nagel sagt, sie zeige verfassungsfeindliche Tendenzen, in letzter Zeit vermehrt an türkische Kulturvereine heran, um dort Vortrags- oder Informationsveranstaltungen zum Thema Drogenmissbrauch abhalten zu dürfen. Auf diesen Veranstaltungen würden dann Informationsschriften von Scientology verteilt. Der Hamburger Rechtsanwalt und Ex-Bürgerschaftsabgeordnete Mahmut Erdem sagt dazu: "Die Sekte der Scientologen hat die türkischen Immigranten und ihre Vereine als neues Betätigungsfeld entdeckt. Der Senat muss in Gestalt des Innensenators handeln. Die türkischen Hamburger müssen in ihrer Muttersprache über die Gefahren dieser Sekte informiert werden." Am Montag war bekannt geworden, dass Nagel die Innenminister zu einem gemeinsamen Antrag für ein Verbot von Scientology bewegen will. Aus mehreren Bundesländern erhielt Nagel Unterstützungszusagen. So sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), er stehe dem Anliegen aufgeschlossen gegenüber. Auch Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen haben ihre Zustimmung signalisiert. Kritik äußerten die Innenminister von Niedersachsen und Baden-Württemberg.

FOCUS 02.12.2007
Hamburger Innensenator will Scientology verbieten lassen Antrag an die Innenministerkonferenz
München. Der Scientology-Organisation in Deutschland droht möglicherweise das Aus. Wie das Nachrichtenmagazin FOCUS berichtet, wird der parteilose Hamburger Innensenator Udo Nagel auf der Innenministerkonferenz der Länder in den kommenden Tagen beantragen, die Organisation verbieten zu lassen. Per Beschluss soll Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) aufgefordert werden, ein vereinsrechtliches Verbotsverfahren gegen Scientology einzuleiten. Nagel begründet seinen Antrag mit der Verfassungsfeindlichkeit von Scientology. Die Gruppe verfolge Bestrebungen, die den Menschenrechten, der Menschenwürde sowie dem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zuwiderliefen. Jüngste Äußerungen ihres Führers David Miscavige bestätigen laut Nagels Papier, dass "SO ihre verfassungsfeindlichen Ziele in einer aggressiv-kämpferischen Weise vertritt". Erfolg verspricht sich Nagel von dem Ansatz, Scientology auch als ausländischen Verein verbieten zu lassen. Die Vereine in Deutschland, so der Vorwurf, unterlägen "als örtliche Dienstleistungsorganisationen jederzeit der allgemeinen Weisungsbefugnis des internationalen Managements" - mit Sitz in den USA. Nach Paragraf 14 Absatz 2 des Vereinsgesetzes können solche Organisationen bereits verboten werden, wenn sie beispielsweise die politische Willensbildung, die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder "sonstige erhebliche Interessen" der Bundesrepublik beeinträchtigen. Dies sei hier der Fall.

Die Welt, 29.11.2007
Beschwerdestelle zu Scientology eingerichtet
Das Bezirksamt Chalottenburg-Wilmersdorf r